Fremde Texte und die eigene Kritikfähigkeit

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Fremde Texte und die eigene Kritikfähigkeit

Beitrag  Anjana am Fr 31 Mai 2013 - 12:18

Hei liebe Tintenklecksler,

ich habe gerade wieder einmal festgestellt, dass Kritik an fremden Texten mir einfach immer wieder die Augen öffnet für meine eigenen Schwachstellen.
Ich merke, dass ich meine eigene Kritik vermutlich erstmal abschmettern würde und kann mich total gut in den Autor und seine Empfindungen für den Text reinversetzen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass der Text gewinnen kann. Und logischerweise wird dies dann auch für meine eigenen Texte gelten.
Okay, ich gehöre ja eh zu denen, die kritik, auch wenn ich sie öffentlich erstmal abschmettere nicht einfach abtue. Sie nagt weiter an mir und mit der zeit (meist nach so 3-4 Tagen^^) erkenne ich den Wert davon für meinen Text.
Wenn ich nun fremde Texte kommentiere, denke ich mir jedesmal wieder: Okay, ich muss meine Texte auf dieselben Dinge untersuchen und ich muss objektiver, sachlicher sein, wenn ich Kritik bekomme. Meist bekomme ich dann auch richtig Lust, dass jemand mir meinen Text auf ähnliche Weise kommentiert, damit ich experimentieren und sehen kann, wie sich der Text verändern könnte.

Jetzt frag ich mich ob es nur mir so geht, oder ob ihr ähnliches auch bei euch beobachtet?

Und ausserdem stelle ich fest, dass es vielleicht sinnvoll ist, auf die Kritik auch erst nach ein paar tagen zu antworten. Obwohl ich das immer so unhöflich gegenüber dem Kritisierenden finde^^

Was sind eure Gedanken dazu?

lg
Ani

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Re: Fremde Texte und die eigene Kritikfähigkeit

Beitrag  summergirl am Fr 31 Mai 2013 - 13:03

Hi, Anjana!

Bei mir ist es sehr unterschiedlich. Mit deiner Kritik am "Interview" konnte ich sofort total viel anfangen.
Und die Angst, dass es unhöflich ist, erst nach ein paar Tagen zu antworten, würde ich so nicht gelten lassen. Zum Einen haben wir alle nicht immer sofort Zeit, zu antworten, zum Anderen ist dein Einwand mit dem Setzen lassen doch absolut stichhaltig. Wenn dir das aber so wichtig ist, dann schreib ein kurzes Danke und dass du dich damit genauer auseinander setzen willst. Dann kannst du immer noch zuwarten und bist nicht unhöflich.

Ich selber bin ein Typ, der an einem Tag jede Kritik super verkraftet, sie abschmettert oder annimmt. Am nächsten krieg ich die heulende Kriese, wenn man mir einen Rechtschreibfehler ausbessert, weil ich ihn übersehen hab.

Eines aber ist bei mir genauso, wie bei dir. Nach ein paar Tagen ist alles plötzlich nicht mehr ganz so dramatisch, kann ich objektiver damit umgehen.
Und konstruktive Kritik hilft immer. In jede Richtung. Die Fehler des anderen zu erkennen hilft auch mir, meine zu sehen. Das mit der Umsetzung ist meist eine andere Geschichte. Es wird aber. Immer besser. Von Tag zu Tag.

Einen fremden Text zu kommentieren ist jedes Mal eine Herausforderung. Und an denen wachsen wir ja bekanntlich.

Was aber einen ganz großen Faktor bei mir ausmacht, dass ist die Wertigkeit meines Textes für mich selbst.
Das "Interview" war eine KG, die ich "loswerden" wollte. Klar, da ist Kritik nichts, das mich erschüttert. Den letzten Teil meiner Chrissy z.B. habe ich heute fast fertig geschrieben. Da geht mir der Arsch auf Grundeis, wie man so schön sagt. Denn da hab ich jede Menge Herzblut und Liebe hinein gesteckt. Bei Ulli muss ich mir jedoch keine Sorgen machen, dass sie mir den "Kritiker"-Holzpfahl ins Herz rammt. Aufgeregt bin ich aber trotzdem.

Das ganze Blabla in kurz: Von Tag zu Tag und von Werk zu Werk unterschiedlich.

GlG Birgit

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Re: Fremde Texte und die eigene Kritikfähigkeit

Beitrag  Gast am Fr 31 Mai 2013 - 13:40

Ich nehme auch immer viel aus dem Kommentieren von fremden Texten für mich und auch beim Lesen anderer Kommentare. Ich glaube, das hilft mir manchmal sogar mehr, denn so sieht man auch auf was Leser/Betaleser so achten und kann evtl. seinen eigenen Text auf diese Stellen hin untersuchen.

Mit dem Sacken lassen von Kritik hast du sicherlich recht, ich persönlich freue mich jedoch immer, wenn ich ein kurzes Feedback bekomme (auch wenn der Autor noch nicht näher auf meine Kommentierung eingeht). Ich mache das eigentlich auch immer bei meinen Texten und sage kurz Danke, und dass ich mich in ein paar Tagen ausführlich dazu melde. Klar, muss das nicht sein aber ich finde es nett. Der Betaleser nimmt sich ja auch viel Zeit und beschäftigt sich mit dem Text, da kann man auch kurz Danke sagen.

Ansonsten ist es bei mir auch unterschiedlich wie ich Kritik auffasse. Hängt von der Tagesform ab und wer kommentiert hat. Meistens bringen mir ein paar Tage Abstand nix, denn wenn ich mich aufrege, mach ich das dann auch noch und wenn ich es nicht tue, wird es sich auch nicht einstellen. Daher antworte ich oft gleich, wenn ich Zeit habe, denn meistens denke ich ein paar Tage später noch immer so.

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Re: Fremde Texte und die eigene Kritikfähigkeit

Beitrag  Wordhunter am Fr 31 Mai 2013 - 21:05

Huhu zusammen. :winken:

Dann will ich doch auch mal meinen Senf dazugeben. :blume2:

Persönlich habe ich schon viel gelernt, was das Lesen anderer Texte angeht. Bei mir ist es aber eher so, dass ich ein wenig Angst habe, zu sehr in den Text des anderen einzugreifen. Ich schreibe deshalb eingreifen, weil jeder nun mal einen anderen Stil und Geschmack hat. Deshalb beschränke ich mich lieber auf oberflächliche Sache, die mir spontan ins Auge fallen. Mag sein, dass ich diese Bedenken irgendwann mal ablege. Okay, zudem schreibe ich auch noch nicht so lange Kommis: Ein Jahr um genau zu sein.
Es kann schnell nach hinten losgehen, wenn man einen anderen Autor mit Vorschlägen überschüttet. Okay, es liegt an jedem selbst, ob er es umsetzt oder nicht.

Kritik macht mir nicht viel aus. Ich denke, es ist bei mir auch Tagesabhängig, wie schnell ich die Kritik verarbeiten kann. Es gibt Tage, da ist mein Fell so dick wie bei einem Eisbär, dann wieder so dünn wie Papier. Natürlich ist es für jeden Autor ein Schlag in den Nacken, wenn er negative Dinge liest.
Schlimmer finde ich ... und das habe ich mal am eigenen Leib erfahren ... wenn man dann mit der Kritik allein gelassen wird. Soll heißen: Man kriegt sie vorgesetzt und fragt sich: :häh: Erst machst du mein Werk runter und nun nix mehr? Liefer mir eine Begründung für deine Thesen. Wo bleiben die Erklärung, damit ich mit der Kritik umgehen kann?

Ich vergebe immer ein kurzes Danke schön (wenn ich erst später ausführlicher antworten kann) an den Kommischreiber. Was mich aber richtig gallig macht, sind die, die überhaupt nicht reagieren. Ich persönlich finde es unhöflich, ein absolutes no go. Da macht man sich die Mühe und nimmt sich Zeit und es gibt nicht mal ein Danke schön zurück. Darauf kann ich gar nicht. Evil or Very Mad
So, die Wurscht zu dem Senf habe ich schon gegessen. :lol!:

Glg Ulli flower






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Re: Fremde Texte und die eigene Kritikfähigkeit

Beitrag  Zauberfeder am Mo 10 Jun 2013 - 18:50

Huhu Smile

Ach ja, die gute Kritik. Ein herrliches Thema^^

Ich habe gerade echt versucht, mich daran zu erinnern, ob meine eigene Kritik bei fremden Texten dazu führt, dass ich über meinen Text nachdenke, aber ich komme nicht darauf. Vielleicht schweife ich mal mit den Gedanken dahin ab und frage mich, ob das bei mir auch so ist, beispielsweise habe ich letztens von einer Userin aus einem anderen Forum den kompletten Roman gelesen und musste ihr am Ende sagen, dass ich die Charaktere zu oberflächlich fand, weil ich am Ende nicht sagen würde, dass ich sie irgendwie kenne. Sie erscheinen mir noch immer irgendwie fremd. Da habe ich mich schon gefragt, ob das bei mir auch so ist. Kennt der Leser meine Charaktere? Kennt er sie nicht? Aber ansonsten denke ich da eher selten dran.
Falls ich Fehler mache, die ich bei anderen anmerke, dann fallen sie mir bei mir selbst gar nicht auf, weil ich da ganz anders in der Materie stecke, als wenn ich den Text von jemand anderen lese und ihn dann wirklich nur als Leser betrachte, nicht auch als Autor. Ihr wisst ja sicherlich, wie das ist, wenn man vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. Das geht mir viel mehr so. So wie ich mich da kenne, könnte es mir eher passieren, dass ich irgendetwas bei Person X anmerke, Person Y meinen Roman liest und mir genau dasselbe anmerkt und ich mir dann denke, ja, super, das hast du doch letztens erst bei Person X gesehen. Wieso fällt dir da nicht auf, dass du denselben Fehler machst? Ich glaube eher, dass es so aussieht. Ich brauche meine Leser, um da Fehler zu finden und dergleichen. Ich kann bei fremden Texten jetzt definitiv besser Kritiken schreiben als vorher. Besser im Sinne, ich habe jetzt ein besseres Auge und mir fallen viel mehr Sachen auf als es früher der Fall war, aber bei mir selbst? Nee, also für mich selbst bin ich ein dermaßen miserabler Kritiker, dass ich eben die Leute brauche, die bei mir lesen.
Vielleicht lerne ich durch meine eigenen Kritiken auch tatsächlich etwas für meinen Text und kann da was für mich mitnehmen. Eigentlich glaube ich sogar, dass das der Fall ist, aber diesr Vorgang passiert in mir definitiv nicht bewusst. Ich nehme ihn nicht wahr.

Ja, wie ist das mit der Kritik am eigenen Text von anderen Leuten? Ich muss sagen, dass ich miserabel darin bin, Kritik anzunehmen. Nein, ich diskutiere dann nicht bis aufs Messer, ich antworte auch immer freundlich, bedanke mich und gebe dem Kritiker, wenn ich selber Meinung bin, natürlich recht, aber bei mir ist es so, dass mich Kritik, die nicht positiv ist (sprich: Kritik, die zeigt, dass an meinem Text noch nicht alles so gut ist, wie ich es gerne hätte oder wie ich es geglaubt habe), erst einmal niederschmettert und demotiviert. Da können es auch noch so kleine oder noch so wenig Dinge sein. Die sind für mich erst einmal relativ schlimm und ich frage mich dann oft, wieso ich Depp eigentlich schreibe, wenn ich es offensichtlich ja doch nicht kann, schließlich habe ich etwas geändert, dachte, es wäre besser und jetzt ist es doch nicht gut. Wozu verschwende ich also meine Zeit damit, etwas zu versuchen, was ganz offensichtlich eh nicht klappt. So meine Gedanken. Mit einer gewissen Zeitspanne zwischem dem Lesen der Kritik und meinr Antwort darauf, schlägt sich diese Stimmung dann auch wieder um. Ich schöpfe wieder Hoffnung und setze mich dann ans Werk, eben genau das noch zu verbessern oder zu verändern.
Meistens lasse ich mir auch Zeit mit dem Antworten. Wenn ich erst einen Tag nach dem Lesen antworte ich dem Kritiker noch nicht unbedingt. Manchmal schreibe ich, dass ich es gelesen habe, bedanke mich und füge an, dass ich später darauf eingehe. Das ist unterschiedlich. Weiß ich aber, dass das Antworten länger als ein Tag dauert, weil ich mich noch nicht in der Lage fühle zu antworten (oder in selteneren Fällen auch keine Zeit habe), teile ich das dem Kritiker auch mit, damit er eben nicht das Gefühl hat, sich die Zeit genommen zu haben und am Ende wird es nicht einmal gewürdigt.
Mir ist aufgefallen, dass ich diese Zeit zwischen dem Lesen und dem Antworten einfach brauche, um die Sache wieder anders sehen zu können. Eine Nacht dazwischen kann Wunder bewirken. Wenn ich am Abend vielleicht noch geheult habe deswegen, bin ich am nächsten Morgen vielleicht schon ansatzweise davon überzeugt, dass ich das auch hinkriegen kann.
Es kommt auch durchaus vor, dass ich dem Kritiker mitteile, dass mich seine Kritik echt niedergeschmettert hat. Natürlich sage ich ihm dabei auch, dass ich weiß, dass das nicht seine Absicht war und seine Kritik nicht dazu diente, aber mir kann es dann auch helfen, wenn ich das mitteile, weil der Kritiker es dann doch irgendwie schafft, mich aus diesem Loch, in das mich die Kritik geworfen hat, wieder herauszuholen und ich dann wieder neuen Mut schöpfe.
Mir persönlich wäre es noch lieber, wenn ich nicht immer so niedergeschmettert wäre, wenn noch nicht alles so hinhaut, wie ich es gerne hätte, aber das lässt sich ja leider nicht einfach abstellen.

lg
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Re: Fremde Texte und die eigene Kritikfähigkeit

Beitrag  Gast am So 23 Jun 2013 - 11:44

Gut, dann hier zum Thema passend Wink

Kritik an meinen Texten:
Ich hab schon lange keine Satz-für-Satz-Kritik mehr an meinen Texten machen lassen, weil die Rohfassung und die erste Überarbeitung noch keine brauchte. Also kann ich mich hier nur auf inhaltliche Kritiken beziehen. Und da wage ich mal zu sagen (Jess muss das bestätigen), dass ich da sehr kritikfähig bin und mir viel sagen lasse. Liegt zum Teil auch daran, weil ich sehr selbstkritisch bin und meine Betas oft auch nach speziellen Stellen frage und da will ich dann ja auch Kritik haben und herumtüfteln.
Bei der letzten Kritik im Forum (wie in dem anderen Thread schon erwähnt), gab ich tatsächlich einmal eine Antwort mit "Darüber muss ich nachdenken", was auch daran lag, weil ich die Kritik wohl nicht so richtig verstanden hab. Hinterher kam (wie auch in dem anderen Thread geschrieben) eine Kritik, die die anderen beiden Kritiken quasi erklärte und das leuchtete mir sofort ein.
99% der Kritiken nehme ich auch an, weil ich sehr schnell raffe, dass die recht haben Wink Oft kommen dadurch dann bei mir selbst weiterführende Überlegungen, die mir toootaaal halfen, meinen Text zu verbessern. Beispiel (kurz angeschnitten): meine beste Freundin kritisierte, dass eine Figur namens Cathrine, die an Krebs sterben wird, resigniert. Sie meinte, wenn eine Frau schwanger ist und sterben wird, fühlt sich vielleicht auch Hass über ihr Schicksal, nicht nur Traurigkeit. Es dauerte nicht lange, da ratterten meine Zahnräder. NIEMAND hatte bisher diese Stelle kritisiert. Alle meine Betas fanden diesen traurigen Brief total toll und waren voll begeistert, wie ich Cathrines Gefühle beschrieben hatte. Eine einzige - eben meine beste Freundin - kritisierte. Ich hätte jetzt sagen können: "Ich ändere das nicht, weil du bist die einzige, die das kritisiert." Nö, machte ich nicht. Ich grübelte darüber nach. Und mit diesem Nachgrübeln darüber kamen andere Ideen und plötzlich ganz andere Punkte mit ins Spiel. Das änderte fast meinen ganzen Anfang! 
Und genau durch diese winzige, klitzekleine Kritik ist mein Anfang so toll geworden, dass ich ENDLICH nach all der Zeit total zufrieden damit bin (und Jess auch begeistert ist *g*). 
Mein Motto ist: unterschätze niemals die Meinung eines einzelnen. Vielleicht haben die anderen nur nicht so ein wachsames Auge wie diese eine Person Wink

Früher war ich immer tierisch nervös, wenn ich auf Kritiken gewartet habe. Heute freue ich mich drauf. Weil in all der Zeit seit ich mit meinem jetzigen Projekt angefangen hab, hat mich jede Kritik weitergebracht und meinen Text besser werden lassen. Man darf auch keinesfalls zurückschrecken, von seinen "alten Pfade" abzuweichen. Mein Anfang ist z.B. KOMPLETT anders als die Rohfassung war. Alles ist anders. Meine ersten 80 Seiten hab ich ziemlich umgeworfen, 20 Seiten einfach ersatzlos rausgestrichen. Und heute liebe ich meine Geschichte. Ich muss dazu sagen, ich hab tolle Betas, mit denen ich absolut auf einer Wellenlänge bin, weil die wissen, wie ICH denke und ich weiß, wie SIE denken und wir arbeiten auch ziemlich auf die gleiche Weise.
Ich denke mal, über die "Das ist eben mein Stil"-Sache sind wir sowieso schon weit hinaus, denn ab einem gewissen Punkt können wir untereinander sowieso entscheiden, was Stil ist und was nun einmal grammatikalischer Käse ist Wink
Und wenn ich eben Blödsinn geschrieben hab in einem Satz oder etwas unverständlich geschrieben wurde, dann muss das geändert werden. Das hat für mich dann nichts mit einer Stilfrage zu tun, denn wenn ich das neu schreibe, ist das sowieso mein Stil. Satzvorschläge brauche ich da in den allerseltensten Fällen, da finde ich dann schon meinen eigenen Weg, um es letztendlich auf meine Weise zu schreiben und trotzdem verständlich.

Fazit: Ich kritisiere andere peinlichst genau, ich hab auch kein Problem damit, wenn mir peinlichst genau die Sachen um die Ohren gehauen werden. Ich denke darüber nach, wäge ab und stelle in den aller-, allermeisten Fällen fest, das der/diejenige Recht hat. Mein Text gefällt mir danach besser, den Betas gefällt er besser - was gibts Schöneres? Smile
Ich hab mal gelesen, man "muss den Traum neu Träumen", nicht immer an altem Geschreibsel festhalten. Neues ausprobieren, Situationen neu überdenken, anders denken, die Charas und die Konflikte in Frage stellen, den roten Faden in Frage stellen. Sollte das neue so gar nicht passen: alte Datei rauskramen und von vorne anfangen.

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Re: Fremde Texte und die eigene Kritikfähigkeit

Beitrag  summergirl am So 23 Jun 2013 - 14:45

Hi, Rhona!

Rhona hat geschrieben:
Mein Motto ist: unterschätze niemals die Meinung eines einzelnen. Vielleicht haben die anderen nur nicht so ein wachsames Auge wie diese eine Person  

Das kann ich nur voll unterstreichen.

Mein Anfang ist z.B. KOMPLETT anders als die Rohfassung war. Alles ist anders. Meine ersten 80 Seiten hab ich ziemlich umgeworfen, 20 Seiten einfach ersatzlos rausgestrichen. Und heute liebe ich meine Geschichte.
Kenn ich auch. Info-Dump als Einstieg war eine Krankheit, die ich nur schwer los geworden bin. Oder hoffe, dass sie zumindest abgeklungen ist. Ein wenig. Und streichen ist wahrlich keine leichte Übung. Aber wenn du dir dann alles selber nochmal durchliest und feststellst, dass es sich gelohnt hat, dann ist alles wieder gut cheers.

Ich muss dazu sagen, ich hab tolle Betas, mit denen ich absolut auf einer Wellenlänge bin, weil die wissen, wie ICH denke und ich weiß, wie SIE denken und wir arbeiten auch ziemlich auf die gleiche Weise.
Das ist ein Punkt, wo ich es ein wenig anders halte. Ich neige so schon zur Betriebsblindheit. Daher find ich es immer viel besser, wenn meine Betas nicht so ganz auf meiner Wellenlänge sind. Vor allem, weil ja die Leser - so Gott will und ich tatsächlich eines Tages etwas veröffentliche - auch nicht alle auf der gleichen Welle schwimmen werden.
Am interessantesten finde ich die Kommentare von Nicht-Schreibern. Mir ist schon oft aufgefallen, dass diese Betas Dinge ganz anders erfassen. Und indem sie eben nicht genau sagen können, was sie meinen, muss ich mir viel mehr Gedanken darüber machen. Das tut mir gut, weil ich sonst viel zu schnell beim "korrigieren" bin. Bei einer Kritik denke ich nämlich zuerst IMMER: Der hat ja recht. Vor allem, wenn da ein Vorschlag steht. Wenn aber nur steht: "Das passt nicht", dann verlier ich meine eigene Richtung nicht so schnell.

Ja ja, die Kritik! Keine einfache Sache. Aber trotzdem unglaublich wichtig.

LG Birgit

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Re: Fremde Texte und die eigene Kritikfähigkeit

Beitrag  Gast am So 23 Jun 2013 - 15:56

@summergirl schrieb:Das ist ein Punkt, wo ich es ein wenig anders halte. Ich neige so schon zur Betriebsblindheit. Daher find ich es immer viel besser, wenn meine Betas nicht so ganz auf meiner Wellenlänge sind. Vor allem, weil ja die Leser - so Gott will und ich tatsächlich eines Tages etwas veröffentliche - auch nicht alle auf der gleichen Welle schwimmen werden.

Huch, das hast du falsch verstanden (oder ich mich falsch ausgedrückt...). Ich meine damit, dass wir einfach gleich arbeiten und ich nicht viel erklären muss, wie ich meine momentane Fassung behandle. So quasi: "Das ist jetzt Rohfassung, da bitte auf dies, jenes, das achten und nicht auf Rechtschreibfehler, einzelne Wörter etc.". Oder z.B. dass die bei ihren Romanen auf eine ähnliche Weise vorgehen in Sachen Vorbereitung oderso was. Ich finde, man tut sich leichter, wenn man weiß, wie der andere tickt und man eine ähnliche Herangehensweise hat.
Beispielsweise hat es eeeewig gedauert, bis ich dieses blinde Vertrauen hatte und ich nicht immer fünfzigtausendmal sagen musste: "Das ist eine Rohfassung. Bitte nicht ZU ernst nehmen und mir nur mal sagen, was du von der Grundidee haltest und ob der rote Faden da ist etc."
Früher wars immer so, dass ich meine Rohfassung aus den Händen gab und das Gefühl hatte, sie muss eigentlich gleich perfekt sein. Heute ist es so, dass meine ganz besonderen Betas einfach wissen: das KANN, DARF und SOLL nicht perfekt sein. Sie schauen auf andere Dinge als ein Leser, der anders arbeitet oder der anders tickt. Ich kann das schwer erklären.... Wir wissen einfach gegenseitig genau, wie der andere fühlt und es fällt dieses ständige rechtfertigen weg, das ich früher an den Tag gelegt habe.

Für mich ist es aber schon wichtig, dass meine Betas mein Genre gern lesen. Denn jemand, der sonst andere Sachen liest, wird immer viel, viel kritischer, leichter gelangweilt usw sein als jemand, der das Genre kennt und weiß, was genau die Eigenheiten dieses Genres sind und den vielleicht genau das dann wiederum begeistert. Mein Buch wird ja an die Leute gehen, die dieses Genre lesen. Denn Betaleser müssen auch sagen können: "DAS passt nicht zu diesem Genre."

Ich hab dann noch Leser (wie meine beste Freundin), die so ziemlich alles liest. Auch meine Kollegin liest so ziemlich alles. Und sie schreiben selbst nicht. Das sehe ich genau wie du. Das ist unheimlich wichtig. Denn die schreibenden Betas denken sich manchmal viel zu viel in die Kleinigkeiten hinein, schauen auf den Stil, einzelne Sätze. Darüber hinaus vergessen sie manchmal das große Ganze.

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Re: Fremde Texte und die eigene Kritikfähigkeit

Beitrag  summergirl am So 23 Jun 2013 - 16:48

Hey, Rhona!

Nein, du hast dich nicht falsch ausgedrückt und ich hab's eigentlich auch so verstanden, wie du es jetzt erklärt hast. Was ich damit sagen wollte ist nur, dass es für mich andere Bedürfnisse gibt.

Ich bin ein "Schnellschreiber". Soll heißen, meist brauche ich nicht länger als einen Monat um eine Geschichte (ca. 120k) fertig zu haben. Kommt daher, dass ich - fingertechnisch - sehr schnell schreibe und meine Geschichten komplett fertig im Kopf habe, wenn ich zu schreiben beginne.
Letztens hab ich es mit einem Bild verglichen und der Vergleich gefällt mir noch immer gut. Es ist einfach plötzlich da. Alles. Einzelheiten sind manchmal noch zu klären, manchmal verändert sich die Geschichte. Aber meist ist sie fertig.

Das bedingt aber leider eine extreme Betriebsblindheit bei  mir. Eine Rohfassung ist für mich irgendwie kein Kriterium. Die Betonung hier liegt aber eindeutig auf "bei mir". Ich find es super, dass du jemanden gefunden hast, dem du nicht lang und breit erklären musst, was du von ihm/ihr willst. Das ist toll!  :2thumbs:

Fazit: Das war keine "Kritik" an deiner Vorgehensweise, sondern eher nur ein: "so mach ich es".

Ich find es einfach toll, zu lesen, wie andere mit dem Schreiben umgehen, wie sie an verschiedene Dinge heran gehen. Kritik kann man hier keine anbringen, weil jeder selber seinen Weg finden muss.

Nochmal: Du hast dich absolut klar und gut ausgedrückt.

Weiterhin viel Freude am Schreiben und congratulations zu deinen Betas. Ich hab auch welche, die mir schon unglaublich weiter geholfen haben. :blumenstrauss::blumenstrauss::blumenstrauss: an alle, die sich je die Mühe gemacht haben, meine "Ergüsse" zu lesen.  :danke2:

LG an alle, Birgit

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Re: Fremde Texte und die eigene Kritikfähigkeit

Beitrag  Anjana am So 23 Jun 2013 - 16:50

Huhu,

nur ganz kurz, weil ich den Eindruck habe, dass meine Fragestellung nicht ganz eindeutig war^^

Mir ging es hier vor allem um die Frage, ob ihr beim kommentieren von fremden Texten auch manchmal dieses Aha-Erlebnis habt: Oha, genauso habe ich auch mal eine Szene geschrieben - so wirkt das also auf den Leser - auch wenn ich perfekt nachfühlen kann, wie sich der Autor gefühlt und was er gedacht hat, das funktioniert nicht - ich will mir jetzt auch sofort zu meinem eigenen Text Gedanken machen.

Das war für mich eigentlich die Kernfrage in diesem Thread. Wink
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Re: Fremde Texte und die eigene Kritikfähigkeit

Beitrag  summergirl am So 23 Jun 2013 - 17:12

Embarassed

Wohl leicht abgeschweift! Hihi!

Ok, schon klar, was du meinst.
Und nein, bisher war das eher noch nicht der Fall. Das liegt aber wohl eher daran, dass die Sachen, die ich beta-lese so ganz anders sind, als alles, was ich schreibe. Zumindest kommt es mir so vor.

Ich weiß aber, was du meinst.
Wobei ich das aber eher - bei mir - vermeiden würde. Ich neige von Haus aus dazu, Kritik zu leicht anzunehmen. Ich würde befürchten, dass ich anfange "abzuschreiben". Und das will ja wohl keiner. No

Außerdem ist es bei mir irgendwie so, dass ich - egal ob schreiben oder betan - völlig in der Geschichte versinke. Deshalb war es auch eine enorme Umstellung, als ich beides gleichzeitig gemacht hab. Ich hab dazu gelernt und es geschafft *mächtigstolzsichaufdieschulternklopft*.

Aber:
Aha-Erlebnis habt: Oha, genauso habe ich auch mal eine Szene geschrieben - so wirkt das also auf den Leser - auch wenn ich perfekt nachfühlen kann, wie sich der Autor gefühlt und was er gedacht hat, das funktioniert nicht - ich will mir jetzt auch sofort zu meinem eigenen Text Gedanken machen.
Nein, das hab ich noch nicht gehabt.

Aber vielleicht kommt mal jemand hier vorbei, der den gleichen "Schmus" schreibt wie ich (und ich mag meinen "Schmus" echt gern :hurra:), dann ändert sich das vielleicht.

LG Birgit

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Re: Fremde Texte und die eigene Kritikfähigkeit

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