Prämisse

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Beitrag  Tachadenn am Fr Jun 26, 2015 8:03 am

Liebe Tintenklecksler,

nun das schon angekündigte Thema:

Bei mir auf dem Nachttisch liegt der James N. Frey. Und darin steckt ein langes Lesezeichen und zwar beim Thema Prämisse. Dieses Kapitel lese ich immer wieder. Es klingt auch so schön logisch bei den Beispiele, die Frey anführt - aber bei meinem eigenen Romanen komme ich auf keinen grünen Zweig.

Ich versuche es mal mit meinem silbernen Medaillon (ca 1600 Seiten, die Geschichte zweier jungen Magierinnen, die sich über 100 Jahre hinzieht)

Hauptperson ist Mauria, eine unsterbliche Magierin, die etwa 14 Jahre alt ist. Sie liebt die Familie und fühlt sich nur in deren Umgebung so richtig wohl. Sie zaubert aber auch gerne.

Sie wächst als Waise in einer Gesellschaft auf, in der die Leute große Angst vor Zauberei haben und der König Magiere töten lässt. Sie wird verstoßen. Ihre Freunde werden wegen ihr bedroht. Sie macht sich auf die Suche nach ihrer Herkunft.

Am Schluss hat sie die politischen Verhältnisse verändert. Betreibt mit drei weiteren Magierinnen eine Magierschule, und Menschen mit Magie stellen Räte, Bürgermeister oder begleiten andere hohe Ämter.

Könnte die Prämisse heißen: Die Liebe zur Familie führt zu sicheren Lebensverhältnissen für Magiere oder: Die Liebe zur Familie führt zur gesellschaftlichen Akzeptanz der Magie(re).

Kenavo
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Re: Prämisse

Beitrag  Anjana am Fr Jun 26, 2015 9:22 pm

Huhu Tachadenn,

ohne deine Geschichte zu kennen, ist das natürlich schwer zu beurteilen. Meines Verständnisses nach ist die Prämisse aber etwas, dass auch ausserhalb der Geschichte als Prämisse funktioniert. Das würde in deinem Fall bedeuten, dass der Part mit den Magiern rausfallen müsste und sie abstrakter formuliert werden kann. (Die Liebe zur Familie führt zu sicheren Lebensumständen zur Erfüllung der eigenen Ziele/Träume.)
Außerdem gibt es verschiedene Prämissen. Die der Geschichte, aber auch einzelne Prämissen der Figuren.
Soll deine Prämisse die des Buches sein oder die von Mauria?
Ich finde es auch einfacher, die Prämisse als Wenn-Dann-Satz zu formulieren. Ich nehme mal mein obriges Beispiel als Grundlage: Wenn du an auf deine Familie vertraust, kannst du deine Ziele verwirklichen.

Vielleicht könnte die Prämisse deiner Geschichte aber auch ganz anders formuliert sein: Wenn du an dich glaubst, kannst du deine Familie retten. Oder: Wenn du an dich glaubst, kannst du die Welt/die Gesellschaft ändern.

Und Mauria könnte die Prämisse haben: Wenn du auf deine Liebe zu Familie vertraust, kannst du deine Ziele erreichen. (Falls die besseren Verhältnisse das Ziel sind.)

Vielleicht gibt dir das schon mal Denkanstöße?

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Ganz generell zum Thema Prämisse:

Ich habe mich damit noch nicht wirklich ausgiebig befasst und ich bin nicht sicher, ob es immer nur eine richtige Prämisse für die verschiedenen Ebenen gibt.
Ich weiß grad nicht mehr, welche Prämisse ich in irgendeinem Ratgeber zur Titanic gelesen habe, aber spontan würde mir folgende einfallen: Wenn du dich zu sehr/blind auf die Technik verlässt, geht es schlimm aus.
Bezogen auf die Tatsache, dass das Schiff als unsinkbar galt und deswegen mit zu wenig Rettungsbooten usw. ausgestattet war.
Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass das Beispiel im Ratgeber ein anderes war.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob jedes Buch im Vorfeld eine Prämisse braucht, denn es hat schon ein bisschen was von "Und die Moral von der Geschicht, ...". Und ich bin nicht der Meinung, dass jede Geschichte so eine Moral haben muss. (Dass man im Nachhinein eigentlich überall eine Prämisse entwickeln kann, ist klar, aber muss sie immer schon im Vorfeld klar sein?)
Auf der anderen Seite kann die Prämisse sehr hilfreich sein, wenn die Geschichte hängt (egal ob beim plotten oder schreiben), weil dadurch die grundlegende Richtung oder die grundlegende Tonart der Geschichte klar werden kann.
Ich denke die Prämissen der Figuren könnten für den Autor wichtiger sein. (Wenn er denn seine Charaktere entwickelt^^)

Und die Frage: Ist die Prämisse für den Leser wichtig? Bemerkt der Leser, ob eine bewusst entwickelte Prämisse vorhanden ist?
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Re: Prämisse

Beitrag  Herzeloyde am Mo Jun 29, 2015 9:34 pm

Hallo Tachadenn


@Anjana schrieb:Soll deine Prämisse die des Buches sein oder die von Mauria?
Ich verstehe das eher so: Die Prämisse gehört zunächst mal immer zu einer Figur und jede Figur (des Romans) hat ihre eigene Prämisse. Die Prämisse des ganzen Buches ist dann die derjenigen Figur, deren Geschichte erzählt wird.
Wir sprechen also in deinem Fall von Maurias Prämisse.

Weil die Prämisse zur Figur gehört, formuliere ich sie anderst:
Was will die Figur und was hindert sie daran.
Die Bewältigung dieses Konflikts ist dann die Prämisse. Also: Wenn man die Eigenschaft xy entwickelt, erreicht man xz. 

Das sieht Frey eigentlich genauso. Auf Seite 74 zum Beispiel:

Die Prämisse einer Geschichte ist einfach eine Feststellung dessen, was mit den Figuren als Ergebnis des zentralen Konflikts in der Geschichte passiert.

Wenn wir nun zu Maurias Beispiel zurück gehen, dann könnte ihre Prämisse zum Beispiel folgende sein:

Mauria will frei sein und ihre Magie offen leben können, die gesellschaftlichen Strukturen hindern sie daran.
Prämisse: Wer frei sein will muss die Gesellschaft verändern.

Die Prämisse wäre dann das, was du in deinem Buch beweisen musst. Und wenn der Leser nachher nickt und sagt: "ja, wirkliche Freiheit kommt nur durch den Umsturz der Gesellschaft zu Stande", dann hast du dein Ziel erreicht.

Ich habe für mich allerdings aufgehört, überhaupt eine Prämisse zu formulieren. Mir reicht der erste Satz als roter Faden. Was will die Figur, was hindert sie daran. Immer wenn ich in einer Szene unsicher bin, dann orientiere ich mich daran und finde so wieder in die Spur zurück.
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Re: Prämisse

Beitrag  Tachadenn am Di Jul 21, 2015 3:59 am

Liebe Herzeloyde,

Mauria will frei sein und ihre Magie offen leben können, die gesellschaftlichen Strukturen hindern sie daran.
Prämisse: Wer frei sein will muss die Gesellschaft verändern.
Das gefällt mir. So läßt sich der oberste Bogen spannen. Beim Lesen der einzelnen Kapitel ist man allerdings weit davon weg.
Die Prämisse wäre dann das, was du in deinem Buch beweisen musst. Und wenn der Leser nachher nickt und sagt: "ja, wirkliche Freiheit kommt nur durch den Umsturz der Gesellschaft zu Stande", dann hast du dein Ziel erreicht.
Hm, Mauria und ihre Schwester räumen auf, das aber erst im letzten Band, als sie ganz unten sind (Körperlos bzw. Liebessklavin) - und sie erreichen ihr Ziel. Im Epilog wird dies sogar nochmals verdeutlicht, in dem sie eine Verschwörung einiger einflussreicher Magierhasser sprengen.
Ich habe für mich allerdings aufgehört, überhaupt eine Prämisse zu formulieren. Mir reicht der erste Satz als roter Faden. Was will die Figur, was hindert sie daran. Immer wenn ich in einer Szene unsicher bin, dann orientiere ich mich daran und finde so wieder in die Spur zurück.
Das ist gut. Spruch in den Bildschirm kratz. Dann kann ich ihn auch bei ausgeschaltetem Rechner lesen Twisted Evil


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ps: Ich glaube, ich habe jetzt meine "Schreibblockade" in Band III beendet. Ich weiß wie es weitergeht: Meine Prota will nicht wahrhaben, dass sie manipuliert wird.
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