Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

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Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

Beitrag  Anjana am Mo 24 Jun 2013 - 21:18

Sagt mal, kennt ihr das auch, dass ihr eine Szene schreibt und sie echt zäh ist und ihr euch schon denkt, dass ihr sie wohl stark überarbeiten müsst, wenn nicht sogar neuschreiben? Und wenn ihr sie dann lest, stellt ihr fest, dass sie doch nicht schlecht, sondern sogar ganz gut ist.

Ich hatte das heute das erste Mal. Und irgendwie hat mir das wieder einen Aufschwung gegeben, auch dann einfach zu schreiben, wenn ich den Eindruck habe, dass es nicht gut wird, oder es wirklich nur mühsam vorangeht, weil ich nicht reinkomme.

Ist euch sowas auch schon mal passiert?

lg
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Re: Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

Beitrag  Zauberfeder am Mo 24 Jun 2013 - 21:26

Hey Smile

Na ja, so praktisch habe ich da im ersten Moment noch nicht gedacht. Ich dachte mir nur, dass die Szene scheiße ist und sie mir nicht gefällt und habe mich geärgert, dass ich es nicht besser hingekriegt habe, aber dann nachdem Zeit vergangen war und ich noch einmal drüber gelesen habe, fand ich sie sogar gut. Ging mir sogar mehrmals so. 
Kann mich sogar noch an zwei Szenen erinnern, wo das so war. Damals bei meinem Finale von meinem Band 2 war das fast durchgehend so. Ich fand's die ganze Zeit dermaßen schlecht und dann, als ich es später gelesen habe, war ich völlig aus dem Häuschen. Ich habe das gelesen, als würde ich es zum ersten Mal gelesen und konnte kaum erwarten, weiterzulesen oO Das war echt strange.
Auch beim Anfang von meinem Band 3 ging es mir erst so. Das fand ich so langweilig und doof geschrieben, obwohl ich es mir so toll vorgestellt hatte. War echt unglücklich über diesen miserablen Anfang und als ich es später noch einmal gelesen habe, war's irgendwie gar nicht mehr so schlecht.

Dasselbe hatte ich auch schon mal bei einer Kurzgeschichte. Die habe ich für einen Forenwettbewerb geschrieben und fand die ganze Zeit dermaßen blöd, weil's auch nix mit Fantasy war und ich die allgemein so schlecht fand. Aber dann fiel mir auch keine neue Geschichte ein. Hab's noch dreimal versucht und es gelang mir nicht, dabei wollte ich unbedingt beim Wettbewerb mitmachen. Na ja, dann habe ich mir die Kurzgeschichte doch noch mal durchgelesen und fand sie toll. Meinen letzten Satz liebe ich jetzt noch immer.

Also ja, so etwas ist mir sogar schon mehrmals passiert. Vermutlich auch noch mehr, als diese drei Male, aber das sind jetzt die, die mir dazu auf Anhieb einfallen.

lg
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Re: Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

Beitrag  summergirl am Mo 24 Jun 2013 - 21:32

Hi, Ani!
So etwas in der Art hab ich mal in einem Schreibratgeber über Schreibblockaden gelesen.
Ich müsste jetzt nachsehen, in welchem.
Aber im Grunde genommen hat der Autor geschrieben:
"Es gibt keine Schreibblockaden. Man liest nur anders das, was man gerade geschrieben hat. Wenn man trotzdem schreibt und es später mit einer positiveren Einstellung liest, ist es genauso gut, wie das andere."

Im Moment tendiere ich selbst eher dazu, Szenen, die mir schwer fallen, ganz auszulassen. Vielleicht sollte ich mir das hier aber wieder zu Herzen nehmen und einfach drauf los schreiben. Mal sehen, ob ich dann diesen Aufschwung auch erfahren.

LG Birgit

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Re: Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

Beitrag  Wordhunter am Mo 24 Jun 2013 - 22:42

Huhu zusammen. :winken:

Ha ha, so ein Gefühl beschleicht mich oft, dass ich Bockmist verfasse. :P
Ich lasse den Abschnitt aber erst so stehen und widme mich ihm später.
Nun ja, wenn ich ihn dann mehrmals gelesen und umgewurschelt habe, finde ich den Bockmist gar nicht mehr so mistig. Smile

Momentan schwebe ich in solch einer Situation. Den Abschnitt, den ich vorhin geschrieben habe, liegt mir noch schwer im Magen. Da weiß ich jetzt schon, da muss ich noch mehrmals dran. Kann aber auch möglich sein, weil es in der Geschichte jetzt ans Eingemachte geht und mir noch ein wenig die volle Moti fehlt.  scratch
Es kann nur besser werden. Also Ani, dies ist mir nicht fremd. Smile

Glg Ulli flower

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Re: Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

Beitrag  Anjana am Di 25 Jun 2013 - 9:12

Huhu ihr drei,

das ist ja spannend, dass ich damit nicht allein stehe. Ich fand das total toll, als ich die Szene wieder gelesen hab und man nichts von dem zähen Schreibvorgang erlesen hat.
Vielleicht war es auch noch deswegen, weil sich da eine Szene reingeschoben hat, die ich vorher nie so geplant hab. Ob das wirklich passt, war für mich beim schreiben auch schon fraglich, aber beim Lesen war es dann absolut schlüssig.
@Zauberfeder: Das muss dir doch immer wieder Auftrieb geben, oder? Wobei ich ja auch gar nicht verstehe, warum du immer so extrem selbstkritisch bist, beim schreiben. Das hast du doch offensichtlich gar nicht nötig Wink

@Birgit: Ist ja hochinteressant, dass das sogar in einem Ratgeber steht. Aber das ist schon wahr. Eine richtige Schreibblockade ist wirklich selten. Die würde ich auch erst dann sehen, wenn ich einfach keine Ideen mehr habe, was ich schreiben könnte. Alles andere sind hausgemachte Verteidigungsmechanismen, denen wir nachgeben. Wink

Schwierige Szenen auszulassen, die Tendenz kenne ich auch, wobei ich dann immer eher zu einem neuen Projekt wechsle, weil ich ja chronologisch schreibe. Früher habe ich dann auch ganz oft Szenen beendet und einen Cut gemacht. Irgendwie hat das meistens geklappt. Meine Sina ist früher ständig einfach umgekippt^^ Ich hatte da zwar immer auch eine Erklärung für, aber eigentlich war das bloß, weil ich nen Schreibcut brauchte. *g*

@Ulli: Ich hoffe, dass du die Szene schnell hinter dir hast, und dann wieder voll drin bist. Ich finde das nach so langer Pause aber auch immer wieder schwieriger richtig reinzukommen. Und wenn sich die Geschichte dann noch verändert hat, wirds doppelt schwierig.

Noch mal @Zauberfeder: Diesen Sog in die eigene Geschichte kenne ich auch^^ Das ist wirklich strange! Ich hatte das vor zwei Jahren oder so mal so extrem, dass ich auf einen Konflikt hingelesen habe, wie in einem ganz fremden Buch. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen, weil ich nicht mehr genau wusste, wie ich den Konflikt aufgelöst hatte. Ich war mir aber ganz sicher den schon geschrieben zu haben. Und brach der Text vorher ab, weil ich ihn eben doch noch nicht geschrieben hatte. Boah war ich sauer^^ Ich war im ersten Moment richtig frustriert und aggressiv, weil das da noch nicht stand.
Ich finde sowas ist ein unglaublich tolles Gefühl und ein totales Geschenk, wenn man in die eigenen Sachen eintauchen kann, wie in fremde Texte. Meistens bleibt man ja doch irgendwie im Schreibermodus hängen und der ist zwar auf der einen Seite, oder besser gesagt auf einer Ebene viel intensiver als eine Leseerfahrung, auf der Erfahrungsebene aber gleichzeitig auch viel schwächer. Zumindest ist das bei mir so.
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Re: Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

Beitrag  Zauberfeder am Di 25 Jun 2013 - 18:10

@summergirl schrieb:Im Moment tendiere ich selbst eher dazu, Szenen, die mir schwer fallen, ganz auszulassen.
Und das kriegst du echt hin? Finde ich ja erstaunlich, weil ich einfach chronologisch schreiben muss. Früher habe ich nicht geplant, deshalb konnte ich das schon mal gar nicht machen, aber auch jetzt, wo ich den Plot meines Romans kenne, würde ich keine Szene vorziehen, weil mir die eine gerade schwer fällt. Ich kann das nicht. Das käme mir falsch vor und selbst wenn ich mich auf eine Szene freue, würde die schreiben, hätte ich alle Freude daran verloren, weil ich wüsste, dass sie jetzt noch nicht dran ist. Außerdem kommt dann ja beim Schreiben noch mal was dazu oder eine Kleinigkeit, die ich aber wissen muss, um diese Szene schreiben zu können, wenn ich sie nicht zweimal schreiben will. Wie machst du das?

@Anjana schrieb:Das muss dir doch immer wieder Auftrieb geben, oder? Wobei ich ja auch gar nicht verstehe, warum du immer so extrem selbstkritisch bist, beim schreiben. Das hast du doch offensichtlich gar nicht nötig Wink
Na ja, es kam zwar schon öfters vor, aber ist ja auch nicht so, dass es immer wieder vorkommt und wenn dann ist es auch nur für den Moment schön und bald darauf, wenn ich mal nicht weiter weiß beim Schreiben, schon wieder längst vergessen. Das einzige, was dadurch passiert, ist halt, dass ich mir dann denke, dass es mir vielleicht jetzt nur so schlecht vorkommt und ich es nachher vielleicht gar nicht mehr so schlecht finde. Wirklich vorstellen, kann ich es mir dann in solchen Sitationen aber nicht.
Na ja, so offensichtlich, wie das für dich scheint, ist das für mich nicht (auch wenn ich gar nicht weiß, wieso es für dich so offensichtlich ist - du hast ja nur den Prolog gelesen und der war ja auch alles andere als perfekt, zu viele sinnlose Wiederholungen und von den zwei fatalen Logikfehlern wollen wir mal lieber kein Wort sagen^^).
Ich bin ohnehin ein unsicherer Mensch, auch außerhalb des Schreibens, eher generell. Und dann kommt noch dazu, dass ich einfach schon oft die Erfahrung gemacht habe, dass ich meinen Text gut fand und dann feststellen musste, dass er doch gar nicht gut war, sondern eher noch schlecht und ich noch viel lernen musste. Und wenn ich dann was gut finde, ist das zwar schön, aber dann bleibt immer noch der Hintergedanke, dass ich mir das dann in dem Moment vielleicht auch nur einbilde, so wie bei den letzten Malen.

@Anjana schrieb:Diesen Sog in die eigene Geschichte kenne ich auch^^ Das ist wirklich strange! Ich hatte das vor zwei Jahren oder so mal so extrem, dass ich auf einen Konflikt hingelesen habe, wie in einem ganz fremden Buch. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen, weil ich nicht mehr genau wusste, wie ich den Konflikt aufgelöst hatte. Ich war mir aber ganz sicher den schon geschrieben zu haben. Und brach der Text vorher ab, weil ich ihn eben doch noch nicht geschrieben hatte. Boah war ich sauer^^ Ich war im ersten Moment richtig frustriert und aggressiv, weil das da noch nicht stand.
Och, Mensch, das ist aber echt ärgerlich, dass du auch noch an einer so spannenden Stelle mit dem Lesen aufhören musstest. Kann mir vorstellen, dass dich das erst einmal total frustriert und aggressiv gemacht hat. Ist auch ätzend, wenn was an einer spannenden Stelle aufhört. Aber trotzdem total cool, dass du diese Situation bei deiner eigenen Geschichte gehabt hast. Das ist doch ein super Zeichen dafür, dass sie dich total mitreißen konnte und du am liebsten sofort weitergelesen hättest. Ich finde, solche Erfahrungen muss man auch einfach mal machen. Dafür schreiben wir. Dafür, dass andere diese Erfahrung machen und wenn wir das an uns merken, ist das ein Zeichen für uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und unsere Sache auch gut gemacht haben. Es ist im Grunde sogar irgendwo noch viel, viel toller, als das beste Lob von jemand anderem, weil wir uns zwar über so ein Lob tierisch freuen, auch super motiviert sind, aber so in Zweifelphasen können wir das nur schwer wirklich aufnehmen und nur wenig nachvollziehen. Wenn wir so etwas aber selbst spüren, sind das so Erfahrungen, die uns ganz deutlich zeigen, dass wir schreiben können und die Geschichte lebt.

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Re: Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

Beitrag  Anjana am Di 25 Jun 2013 - 18:50

@Zauberfeder schrieb:Na ja, so offensichtlich, wie das für dich scheint, ist das für mich nicht (auch wenn ich gar nicht weiß, wieso es für dich so offensichtlich ist - du hast ja nur den Prolog gelesen und der war ja auch alles andere als perfekt, zu viele sinnlose Wiederholungen und von den zwei fatalen Logikfehlern wollen wir mal lieber kein Wort sagen^^).

Aber du darfst auch nicht vergessen, dass es da auch ein paar Sachen gab, die ich zwar angemerkt habe, alle anderen das aber anders gesehen haben ;)Anmerkungen sind halt einfach auch immer Geschmacks- und Gewohnheitsgeprägt. Selbst wenn man versucht objektiv zu sein, die Art wie ein Text wirkt, ist immer auch Sache der eigenen Entwicklung und Erfahrung als Leser.
Und dein Prolog war ja nun auch nicht schlecht! Ausserdem was ist schon perfekt? Ich liebe meine Sina, Jess dagegen kann manches nicht so richtig nachvollziehen, bzw. fesselt die Umsetzung der Geschichte sie nicht. Ich habe auch schon ganz extrem beides erlebt. Leute, die nach zwei/drei Kapiteln sagen: Nee, geht gar nicht und welche, die es nicht mehr aus der Hand gelegt haben.
Deswegen finde ich auch wichtig, dass man zwar eine Basis von Betas hat, die voll auf der Wellenlänge sind, aber man auch immer mal wieder Fremde Leserreaktionen einholt. (Und extrem kritische Anmerkungen auch mit den Betas besprechen kann^^)

Und von deinem Durchhaltevermögen, trotz deiner Selbstzweifel will ich mal gar nicht anfangen. Da ziehe lieber gleich den Hut vor dir! Wink

Wenn wir so etwas aber selbst spüren, sind das so Erfahrungen, die uns ganz deutlich zeigen, dass wir schreiben können und die Geschichte lebt.
Ja, das finde ich auch. Das kann man sich dann in Selbstzweifelmomenten noch viel besser in Erinnerung rufen. Eben weil man weiß, das ist echt. Nicht geschönt oder weichgespültes Feedback, sondern ganz real.
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Re: Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

Beitrag  Zauberfeder am Di 25 Jun 2013 - 19:07

@Anjana schrieb:Und dein Prolog war ja nun auch nicht schlecht! Ausserdem was ist schon perfekt? Ich liebe meine Sina, Jess dagegen kann manches nicht so richtig nachvollziehen, bzw. fesselt die Umsetzung der Geschichte sie nicht. Ich habe auch schon ganz extrem beides erlebt. Leute, die nach zwei/drei Kapiteln sagen: Nee, geht gar nicht und welche, die es nicht mehr aus der Hand gelegt haben.
Na ja, perfekt ist eh nichts. Vielleicht war es auch das falsche Wort. 'Nicht gut' trifft es eher, aber an sich war er ja irgendwo auch wieder gut, glaube ich. Er hatte halt nur Fehler, aber das ist klar, weil er noch nicht überarbeitet war und letztlich betrachtet, waren es vielleicht sogar recht wenig Fehler, wenn ich mir meinen ersten Prolog angucke. Zwar Fehler, die das komplette Umschreiben erfordern, aber trotzdem irgendwie nicht so viel. Schwierig zu beschreiben. Hätte vielleicht einfach auf mehr Euphorie gehofft, weil ich so euphorisch war, aber na ja. Daran muss ich einfach noch arbeiten. Wenn er dann besser ist, dann gibt's vielleicht auch Euphorie, wobei die Kommentare an sich ja doch gar nicht so schlecht waren. Es war ja auch viel Positives dabei. Sieht man nur selten so, weil das Negative natürlich überwiegt.

Ohje, also diese beiden Extreme würden mich ja total verwirren. Damit könnte ich nicht umgehen, weil ich dann nicht wüsste, ob ich meinen Text jetzt als gut oder schlecht betrachten sollte. Wessen Meinung soll ich mir jetzt zu Herzen nehmen? Muss ich was verändern? Muss ich es nicht? Dann weiß ich ja auch, dass ich natürlich nicht alle begeistern kann, also welche Kommentare sind in diesem Fall dann was für mich? Das wäre für mich echt schwierig. Wie hast du das denn gemeistert?

@Anjana schrieb:Und von deinem Durchhaltevermögen, trotz deiner Selbstzweifel will ich mal gar nicht anfangen. Da ziehe lieber gleich den Hut vor dir! Wink
Du bist ja süß^^ Na ja, aber weißt du, es gibt da diesen kleinen Funken in mir. Der ist nicht besonders groß, meistens auch extrem schwach, aber er hält das Feuer der Hoffnung und der Träume am Laufen. Und so lange er noch glüht, wird das auch weiterhin so gehen. Noch habe ich diesen Traum, von daher wird sich da auch nichts ändern und überhaupt liebe ich meine Geschichte. Wir haben halt Höhen und Tiefen miteinander, aber so ist das mit einer guten Beziehung ja eigentlich auch. Das gehört dazu. Wir meistern die Tiefen auch wieder und gehen gestärkt daraus hervor. Mein Werk hat es einfach verdient, etwas Großartiges zu werden und zusammen packen wir das schon^^

@Anjana schrieb:Ja, das finde ich auch. Das kann man sich dann in Selbstzweifelmomenten noch viel besser in Erinnerung rufen. Eben weil man weiß, das ist echt. Nicht geschönt oder weichgespültes Feedback, sondern ganz real.
Jap. Besonders, weil man in so Selbstzweifelmomenten eh nicht versteht, was die Leute mit dem positiven Feedback eigentlich meinen. Manchmal fängt man dann an zu glauben, die hätten das nur geschrieben, damit man nicht deprimiert ist, dabei ist der Text ja eigentlich schlecht und und und. Da sind solche eigenen positiven Erfahrungen mit dem eigenen Text echt super.
Wobei es mir in solchen Momenten ja auch so geht, dass ich mich dann zwar daran erinnere, aber es kein Gefühl in mir hervorruft und ich dann eher glaube, dass es bei dieser Szene sicherlich nicht so sein wird, sondern dass die gerade wirklich schlecht ist. Aber so ist das in Zweifelmomenten. Da räumt man die Zweifel einfach nicht so schnell aus. Umso schöner ist es dann, wenn man irgendwann anders auf diesen Text blickt und merkt, dass man sich geirrt hat.

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#Kritik

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Re: Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

Beitrag  Anjana am Di 25 Jun 2013 - 21:06

Es war ja auch viel Positives dabei. Sieht man nur selten so, weil das Negative natürlich überwiegt.

Ja, das kenne ich auch. Das Positive liest man, man freut sich kurz und dann ist es auch fast schon wieder vergessen, denn dann kommt das negative und man kriegt Bauchschmerzen.^^ Naja zumindest geht es mir gerade bei Rohfassungen manchmal so, wenn Dinge angekreidet werden, wo man sich denkt: Das hättest du aber merken müssen ...
Man sollte im Nachhinein, wenn man überarbeitet hat und die negativen Punkte deswegen ignorieren kann, noch mal ganz gezielt das positive durchlesen. Vielleicht macht es sogar Sinn, sich diese in einen "Motivationsordner" zu kopieren, in dem man in schlechten Zeiten lesen kann, ohne die negativen Dinge zu lesen. Immerhin lernt man durch positive Verstärkung besser, als durch negative^^
Ja, die Idee gefällt mir!

Ohje, also diese beiden Extreme würden mich ja total verwirren. Damit könnte ich nicht umgehen, weil ich dann nicht wüsste, ob ich meinen Text jetzt als gut oder schlecht betrachten sollte. Wessen Meinung soll ich mir jetzt zu Herzen nehmen? Muss ich was verändern? Muss ich es nicht? Dann weiß ich ja auch, dass ich natürlich nicht alle begeistern kann, also welche Kommentare sind in diesem Fall dann was für mich? Das wäre für mich echt schwierig. Wie hast du das denn gemeistert?
Ja, das ist auch nicht ganz einfach. In den meisten Fällen war die negative Kritik aber auch nicht schlüssig begründet, oder so begründet, dass es für mich ganz deutlich eine Geschmacksfrage war. Das habe dann stumpf ignoriert. Also das, was sich auch nach etwas Abstand nicht erschlossen hat. Manches habe ich als Experiment probiert und einiges habe ich durch andere Kritik wieder verstanden.
Als ich dachte, ich hätte schon eine Endversion, habe ich meinen Anfang in die BT-Runde der 42er geschmissen. Dort haben auch verlegte Autoren ihren Senf abgegeben. Durch sie habe ich viel gelernt, vor allem auch, dass man es eben nicht allen recht machen kann. Die zwei Hauptkritiker (die mir sehr geholfen haben, auch wenn ich für meine Schreibe nicht alles übernehme, habe ich vieles erst durch sie verstanden) beispielsweise sind Autoren, bei deren Büchern ich über die erste Seite nicht hinauskomme. Mir gefällt ihre Schreibe nicht. Ich will so nicht schreiben. Aber ihre Bücher verkaufen sich gut. Sehr gut. Durch die Diskussionen dort ist mir auch klar geworden wie unterschiedlich auch Verlagsautoren (und manchmal auch deren Lektoren) Texte und Textstellen einschätzen.
Das hat mir Sicherheit gegeben (und tut es noch) mich auf mein Gefühl zu verlassen. Und mich auch zu trauen, mal nein zu sagen.
Allerdings habe ich von der Kritik viel für andere Projekte oder für Experimente mitnehmen können. Ich habe deswegen beispielsweise extra ein Experiment für einen BT geschrieben, das mir selbst nicht so gefallen hat, mit dem ich mir aber beweisen wollte, dass ich es umsetzen könnte, wenn ich wollte. (Und damit überprüft man auch gleich, ob an dem Tipp nicht doch etwas dran ist, wenn man in umsetzt und in den eigenen Worten sieht. Das passiert nämlich durchaus öfter, als man denkt)
Wenn die tiefgehende Kritik gut begündet ist, hilft sie manchmal doch auch weiter, und sei es nur, weil man seine eigene Kompromissgrenze weiter auslotet. Weil man noch dezidierter erkennt, was man mag und was nicht, und wie gesagt, für Experimente ist das immer hilfreich. Ich will nach Sina auch nicht mehr nur "meinen Geschmack" schreiben, sondern genau den Stil, den ich mir für diese Geschichte überlegt habe. Also muss ich mich auch viel ausprobieren.
Und wenn Kritik so begründet ist, wie beispielsweise die von Jess, dann eröffnet sie mir oft neue Sichtweisen und Erkenntnisse, die ich nicht alle bei Sina übernehme, weil das eben mein Baby ist, aber durchaus für andere Projekte ist das hilfreich. Aber das funktioniert auch nur, weil ich mich mit Jess austauschen kann und sie meine Art der Überlegungen und meinen Umgang mit der Kritik akzeptieren kann. :blumenstrauss:Ich frage dann einfach blöd nach, was mir nicht ganz einleuchtet und schreibe ihr, was ich mir bei ihrer kritik denke. Oft ist sie eben erst beim zweiten Erklärungsdurchgang für mich einleuchtend, weil Jess und ich total unterschiedlich sind.

Und wenn ich total hadere (so wie vor kurzem), dann frage ich meine Betas, von denen ich weiß, dass wir ähnliche Lesevorlieben haben. Oder ich lass es erstmal liegen. Wenn ich die Kritik über die Zeit vergesse, war sie für mich auch nicht richtig.

Mein Werk hat es einfach verdient, etwas Großartiges zu werden und zusammen packen wir das schon^^

Sehr schön gesagt!!:2thumbs:
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Re: Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

Beitrag  summergirl am Mi 26 Jun 2013 - 7:45

Guten Morgen!


summergirl schrieb:Im Moment tendiere ich selbst eher dazu, Szenen, die mir schwer fallen, ganz auszulassen.

Und das kriegst du echt hin? Finde ich ja erstaunlich, weil ich einfach chronologisch schreiben muss. Früher habe ich nicht geplant, deshalb konnte ich das schon mal gar nicht machen, aber auch jetzt, wo ich den Plot meines Romans kenne, würde ich keine Szene vorziehen, weil mir die eine gerade schwer fällt. Ich kann das nicht. Das käme mir falsch vor und selbst wenn ich mich auf eine Szene freue, würde die schreiben, hätte ich alle Freude daran verloren, weil ich wüsste, dass sie jetzt noch nicht dran ist. Außerdem kommt dann ja beim Schreiben noch mal was dazu oder eine Kleinigkeit, die ich aber wissen muss, um diese Szene schreiben zu können, wenn ich sie nicht zweimal schreiben will. Wie machst du das?

Gerade diese Fragen, die dann im weiteren Verlauf aufkommen, helfen mir oft, die fragliche Szene hinzukriegen. Wird er verletzt? Tötet er jemanden? Wer sieht zu? Was denkt er in diesem Moment?
Das sind Eckpunkte, die mir eben in dem Moment noch nicht klar sind. Wenn ich aber dann an einer Stelle stehe, wo es notwendig ist, dass er frisch verbunden wird, dass er etwas erklären muss, was ein anderer gesehen hat usw. dann kommt dieser Kick, den ich für die Szene brauche. Dann schreibt sie sich irgendwie schon viel leichter.

Das mit der Kritik ist eine ziemlich haarige Sache. Ich hab den Anfang von einer meiner Geschichten in der SWS eingestellt und nur eine einzige Kritik dazu bekommen. Und die war nicht gerade positiv. Zu viel "tell", unlogisch, schlecht recherchiert.
Und jetzt, ein halbes Jahr später kommen plötzlich drei Kritiken dazu von denen zwei eher positiv bis gut waren und eine kritisch mit positivem Grundgedanken.
Du hast gefragt, welche Kritik du jetzt beherzigen solltest. Alle. Denn in allen steckt etwas, das dich weiter bringt. Und wenn es nur ist, dass du sagst: "Ne, das seh ich anders."
Dass du es nicht jedem recht machen kannst, weißt du ja schon. Doch glaub mir, der schwierigste Kritiker ist man meist selber.

Was ich auf jeden Fall gelernt hab ist, kein Herzeigen wenn ich selber grad total begeistert von etwas bin. Zumindest für mich ist das enorm wichtig. Denn dann gehe ich mit einer überzogenen Erwartungshaltung an die Sache heran, die kaum ein anderer erfüllen kann.
Wenn dann nicht nur positive Reaktionen kommen, bin ich am Boden zerstört und kann mit den konstruktiven Kritiken auch nichts anfangen.

Eine Art von Kritik aber, die darfst du absolut und in jedem Fall ignorieren. Das sind jene, die in Stilfragen Tatsachen sehen. Stil ist etwas, das jeder individuell sieht. Wenn ich also lese: Das musst du so schreiben,
das geht gar nicht, da gehört das oder jenes hin, dann bin ich meist schon fertig. Das interessiert mich nicht mehr.
Grammatik, Rechtschreibung, Satzzeichen ok. Das sind Tatsachen. Aber Stil? Nein. Man liest immer wieder von zu füllwortlastig, zu viele Adjektive, zu viel tell ohne show. Nur manchmal will ich das in diesem Fall genau so. Manchmal ist es in diesem einen Punkt auch genau das, was die Geschichte braucht.

Ich bin ohnehin ein unsicherer Mensch, auch außerhalb des Schreibens, eher generell. Und dann kommt noch dazu, dass ich einfach schon oft die Erfahrung gemacht habe, dass ich meinen Text gut fand und dann feststellen musste, dass er doch gar nicht gut war, sondern eher noch schlecht und ich noch viel lernen musste. Und wenn ich dann was gut finde, ist das zwar schön, aber dann bleibt immer noch der Hintergedanke, dass ich mir das dann in dem Moment vielleicht auch nur einbilde, so wie bei den letzten Malen.
Das kann ich dir nachfühlen. Ich selber tendiere sehr dazu, mich über das Lob und die Anerkennung anderer zu definieren. Das macht das Leben nicht gerade leichter.
Mit meinen Kindern hab ich vor drei oder vier Jahren mal ein "Positiv-Denken"-Plakat gemacht. Und es ist so ähnlich wie Anis Vorschlag mit dem "Motivationsordner". Wir haben auf ein Plakat einen Smilie gemalt. Jedes Mal, wenn dann eins der Kinder ein Plus oder etwas besonders Gutes in der Schule geschafft hat, dann haben wir das dort drauf geschrieben. Am Schulende war das Plakat voll und die beiden haben festgestellt, dass sie doch eigentlich ganz schön viel geschafft haben.
Beim Schreiben könnte es jede positive Kritik sein, jeder Satz, der dir selber besonders gut gefällt, jede Plot-Entwicklung, die unvorhergesehen daherkam und dir super gefällt oder dir weitergeholfen hat.
Wenn du dann mies drauf bist, setzt du dich vor dieses Plakat oder holst deinen "Motivationsordner" raus und liest dir das dann durch. Es wird nicht immer helfen. Aber wenn's ein paar Mal hilft, war's das schon wert.

GlG Birgit

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Re: Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

Beitrag  Anjana am Mi 26 Jun 2013 - 10:49

Was ich auf jeden Fall gelernt hab ist, kein Herzeigen wenn ich selber grad total begeistert von etwas bin. Zumindest für mich ist das enorm wichtig. Denn dann gehe ich mit einer überzogenen Erwartungshaltung an die Sache heran, die kaum ein anderer erfüllen kann.
Wenn dann nicht nur positive Reaktionen kommen, bin ich am Boden zerstört und kann mit den konstruktiven Kritiken auch nichts anfangen.
Das ist ein guter Rat, den ich so unterschreiben kann. Je euphorischer man selbst ist, desto mehr schmettert kritik nieder. Ich glaube, das liegt daran, dass man nach dieser kritik irgendwie auch sie selbst und seine Einschätzung komplett in Frage stellt, statt die Kritik als sachliche Anmerkung zum Text zu sehen. Und oft ist man in seiner Euphorie auch noch voll im Schreibgefühl gefangen, bei dem Texte immer ganz anders wirken, als im Lesegefühl. Auch wenn es schwerfällt, macht es echt oft mehr Sinn gerade dann noch zwei Tage zu warten, noch mal drüber zu schauen und es dann einzustellen.

Eine Art von Kritik aber, die darfst du absolut und in jedem Fall ignorieren. Das sind jene, die in Stilfragen Tatsachen sehen. Stil ist etwas, das jeder individuell sieht. Wenn ich also lese: Das musst du so schreiben,
das geht gar nicht, da gehört das oder jenes hin, dann bin ich meist schon fertig. Das interessiert mich nicht mehr.
Grammatik, Rechtschreibung, Satzzeichen ok. Das sind Tatsachen. Aber Stil? Nein. Man liest immer wieder von zu füllwortlastig, zu viele Adjektive, zu viel tell ohne show. Nur manchmal will ich das in diesem Fall genau so. Manchmal ist es in diesem einen Punkt auch genau das, was die Geschichte braucht.
Immer und kategorisch zu ignorieren, halte ich persönlich auch bei solcher Kritik für falsch. Das Problem ist, dass in dem "du musst" nicht drinsteht, warum man es nun genau an dieser Stelle tun muss/sollte. Meist zeigt so eine Kritik zielgenau die Schwachstellen auf, nur leider ist sie nicht hilfreich, um eben dieses zu ändern. Das ist wie beim Kochen. Wenn jemand sagt, die Suppe schmeckt nicht, da musst du Pfeffer dran tun. Dann hilft mir das nicht wirklich weiter, wenn ich gerade keinen Pfeffer habe. Oder absolut keinen Pfeffer mag. Wenn mir aber jemand sagt: Da fehlt noch ein Geschmack, das ist noch Pfad, dann kann vielleicht auch (keine Ahnung^^) eine Prise Chili, ein Curry oder Knoblauch das Problem beheben. Es muss nicht der Pfeffer sein, aber dass an der Stelle etwas nicht stimmt, zeigt auch die "du musst"-Kritik. Ich ignoriere solche Kritik nur, wenn ich weiß, dass der andere so Pfefferverliebt ist, dass ihm nichts anderes passen würde oder wenn ich es einfach nicht verstehe, weil ich die Suppe ganz göttlich finde, weil sie eben italienisch ist und nicht griechisch werden soll^^ Aber dann habe ich die Anmerkung und ihre Wirkung ja auch bewusst durchschaut. Solange ich das nicht habe, versuche ich inzwischen so lange nachzuhaken, bis ich sie durchschaue. (Oft stelle ich auch fest, dass ich sie erst nachvollziehen kann, wenn mir der Text "fremd" geworden ist. Ich also nicht mehr im Autorenmodus, sondern im Lesermodus bin. Oder wenn ich die Kritik entgegen meinem Geschmack umgesetzt habe.)

Inwieweit Stil wirklich Stil und nicht "nur" Vorliebe ist, finde ich inzwischen auch sehr schwer abzugrenzen. Stil bedeutet für mich inzwischen mindestens, wenn nicht stärker Plot, Charakterzeichnung, Szenenaufbau usw. Füllworte Adjektive, ... sind da für mich eher noch untergeordnet, eben weil sie schnell austauschbar sind, ohne dass sich der Text zwangsläuig massiv ändert. Das ist meist erst dann der Fall, wenn sie wirklich bewusst eingesetzt werden. Dann haben sie nämlich auch eine essentielle Bedeutung. Auch die Erzählstimme spielt eine größere Rolle, als der reine Geschmack.
Und da kommt natürlich auch immer noch dazu: Für wen schreibe ich? Für mich und vielleicht eine Handvoll Leser/Fans? Oder schreibe ich, weil ich massentauglich und verkaufbar sein will? Beides sagt erstmal nix über die Qualität aus, bedingt aber unterschiedliche Formen von Texten. Für das erste muss man seine Grenzen nicht ausloten. Man kann nach Geschmack gehen und von sich weisen, was einem nicht zusagt. Das finde ich auch völlig legitim. Das ist eben der Hobbybereich.
Beim zweiten habe ich den Anspruch, dass man zum Fachmann werden sollte. Ich muss die Kritik so gut durchschauen, wie möglich. Sie als sachliches Produkt betrachten. Von einem Autoentwickler erwarte ich auch, dass er die neuen Spiegel, oder den neuen Motor einfach nur schön findet. Ich will, dass er genau weiß, welche Auswirkungen diese Dinge haben und er sie in diesem Bewusstsein verwendet, oder auf sie verzichtet und Alternativen einbaut.
Das ist einfach der Unterschied zwischen Hobby und Profi (im Sinne von Geldverdienen).

Das sind zumindest meine :2cents: zum Thema Stil und Stilanmerkungen.
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Re: Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

Beitrag  summergirl am Mi 26 Jun 2013 - 12:13

Ok, das war jetzt wieder typisch ich!


Eine Art von Kritik aber, die darfst du absolut und in jedem Fall ignorieren. Das sind jene, die in Stilfragen Tatsachen sehen. Stil ist etwas, das jeder individuell sieht. Wenn ich also lese: Das musst du so schreiben, das geht gar nicht, da gehört das oder jenes hin, dann bin ich meist schon fertig. Das interessiert mich nicht mehr.   Grammatik, Rechtschreibung, Satzzeichen ok. Das sind Tatsachen. Aber Stil? Nein. Man liest immer wieder von zu füllwortlastig, zu viele Adjektive, zu viel tell ohne show. Nur manchmal will ich das in diesem Fall genau so. Manchmal ist es in diesem einen Punkt auch genau das, was die Geschichte braucht.

Immer und kategorisch zu ignorieren, halte ich persönlich auch bei solcher Kritik für falsch. Das Problem ist, dass in dem "du musst" nicht drinsteht, warum man es nun genau an dieser Stelle tun muss/sollte. Meist zeigt so eine Kritik zielgenau die Schwachstellen auf, nur leider ist sie nicht hilfreich, um eben dieses zu ändern. Das ist wie beim Kochen. Wenn jemand sagt, die Suppe schmeckt nicht, da musst du Pfeffer dran tun. Dann hilft mir das nicht wirklich weiter, wenn ich gerade keinen Pfeffer habe. Oder absolut keinen Pfeffer mag. Wenn mir aber jemand sagt: Da fehlt noch ein Geschmack, das ist noch Pfad, dann kann vielleicht auch (keine Ahnung^^) eine Prise Chili, ein Curry oder Knoblauch das Problem beheben. Es muss nicht der Pfeffer sein, aber dass an der Stelle etwas nicht stimmt, zeigt auch die "du musst"-Kritik. Ich ignoriere solche Kritik nur, wenn ich weiß, dass der andere so Pfefferverliebt ist, dass ihm nichts anderes passen würde oder wenn ich es einfach nicht verstehe, weil ich die Suppe ganz göttlich finde, weil sie eben italienisch ist und nicht griechisch werden soll^^ Aber dann habe ich die Anmerkung und ihre Wirkung ja auch bewusst durchschaut. Solange ich das nicht habe, versuche ich inzwischen so lange nachzuhaken, bis ich sie durchschaue. (Oft stelle ich auch fest, dass ich sie erst nachvollziehen kann, wenn mir der Text "fremd" geworden ist. Ich also nicht mehr im Autorenmodus, sondern im Lesermodus bin. Oder wenn ich die Kritik entgegen meinem Geschmack umgesetzt habe.)

Da schreib ich über "Du-musst"-Kritiken und gleich darauf "Du-sollst". Ne, so war das nicht gemeint. No Kam völlig falsch rüber. affraid
Es war genau das, was du, Ani, gemeint hast. Kein "Du-musst" ohne Warum. Wenn's jemand gut begründet, klar. Aber so einfache "Anordnungen", ohne wie oder warum find ich einfach schlimm. Hier macht natürlich auch der Ton die Musik. Wenn ich das Gefühl habe, ich werde überfahren, blocke ich - vielleicht sogar leider - einfach ab.

Wünsch euch noch einen schönen Tag und lG Birgit

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Re: Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

Beitrag  Anjana am Mi 26 Jun 2013 - 12:28

*g* Ja, das Inet ist einfach prädestiniert für Missverständnisse^^

Wenn ich das Gefühl habe, ich werde überfahren, blocke ich - vielleicht sogar leider - einfach ab.
Das kann ich allerdings gut nachvollziehen. Das ist auch immer meine erste (emotionale) Reaktion, wen ich das Gefühl habe, der Kritiker nimmt meinen Text gar nicht als meinen Text wahr, sondern will nur seine Variante "dahinklatschen". Das hat mMn aber mict Textarbeit und gescheiter Kritik eben auch nicht viel zutun. Und wenn man dann mit dem Kritiker nicht in den Dialog und zum Warum kommt, DANN blocke ich auch mal ohne wenn und aber ab. Oder ich frage meinen anderen Betas zu ihrer Einschätzung. Da muss dann abwägen: lohnt sich die Arbeit, sich autodidaktisch in die Kritik einzuarbeiten, oder habe ich wichtigere Aspekte, mit denen ich mich beschäftige. Das Schöne an Schwachstellen ist ja, dass man sie nicht verliert^^ Wenn ich sie jetzt nicht behebe, kann ich sicher sein, dass sie mri irgendwann schon wieder in den Hintern beißt, wenn es eine Schwachstelle ist. Und für manches muss die Zeit auch erst reif werden. Immerhin sind wir Menschen, die sich entwickeln und keine künstlichen maschinen. Man kann halt nicht "alles auf einmal und sofort" lernen/können.

Aber schön zu sehen, dass wir uns eigentlich doch einig sind! :2thumbs: :blumenstrauss:
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Re: Kennt ihr das? Geschriebene Szene wirkt anders als gedacht ...

Beitrag  Zauberfeder am Mi 26 Jun 2013 - 15:51

@Anjana schrieb:Man sollte im Nachhinein, wenn man überarbeitet hat und die negativen Punkte deswegen ignorieren kann, noch mal ganz gezielt das positive durchlesen. Vielleicht macht es sogar Sinn, sich diese in einen "Motivationsordner" zu kopieren, in dem man in schlechten Zeiten lesen kann, ohne die negativen Dinge zu lesen. Immerhin lernt man durch positive Verstärkung besser, als durch negative^^
Ja, die Idee gefällt mir!
Soetwas mache ich ab und zu sogar. Ich packe es zwar nicht in irgendeinen Ordner, obwohl ich in einem anderen Forum in meinem Projekt durchaus einen Ordner habe, wo ich meine positiven Ansichten zu meinem Projekt reinpacke, aber ich lese mir ab und an auch die positiven Dinge bei einem Kommentar zu meinem Werk durch, wenn ich deprimiert bin oder den Text schlecht finde, um dann mal zu gucken, was sich schon verbessert hat und um mir noch einmal vor Augen zu führen, dass es doch positive Kommentare zu meinem Werk gab, wenn ich das Gefühl habe, dass da nie etwas war.

@Anjana schrieb:Ich frage dann einfach blöd nach, was mir nicht ganz einleuchtet und schreibe ihr, was ich mir bei ihrer kritik denke. Oft ist sie eben erst beim zweiten Erklärungsdurchgang für mich einleuchtend, weil Jess und ich total unterschiedlich sind.
Das kenne ich auch, dass ich noch mal hinterfragen musste, um etwas zu verstehen und dann sind doch recht interessante Diskussionen daraus entstanden.

@summergirl schrieb:Du hast gefragt, welche Kritik du jetzt beherzigen solltest. Alle. Denn in allen steckt etwas, das dich weiter bringt. Und wenn es nur ist, dass du sagst: "Ne, das seh ich anders."

Damit habe ich ehrlich gesagt noch total Schwierigkeiten, weil ich mich recht schnell verunsichern lassen und wenn dann mehrere Betas unterschiedlicher Meinung sind, weiß ich gar nicht mehr, was jetzt richtig und was falsch ist, wie ich es machen sollte oder nicht. Klar, ich habe dann bestimmt eine Tendenz, nach der ich mich richten könnte, weil ich ja in etwa weiß, was mir persönlich gefällt, aber dann gibt es ja die Betas, die das anders sehen und dann denke ich, wenn ich es anders mache, als die es sagen, ist es falsch. Ich habe da noch gar nicht die Sicherheit, dass ich sagen kann, ich mache das anders, weil mir das gefällt und das aus dem und dem Grund. Wenn jemand etwas anders sieht als ich, bin ich eigentlich total verunsichert. Wenn dann noch Leute mit unterschiedlicher Meinung ankommen, weiß ich echt gar nicht mehr, was ich machen sollte und was nicht.

@summergirl schrieb:Was ich auf jeden Fall gelernt hab ist, kein Herzeigen wenn ich selber grad total begeistert von etwas bin.
Ja, das habe ich auch gelernt xD Ging mir im April so, als ich meinen Prolog geschrieben hatte und ich total begeistert war. Habe ihn natürlich gezeigt und die Kritik war zwar zum Teil auch gut, weil sie echt positiv war, aber es waren auch einige Dinge, die eben für mich gravierend waren, die angemerkt worden sind, und die mich dann doch erst einmal ganz schön heruntergezogen haben. Noch mal mache ich diesen Fehler nicht^^

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