Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

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Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

Beitrag  Anjana am Do Aug 29, 2013 1:16 am

Okay, damit ich den anderen Thread nicht sprenge, hier noch mal die Frage, die sich für mich als Hauptproblem herauskristallisiert:

Wie schafft man es, Ich-Erzähler in einer Geschichte unterschiedlich klingen zu lassen? Vor allem, wenn man nicht auf unterschiedliche Settings und Figurenkonstellationen zurückgreifen kann.
Mir geht es generell so, dass viele Ich-Erzähler in einem Genre sich sehr ähnlich sind. In meinem Genre sind es meist die toughen Typen, die gerne mit Sarkasmus arbeiten. Wenn ich Bücher mit ähnlichem Setting schnell hintereinander lese, passiert es mir manchmal sogar, dass die Figuren verwischen, weil sie so ähnlich aufgebaut sind. Und eben ähnlich auf dieselben Situationen reagieren.

Gibts also, abgesehen von dem Stil des Autors, der oft wirklich unterschiedlich ist, noch Tricks? Ergibt sich das automatisch oder macht ihr das ganz bewusst?

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#Ich-Perspektive #Figurenstimme
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Re: Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

Beitrag  Herzeloyde am Fr Aug 30, 2013 6:29 am

Hallo Anjana,

Man könnte die Figuren vorgängig in Prototypen einteilen: Z.B. die toughe Emanze, der Romantiker, die ewige Träumerin usw. Ich meine damit nicht, dass es platte Figuren werden sollen, aber durch die "Brille" des Prototypen lässt sich vielleicht eher die charakteristische Sprache des Charakters finden.
Dann gäbe es die Möglichkeit von figurtypischen Redewendungen. Das geht natürlich nicht bei allen Protas, aber vielleicht liesse sich einer auf diese Art abgrenzen.
Auch andere Merkmale können die eigene Sprache ausmachen,vor allem das Redetempo. Z.B. die Auffassungsgabe, muss dem Prota alles erklärt werden, oder erklärt er allen alles? Ist er eher neugierig, oder tendiert er dazu, die wesentlichen Infos zu verpassen. Ist sie ängstlich und vorsichtig, denkt sie an alle Eventualitäten, oder denkt sie grundsätzlich erst hinterher, wenn überhaupt. Ich denke, solche Dinge müssten die Sprache eigentlich so färben, dass die Charaktere voneinander zu unterscheiden sind. 

In dem einen Buch mit verschiedenen Ich-Erzählern, das ich kenne, wurde das so gehandhabt. Es gab einen blitzgescheiten Jungen, der es leid war, immer alles erklären zu müssen. Ein Mädchen, das ein wenig schwer von Begriff und mit den eigenen Problemen beschäftigt war und einen kleinen Jungen, der zwar nichts verstanden, aber trotzdem die richtigen Fragen gestellt hat. Sie haben sich auch in anderen Dingen unterschieden, aber allein die unterschiedliche Auffassungsgabe hat die Charaktere schon sehr verschieden sprechen lassen.
Wichtig scheint mir aber vor allem, dass die Charaktere unterschiedlich sind, sonst können sich die Unterschiede auch mit Hilfe aller Finessen nicht in der Sprache wiederspiegeln.
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Re: Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

Beitrag  Anjana am Fr Aug 30, 2013 7:01 am

Huhu Herzeloyde,

die Hinweise sind schon mal ganz hilfreich. Auf die Ebene der Persönlichkeit bin ich bisher noch nicht so gekommen. Zumindest noch nicht bewusst. Gerade was die kognitiven Leistungen angeht. Das ist mir aber schon sehr viel lieber als einer Figur einfach einen bestimmten Redetick zu verpassen. Einfach, weil die Ebene eben die Persönlichkeit stärker betreffen, als eine einfach Färbung der Sprache oder so.

Wichtig scheint mir aber vor allem, dass die Charaktere unterschiedlich sind, sonst können sich die Unterschiede auch mit Hilfe aller Finessen nicht in der Sprache wiederspiegeln.
Ja, das sehe ich auch absolut so. Aber genau das finde ich eben auch so schwierig bei den Ich-Figuren, weil ich gerade für die Ich-Erzähler in einer Geschichte oft sehr ähnliche Gefühle habe, aus denen ich heraus schreibe.

Aber die Interviews sind da wirklich ein gutes Übungsfeld Wink

Auch die RPGs wären dafür vermutlich ziemlich hilfreich, aber die sind alleine immer sehr schwierig durchzuführen^^
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Re: Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

Beitrag  Wordhunter am Fr Aug 30, 2013 7:18 am

Huhu liebe Ani. :winken: 

Warum fragst Du nicht einfach mich? Laughing 
Ich kann es Dir nur aus der Sparte von Tom und Lilly schildern. Wie Du ja selbst weiß, fiel es mir sehr schwer, die Emotionen von Tom korrekt zu transportieren. Mag daran liegen, weil ich kein Mann bin. Cool
Mir fiel es bei Lilly deutlich einfacher, ihre Gefühle dem Leser glaubwürdiger rüber zu bringen.

Mittlerweile behaupte ich mal, bei Tom habe ich es nun auch im Griff. Der Typ wächst mir wieder richtig ans Herz - der kleine Schnuckel. love  Und mir tut es jetzt schon leid, ihn richtig leiden zu lassen, aber was sein muss, muss sein. Twisted Evil 
Die Grätsche zwischen den beiden Charas fiel mir am Anfang unheimlich schwer, weil ich immer wieder umdenken musste - es sollen sich ja beide nicht gleich anhören. Wie ich es getrennt habe?
Heute kann ich Dir gar nicht mehr sagen, wie ich es gemacht habe, dass sie sich unterschiedlich anhören und verhalten. Es war eine ganz schöne Arbeit und eine große Herausforderung, den beiden unterschiedliche Stempel aufzusetzen. Keine Ahnung, ob das nun für Dich hilfreich ist - glaube, eher nicht. :keineahnung: 

Ich meine mich aber zu erinnern, dass ich speziell für Lilly und Tom einen Charakterbogen gefertigt hatte, damit ich nicht durcheinander komme. Ich schaue mal, ob ich den noch habe. Lasse ihn Dir dann zukommen (wenn Du Interesse hast), dann siehst Du, wie ich es damals gemacht habe. Oha, ich hoffe, ich finde ihn auf meinem Lappichaos wieder. Sonst: :schimpfen: 
So, meine :2cents:  zu dem Thema.

Glg Ulli

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Re: Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

Beitrag  Herzeloyde am Fr Aug 30, 2013 7:33 am

Was sind denn RPG's scratch
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Re: Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

Beitrag  Anjana am Fr Aug 30, 2013 8:06 am

Role Play Games, also Rollenspiele Wink  Ich glaube, das Vorbild, dass ich mir gesucht hatte, läuft unter Pen & Paper.

Ich habe die Idee der RPGs ein wenig abgeändert, damit sie etwas weniger aufwendig auch hier im TK möglich wären. Falls irgendwann noch ein User Interesse daran hätte. Wink Hier findest du die Erklärung zu der TK Variante der RPGs.

Als ich gerade die erste Episode noch mal überarbeitet habe, habe ich eine weitere Methode gefunden, die mir möglicherweise liegt. Die Gedanken noch direkter zu schreiben, im Gegensatz zu einer Figur, die eher reflektorisch über sich nachdenkt, oder stark im Erzählmodus verhaftet bleibt. Auch wenn eine Figur den Leser oft anspricht, dürfte das ein bestimmtes Bild zeichnen. gerade zu kaspar passt das ganz gut, wenn er den Leser anspricht. Bei einem eher grüblerisch angelegten Charakter kämen solche saloppen Einschübe definitiv eher nicht so passend an.
Yeah, ich arbeite mich an eine neue Herausforderung heran :thumbsup2:  🍿


Zuletzt von Anjana am Fr Aug 30, 2013 8:35 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet (Grund : Link eingefügt)
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Re: Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

Beitrag  Herzeloyde am So Sep 01, 2013 6:40 am

Hallo Anjana,

klingt spannend deine neue Herausforderung und du hast mich definitiv motiviert noch mehr über meine Charas nachzudenken. Ich würde auch gerne mal so ein Rollenspiel ausprobieren. Hab ich das richtig verstanden, dass man da seine Protas in vorgegeben Settings agieren lassen kann?
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Re: Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

Beitrag  Gast am So Sep 01, 2013 6:58 am

Ich verstehe das irgendwie nicht so ganz scratch 
Es hat doch jeder Mensch, jede Figur, also jeder Charakter andere Eigenheiten. Oder nicht?
Jeder ist anders aufgewachsen, wurde anders erzogen, hat anderes erlebt.
Und wenn man diejenigen gut kennt, dann ergibt sich daraus doch eine eigene Sprache. Zumindest für mich.
Die einen sind gut erzogen worden und haben Manieren, die anderen sind in der Gosse aufgewachsen. Mal übertrieben gesagt. Alles wirkt sich auf die Denkweise und die Sprache aus.

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Re: Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

Beitrag  Anjana am So Sep 01, 2013 10:25 pm

Es geht nicht nur um Denkweise oder Sprache unterschiedlicher Figuren, sondern vor allem um die Ich-Erzähler. Der Aufbau einer Figur ähnelt sich da nunmal, vor allem, wenn man eben nicht akribisch vorher jede Figur erstellt. Was bei mir beispielsweise eben nicht funktioniert, weil es dann entweder nur stereotype Zimmerpflanzen gibt, oder die Figure nicht funktioniert. Aber selbst wenn, ist die Art und Weise wie aus dem Kopf der Figur erzählt wird, oft sehr ähnlich. In den meisten Fällen fällt es aber nicht ganz so auf (so empfinde ich das zumindest meist), weil die Figuren meist in unterschiedlichen Handlungssträngen, sprich mit unterschiedlichen Nebenfiguren handeln.
Selbst Ich-Erzähler unterschiedlicher Autoren ähneln sich innerhalb eines Genres sehr oft. Abgesehen von kleineren Einfärbungen.
Mir geht es um Möglichkeiten, wie man innerhalb eines Settings und einer Gruppe, die recht homogen ist, die Ich-Erzähler stark voneinander unterscheidbar machen kann.
Ich habe das auch erst bei einem Buch wirklich gut umgesetzt erlebt und da brach auch nur eine einzige Figur aus dem Schema der anderen (ich glaube insegesamt waren es auch 5 Perspektivträger) heraus. Die anderen hätte man ziemlich problemlos austauschen können. Obwohl sie nach außen hin als unterschiedlich dargestellt wurden.

Aber wenn sowas bei dir automatisch durch deine Art der Vorarbeit funktioniert, ist das doch gut. Wink

Davon abgesehen hat für mich bislang eben noch keine Vorarbeit für eine Figur funktioniert. Ich muss sie erst schreiberisch zum Leben erwecken und wenn sie im grunde schon fertig ist, dann schaue ich, was in ihrer Vergangenheit dazu geführt hat, dass sie diese Persönlichkeit erworben hat.
Deswegen habe ich in dem anderen Thread ja auch explizit danach gefragt, welche Methoden der Charakterentwicklung VOR dem Schreiben existieren, bzw. welche von euch hier genutzt werden.
Da der Ich-Erzähler für mich aber dank der Kamera im Kopf noch mal eine Sonderform ist, habe ich dazu noch ein eigenes Thema erstellt.

@Ulli:
Interesse hätte ich durchaus ;)Aber wie wäre es, wenn du den Charakterbogen (unausgefüllt natürlich) in diesem Thread einstellst? Dann könnten auch andere User da einen Nutzen von haben. Wink

Wie sieht es eigentlich mit den Papy-Schreibern aus? Nutzt ihr die Figurendatenbank?
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Re: Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

Beitrag  Gast am Mo Sep 02, 2013 12:00 am

Ich arbeite auch nur eine einzige Figur wirklich richtig aus, weil die quasi der Hintergrund meiner Geschichte ist.
Die anderen werden entweder gar nicht oder nur so lala behandelt.
Die entwickeln sich dann beim Schreiben bzw ich habe eine gewisse Vorstellung von ihnen, weil die Geschichte sie so braucht. Das reicht mir dann, um loszulegen.

Ich hab es nur wohl noch nie erlebt, dass Figuren austauschbar sind. Vielleicht liegt mein Unverständnis daran.
Gerade das Einzigartige und das Aufeinanderprallen von Unterschieden macht für mich da das Interessante aus.

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Re: Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

Beitrag  Wordhunter am Mo Sep 02, 2013 2:08 am

Huhu zusammen. :winken: 

Ich muss mich da noch mal einklinken.


Rhona schrieb:Ich verstehe das irgendwie nicht so ganz
Ähm, und da stehe ich auf Schlauch. Laughing  Wieso ist das unverständlich, liebe Rhona?  

Ich habe in meiner Dämonen-Geschichte zwei Ich-Perspektiven und ich fand es am Anfang sehr schwierig, ihnen andere Stimmen zu verleihen. Zumal einer ein Mann, die andere eine Frau ist. Die Firguren müssen schließlich unterscheidlich denken, handeln, fühlen und sprechen - sonst ist alles gelutschter Käse. :muhaha:  Wie Ani schon so schön geschrieben hat. 
Zitat:
Aber selbst wenn, ist die Art und Weise wie aus dem Kopf der Figur erzählt wird, oft sehr ähnlich.
Und genau, dass ist der Punkt, der ausgemerzt werden muss. Sie dürfen einfach nicht gleich sein und dieser Spagat ist verdammt umfangreich.
Natürlich hast Du mit Deiner Aussage recht, dass Erziehung, äußere Einflüsse und Erlebnisse einen Chara formen, trotzdem kann es passieren, dass es einen zähen Einheitsbrei gibt, was die zwei Ich-Perspektiven betrifft.   
Klar, arbeite ich die Nebencharas nicht so detailiert aus, wie die Haupt-Protas, trotzdem sollten sie auch eine kleine Vergangenheit besitzen und wenn es nur ein Tick ist. Laughing 


@Ani: Nun ja, wie ich befürchtet habe, ist der Charakterbogen wohl abhanden gekommen.
Ärger. :schimpfen: 

So, mein unnützes Wort zum Montag. :lol2: 

Glg Ulli

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Re: Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

Beitrag  Gast am Mo Sep 02, 2013 8:32 am

@Wordhunter schrieb:Wieso ist das unverständlich, liebe Rhona?  

Ich habe in meiner Dämonen-Geschichte zwei Ich-Perspektiven und ich fand es am Anfang sehr schwierig, ihnen andere Stimmen zu verleihen. Zumal einer ein Mann, die andere eine Frau ist. Die Firguren müssen schließlich unterscheidlich denken, handeln, fühlen und sprechen - sonst ist alles gelutschter Käse.
Meine Antwort klingt jetzt wahrscheinlich absolut hochnäsig, aber damit muss ich leben.

Für mich ist das PROBLEM unverständlich. Aber das mag daran liegen, weil ich ein anderes Genre schreibe.
Ich habe keine fünf Figuren, die sich ähnlich sind.

Um Beispiele zu nennen:
Eine meiner Figuren (Figur A) ist in den 60ern geboren. Die andere Hauptfigur (Figur B) ist aus Amerika und so alt wie ich. Die nächste (eine männliche; Figur C) ist in meinem Alter, aber Schotte. Usw.
Die Stimmen können beim besten Willen nicht ähnlich sein, weil die Figuren gänzlich unterschiedlich aufgewachsen sind.

Figur A ist ein Künstler, spricht/denkt eher poetisch und träumerisch. Ist sehr religiös erzogen. Ein Ausdruck wie "Kleiner, mieser Bastard" würde ihm niemals über die Lippen kommen, im Gegensatz zu Figur C. Auch Figur B würde niemals so reden.
Figur B vergleicht Wolken mit einem Berg aus Zuckerwatte, während Figur C das nur für Weiberkram hält, so etwas zu sagen und denkt eher herablassend über Dinge, die Figur A oder B niemals geringschätzen würden. Die Sprache von C ist kantiger, zynischer, bissiger.

Will heißen:
Wenn ich im Kopf und der Stimme von Figur C bin, käme mir nie in den Sinn, Wolken zu beschreiben. Er sieht schon ganz andere Dinge. Allein das ist für mich schon ein Unterschied in der Sprache.
Für mich sind es nicht nur die Wortwahl, sondern das ganze Drumherum. Und wenn ich (beispielsweise) andere Dinge beschreibe, weil er anderen Dingen Beachtung schenkt, muss ich mir auch denken, WIE er das nennen würde. Der eine nennt es Kotze, der andere Erbrochenes, der nächste Rückwärtsessen. Ich würde z.B. niemals Erbrochenes sagen, während Figur B es so nennen würde.
Für mich liegen die Dinge im Detail und schon anhand der paar wenigen Charakterzüge bzw anhand eines Wissens, wie/wo der aufgewachsen ist, kann man vieles bereits für sich festlegen.

Wobei ich zB von einem Autor nicht erwarte, dass er jede Figur in einer "komplett eigenen Sprache" schreibt. Es wird immer die Stimme des Autors mit dabei sein, weil ein Stil nicht gänzlich anders werden kann nur weil es eine andere Figur ist.


@Wordhunter schrieb:Mir geht es um Möglichkeiten, wie man innerhalb eines Settings und einer Gruppe, die recht homogen ist, die Ich-Erzähler stark voneinander unterscheidbar machen kann.
Da stellt sich mir eher die Frage, ob das zwangsweise notwendig ist.
Ich kenne die Hintergründe nicht, aber nimmt man beispielsweise eine Gang, sprechen alle irgendwie gleich, weil das ja "in" ist mit diesen Ausdrücken wie "Alter", "Ey krass" usw. (ich hoffe, du verstehst, was ich meine).
Wenn ich mir nun vorstelle, wie man erzwungen möglichst den Leuten irgendwelche speziellen Macken gibt, wie sie reden, wäre das für mich wahrscheinlich vielmehr aufgesetzt. Wenn dann sind es für mich tatsächlich die Unterschiede, die das Leben eben ausmacht. Und dazu gehören für mich dann die Hintergründe der Person.

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Re: Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

Beitrag  summergirl am Di Sep 03, 2013 9:43 am

Hey, ihr Lieben!

Hab mich grade mit Ulli über ihre Ich-Perspektiven unterhalten und bin auf eine Idee gekommen, die ich euch doch glatt unterbreiten möchte.

Was haltet ihr davon, wenn man eine Szene, die eher alltäglich gehalten sein sollte und in der alle Ich-Erzähler vorkommen, von jedem einzelnen erzählen lässt.
Indem man sie wieder und wieder schreibt, kann man die Unterschiede am besten herausarbeiten.
Alltäglich deshalb, weil man in alltäglichen Situationen eher seinen wahren Charakter zeigt. In Ausnahmesituationen wachsen wir über uns hinaus oder mutieren zu absoluten Feiglingen, A... oder was auch immer. Da lässt sich ein eigener Stil für jeden Charakter schwerer festlegen.

So, das war mein Kommentar dazu. Würd mich freuen, wenn's euch hilft.

LG Birgit

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Re: Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

Beitrag  Anjana am Di Sep 03, 2013 7:41 pm

Huhu Birgit,

die Idee finde ich gar nicht mal so schlecht. Allerdings auch gar nicht so einfach. *g*
Momentan bin ich ja dabei, die Figuren und ihre Erzählart vor allem durch die Interviews festzulegen. (Wobei ich schon wieder gemerkt habe, dass sich die Figur doch erst im Text selbst wirklich wieder entfaltet und manches dann eben doch wieder anders ist, als vorher in der Theorie gedacht.)
Aber ich könnte mir vorstellen, dass deine Idee auch zur Überprüfung der unterschiedlichen Erzähler gut funktionieren könnte.

Definitiv muss man aber bei diesem Fall schon im Vorfeld auffällige Unterschiede festlegen, denke ich. Insbesondere eben dann, wenn der Wortschatz halt ziemlich gleich ist. Und ich denke auch immer mehr, dass hier weniger die Figuren mit Denk- und Sichtweisen, als viel mehr die Darstellung derselben den Unterschied ausmachen können.

Deswegen würde mich an dieser Stelle mal interessieren, was euch noch einfällt, um die jeweiligen Passagen formal unterschiedlich zu gestalten.

Meine Ideen:


- mehr oder weniger Adjektive im Text, bzw. blumige Sprache
- Dialoge mit mehr oder weniger Speech Tags
- Dialoge mit mehr oder weniger Beats/ Handlungseinschüben
- Eher kürzere oder längere Sätze
- Verwendung von mehr Satzzeichen oder weniger. (Semikolon, Doppelpunkt, Klammern, Gedankenstriche)
- kursive Einschübe oder geklammerte Kommentare
- schnelles Erzähltempo mit wenig Beschreibung oder viele Beschreibungen

Und mich würden auch mal die Dinge interessieren, in denen eure Figuren direkten Einfluss auf die handwerkliche Umsetzung nehmen.

Meine Figuren:


Sina: Sie reflektiert und grübelt sehr viel, vor allem mit Fragen, die sie sich stellt. (aber keine kursiven Gedanken) Zwischendurch denkt sie sarkastische Kommentare zu Situationen. Sie erlebt Schmerz und Leid meist auch sehr körperlich.


Robin: Spricht die Leserschaft als Erzähler an. Erzählt sehr salopp / Frei-Schnauze und dadurch manchmal auch umständlich.


Kasper: spricht den Leser ständig an (oft auch um eigene Aussagen zu verstärken, den Leser zu überzeugen und durchaus auch suggestiv). Kommentiert viel, auch mit Wiederholungen, beides vor allem in Bezug auf Hintergrundinfos zur Story und um seine Laune kundzutun. leicht pubertär wirkende Sprünge in der Laune. So gut wie keine tiefergehenden Reflektionen.

Moon: Reflektiert und grübelt viel, aber in Aussagesätzen. 

Lara: spricht den Leser ebenfalls an, aber weniger als Kasper und allgemein gehaltener, eher um den Leser zu informieren, weniger, um die eigene Aussage zu verstärken oder den Leser zu übrzeugen. Kommentiert ernsthaft, nicht sarkastisch und vor allem ihr eigenes Verhalten.
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Re: Unterschiedliche Ich-Erzähler erschaffen

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