Die Moral der G'schicht

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Die Moral der G'schicht

Beitrag  DrJones am Di Feb 06, 2018 2:08 am

Ich möchte gerne folgendes Thema einmal ansprechen:

Die Moral in einer Geschichte

Moral kann man - unabhängig von der genauen Definition - auch weiter fassen als:
zugrundeliegendes Thema, Aussage, Prämisse, Fazit, "Was die Protas gelernt haben" usw.

Wie gestaltet Ihr Eure Geschichten in Bezug auf "Moral". Setzt Ihr die Moral zuerst fest und schreibt dann?
Oder kommt die Moral erst nach und nach mit dem Schreiben der Geschichte zum Vorschein, und Ihr arbeitet
sie immer genauer heraus?

Ich mache das bisher so, dass ich mir überlege, welche persönliche Entwicklung die Protas durchmachen sollen
und richte danach die Geschichte aus. Die Protas werden durch die Ereignisse in der Geschichte derart "geschliffen"
bzw. "gereinigt", dass sie sich schließlich so oder so verändern.

Wie haltet Ihr es also mit der Moral der G'schicht? Smile
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Re: Die Moral der G'schicht

Beitrag  Ankh am Di Feb 06, 2018 3:13 am

Interessante Frage.

Ich würde ja sagen, die Moral kristallisiert sich erst beim Schreiben heraus, aber wenn ich auf meine Geschichte zurückblicke, stimmt das gar nicht. Von vorneherein stand fest, dass meine Geschichte darum geht, wie 5 Leute sich zu einem Team zusammenfinden. Und die Moral besteht konsequenterweise auch darin, was es dazu braucht, miteinander klarzukommen. Wo ihr gemeinsamer Nenner liegt, der diese Anstrengung wert macht. Und welche Schritte jeder einzelne gehen muss, damit es am Ende funktioniert. 

Die Moral ist also schon in der allerwinzigsten Zusammenfassung angelegt, und je weiter man sie herausschält, um sie zu betrachten, umso mehr entwickelt sich auch gleichzeitig die Geschichte.
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Re: Die Moral der G'schicht

Beitrag  magico am Di Feb 06, 2018 11:33 pm

Also, ich habe der Moral bisher selten viel Aufmerksamkeit geschenkt. Außer bei meinen Kindergeschichten und da musste ich lernen, dass diese da auch nur ganz dezent zu spüren sein darf.

Wenn ich recht darüber nachdenke, fällt mir für meinen historischen Kriminalroman nicht mal eine konkrete Moral ein.

Obwohl ... meine Kurzgeschichte "Sunglasses at night" basiert einzig und allein auf einer Moral. Scheinbar ist das wirklich genreabhängig. scratch

Na ja, beim aktuellen Projekt wird das jedenfalls anders. Da habe ich mich jetzt schon mehr mit der Moral beschäftigt, als jemals vorher.

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Re: Die Moral der G'schicht

Beitrag  Kelpie am Mi Feb 07, 2018 6:31 am

Bisher (!) kam die Moral erst während des Schreibens. Bei meinen Raubrittern waren die Themen Freiheit und Rache zwar von Anfang an da, aber die Themen bilden sich von ganz allein aus der Geschichte heraus. Bei meinem Zweitprojekt hatte ich auch lange Zeit überhaupt keinen Gedanken an eine Moral, bis mir irgendwann mal auffiel, dass alle Figuren dasselbe Thema - unterschiedlich eingebunden - verbindet.
Das finde ich dann fast schon unheimlich.
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Re: Die Moral der G'schicht

Beitrag  DrJones am Mi Feb 07, 2018 7:45 am

@Kelpie schrieb:... bis mir irgendwann mal auffiel, dass alle Figuren dasselbe Thema - unterschiedlich eingebunden - verbindet.
Das finde ich dann fast schon unheimlich.

Wie kann man sich das bitte vorstellen? Smile Jede Figur hat dasselbe Thema auf der Agenda? Wie kam es dazu?
Und wieso ist es unheimlich? scratch
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Re: Die Moral der G'schicht

Beitrag  Anjana am Mi Feb 07, 2018 7:50 am

Hallo ihr Lieben,

welch schöne Überraschung, dass es was zu lesen gibt Wink

Da es hier aber nicht um ein konkretes Problem in einer Geschichte geht, sondern um einen allgemeinen Austausch hab ich es mal ins richtige Board verschoben. Wink
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Re: Die Moral der G'schicht

Beitrag  Kelpie am Mi Feb 07, 2018 10:25 am

Wie kann man sich das bitte vorstellen?  Jede Figur hat dasselbe Thema auf der Agenda? Wie kam es dazu? 
Und wieso ist es unheimlich? 

Naja, unheimlich, da ich da überhaupt keinen gemeinsamen Nenner gesehen habe. Ich wollte nur ein paar Figuren, die ein bisschen gegen sich kämpfen, jede auf ihre Art. Und nun habe ich entdeckt, dass jede mit einem großen Identitätsproblem zu kämpfen hat (kommt aus dem einen Kulturkreis und bewegt sich in einen anderen), das sich aber jedes Mal anders definiert. Die eine kommt von der Straße zum Adel, die andere ist bei Kultur A geboren, wächst aber in Kultur B auf, während ihr ständig vorgehalten wird, sie gehöre zu A. Wieder ein anderer verlässt seine Heimat freiwillig, weil man ihn sonst töten würde usw. Mir ist nicht aufgefallen, dass ich jede Figur aus ihrem Herkunftsgebiet schiebe und in ein anderes setze - aber eigentlich passt es ganz gut, da es ja an der Oberfläche um einen Krieg zwischen genau diesen Kulturen geht.
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Re: Die Moral der G'schicht

Beitrag  Anjana am Mi Feb 07, 2018 7:45 pm

Also mir ist noch nicht ganz klar, inwiefern sich die Moral hier von der Prämisse der Figuren unterscheidet, aber ich mache mir darüber gar keine Gedanken (oder hab es nicht getan, als ich noch zum Schreiben kam^^). Weder vor noch während des Schreibprozesses.
Für mich gibt es die Figuren und die Geschichte und beides entwickelt sich im Prozess. Dann sind sie aber auch inhaltlich ziemlich festgelegt. Ich mache mir als Autorin also insgesamt keine Gedanken zu plotrelevanter Theorie, auch wenn ich sicherlich einiges unbewusst anwende, einfach, weil ich es so gewohnt bin. Und dann kann ich schon auch Ähnlichkeiten unter den Figuren beobachten. Ich denke, dass man bei diesem unbewussten Schreibprozess tatsächlich Dinge beschreibt, die einen in der Grundform selbst betreffen.
Bei der Bewertung oder Analyse von Texten schaue ich dann aber schon mitunter, wenn es hakt, ob es an einem der Punkte liegen kann, die in der Theorie bekannt sind. Meine eigenen Texte nehme ich aber eigentlich nie so auseinander. Das dürfen die Betas tun^^

Was mich aber interessieren würde: @Kelpie, denkst du, die Geschichte hätte sich genauso entwickelt, wenn du das vorher festgelegt hättest?
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Re: Die Moral der G'schicht

Beitrag  Kelpie am Mi Feb 07, 2018 9:28 pm

Ich mache mir als Autorin also insgesamt keine Gedanken zu plotrelevanter Theorie, auch wenn ich sicherlich einiges unbewusst anwende, einfach, weil ich es so gewohnt bin. Und dann kann ich schon auch Ähnlichkeiten unter den Figuren beobachten. Ich denke, dass man bei diesem unbewussten Schreibprozess tatsächlich Dinge beschreibt, die einen in der Grundform selbst betreffen.

Das glaube ich auch. Wenn man eine Prämisse nicht direkt plant, schleicht sie sich trotzdem irgendwie ein; es ist dann halt etwas Unbewusstes und dementsprechend etwas, was das Unterbewusstsein beschäftigt.

Was mich aber interessieren würde: @Kelpie, denkst du, die Geschichte hätte sich genauso entwickelt, wenn du das vorher festgelegt hättest?

Ich bin froh, dass ich es nicht festgelegt habe. Ich glaube, dann hätte ich ein paar von den Figuren zwanghaft in ein Kleid gepresst, damit sich ihre Identitätsfrage auch ja schön unterscheidet. Ich habe z.B. 2 die thematisch nicht gleich, aber ähnlich sind, und das wäre mir bestimmt nicht passiert, wenn ich die Identität vorher als Prämisse festgelegt hätte.

Persönlch bin ich generell der Überzeugung, dass Dinge, die man unbewusst anlegt, der Leser ebenso unbewusst aufnimmt. Dinge, die man ganz rational durch Planung einbringt, neigen in meinen Augen eher dazu, auch beim Leser v.a. durch die rationale Wahrnehmung anzukommen.


Das ist jetzt nur meine Haltung als wie immer Discovery Writerin; vielleicht sehen das Plotter völlig anders. Würde mich interessieren.
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Re: Die Moral der G'schicht

Beitrag  Tachadenn am Do Feb 08, 2018 1:35 am

Hi,

über die Moral meiner Geschichten habe ich mir wenig Gedanken gemacht.

Ob meine Figuren moralisch handeln oder nicht, ist in deren Charakter angelegt.

So haben meine beiden Figuren Mauria und Liana, die zusammen mit einer Drachenseele einen Körper teilen, eher einen logisch-kalten Gerechtigkeitssinn, aber keine Gewissensbiss, wenn sie töten müssen. Im Gegensatz dazu hat die Druidin exteme Beißhemmungen und geht lieber unter, als dass sie jemanden verletzt oder gar tötet.

Aber einen moralischen Aspekt für die gesamte Geschichte - keine Ahnung scratch 

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Re: Die Moral der G'schicht

Beitrag  DrJones am Di Feb 13, 2018 9:01 am

@Kelpie schrieb:Das glaube ich auch. Wenn man eine Prämisse nicht direkt plant, schleicht sie sich trotzdem irgendwie ein; es ist dann halt etwas Unbewusstes und dementsprechend etwas, was das Unterbewusstsein beschäftigt.

Das ist sehr interessant. Ich denke ja, dass das Unterbewusstsein einem die richtigen Ideen und Signale schickt, um z. B. einen Ausdruck für nicht erfüllte Sehnsüchte, nicht ausgebildete Potentiale und verdrängte Schwächen usw. zu finden. Das ist so ähnlich, wenn man träumt.

Wenn man die Moral oder das zugrundeliegende Thema erkannt hat, sollte es im Text noch deutlicher herausgearbeitet werden.
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Re: Die Moral der G'schicht

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