Schreiben ohne inneren Lektor

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Schreiben ohne inneren Lektor

Beitrag  Tachadenn am Mo Jan 12, 2015 3:08 am

Nachdem mich Leahydres Problem der acht ersten Seiten beschäftigt hat, stelle ich hier etwas zum Schreiben ohne inneren Lektor ein.

Aus
http://www.susanborkin.com/sample_writing_inside_out.htm
habe ich: 
How to Use Free Form Writing
To write an entry using Free Form writing, you'll find it easy to follow these basic steps:
1. Begin by closing your eyes.
2. Breath slowly and deeply (if you are not already doing so, let your stomach inflate on the inhale, and deflate on the exhale).
3. Loosen clothing that feels tight or uncomfortable.
4. Remove shoes if you'd be more comfortable.
5. When you are feeling relaxed, begin writing.
6. Allow your writing to flow without your internal editor, judge, or critic.
7. Write without blocking or stopping yourself.
8. Write exactly what comes up for you, what you are aware of, feeling or thinking.
9. Don't worry about punctuation, grammar or syntax; allow your spelling to be creative
10. What you are writing does not need to make sense.
11. If one thought seemingly interrupts another, simply allow that to happen; let your thoughts bounce off each other, mingle or just remain as they are.
12. Let questions remain unanswered, let thoughts be incomplete.
13. If you become stuck in this exercise, write that out, notice what happens when you acknowledge exactly where you are.
14. Continue with this exercise for at least ten minutes, longer if you wish.
Try writing a Free Form entry now.

und aus
http://autorenforum.montsegur.de/cgi-bin/yabb/YaBB.pl?num=1289637682
Hallo allerseits!
 
Noch ein ergänzender Kommentar: Meistens empfindet man den inneren Kritiker als nervige Stimme aus dem Off, die einem manchmal jeden Spaß am Schreiben vermiest und die man am liebsten weg haben möchte. Die Idee mit dem Dialog ist schonmal nicht schlecht, weil sie wenigstens nicht versucht, den inneren Kritiker weg zu kriegen (wer das schon versucht hat, weiß dass er / sie dann umso lauter und nerviger meckert)
 
Wenn man noch eine Stufe weiter gehen möchte, kann man den inneren Kritiker auch als Partner sehen, auf Augenhöhe, der die Freundlichkeit besitzt, uns darauf hinzuweisen, wenn was nicht passt (es kommt ja nicht von ungefähr, dass JEDER Autor, der es zu was gebracht hat über einen ausgeprägt schonungslosen inneren Lektor verfügt) 
 
Nun kann man also tatsächlich den inneren Lektor befragen, aus neurowissenschaftlicher Perspektive ist das eine überaus wirksame Methode, um an die sogenannten "inneren Selbstanteile" heranzukommen, an das Wissen, über das wir verfügen, das wir aber sinnvollerweise ausgeblendet haben (Sonst würde man uns in der Zwangsjacke einweisen und Medikamente gegen all die Stimmen geben, die auf uns einstürmen)
 
Dabei ist interessant (und individuell sehr verschieden): Wie sieht der innere Lektor eigentlich aus? Ist er größer als man selbst, kleiner als man selbst, männlich, weiblich, älter, jünger, wie ist er angezogen, wie spricht er? Duzt man ihn, oder will er gesiezt werden? (Ein alter Freund von mir hat seinen inneren Lektor mal als kleinen dicken Mann mit Halbglatze und Hornbrille beschrieben, mit einschläfernder, dünner Stimme, in dunkelgrauer Hose, dunkelgrauer Weste, mit hellgrauem Hemd und anthrazitfarbener Krawatte - und das hat er mir beschrieben, nachdem er zu mir gesagt hatte: "Hey, so ein Quatsch, mir fehlt die Fantasie für sowas!"  Smiley ) 
 
Natürlich könnte man noch weitermachen: Wie alt fühle ich mich eigentlich, wenn der innere Lektor auftaucht? Usw., aber fürs erste soll es genügen, wenn man sich seinen inneren Lektor bildlich vorstellen kann, wenn man ihm eine Stimme gibt (etwas, das gerade uns Autoren nicht sonderlich schwer fallen dürfte), dann kann man sich nämlich mit ihm unterhalten, auf Augenhöhe und man kann besser entscheiden, ob man nun die Meinung des Lektors teilt, oder nicht (Leute auf Augenhöhe tun das nämlich, sie können es gut miteinander aushalten, obwohl sie nicht einer Meinung sind  Smiley )
 
Wenn also der innere Lektor mal wieder anklopft, kann man ihn ruhig zu einem gemeinsamen Gespräch einladen (wo würde man sich treffen? Privat, zu einem Kaffee, oder eher in einem Lokal? Eher Bier und Schnitzel, oder Chateau Briand und Rotwein? Wer würde bezahlen ... usw.) Und man kann ruhig selbstbewusst zu diesem Gespräch erscheinen, wenn der Lektor schon etwas zu beanstanden hat, soll er auch am Erreichen des Wünschenswerten mitarbeiten. Und ihr werdet sehen: Das macht er gern und das macht er gut. 
 
Wie in dem Blogbeitrag, den Christiane gepostet hat, ist es dann sinnvoll den Lektor nach konkreten Baustellen zu befragen: "Was genau gefällt Ihnen denn nicht?" um dann die entscheidendsten aller Fragen zu stellen: "Wie würden Sie es stattdessen machen?" "Welchen Vorschlag haben Sie?" etc. 
 
Denn, auch wenn ich mich wiederhole: Der innere Lektor ist eine "metaphorische Repräsentation von ausgeblendeten Teilen unseres Erfahrungsschatzes"; ungenutztes Wissen, das seine Stimme erhebt. 
 
Allerdings muss ich doch eine Warnung aussprechen! 
 
Wenn man nämlich einmal anfängt, den inneren Lektor als Partner zu behandeln, wird es immer schwieriger sich aus kreativen und erfüllten Schaffensprozessen rauswerfen zu lassen  Wink

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