Die Wörtchen: War und waren

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Die Wörtchen: War und waren

Beitrag  Wordhunter am Mi März 06, 2013 11:20 pm

Kuckuck liebe Schreiberlinge. :winken:

Dann mache ich mal den Anfang.
Ich habe echt ein Händchen für die Wörter war und waren. Evil or Very Mad Wie ich sie reduziert habe? Na ja, habe versucht den Satz komplett umzumodeln und per Synonyme andere Wörter einzubauen. Okay, ganz ohne war und waren geht es nicht, aber ich bemühe mich, sie zu reduzieren. Kaffee2

Ist schon seltsam, einige Wörter benutze ich eher selten: z. B. "und" und "wieder". Dazu fällt mir immer etwas ein, was ich statt dessen einbringen kann. "Und" lasse ich grundsätzlich weg, wenn es ohne auch geht. :P
Aber "war" und "waren" sind eine echte Macke von mir. Wenn ich tiefer in meinem Kopf herumkrame, kommen bestimmt noch mehr Wörter zustande, die mir wie Leim an den Fingern kleben. affraid


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Re: Die Wörtchen: War und waren

Beitrag  Anjana am Do März 07, 2013 2:12 am

War, hatte usw. wer kennt die Worte nicht^^

Wenn sie bei mir geballt auftauchen (in jeder Rohfassung^^) versuche ich, die Sätze mit Hilfe von Sinneseindrücken zu formulieren. Durch welchen Sinn kann ich die Aussage erfahrbar machen.
Und wenn das nicht geht, dann gehe ich ebenfalls auf Synonymsuche. Und wenn das auch nichts hilft, dann bleibt es stehen.

Beim PQP bleibt es natürlich immer stehen, da gehört es ja zur Konstruktion des Verbes dazu.




#aktivformulieren


Zuletzt von Anjana am Mi Apr 20, 2016 10:06 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Die Wörtchen: War und waren

Beitrag  Gast am So Apr 07, 2013 8:28 am

Hmmm... ich liebe ja dieses Thema. Ich liebe, liebe, liebe es.
Ich hab in der ersten Zeit meines Schreibens auch oft zum Synonymwörterbuch gegriffen. Irgendwann hab ich mal die Aussage von Stephen King gelesen, wo er sagte:

Any word you have to hunt for in a thesaurus is the wrong word. There are no exceptions to this rule.

Ich hab mir am Anfang gedacht: "Der Typ hat doch KEINE Ahnung."
Mittlerweile weiß ich, wie recht er hat... Wink

Ich hab da mal für woanders was geschrieben... Vielleicht hilft das ja ein wenig.


_________________________________________________________________________________________

Jemand bat um ein Thema, in dem es um die war's und hatte's geht und um Beispiele.
Ich mach das jetzt einfach mal hier rein, weil es ja zur Textarbeit gehört.

Dazu suche ich mir ein paar alte Manuskriptteile von mir heraus und dann können wir die durchgehen.
Eine Userin hatte im Schattenschriften auch mal so einen Thread und dort wurde ihr Textstück besprochen. Mit ihrer Erlaubnis darf ich es als Beispiel nutzen.

Zuerst ein Beispiel aus meinem alten Manuskript:
Ich konnte mich daran erinnern, als wäre es erst gestern gewesen. Es war das letzte Mal, dass ich meine Schwester Lindsay lebend sah. Die Straße war belegt mit nassem Laub. Was sich vor oder hinter uns befand, war durch einen dichten, weißen Schleier und die Dunkelheit der Nacht nicht zu erkennen.
Da sind jetzt 1x wäre und 3x war drin.
Die ersten beiden Sätze sind Vergangenheitsform, da gehören sie nun einmal dazu.
Die hatte's und war's in der Vergangenheitsform sind der Grund, weshalb man längere (!!) Rückblenden idealerweise anders in einen Text einflicken sollte.
Bitte jetzt aber nicht anfangen, wegen ein paar hatte's in einer Vergangenheitserzählung gleich den kompletten Text umzukrempeln! Es kommt ja schließlich auf die Länge der Rückblende an.

Die anderen beiden war's in obigem Ausschnitt können ausgemerzt werden, sodass der Text viel schöner wird.
Und zwar durch die aktive Handlung.

Die Straße war belegt mit nassem Laub. Was sich vor oder hinter uns befand, war durch einen dichten, weißen Schleier und die Dunkelheit der Nacht nicht zu erkennen.
Nasses Laub belegte die Straße.
Aktive Handlung und das "Zurechtrücken der Sichtweise". Lege den Fokus auf das nasse Laub, nicht auf die Straße. Denn das LAUB ist das wichtigere Element in diesem Satz.

Der zweite Satz ist schon etwas komplizierter. Ich werde den Satz so nehmen wie er ist (man könnte ihn überhaupt noch ein wenig verbessern, aber hier geht es um das WAR und sonst nichts):

Ein dichter, weißer Schleier und die Dunkelheit der Nacht versperrten uns die Sicht auf das, was sich vor oder hinter uns befand.

Da sind zwei lasche Verben in dem Satz gewesen: erkennen und war
"Die Sicht zu versperren" hat mehr Pepp. Mehr Stärke. Suche also nach starken Verben!



Hier haben wir das Beispiel aus Schattenschriften:
"Aliah sah aus dem Fenster. Es war Winter in Tivalia. Diese waren immer sehr kalt, denn schließlich lag Andor hoch im Norden und das ganze Land war von einem dichtem Wald umgeben. Der Wald war auch gleichzeitig die Grenze zu den Ländern Xiray im Norden, Kwavio im Osten, Sawario im Süden, Gû'robià im Westen und Ludoria zwischen Sawario und Gû’robià. Über diese Grenze musste Aliah gehen, wenn sie aus diesem Land weg wollte. Und sie war sich bewusst, dass dies eine schwere und vor allem gefährliche Reise war. Zwar könnte sie sich mit anderen Leuten zusammenschließen, doch viele aus dem Dorf mieden ihre Nähe oder Bekanntschaft. Den Grund wusste Aliah nicht. Sie war artig, stahl nicht oder motzte rum. Vielleicht wollten sie einfach nichts mit ihr zu tun haben, da ihre Eltern ermordet wurden. Aber schon nach einer Zeit gewöhnte sie sich daran, alleine zu sein."
Das Antwort-Beispiel eines Mitgliedes hörte sich so an:

Aliah sah aus dem Fenster. Draußen lag Schnee, der Winter hatte längst Einzug gehalten. Andor lag hoch im Norden und war berühmt für seine kalten Winter. Dichter Wald umgab das Land und bildete die Grenze zu den Ländern im Norden, Osten und Süden.

Über diese Grenze musste sie gehen, wenn sie aus dem Land weg wollte. Dies würde eine schwere und gefährliche Reise werden. [und so weiter und so fort]


Ich selbst habe damals die Antwort noch ein wenig ausgeweitet:

Ich weiß noch, wie ich damit anfing, mit mit "war's" und "waren's" zu beschäftigen.
Ich zumindest versteifte mich so sehr auf dieses eine Wort, dass ich glaubte, es brächte etwas, nur dieses eine Wort auszutauschen.
Ein Wort austauschen - und schon wird alles besser.
Falsch. Den das ist nicht immer der Fall.

Gehen wir dem ganzen Mal auf den Grund und fragen uns, warum sollte man auf massigen Gebrauch von Hilfsverben achten? (Achtung: massiger Gebrauch; d.h. nicht, dass du gänzlich davon loskommen sollst)

Die langweilig klingenden Hilfsverben sind aus einem bestimmten Grund langweilig: Sie sind statisch.
Nehmen wir mal deinen Satz "Es war Winter".
Das ist eine reine Behauptung. Da bewegt sich nichts, da rührt sich nichts, da entstehen keine Bilder.
Heißt also: Wenn mein Stil gespickt ist mit vielen Hilfsverben, fehlt dir die Aktivität. Deine Geschichte kommt nicht ins Rollen, liegt bewegungslos da.

Aliah sah aus dem Fenster. Dicke Flocken rieselten vom Himmel und überzuckerten das Land mit einer weißen Schicht.


Das Rieseln der Schneeflocken erzeugt ein Bild beim Leser, mit dem jeder Winter in Verbindung bringt.
Gehe also weg vom Statischen und zeige Bewegung.
Das ist schon mal eine Möglichkeit, den Hilfsverben zu entgehen. Aktiv denken. Was tut sich um Aliah herum? Was tut Aliah?

Und sie war sich bewusst, dass dies eine schwere und vor allem gefährliche Reise war.
Manche der Hilfsverben lassen sich auch einfach nur streichen.

Sie wusste, dass es eine schwere und vor allem gefährliche Reise war.

Und weißt du, was noch besser ist? Da du aus Aliahs Sicht schreibst, bräuchtest du nicht einmal das "Sie wusste..."

Es war eine schwere und vor allem gefährliche Reise.
Oder:
Ihr stand eine schwere und vor allem gefährliche Reise bevor.

Also merke:
Es ist nicht notwendig, alle Hilfsverben wegzulassen. Die Mischung macht es aus.


Hier noch ein weiteres Beispiel aus einem meiner alten Manuskripte:
Ihr Ziel war eine Schaar Kleinkinder mit Clownsnasen und Wasser spritzenden Blumen auf der Brust.
Auch hier sieht man wieder: Keinerlei Bewegung. Der Satz liegt einfach so da.

Sie zielte auf eine Schaar Kleinkinder mit Clownsnasen....

In dem Fall geht die Protagonistin in Richtung der Kleinkinder. Sie schießt nicht darauf *g*
Somit hätte ich auch einfach schreiben können: "Sie hastete/lief/rannte/eilte... "

Doch da war nicht auch nur der Ansatz eines Bartwuchses zu sehen.
Ihm wuchs nicht einmal ansatzweise ein Bart.

Sag es einfach Wink


So viel ich zwischen meinen halbgeöffneten Augen erkennen konnte, war ich jedoch nicht in einem Krankenzimmer. Dieser Ort ähnelte ganz und gar nicht einem solchen. Die dunkelblaue Bettdecke und das farblich dazu passende Kissen rochen leicht nach Flieder. Das Bett war so groß, dass ich fünfmal darin Platz gefunden hätte. Der Raum war in einem warmen terracottafarbenen Ton gestrichen worden und wirkte durch seine ansprechende Atmosphäre beruhigend auf mich. Auf einer haselnussbraunen Kommode stand ein Strauß wunderschöner weißer Rosen in einer gläsernen, viereckigen Vase. Auf dem farblich passenden Nachtkasten neben dem Bett hatte jemand ein Glas Wasser abgestellt und daneben lag etwas, dass aussah wie eine Tablette. Ich fragte mich, ob es wohl eine Schmerztablette war, wagte aber nicht, es auch nur zu hoffen. Tageslicht strömte durch das große Fenster und die Balkontür herein und wirkte konträr zu der Dunkelheit, in der ich mich noch gerade eben in meinen Träumen vorgefunden hatte.
Meine Protagonistin - Shannon - liegt in einem Bett. Sie beschreibt den Raum, in dem sie liegt. Damals hatte ich es noch mit Beschreibungen... Vor allen Dingen mit statischen. Gut, in dem Fall ist es auch nicht so leicht, weil sie nicht im Raum herumlaufen kann. Sie liegt ja im Bett. Probieren wir es - der Übung halber - trotzdem, dem Textteil die war's zu nehmen:

So viel ich zwischen meinen halbgeöffneten Augen erkennen konnte, lag ich jedoch nicht in einem Krankenzimmer. Dieser Ort ähnelte ganz und gar nicht einem solchen. Die dunkelblaue Bettdecke und das farblich dazu passende Kissen rochen leicht nach Flieder. Das Bett war so groß, dass ich fünfmal darin Platz gefunden hätte. In das riesige Bett hätte ich fünfmal hineingepasst. Der Raum war in einem warmen terracottafarbenen Ton gestrichen worden und wirkte durch seine ansprechende Atmosphäre beruhigend auf mich. Der terracottafarbene Raum wirkte beruhigend auf mich. Auf einer haselnussbraunen Kommode stand ein Strauß wunderschöner weißer Rosen in einer gläsernen, viereckigen Vase. Auf dem farblich passenden Nachtkasten neben dem Bett hatte jemand ein Glas Wasser abgestellt und daneben lag etwas, dass aussah wie eine Tablette. Ich fragte mich, ob es wohl eine Schmerztablette war, Eine Schmerztablette vielleicht? wagte aber nicht, es auch nur zu hoffen. Tageslicht strömte durch das große Fenster und die Balkontür herein und wirkte konträr zu der Dunkelheit in der ich mich noch gerade eben in meinen Träumen vorgefunden hatte.


Das brauchte ich meinem treuen Freund nicht zweimal sagen. Längst war er unterwegs gewesen und rannte aufgeregt durch die Wiesen. Ich für meinen Teil versuchte so weit es ging, die Fußwege zu nutzen. Für gute Fotos war es allerdings erforderlich, abseits der Wege zu gehen. Ich ermahnte mich selbst, dass auch eine gute Journalistin nicht immer nur den bequemen Weg gehen konnte. So nahm ich die Herausforderung an und stapfte nach einem circa vierzigminütigen Fußmarsch endlich durch sumpfiges Gelände und feuchte Gräser. Ich pfiff Chester zu mir und er lief mir bellend entgegen. Als ich ihn so durch eine grüne Lichtung rennen sah, kam mir die Idee, dass er das perfekte bewegte Motiv war. So stellte ich mein Stativ auf, suchte einen Stock. Diesen konnte ich dazu nutzen, ihn auf der Suche danach durchs Feld zu schicken. Hastig nahm ich dann die entsprechenden, notwendigen Kameraeinstellungen vor. Es war gar nicht so leicht, Chester so weit zu bringen, dass er genau durch das Bild lief, dass der Sucher zeigte. Ich rollte die Augen und sagte mir, dass dies auf meine eigene Ungeschicklichkeit zurückzuführen sein musste und sich jeder andere bestimmt intelligenter angestellt hätte.
(Gott oh Gott.... ich schrieb früher nach der Devise: Wieso leicht, wenn es umständlich auch geht? ... Zurück zu den war's)

Das brauchte ich meinem treuen Freund nicht zweimal sagen. Längst war er unterwegs gewesen und rannte er aufgeregt durch die Wiesen. Ich für meinen Teil versuchte so weit es ging, die Fußwege zu nutzen. Für gute Fotos war es allerdings erforderlich, Gute Fotos erforderten allerdings, abseits der Wege zu gehen. Ich ermahnte mich selbst, dass auch eine gute Journalistin nicht immer nur den bequemen Weg gehen konnte. So nahm ich die Herausforderung an und stapfte nach einem circa vierzigminütigen Fußmarsch endlich durch sumpfiges Gelände und feuchte Gräser. Ich pfiff Chester zu mir und er lief mir bellend entgegen. Als ich ihn so durch eine grüne Lichtung rennen sah, kam mir die Idee, dass er das perfekte bewegte Motiv war.(das lasse ich... alles andere würde diesen Satz geschwängert machen) So stellte ich mein Stativ auf, suchte einen Stock. Diesen konnte ich dazu nutzen, ihn auf der Suche danach durchs Feld zu schicken. Hastig nahm ich dann die entsprechenden, notwendigen Kameraeinstellungen vor. Es war gar nicht so leicht, (auch das lass ich) Chester so weit zu bringen, dass er genau durch das Bild lief, dass der Sucher zeigte. Ich rollte die Augen und sagte mir, dass dies auf meine eigene Ungeschicklichkeit zurückzuführen sein musste und sich jeder andere bestimmt intelligenter angestellt hätte.


So. Falls jemand ein paar Übungsbeispiele haben will (um sie selber auseinanderzuklamüsern), einfach schreien Wink



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Re: Die Wörtchen: War und waren

Beitrag  Anjana am So Apr 07, 2013 8:39 am

Wow, DAS ist mal ausführlich!
An einige der Textbeispiele erinnere ich mich sogar noch^^

Klasse finde ich vor allem dass durch deine Beispiele beides deutlich wird: Die wars in äußerlichen Beschreibungen und die wars bei Empfindungen.
Beschreibungen sind bei mir ja meist eher redundant^^

Vielen Dank für diesen Beitrag :blumenstrauss:
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Re: Die Wörtchen: War und waren

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