Was ist ein Herzensprojekt?

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Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Kelpie am Fr Mai 27, 2016 9:36 pm

Bin mir nicht ganz sicher, ob das Thema in den Werkzeugkasten gehört. *Mantra wiederhol:* Wenn nicht, fühlt euch frei, Mods, es zu verschieben ^^

Es geht mir um den Begriff Herzensprojekt. Was ist für euch ein Herzensprojekt (per Definition). Was ist euer Herzensprojekt?

Angeregt durch Jackys letzte Mail, in der die Rede davon war, dass man für den Kindle Storyteller Award ja nicht unbedingt sein Herzensprojekt, sondern irgendeinen Roman, für den man in Flammen aufgeht, verschicken solle, habe ich mich gefragt, was dieses Herzensprojekt eigentlich sein soll. Also ich kann mir vorstellen, dass jeder von uns so sein "Baby" hat - den Roman, der aus irgendeinem Grund einfach die oberste Stellung einnimmt. Was ich mitbekommen habe, ist das bei den meisten das erste Projekt, also die Idee, die sie als erstes und ernsthaft niederschreiben wollten.
Aber ist das wirklich das Herzensprojekt?

Wenn ich jetzt an all die Romane denke, die ich geschrieben habe, dann blutet mein Herz für jedes von ihnen. Unvollendete haben klarerweise noch nicht diesen Stellenwert, aber diese anderen, die ich beendet habe, fühlen sich eher an wie Kinder, bei denen man nicht sagen kann, welches man am meisten liebt, weil jedes auf seine Art anders, aber ein Teil von einem ist.
Wenn  man mich jetzt z.B. fragen würde, welchen dieser Romane ich am liebsten mag, in welchem am meisten Herzblut fließt oder auch welchen ich am ehesten vernichten würde, wenn man mich dazu zwingen würde (^^ komische Frage, aber sowas stelle ich mir oft), dann wüsste ich keine Antwort darauf.

So, und nun frage ich mich also wie ihr das mit den Herzensprojekten sieht. Auch in Anbetracht von Jackys oberer Aussage, in der das Wort Herzensprojekt nicht für alle Romane zuzutreffen scheint.
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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Earu am Fr Mai 27, 2016 10:00 pm

Laughing  Ich sah die Überschrift und wusste, dass du dich auf Jackys Mail beziehst.

Für mich ist ein Herzensprojekt jedes Projekt, das ich beginne. Ich kann nicht einfach eine Idee nehmen, die mir zwar gefällt, die aber noch nicht reif ist. Die interessiert mich dann einfach noch nicht genug. Sie kann aber irgendwann soweit gereift sein, dass sie zu einem Herzensprojekt wird, und dann schreibe ich sie. Ich muss mich dafür mit meinen Ideen lange genug auseinandergesetzt haben. Ich verbringe also so viel Zeit mit ihnen, bis sie mir wichtig sind und sie aus mir heraus wollen. Ich liebe sie dann abgöttisch, sodass der Kritiker in mir halbwegs Ruhe gibt und ich sie annähernd gut runtertippen kann, weil ich weiß, wo die Reise hingeht.

Aktuell bin ich unsicher, ob ich ein solches Herzensprojekt habe. Ich brüte über einer Idee, die mir sehr zusagt und die ich gerne schreiben möchte, aber ich bin noch nicht soweit mit ihr. Diese Idee hat aber das Potential, bald ein Herzensprojekt von mir zu werden.

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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Rabenschrei am Fr Mai 27, 2016 11:32 pm

Definition Herzprojekt:
Ein Script, dass einen einfach nicht los lässt. Egal an welchem Punkt man steht, ob noch mitten in der Rohfassung, schon beendet & am korregieren, oder schon "fertig" & mit CreatieSpace für Privatkunden ausgedruckt. Man muss immer wieder an die Story, die Figuren, Hintergründe etc. denken. (Im beklopptesten Fall hat man sich einen Bestandteil dieser Geschichte(n) irgendwo auf den Körper tätowieren lassen. *hust und grins)
Einfach etwas, was einen nicht mehr loslässt, was immer irgendwie / unterschwellig präsent ist.
Was die Frage aufwirft... Kann man "nur" 1 Herzprojekt haben? (Dauerhaft).

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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Alys am Sa Mai 28, 2016 3:46 am

Ich sehe das ganz pragmatisch. Ein Herzensprojekt ist eine Geschichte, die ich schreibe, weil sie mir am Herzen liegt. Die ich also erstmal für mich schreibe. Wenn ich sie später noch veröffentlicht kriege, dann umso schöner, aber primär habe ich sie für mich geschrieben.

Alles andere sind das, was ich für mich selbst "Auftragsarbeiten" nenne. Das können Geschichten für Antho-Ausschreibungen sein, Artikel, Texte für ein Rollenspiel oder sonstwas... Natürlich steckt dann da auch immer Herzblut drin. Aber der primäre Trigger, die Geschichte zu schreiben, war dann nicht "mein Herz schreit danach" sondern "oh, interessant, eine Antho zum Thema Einhörner - da fällt mir doch sicher was ein." Und damit ist es kein Herzensprojekt. Für mich zumindest.
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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Kelpie am Sa Mai 28, 2016 9:25 pm

@Earu,

ich glaube, da haben wir eine ähnliche Einstellung. Bei mir ist zwar nicht alles ein Herzensprojekt, was ich angehe, aber wenn ich es fertig geschrieben habe, hat es sich zu einem entwickelt. Ich habe einfach den Eindruck, wenn man einen Roman schreibt, verarbeitet man automatisch einen Teil seines Lebens und muss insofern zu einem Herzensprojekt werden. Ich weiß nicht, ob das Sinn macht  scratch


@Rabenschrei,

jetzt bin ich aber neugierig  Smile Was hast du dir denn von deiner Geschichte tätowieren lassen?

Auf deine Frage, ob man nur ein Herzensprojekt haben kann ... ich sage Nein. Für mich bleiben alle Romane ein Herzensprojekt, auch wenn ich aktuell nicht an ihnen arbeite oder sie schon fertig sind.


@Alys,

dein Beitrag hat mich irgendwie nachdenklich gemacht. In der Kreativschreibstube kommen ja immer wieder Diskussionen auf, bei denen die Kunst dem Handwerk gegenüber gestellt wird, die Selbstverwirklichung der Auftragsarbeit. So quasi. Wenn darüber gestritten wird, ob man ein Leben lang an einem Roman schreibt oder alle Jahre einen neuen heraushaut.
Und ich habe den Eindruck, dass dein Beitrag da genau wieder diese Differenz aufzeigt. Und vielleicht auch das Problem erklärt, das ich mit diesem geschäftlichen Schreiben habe. Ein Roman muss für mich zwangsläufig ein Herzensprojekt sein. Es ist natürlich völlig legitim auch einen Roman zu schreiben und dabei Zielgruppe und Verkäuflichkeit im Hinterkopf zu behalten. Aber vielleicht ist es dann tatsächlich wie du sagst - es ist eben kein Herzensprojekt.
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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Julestrel am Sa Mai 28, 2016 10:09 pm

Wenn ich das hier so durchlese und das, was man in anderen Beiträgen mitbekommt, hab ich vielleicht gar keine "Herzensprojekte". Jede Geschichte, die ich anfange und wo ich Zeit investiere, ist für mich wichtig. Ich möchte das beste herausholen und sie - für mein aktuelles Können - möglichst perfekt haben. Aber wenn sie fertig sind, sind sie fertig und ich stecke alles in mein nächstes Projekt.

Vor etwa zwei Jahren hatte ich die Anfrage nach einer Auftragsarbeit. Ich hatte einige grobe Stichworte und habe daraus eine Idee entwickelt. Und um ehrlich zu sein, war es mir egal, wer die Saat der Geschichte gelegt hatte, es war auch nicht anders wie wenn ich selber auf die Idee gekommen wäre. Leider ist aus der Auftragsarbeit nichts geworden, aber die Ideen und das Exposé gibt es noch, und irgendwann möchte ich das auch noch schreiben.

Für mich ist es auch wichtig, dass ich von meinen Geschichten loslassen kann. Ja, sie sind mir schon wichtig, aber ich kann nicht ewig daran hängen. Es gibt so viele Ideen, die man (vielleicht sogar besser) umsetzen kann, warum sollte ich alten Dingen hinterher trauern, wenn es so viel Neues zu erforschen und entdecken gibt Cool
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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Rabenschrei am Sa Mai 28, 2016 11:34 pm

Interessante Perspektive Jule. Das ganze ist vermutlich(?) auch sone Sache, wie man .. sagen wir Emotional aufgebaut ist. Jule, dich schätz ich da sehr pragmatisch ein. Ich bin dagegen total Emotional. Mit Herz und Schnauze, wie wir Berliner sagen. XD

Kelpie: Hab mir eine abgewandelte Form des "MacDonell of Glengarry" Clan Wappens tätowieren lassen. Ein Rabe, der auf einem Holzschild sitzt, mit dem Schriftzug: "Cragan an Fhithich"
= "Unser Highlander Clan, der uns über viele Jahre glückliche und auch sehr .. emotionale Momente beschert hat. Es ist gleichermaßen ne Ehrung/Widmung an das, was Anita & ich bis data geleistet haben, wie auch für sie damals als mentale Unterstützung gegen den Krebs. In naher Zukunft kommt noch ein weiteres ... nennen wir es Schriftstellerisches Widmungs Tattoo dazu. Ein Eichhörnchen. XD

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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Earu am Sa Mai 28, 2016 11:46 pm

@Kelpie schrieb:Ich habe einfach den Eindruck, wenn man einen Roman schreibt, verarbeitet man automatisch einen Teil seines Lebens und muss insofern zu einem Herzensprojekt werden. Ich weiß nicht, ob das Sinn macht  scratch
...
Auf deine Frage, ob man nur ein Herzensprojekt haben kann ... ich sage Nein. Für mich bleiben alle Romane ein Herzensprojekt, auch wenn ich aktuell nicht an ihnen arbeite oder sie schon fertig sind.
Für mich macht das sehr viel Sinn, denn ich glaube, dass genau auf diese Weise meine Herzensprojekte überhaupt entstehen können. Sie müssen einen Teil von mir enthalten. Alles andere macht zwar Spaß, so wie die Anthologie-KGs, die Alys erwähnt hat, aber sie gehören nicht so sehr zu mir.


Und ich muss dir wieder Recht geben. Ich glaube auch, dass man mehrere Herzensprojekte haben kann. Wenn man eins abgeschlossen hat, tummelt es sich zwar immer weniger im Kopf herum, aber es bleibt immer ein Teil von mir und ich denke gerne daran. Eventuell kommen dann sogar Ideen, wie ich dieses Herzensprojekt ausdehnen kann, indem ich ihm einen zweiten Teil verpasse. Es behält einfach ein kleines Eckchen in meinem Herzen, denn es ist ein Teil von mir. In gewisser Weise liebe ich mich damit ein bisschen selbst, wenn das verständlich ist.

@Julestrel schrieb:Für mich ist es auch wichtig, dass ich von meinen Geschichten loslassen kann. Ja, sie sind mir schon wichtig, aber ich kann nicht ewig daran hängen. Es gibt so viele Ideen, die man (vielleicht sogar besser) umsetzen kann, warum sollte ich alten Dingen hinterher trauern, wenn es so viel Neues zu erforschen und entdecken gibt Cool
Das passt auch ein wenig zu meinem oberen Absatz. Ich bleibe nicht daran hängen, aber ich kann es trotzdem weiter lieben und daran denken. Nicht pausenlos. Dafür gibt es zu viele andere Geschichten. Etwas loslassen muss man also schon, sonst kann man nie wieder eine neue Geschichte schreiben. Das stimmt schon. Aber ich glaube, dass auch du ab und zu an deine alten Geschichten denkst und dann auch oft mit einem gewissen Gefühl von Liebe und Zufriedenheit. Das ist nichts anderes als wie es bei mir ist (Dieser Satzbau ist furchtbar, aber besser kann ich es gerade nicht formulieren. Gefühle sind für mich schwer zu beschreiben, aber ich hoffe, es ist verständlich.).

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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Alys am Mi Jun 01, 2016 11:09 pm

@Kelpie schrieb:@Alys,

dein Beitrag hat mich irgendwie nachdenklich gemacht. In der Kreativschreibstube kommen ja immer wieder Diskussionen auf, bei denen die Kunst dem Handwerk gegenüber gestellt wird, die Selbstverwirklichung der Auftragsarbeit. So quasi. Wenn darüber gestritten wird, ob man ein Leben lang an einem Roman schreibt oder alle Jahre einen neuen heraushaut.
Und ich habe den Eindruck, dass dein Beitrag da genau wieder diese Differenz aufzeigt. Und vielleicht auch das Problem erklärt, das ich mit diesem geschäftlichen Schreiben habe. Ein Roman muss für mich zwangsläufig ein Herzensprojekt sein. Es ist natürlich völlig legitim auch einen Roman zu schreiben und dabei Zielgruppe und Verkäuflichkeit im Hinterkopf zu behalten. Aber vielleicht ist es dann tatsächlich wie du sagst - es ist eben kein Herzensprojekt.


@Kelpie, stimmt genau, mir geht es um genau diese Differenz. Was ich nämlich an Begriffen wie "Herzensprojekt" nicht leiden kann ist, dass sie oft wertend eingesetzt werden. Nicht von Dir jetzt - ich denke, dazu kennen wir uns hier inzwischen gut genug. Du schreibst eben aus Leidenschaft, deswegen sind Deine Romane für Dich Herzensprojekte. Ich schreibe auch an einem Herzensprojekt - nee, an zwei sogar - aber das plätschert langsam fröhlich vor sich hin. Dazwischen schreibe ich gezielt die "Auftragsarbeiten".

Schreiben ist mein Ausgleichshobby, und ich liebe es, eine Geschichte technisch und inhaltlich so auf den Punkt zu bringen, dass sie für eine Ausschreibung passt und im Idealfall sogar veröffentlicht wird. Ich sehe darin sogar, wenn ich ehrlich bin, die größere Herausforderung. Denn bei einem Herzensprojekt kann ich ja schreiben was ich will. Bei einer Auftragsarbeit habe ich Vorgaben, die ich erfüllen muss, und damit ein Handicap. Daraus eine Geschichte zu erschaffen, die a) wirklich meine ist und b) die Vorgaben erfüllt ist in meinen Augen noch schwieriger, als einfach frei Schnauze dem einen Herzen folgend zu schreiben, und deshalb ziehe ich da noch größere Befriedigung daraus.

Wenn dann jemand sagt "Ach, Du schreibst ja nur, was der Verlag will. Das ist ja gar keine echte Kunst. Ein echter Autor würde nur Herzblut als Tinte verwenden.", dann macht mich das meistens sogar ziemlich aggressiv. Schreiben ist auch Kunst, aber es ist vor allem ein Handwerk.
Und niemand käme auf die Idee, einen Handwerksmeister zu beleidigen, nur weil er sich an realistische Vorgaben hält.
Der Schreiner, der meinen Eltern eine komplette Küche eingebaut hat, hat nach eigenen Entwürfen gearbeitet und ein echtes Kunstwerk geschaffen. Aber er musste sich an die Vorgaben halten, die es gab - Raumgröße, Budget usw.
Der Maler, der ein Café innen ausgestaltet, muss sich trotzdem an die Vorgabe des Besitzers "soll nach Jugendstil aussehen" halten - und erschafft ein Kunstwerk.
Der Architekt kann auch nicht entwerfen, was er will, sondern muss sich mit realistischen Vorgaben beschäftigen (welche Last hält der Boden aus? wie viele öffentliche Toiletten müssen in das Haus? wofür ist der Hauptraum gedacht?) - und trotzdem käme niemand auf die Idee, die Oper von Sydney nicht als Kunstwerk, sondern als "ist ja nur ne Auftragsarbeit gewesen" zu bezeichnen.

Der Autor, der eine Auftragsarbeit erledigt, steckt genauso viel Leidenschaft hinein wie einer, der sein Herzensprojekt erstellt. Er grübelt genauso über dem Plot, probiert Charakternamen aus, erstellt Zeitlinien, schreibt bis spät in die Nacht, macht sich tagsüber auf Servietten Notizen und recherchiert stundenlang. Ich finde es beleidigend, wenn man so einem Auftrags-Schriftsteller dann hinterher vorwirft, er würde das ja "nur aus Geldgier" und "nur für den Verlag" machen.
Wird der Begriff "Herzensprojekt" als neutrale Unterscheidung zwischen "meine Idee" und "Idee kam von aussen" genutzt, dann finde ich ihn völlig ok. Sobald da eine Spur von Wertung hineinkriecht finde ich es unangemessen, zwischen "Herzensprojekten" und anderen Projekten zu unterscheiden.
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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Julestrel am Do Jun 02, 2016 12:43 am

Danke für deinen Beitrag, @Alys. Gerade das hier
@Alys schrieb:Wird der Begriff "Herzensprojekt" als neutrale Unterscheidung zwischen "meine Idee" und "Idee kam von aussen" genutzt, dann finde ich ihn völlig ok. Sobald da eine Spur von Wertung hineinkriecht finde ich es unangemessen, zwischen "Herzensprojekten" und anderen Projekten zu unterscheiden.
finde ich sehr treffend.

Noch etwas zum Thema "Auftragsarbeit": Viele Autoren haben ja immer Angst, dass ein Lektor den Text (in diesen Fällen meist das Herzensprojekt) kaputt macht. Aber ich sehe es da genauso, wie Alys es im Zusammenhang mit Vorgaben bei Ausschreibungen gesagt hat: Diese Anmerkungen (sind ja eher selten Vorgaben Smile) sind für meine Art Herausforderung und an denen kann ich wachsen. Manchmal kommen so bessere Ideen und Sachen raus, die man bei einem Herzensprojekt nie gemacht hätte, weil man da gerne in seiner Comfort-Zone bleibt.

Aber ich denke, wer beim Schreiben dabei bleiben und es vielleicht längerfristig machen will, der muss wie bei allen Sachen etwas Herzblut hineinstecken. Disziplin und Schweiß alleine reichen nicht. Deswegen finde ich es immer sehr hochnäßig, Auftrags- und Vielschreibern dieses Herzblut abzusprechen.
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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Kelpie am Do Jun 02, 2016 8:35 pm

@Earu schrieb:Aber ich glaube, dass auch du ab und zu an deine alten Geschichten denkst und dann auch oft mit einem gewissen Gefühl von Liebe und Zufriedenheit.

Schön gesagt. 



@Alys,

danke für deinen Beitrag. Wirklich.

Die Neutralität ist mir ebenfalls sehr wichtig. Der Grund, aus dem man schreibt, ist eigentlich völlig unerheblich. Und ob der Ausgangspunkt Herzblut oder ein Auftrag ist, ist erst einmal auch nicht so wichtig. Leidenschaft kann und sollte halt in meinen Augen immer bis zu einem gewissen Punkt mitspielen - aber es soll ja auch angeblich Leute geben, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben, deswegen passt das für mich auch im Zusammenhang einer Auftragsarbeit.

Ich muss zugeben, dass ich immer mit dem Begriff Handwerk Schwierigkeiten habe. Für mich ist Schreiben in erster Linie tatsächlich Talent, auch wenn man am Handwerk feilen kann. Ich glaube z.B. auch nicht, dass die großen Bildhauer und Maler so hervorragend waren, weil sie an  ihrem Handwerk gearbeitet haben. Ich glaube, dass sie es waren, weil sie Talent hatten und mithilfe dessen imstande waren, dass Handwerk besser und intuitiver zu verstehen als andere.
Für mich ist das mit dem Schreiben gleich. Es gibt viele sehr gute Bücher, aber die schönsten von ihnen bestechen durch etwas, das du durch kein Schreibhandwerksbuch erlernen kannst. Ich denke da an Autoren wie Markus Zusak, A. S. King (nicht Stephen), Maggie Stiefvater, Antonia Michaelis ... 

Aber die Diskussion ist vielleicht mühsam, weil man Talent nicht definieren kann und weil es von Leser zu Leser unterschiedlich bewertet wird.


Ich kann mir halt vorstellen, dass viele der Diskussionen über Herzensprojekt oder Auftragsarbeit dadurch entstehen, dass man die jeweils andere Seite nicht verstehen kann. Für mich persönlich sind Auftragsarbeiten ein absolutes No-Go, weil mir alles, was mir auferlegt wird, als unangenehme Kette vorkommt. Schon in der Grundschule habe ich daher bei den Fantasiegeschichten versucht, möglichst schnell vom Ausgangspunkt wegzukommen, um meine eigene Geschichte schreiben zu können.
Und vermutlich ist es für "Auftragsschreiber" umgekehrt genauso unverständlich, wie sich jemand seinen unbeständigen Gefühlsduseleien hingeben kann.
Brücken schlagen dann wohl die Autoren, die beides machen, wie du z.B.

Aber deswegen, auch wenn du geschrieben hast, dass du mich nicht damit meinst: Falls es mitunter mal rüberkommt, als würde ich Auftragsschreiber nicht recht würdigen, tut es mir leid. Das Problem ist einfach, dass es mir schwerfällt, ihre Motivation zu verstehen.

Allerdings fand ich deinen und Jules Beitrag in der Hinsicht schon sehr hilfreich.
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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Rabenschrei am Fr Jun 03, 2016 10:53 pm

Auftragsarbeit an sich ist sicher so verpöhnt, weil jeder Nicht-Schreiber meint, es seie lächerlich einfach ein Buch zu schreiben. Wenn man dann noch Vorgaben hat.. Wozu noch den Verstand einschalten?
Das ist wie, wenn "Nicht Eltern" Eltern erzählen wollen, wie man Kinder (richtig) erzieht. Oder ein Laie meint, er könnte Bauarbeiter ersetzen und selbst ein Haus bauen. Möglich ist es. Es würde im besten Fall auch funktionieren, nur springt einem der Unterschied sofort ins Auge. In 9 von 10 Fällen mangelts dann eben an der Qualität.
Wer da mit Leben kann, okay. Ich könnts nicht. ^^

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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Ankh am Sa Jun 04, 2016 1:07 am

Die Frage ist ja, wie eingeschränkt du bei einer Auftragsarbeit bist, bzw. wie weit überhaupt entfernt von dem, was du sowieso schreiben würdest. Wenn du ein großer Fan von Spionageromanen bist und jemand bietet dir an, den nächsten James Bond zu schreiben - würdest du es ablehnen, nur weil es nicht deine Figur ist? Obwohl der Plot, der Gegner, der Schauplatz etc völlig in deiner Hand wären? Da ist doch immernoch genug Raum für die eigene Fantasie, nur der grobe Rahmen ist vorgegeben.

Bei anderen Texten ist vielleicht der Inhalt vorgegeben, trotzdem kann man das nicht nur als Einschränkung sehen, sondern als Schreibübung: Kann ich aus trockenen Stichpunkten einen packenden Werbetext verfassen? Ich sehe da nichts ehrenrühriges dran oder etwas, das ich mir abquälen muss. Es ist wohl was anders, als ich in meiner Freizeit schreiben würde. Aber nur weil ich Geld dafür bekommen heißt das ja nicht, dass ich nicht trotzdem stolz auf einen guten, interessanten Text sein kann.

Und ja, ich denke, auch so ein Text kann eine Herzensangelegenheit sein, je nachdem, wieviel man da reinsteckt und warum. Wenn du den Auftrag hast, für die Hochzeit deiner Tochter eine Rede zu schreiben, steckst du dann nicht dein Herzblut rein, nur weil mal jemand gesagt hat "mach du das"?
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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Kelpie am Sa Jun 04, 2016 2:02 am

Kann ich aus trockenen Stichpunkten einen packenden Werbetext verfassen?

Kann ich aus miserablen Vorgaben eine lesbare englische Übersetzung zaubern?  Twisted Evil
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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Ankh am Sa Jun 04, 2016 3:11 am

@Kelpie schrieb:
Kann ich aus trockenen Stichpunkten einen packenden Werbetext verfassen?

Kann ich aus miserablen Vorgaben eine lesbare englische Übersetzung zaubern?  Twisted Evil
Lesbar, ja. Gerne zu lesen, nein. Aber das Gute dabei ist, dass die Entscheidung, ob der Text tatsächlich so gedruckt wird, nicht bei mir liegt. Ich liefere pünktlich ab, und wenn ich gebeten werde, das neu zu schreiben, dann werde ich das auch gerne tun. Nur bin ich dann nicht schuld, wenn sich der Drucktermin verschiebt. Manchmal ist es sehr entlastend, wenn man eben nicht für alles verantwortlich ist.  Wink
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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Traummuschel am Mi Jul 13, 2016 11:48 pm

Für mich sind eigentlich alle Geschichten, mit denen ich mich länger beschäftige ein Herzensprojekt. Eben weil sie ein Projekt sind, das mir am Herzen liegt.

Trotzdem würde ich sagen, dass es auch DAS Herzensprojekt gibt, das eben aus allen anderen hervorsticht. Davon habe ich gleich zwei. Das eine vermittelt mein zentrales Weltbild, so würde ich es am ehesten formulieren, und enthält sehr sehr sehr viel von mir (die Hauptfigur ist mir sehr ähnlich und beginnt in ähnlichen Umständen (studiert Literatur und Musik, lebt allein, hat ein schlechtes Verhältnis zu ihrer Familie, fühlt sich allein und einsam (es fängt auch im bitterkalten Winter kurz vor Weihnachten an)) und entwickelt sich dann). Das andere ist ein Fantasy/Sci-Fi-Epos das im Moment auf 10 Teile geplant ist. Groß, episch mit viel Liebe und Konflikt =)

Auftragsarbeit ist für mich kein Begriff, den man damit in Widerspruch setzen muss, aber kann. Es kommt eben auf die Einstellung zu dem Projekt an. Wenn ich einfach was aufschreibe, weil ich muss und davon nur pragmatisch etwas wie Geld habe, ist das sicher kein Herzensprojekt, aber nur, weil ich einen Auftrag habe, kann ich trotzdem mein Herzblut da rein stecken, können andere Künstler wie zum Beispiel Innenarchitekten ja auch.

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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

Beitrag  Anjana am Sa Okt 29, 2016 9:47 pm

Als ich gerade in einem anderen Thema gepostet habe, ist mir noch etwas zu diesem Thema klar geworden.

Mein Herzprojekt ist eines, dass sich durch mich schreibt. Alles fügt sich automatisch als würde es die Geschichte bereits geben und ich bräuchte sie nur aufzuschreiben. Die Figuren entwickeln die Szenen und ich bin im Grunde nur das Sprachrohr. Was nicht bedeutet, dass ich nicht auch Änderungen vornehmen kann, aber der Schreibprozess fühlt sich tatsächlich anders an und es widerstrebt mir massiv, grundlegendes am Plot zu verändern. Das ist bei den anderen Projekten weit weniger der Fall. Und ich glaube, dass ich auch erst ein nächstes Herzprojekt entwickeln kann, wenn ich das erste abgeschlossen habe.
Ich denke, darin verarbeite ich auch tatsächlich viel von mir selbst. Ähnlich wie Traummuschel das beschrieben hat. Die Hauptfigur hat viele Anteile von mir. Welche die ich tatsächlich habe, und welche, die ich mir für mich stärker wünschen würde.
Damit ist aber kein Werturteil verbunden. Es ist einfach eine Geschichte zu der ich eine besondere Verbindung habe. Und für das Schreibhandwerk ist das nicht immer besser^^ Aber auch die Zielsetzung für das Projekt ist eine andere. Diese Geschichte würde eher in der Schublade liegen bleiben, als dass ich sie für eine Veröffentlichung umstricken würde. Bei allen anderen Projekten wäre das eine Option, wenn es hart auf hart käme. Aber die anderen Projekte wären danach auch abgeschlossen und würden kein emotionaler Teil meines Lebens bleiben, so wie die Erinnerungen an alte, wichtige Freunde und Bekannte Teil des Lebens bleiben, während die unwichtigeren in Vergessenheit geraten. (Ich hoffe es ist verständlich, was ich damit sagen will)
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Re: Was ist ein Herzensprojekt?

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