Figurenentwicklung/ -veränderung innerhalb der Geschichte

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Figurenentwicklung/ -veränderung innerhalb der Geschichte

Beitrag  Anjana am Do März 07, 2013 2:18 am

Ich denke, auch das kennt jeder. Die Figur entwickelt sich, handelt manchmal anders, als erwartet, oder anders, als ein Leser erwartet.

Wie schafft man es, diese Momente für den Leser logisch und nachvollziehbar zu gestalten? Insbesondere dann, wenn eine Auflösung für eine Veränderung noch nicht vorweggenommen werden kann? (psychische Erkrankungen/ Besessenheiten/ Verzauberungen/ usw.)

Meine Lösung bisher war, neben einem Dialog mit einer anderen Figur, vor allem der innere Monolog, in dem die Figur diese Knackpunkte für sich thematisiert und dann zu dem Schluss kommt, den der Leser dann auch nachvollziehen kann und den ich für den Plot brauche.

Habt ihr vielleicht noch andere Lösungsmöglichkeiten?
Da die Diskussionen hier fast nicht zu vermeiden sind, lasse ich sie jetzt mal stehen, und werde einfach immer wieder den ersten Beitrag editieren, wenn neue Lösungsmöglichkeiten auftauchen.
Wenn ich etwas vergessen habe, einfach Bescheid sagen:

Ich-Perspektive: Reaktionen anderer Figuren nutzen/ Innenansicht

Er-Perspektive: Reaktion anderer Figuren nutzen / Innenansicht / Kommentar des Perspektivträgers / Kommentar des Erzählers

Auktoriale Perspektive:
Reaktion anderer Figuren nutzen / Innenansicht / Kommentar des Perspektivträgers / Kommentar des Erzählers



#Figurenentwicklung #Perspektive #Ich-Perspektive #Er-Perspektive #AuktorialePerspektive


Zuletzt von Anjana am Mi Apr 20, 2016 9:55 pm bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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Re: Figurenentwicklung/ -veränderung innerhalb der Geschichte

Beitrag  Anjana am Do Apr 04, 2013 7:36 pm

Also, ich fasse mal zusammen.

Ich-Perspektive: Innenansicht / Reaktionen anderer Figuren
Er-Perspektive: Reaktion anderer Figuren / Kommentar des Erzählers?
Auktoriale Perspektive: Sprung in den Figurenkopf (Innenansicht) / Reaktion anderer Figuren / Kommentar des Erzählers

In den genannten Thrillern wirkt sich die Veränderung aber doch trotzdem meist aus, oder? Jemand bemerkt sie. Das ist eigentlich das was in meinen Augen das wichtigste ist. Sie muss noch nicht erklärt werden, aber sie muss bemerkt werden.Da würde schon ein Satz reichen wie: Ich ignorierte ihren schiefen/zweifelnden Blick. Dann weiß ich als Leser halt, dass die Veränderung gewollt ist und die Figur nicht Out-of-Character ist.
Aber vielleicht bin auch nur ich da so empfindlich, weil mir so oft gesagt wurde, dass das Verhalten meiner Sina nicht nachvollziehbar ist^^
Aber mir ist das hier und da auch schon in Büchern begegnet, dass ich es einfach unglaubwürdig fand, dass niemand auf ein Verhalten reagiert hat.

#outofcharacter


Zuletzt von Anjana am Mi Apr 20, 2016 9:58 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Figurenentwicklung/ -veränderung innerhalb der Geschichte

Beitrag  Gast am Fr Apr 05, 2013 9:10 am

Hmm... Kleine Frage, ob ich es richtig verstehe.

Du hast einen Charakter. Nennen wir ihn mal einfach Kurt.
Kurt ist deine Erzählperspektive und er handelt nicht nachvollziehbar für den Leser.

Oder meinst du:
Du hast einen Charakter namens Kurt.
Thomas ist aber deine Erzählperspektive und Kurt handelt für Thomas (und den Leser) nicht nachvollziehbar. Erst am Schluss kommt auf, warum Kurt so gehandelt hat.


Welche Variante meinst du?
Wenn du ersteres meinst:

Meine Lösung bisher war, neben einem Dialog mit einer anderen Figur, vor allem der innere Monolog, in dem die Figur diese Knackpunkte für sich thematisiert und dann zu dem Schluss kommt, den der Leser dann auch nachvollziehen kann und den ich für den Plot brauche.
Vielleicht ein schlechtes Beispiel, weil es nicht so extrem ist, aaaaber:
Ich hab eine Situation, wo meine Prota Franky zu einem "Geisterhaus" geht. Allein in der Nacht. Manch einer würde sich wohl denken, wieso sie sich das traut. ICH zumindest hätte da ein mulmiges Gefühl.
Während sie dort hin geht, denkt sie an ihre Kindheit. Ihr Bruder und sie spielten als Kinder im Garten in einem Baumhaus. Sie sind nachts mal dorthin gegangen, weil ihr Bruder ihr zeigen wollte, dass es keine Kobolde gibt, wie die Mutter immer sagte. Für Franky ist das alles einfach aufregend wie damals in der Kindheit.

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Re: Figurenentwicklung/ -veränderung innerhalb der Geschichte

Beitrag  Anjana am Fr Apr 05, 2013 9:15 am

Huhu Rhona,

ja genau, ich meine die erste Version. Zumindest als ich die Frage gestellt hab. Wink

bei anderen Figuren ist es ja nicht so schnell nicht nachvollziehbar, weil man anderen ja immer nur vor den Kopf guckt.

Beispielsweise würde Kurt unter einer Beeinflussung stehen, die ihn plötzlich anders handeln lässt. Wie schaffe ich es, das nachvollziehbar zu verdeutlichen, wenn Kurt selbst nicht weiß, dass er unter einem Zauber steht, aber merkt, dass irgenwas anders ist?
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Re: Figurenentwicklung/ -veränderung innerhalb der Geschichte

Beitrag  Gast am Fr Apr 05, 2013 9:19 am

Beispiel:
Kurt trinkt Kaffee schwarz, ohne Zucker, runzelt die Stirn. Er schmeckt ihm nicht. Wieso trinkt er ihn dann?
(Antwort: früher hat er ihn immer mit drei Stück Zucker und viel Milch getrunken)

Ich denke mir da also: könnte ja wie bei jemandem, der sein Gedächtnis verloren hat, sein. Manche Dinge kommen einem selbst fremd vor. So leise Anspielungen.

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Re: Figurenentwicklung/ -veränderung innerhalb der Geschichte

Beitrag  C.C. am Fr Apr 05, 2013 10:46 pm

Aloha!

Ich könnte mir vorstellen, dass sich das vor allem in Entfremdung von anderen Leuten zeigt, die auch der Protagonist und Ich-Erzähler spürt.

Um bei unserem verzauberten Kurt zu bleiben: gesetzt den Fall, er war immer ein ruhiger, schüchterner Typ, der sich hervorragend mit seiner Nachbarin Uschi verstanden hat, in die er immer schon heimlich verliebt war.

Nun kommt aber die neue Nachbarin Carmen dazu und belegt ihn mit einem Liebeszauber, da sie der Meinung ist, dass Kurt mit seinem guten Gehalt als Finanzbeamter doch auch ihr Leben finanzieren kann.

"Wie jeden Morgen steckte die Zeitung wieder nur halb im Briefkasten. Zum wiederholten Male nahm ich mir vor, bei der Redaktion anzurufen und mich über den Zeitungsboten zu beschweren. Wenn es nachts mal regnete, waren die ersten Seiten nie lesbar, weil das Papier total aufgeweicht war. Während ich grübelnd die Stufen wieder hinaufstieg, merkte ich, dass Uschi um diese Uhrzeit auch schon wach war. Sie streckte den Kopf zu ihrer Wohnungstür raus und grüßte. Auf der Suche nach den Lottozahlen grüßte ich knapp zurück und verschwand in meiner Bude. Bevor ich die Tür zuziehen konnte, sah ich noch, dass Uschi mit großen Augen zu mir heraufschaute, eine Denkfalte auf der Stirn. Sie mußte wohl schlecht geschlafen haben.

Der Tag im Büro verging wie im Flug, da mein Chef nicht da war, um mir auf die Nerven zu fallen. [...]

Nachdem ich den Wagen geparkt hatte, suchte ich in der Hosentasche nach meinem Schlüsselbund, doch bevor ich ihn gefunden hatte, öffnete sich die Tür und Uschi kam mir entgegen. "Oh, soll ich die Tür wieder zumachen oder redest Du wieder mit mir?" fragte sie statt einer Begrüßung.

"Was meinst Du?" fragte ich verwirrt. Ich nahm meinen Aktenkoffer wieder auf und machte mich daran, das Haus zu betreten.
"Na, seit wann gehst Du denn morgens so vertrottelt und kommentarlos in Deine Wohnung? Sonst liest Du mir doch immer noch den Wetterbericht vor!" Uschi lächelte. "Oder hast Du endlich im Lotto gewonnen?"

"Ich weiß auch nicht...", stotterte ich. Die Situation war mir unangenehm. Uschi hatte recht, ich hatte ihr morgens immer den Wetterbericht vorgelesen. Das hatte mir gute Laune bereitet, ich sprach doch wirklich gern mit ihr. Heute morgen hatte ich das glatt vergessen."


Wißt Ihr, was ich meine?  :kaffee2:

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"Ich weiß, ich bin ein wenig lang.
Aber wenn Sie wüßten, wie gut ich mich amüsiere,
indem ich Sie langweile!"
(Denis Diderot, Ästhetische Schriften)

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Re: Figurenentwicklung/ -veränderung innerhalb der Geschichte

Beitrag  Anjana am Sa Apr 06, 2013 4:56 am

Huhu C.C.,

genau solche Kniffe sollen hier zusammengetragen werden.

Bei deine Beispiel ist es ja auch die Reaktion von Uschi, die dann widerum die Innensicht von Kurt auslöst, die das Verhalten für den Leser nachvollziehbar macht.
Dazu muss es eben nicht erklärt werden, aber es muss innerhalb des Textes erkennbar sein, dass es vom Autor so gewollt ist und keinen Fehler darstellt.
Mich reisst es eben auch immer raus, wenn ich den gedanken bekomme, das der Autor da vielleicht was nicht im Griff hat.
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Re: Figurenentwicklung/ -veränderung innerhalb der Geschichte

Beitrag  Gast am So Apr 07, 2013 4:35 am

Mich reisst es eben auch immer raus, wenn ich den gedanken bekomme, das der Autor da vielleicht was nicht im Griff hat.
Wobei ich das interessant finde.

Nimm mal an, du schreibst über eine Person, die sich nicht im Geringsten darüber bewusst ist, dass es "früher mal anders war" oder die sich keiner Veränderung entsinnen kann.
Dann ist es die Aufgabe des Autors, seine anderen Figuren zu kennen. Wie reagiert Uschi? Ist sie stutzig? Das heißt: der Leser muss durch die Augen der Nebencharas und deren Reaktionen erkennen können, dass er sich über das, was er schreibt, im Klaren ist.
Ist eine interessante Sache.

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Re: Figurenentwicklung/ -veränderung innerhalb der Geschichte

Beitrag  Anjana am So Apr 07, 2013 5:35 am

Danke Rhona,

du bringst es auf den Punkt.
Dann ist es die Aufgabe des Autors, seine anderen Figuren zu kennen. Wie reagiert Uschi? Ist sie stutzig? Das heißt: der Leser muss durch die Augen der Nebencharas und deren Reaktionen erkennen können, dass er sich über das, was er schreibt, im Klaren ist
Genau das ist es. Sehr schön und vor allem verständlich formuliert. :2thumbs:

Im Grunde würde im C.C.s Beispiel Uschis Reaktion schon ausreichen. Die Innensicht von Kurt ist dadurch an dieser Stelle nicht mehr zwangsläufig nötig.
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Re: Figurenentwicklung/ -veränderung innerhalb der Geschichte

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