Die verschiedenen Fäden im Geschichtsteppich

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Die verschiedenen Fäden im Geschichtsteppich

Beitrag  Anjana am Do Jun 04, 2015 8:37 pm

Ich bin vorhin über einen Eintrag in meinem Logbuch gestolpert, den ich gerne mit etwas Leben füllen würde.

Ich glaube, ursprünglich geboren wurde das ganze aus meiner Art des Schreibens und Überarbeitens, bei dem ich mir die Geschichte tatsächlich wie einen Teppich vorstelle, in dem unterschiedliche Farben für bestimmte Aspekte stehen und in irgendeiner Form ein genießbares Bild ergeben müssen.
In meinen Fassungen stehen sehr oft Kommentare zu markierten Textstellen, die einfach nur [wieder aufgreifen] heißen. In meiner Vorstellung ein farbiger Faden, der da aus der Text heraus "franst" und eben wieder aufgegriffen und eingewoben oder vernäht (beendet) werden muss.

Nun dachte ich mir, wenn man diese verschiedenen Fäden verallgemeinern könnte, wäre es möglich, auch damit zu plotten.

Bisher habe ich folgendes, das aber erstmal eine relativ unreflektierte Sammlung und lose Zuordnung ist
Fädensammlung für den Geschichtsteppich:

Figurenfäden
- Freundschaften
- Romanzen
- Wissenvermittlung (Lehrer-Schüler-Beziehung)
- Konflikt
- Meinungsverschiedenheit
- konrträre Motivationen
- (unterschiedliche) Ziele
- Entwicklungen der Figuren
- Intrigen
- Prämissen und Überzeugungen
-

Interaktionsfäden
- Streit
- Gespräche
- Ignorieren
- Hassgeprägte Gedankengänge/Taten
- Verzweiflungstaten

Plotfäden
- Quest
- Heldenreise
- Romanze
- Prüfung
- Lösungssuche
-

Wie gesagt, das ist noch etwas konfus, aber könnt ihr nachvollziehen, was ich meine und fällt euch dazu noch etwas ein?


______________________________________________________
#Geschichtenteppich
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Re: Die verschiedenen Fäden im Geschichtsteppich

Beitrag  Herzeloyde am Mi Jun 10, 2015 11:42 pm

Hallo Ani

Grundsätzlich sehe ich das genau wie du; eine Geschichte ist wie ein Teppich und lose Fäden müssen wieder ins Muster zurückfinden. Aber ich kann mir im Moment nicht recht vorstellen, wie ich damit plotten könnte (zumal ich vom Plotten mehr und mehr wegkomme, aber das ist ein anderes Thema Wink ).

Für mich ist das eher so, dass ich Motive, auch unwichtige, absichtlich einführe.
Ein banales Beispiel: Ein Mantel geht in einem Restaurant vergessen.
Das wäre so ein offener Faden, den ich mir (genau wie du) markiere. Falls ich ihn später brauchen kann, ist die Sache abgehakt, wenn nicht, wird er gelöscht - oder aus dem Teppich gezogen, um im Bild zu bleiben.
Das Funktioniert natürlich auch wunderbar für Settings, Figuren, Eigenschaften von Figuren, Beziehungen, Ticks usw. meistens hilft es mir, die Handlung an einem kritischen Punkt wieder in Gang zu bringen. Dann halte ich nach losen Fäden ausschau und seh zu, ob ich was damit anfangen kann.

Auf diese Weise kann man eine Geschichte auch in der Überarbeitung wunderbar verdichten.

Aber damit plotten? scratch Du meinst, dass man sich die Fäden absichtlich aussucht und miteinander verwebt? Ich glaub, da würd ich mich heillos drin verstricken. Suspect
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Re: Die verschiedenen Fäden im Geschichtsteppich

Beitrag  Anjana am Fr Jun 12, 2015 10:14 am

Huhu Noemi,

sorry, ich bin momentan irgendwie ständig soviel unterwegs, dass ich nicht zum antworten gekommen bin.

Ob man damit plotten kann, weiß ich auch nicht so genau. Der Gedanke kam mir, als ich in meinem Logbuch gestöbert hab^^ Vielleicht ist das aber auch wirklich eher etwas, um die Geschichte zu verdichten. Also vielleicht eher, dass man in seinem Plot (oder im fertigen Text) einfach mal schaut, welche Fäden habe ich da alle und ist das ausgewogen oder fehlt ein Bereich.

Sprich es hilft nicht unbedingt inhaltlich, aber vielleicht schon, um einen ausgewogenen Plot zu kreiieren. Vielleicht ist es aber auch nur hilfreich, wenn man den Eindruck hat, das Projekt ist noch nicht ganz rund.
Dann wäre es wichtiger, verschiedene Oberfäden zu haben: Handlungsfäden, Figurenfäden (Charakterentwicklung, Interaktionen), Spannungsfäden, Settingfäden, ... Mehr fallen mir gerade nicht ein.

Aber ich kann grad auch nicht mehr so ganz geradeaus denken, nachdem ich den ganzen Tag in der Sonne war^^ sunny Sleep
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Re: Die verschiedenen Fäden im Geschichtsteppich

Beitrag  Kelpie am Fr Jun 12, 2015 8:36 pm

Das Bild mit diesem Teppich finde ich unheimlich schön und passend. Wir stricken alle einen Teppich und benutzen dabei interessanterweise wohl die gleichen Farben. Aber letztendlich kommt es ja auf das Motiv an. Wie gesagt, das Bild gefällt mir sehr gut.

Plotten könnte ich damit wohl auch nicht, aber das liegt in erster Linie mal daran, dass ich keine Plotterin bin. Ich stelle mir eher vor, dass man dieses Schema am Ende dazu verwenden kann, um seinen Text auf Lücken zu prüfen und diese evtl. aufzufüllen. Oder, wie ihr beide schon schreibt, lose Fäden wieder einzustricken. Wobei das ein interessanter Punkt ist, den ich gerne vertiefen würde. Wie macht ihr das dann? Ich stelle mir vor, da gibt es eine Szene wie z.B. den erwähnten vergessenen Mantel. Ihr schreibt dazu "wieder aufgreifen". Und dann? Sucht ihr den Text systematisch nach einer Szene ab, in der dieser Mantel wieder reinpassen würde?
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Re: Die verschiedenen Fäden im Geschichtsteppich

Beitrag  Anjana am Fr Jun 12, 2015 9:45 pm

Also bei mir passiert das in der Regel beim Schreiben. Ich habe ja immer die nächsten wichtigen Stichpunkte unterm Textmitlaufen, die ich dann lösche, wenn sie geschrieben sind. Sowas wie mit dem Mantel wird dann einmal mit Kommentar im Text markiert und dann entweder in meine gesamten Plotstichpunkte integriert oder eben direkt in die unterm Text. Manchmal habe ich auch eine Stelle an der er gut reinpassen würde, dann steht dort ein Kommentar [Mantel einfügen].
Wenn der Text schon fertig ist, suche ich natürlich nur nach einer geeigneten Stelle im Text. Aber das sind dann wirklich nur so lose Fäden, die mir selbst nicht aufgefallen sind und durch Betas angemerkt werden. Manche Dinge lasse ich auch mal untern Tisch fallen oder schiebe sie in den nächsten Band.
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Re: Die verschiedenen Fäden im Geschichtsteppich

Beitrag  Herzeloyde am Sa Jun 13, 2015 5:33 am

Also während dem Schreiben habe ich das meistens noch im Kopf (und im Zweifelsfall eine Notiz bei den entsprechenden Kapitelnotizen von Scrivener), welche losen Fäden ich wo "hinterlassen" habe. Im Fall dieses Mantels brauchte die Protagonistin einen guten Grund, um beim Protagonisten aufzukreuzen. Tadaa, sie bringt den Mantel zurück. Wichtig dabei: Das hat sich so ergeben und war nicht schon geplant, als der Mantel vergessen ging. 
Das ist jetzt natürlich ein simples Beispiel, aber er lässt sich auch prima für Nebenfiguren einsetzen, die zunächst nur "Funktionen" sind. Wenn eine Rolle neu zu besetzen ist, suche ich immer erst unter diesen Funktionsfiguren, ob eine von denen sich für den Part eignet. So wird die Geschichte dann suksessive dichter.
Wie gesagt, das Verfahren eignet sich für praktisch alles, was irgendwo lose "herumliegt" Smile
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Re: Die verschiedenen Fäden im Geschichtsteppich

Beitrag  Anjana am So Jun 14, 2015 9:15 am

Wenn eine Rolle neu zu besetzen ist, suche ich immer erst unter diesen Funktionsfiguren, ob eine von denen sich für den Part eignet. So wird die Geschichte dann suksessive dichter.
Wie gesagt, das Verfahren eignet sich für praktisch alles, was irgendwo lose "herumliegt"
Ja, genau so mach ich das auch. Erstaunlicherweise ist es oft so, dass die Figur plötzlich für ihr früheres Auftreten eine neue, zusätzliche Motivation bekommt. Das macht den Plot dann wirklich immer dichter. Und ein tolles Gefühl ist es auch noch. So als füge sich auf einmal etwas zusammen, von dem man gar nicht wusste, dass da noch eine Lücke lauerte.
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Re: Die verschiedenen Fäden im Geschichtsteppich

Beitrag  Kelpie am So Jun 14, 2015 10:20 am

Das fasziniert mich beim Schreiben ja immer wieder. Wenn man irgendwann irgendwas gefaselt hat und weiter hinten hilft einem genau das weiter. Ganz seltsame Zufälle.
Ich habe z.B. immer einen Mann ans Steuerrad des Schiffes gelassen - einfach so, weil der Protagonist gerade keine Lust hatte. Uns später wurde es ziemlich wichtig, dass dieser Mann ausgerechnet diese Strecke gefahren ist.

Als ob unsere Gehirne manchmal schon weiter vorausdenken würden, als wir wahrnehmen Wink
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Re: Die verschiedenen Fäden im Geschichtsteppich

Beitrag  Anjana am So Jun 14, 2015 10:36 am

Als ob unsere Gehirne manchmal schon weiter vorausdenken würden, als wir wahrnehmen
Ja, verrückt, oder? Vielleicht schreiben wir aber auch nur etwas auf, was schon längst so existiert. Es gibt ja auch Autoren, die sagen, sie haben das Gefühl etwas anderes diktiere ihnen quasi die Geschichten, oder die Geschichten seien einfach da und sie haben nicht das Gefühl, sie sich selbst auszudenken.
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Re: Die verschiedenen Fäden im Geschichtsteppich

Beitrag  Kelpie am So Jun 14, 2015 7:54 pm

Bei einem Musik-Künstler (ich weiß leider nicht mehr, wer es war) habe ich mal gehört, dass auch er nicht glaubt, sich seine Lieder selbst auszudenken. Eher schweben sie alle irgendwo herum und wenn er mal kreativ ist, dann findet er einfach eines von ihnen.

Wäre eine hübsche philosophische Diskussion, ob wir unsere Geschichten wirklich selbst erfinden ...
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Re: Die verschiedenen Fäden im Geschichtsteppich

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