Den Leser im Dunkeln tappen lassen

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Den Leser im Dunkeln tappen lassen

Beitrag  Gast am Do Apr 04, 2013 12:21 am

Edit: Ich habe die entstehende Diskussion mal hier her verschoben. Entstanden ist sie durch diesen Post.


Mhm ich hab mir da mal ein wenig Gedanken zu gemacht. Ich weiß nicht, aber muss denn der Leser immer alles sofort wissen/verstehen? Ich mochte bisher beim Lesen immer diesen Aha-Effekt, wenn ich ein wenig verwundert war, warum etwas so ist und es sich dann später aufgelöst hat. Das regt ja auch ein wenig dazu an selbst zu grübeln, zu fantasieren und nachzuforschen. Das gefällt mir eigentlich recht gut. Ich mag es nicht unbedingt beim Lesen immer alles auf dem Präsentierteller serviert zu bekommen Smile



#offeneFragen

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Re: Den Leser im Dunkeln tappen lassen

Beitrag  Anjana am Do Apr 04, 2013 8:30 am

Huhu,

stimmt Reja, man muss nicht alles auf dem Silbertablett serviert bekommen. Aber eine Entwicklung muss trotzdem nachvollziehbar sein, finde ich. Oder es muss zumindest nachvollziehbar, erahnbar sein, warum die Figur plötzlich ganz anders handelt, als auf der Seite vorher. Das sind die Momente, die ich meinte.
Wobei das sicher je nach Perspektive auch unterschiedlich ist. ich schreibe ja vor allem in der Ich-Perspektive, da ist es schwierig, wenn der Prota plötzlich nicht mehr nachvollziehbar handelt.
Bei anderen Figuren kann man das ja ganz gut durch den Prota, der sich vielleicht auch wundert, kommentieren. Und beim auktorialen ist das ja recht gut machbar, dass man notwendige Infos transportiert.

Schwierig wirds vor allem bei Veränderungen des Protas in der Ich-Perspektive, wenn der Prota sie selbst nicht bemerkt, oder versteht. Das hatte ich bei der Frage oben vor Augen, als ich das gepostet hab.^^
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Den Leser im Dunkeln tappen lassen

Beitrag  Literia am Do Apr 04, 2013 7:22 pm

Kuckucks,

im Normalfall stimme ich mit Reja überein. Vieles mag ich als Leser auch einfach selbst entdecken.

Bei der Frage, die du allerdings hast, sieht es ein wenig anders aus.
Neben dem von dir bereits angesprochenen inneren Monologen gibt es natürlich noch die Möglichkeit, dass sich einer der Freunde/Angehörigen/Schulkameraden wundert.
Es muss deswegen ja nicht unbedingt eine ellenlange Szene sein, sondern vielleicht bemerkt der Ich-Erzähler einen schiefen Blick, ein Stirnrunzeln oder je nach Situation vielleicht auch ein "Wer bist du und was hast du mit meiner besten Freundin gemacht?" oder auch ein "Alles klar bei dir? Du bist in letzter Zeit so ... anders. (Schwanger?" Laughing )

Klar, dafür müsste in den jeweiligen Situationen auch jemand anderes dabei sein.
Wenn der Ich-Erzähler aber immer alleine ist - bzw. keine Menschen dabei sind, die ihn kennen - wird es schwieriger. Da bleibt neben dem inneren Monolog nicht mehr so viel übrig. Gerade wenn diese Veränderung so einen gravierenden Grund wie eine Erkrankung oder Verzauberung hat und der Chara die Veränderung selbst nicht wirklich bemerkt.
Sonst sind es immer vor allem Freunde und Familie, die auf Veränderungen als erstes reagiert. Oftmals sogar noch vor dem Chara selbst.
In wie weit man dies jedoch immer mit in die Geschichte binden kann ist dabei natürlich fraglich.
Wichtig ist dann vor allem, das zu beschreiben, was zu dieser Veränderung geführt hat.
Bei "Thondras Kinder" z.B. landet einer der sieben Helden in die Hände des Bösen, wird hier gefoltert und fast gebrochen. Das ihn das verändert ist klar und das so aus dem netten, hilfsbereiten Steppenjunge - der er einmal war - ein ganz anderer Mann wird kann jeder Leser nachvollziehen.
Auch die Veränderung, die Anakin Skywalker vollzieht ist für jeden verständlich.

Aber gerade bei so einem Grund wie der Erkrankung oder der Verzauberung bräuchte ich als Leser nicht unbedingt sofort eine Auflösung oder allzu viel Verständnis. Denn dann würde auch jeder Psychothriller plötzlich nicht mehr funktionieren, wo sich erst am Ende Dinge zusammenfügen oder erst dann wirklich klar wird, warum Miss Mörder so handelt, obwohl sie doch vor einem Jahr noch Schönheitskönigin war und von allen so geliebt.
Okay, Thriller sind eher das "krassere" Beispiel, aber da folgt die Auflösung immer erst am Ende.
Und wenn Mr. Veränderung auf einmal andere Dinge tut als sonst und dies mir als Leser sogar auffällt, dann würde ich mich auf jeden Fall mit einer Auflösung später zufrieden geben. Gerade in der Ich-Perspektive würde alles andere auch unglaubwürdig werden. Finde ich.

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Re: Den Leser im Dunkeln tappen lassen

Beitrag  Wordhunter am Do Apr 04, 2013 11:00 pm

Hallo zusammen. :winken:

Ich habe mich schon in verschiedenen Erzählperspektiven und Zeitformen versucht.
Die Ich - Perspektive ist die beste Form, den Leser an den Nägeln kauen zu lassen. Laughing Ich habe mich lange Zeit nicht getraut, die Ich - Perspektive zu wählen, aus dem einfachen Grund, weil ich in der Ich - P. immer das Gefühl hatte: Mensch, wie willst Du das dem Leser erklären. Meine Prota ist doch kein Hellseher. In der Ich - P. weiß man ja nicht, wie der andere fühlt und denkt.
Oh Mann, was habe ich mich da schwergetan.

Mittlerweile schreibe ich nur noch in der Ich - Form, da kann man den Leser schön an der Nase herumführen und irgendwann die dicke Bombe platzen lassen. Twisted Evil


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Re: Den Leser im Dunkeln tappen lassen

Beitrag  C.C. am Fr Apr 05, 2013 10:19 pm

Aloha zusammen!

Ich bin auch der Meinung, dass Veränderungen in den Protagonisten, etwa ungewöhnliches Verhalten, abweichende Tätigkeiten, gern passieren können, ohne sofort aufgeklärt zu werden. Ich mag es nur gern, wenn diese Sachen irgendwie reflektiert werden, z.B. durch die schon erwähnten schiefen Blicke.

Übel kann es sonst nämlich werden, wenn der Leser zu dem Schluss kommt, dass die Figur einfach nur unausgewogen hin- und herpendelt. Darum versuche ich auch immer, den Finger draufzulegen, wenn ich es bemerke. Wenn der Schreiberling dann sagt "Genau das solltest Du an dieser Stelle denken..." dann ist es gut.

LG, C.C.

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Aber wenn Sie wüßten, wie gut ich mich amüsiere,
indem ich Sie langweile!"
(Denis Diderot, Ästhetische Schriften)

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Re: Den Leser im Dunkeln tappen lassen

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