Wie viel "Adjektiv" verträgt ein Text?

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Re: Wie viel "Adjektiv" verträgt ein Text?

Beitrag  Gaia Athanasia am Sa Nov 25, 2017 9:44 am

Vielen Dank für Eure zahlreichen Rückmeldungen! Wirklich schlauer bin ich nun zwar immer noch nicht, aber immerhin selbstbewusster. Ich glaube, wenn ich beim Überarbeiten auf zweifelhafte Adjektive stoße und sie für mich begründen kann, lasse ich sie in Zukunft stehen und vermeide sie nicht um jeden Preis. Und wenn ein Satz, den ich selber toll finde, vier Adjektive braucht, damit ebendie Stimmung transportiert wird, die ich mir vorstelle, dann ist das eben so. Punkt.
Auf jeden Fall werde ich in Zukunft viel entspannter an Adjektive herangehen. Wink

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Re: Wie viel "Adjektiv" verträgt ein Text?

Beitrag  Vivi am Sa Nov 25, 2017 9:48 am

Was würde Dir denn helfen, um schlauer zu sein?

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Re: Wie viel "Adjektiv" verträgt ein Text?

Beitrag  Gaia Athanasia am Sa Nov 25, 2017 10:07 am

Vermutlich nur das Feedback von Leuten, die meine Texte auseinandernehmen. Denn eine eindeutige Antwort gibt es nicht - das liegt auf der Hand. Und so ist es auch weiterhin eine Gewissensfrage, welche Adjektive ich behalte und welche nicht. Wie ich aber bereits nach Ankhs aufschlussreichem Posting schrieb, werde ich in Zukunft meine Herangehensweise an Adjektive dergestalt ändern, dass ich mir Gedanken über ihren Nutzen mache, und nicht versuche, radikal alles auszurotten.

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Re: Wie viel "Adjektiv" verträgt ein Text?

Beitrag  Vivi am Sa Nov 25, 2017 10:31 am

Ja, ich finde auch, dass @Ankh das sehr gut erklärt hat, und ich selbst gehe es auch ähnlich an wie Du jetzt Smile
Ich finde eben auch, dass eine generelle Antwort schwierig ist.


Liebe Grüße
Vivi

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Re: Wie viel "Adjektiv" verträgt ein Text?

Beitrag  Earu am Sa Nov 25, 2017 10:52 am

Ein Tipp, auch für dich @Vivi, weil du rückverbessern musstest: Verbessert nie im Originaldokument. Ich meine, ihr schreibt die Rohversion und benennt sie der Übersichtlichkeit halber mit "Arbeitstitel - Rohversion". Für den ersten Überarbeitungsprozess speichert ihr eine Kopie und nennt ihn "Arbeitstitel - 1. Überarbeitung". Wenn ihr euch z. B. nur die Adjektive vornehmen wollt, dann könnt ihr das als Zusatz in den Dokumentennamen schreiben. So könnt ihr immer auf die vorherigen Versionen zugreifen, wenn mal was schiefgeht.

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Re: Wie viel "Adjektiv" verträgt ein Text?

Beitrag  Vivi am Sa Nov 25, 2017 11:11 am

Danke für Deinen Tipp! Cool Du hast recht, es ist wirklich heikel ...

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Re: Wie viel "Adjektiv" verträgt ein Text?

Beitrag  Julestrel am So Nov 26, 2017 1:27 am

Ich muss nun doch nochmal meinen Senf dazu geben Twisted Evil

Ja, es gibt Texte, die von vielen Adjektiven und einem "blumigen Schreibstil" leben. Es gibt auch Geschichten, die vom Infodump leben und gerade deswegen dafür geliebt werden.

Aber ich beobachte – vor allem in Schreibforen – leider viel zu oft, dass Kritik an zu vielen Adjektiven und überladenen Texten oft mit "ich mag halt einen blumigen Schreibstil" abgetan wird.

Wie bei allen Stilmittel gilt auch bei Adjektiven, dass ich es beherrschen muss, um aus dem Text das Besondere rauszuholen, denn viele Adjektive != viele Adjektive Cool Deswegen lohnt es sich ja auch, die Schreibregeln (bzw. würde ich eher von Richtlinien sprechen) zu kennen, damit man sie brechen kann. Meist wurden die ja nicht ohne Grund aufgestellt.

Es lohnt sich also durchaus, ein bisschen Gedanken über die Art, wie und warum man Adjektive verwendet, zu machen. Und es lohnt sich auch, gründlich über das Feedback der Testleser nachzudenken. Aber erstmal sollte der Text fertig geschrieben werden Smile
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Re: Wie viel "Adjektiv" verträgt ein Text?

Beitrag  Anjana am Mi Nov 29, 2017 9:06 pm

Ich habe den Thread mal in das richtige Forum verschoben. Hier im Werkzeugkasten geht es um theoretische Fragen, in der offenen Textarbeit tatsächlich um Arbeit an konkreten Texten.

Ich finde es durchaus auch manchmal hilfreich, den Text etwas liegen zu lassen und dann beide Versionen noch mal zu lesen. Die mit vielen Adjektiven und die mit radikalen Kürzungen. Mit etwas Abstand sieht man manches auch noch mal anders.

Und auch wenn Geschmack nicht das einzige Kriterium sein sollte, hat es doch durchaus eine Wirkung. Ich kenne einen Autoren, der wirklich radikal alle Adjektive streicht (auch als Testleser) und seine Texte/Varianten wirklich gut findet. Ich kann sie nicht lesen, weil sie so langweilig und steril sind. Würde ich mir von ihm meine Adjektive streichen lassen? Nein. Ich mag seine Texte nicht. Ich kenne einen anderen Autor, dessen Texte ich sehr mag. Würde dieser mir dasselbe anstreichen, würde ich darüber nachdenken, weil sein grundsätzlicher Geschmack mit meinem übereinstimmt. Ich will damit darauf hinaus, dass ich durchaus auch prüfe, wie schreibt der Kritiker selbst?
Und kann er mehr vorbringen als: Adjektive sind schlecht, also müssen sie weg. Kann er diese Meinung auch für jedes einzelne Adjektiv begründen?

Ganz grundsätzlich gibt es nicht den einen richtigen Weg. Es gibt nur Wirkungen, die ich erziele und auch die sind nicht bei jedem Menschen gleich. Damit muss ich leben, bzw. hier kann ich lernen, mir selbst treu zu bleiben und Feedback zu prüfen. Ich muss nicht jede Kritik annehmen, sollte aber jede Kritik auf ihren Mehrwert für mich prüfen. Und dann muss ich meine Position finden und lernen, dass diese es eben nicht jedem recht machen kann.
Und wie gesagt, sacken lassen, gerade am Anfang kann sehr hilfreich sein.
So gesehen, ist mehr Gelassenheit gegenüber Adjektiven eigentlich die beste Grundhaltung Wink
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Re: Wie viel "Adjektiv" verträgt ein Text?

Beitrag  Diemen am Fr Dez 01, 2017 2:18 am

Ich hätte noch eine andere Perspektive anzubieten, die dir möglicherweise einen praktischen Anhaltspunkt geben kann. Ich finde es äußerst hilfreich, wenn ich mir beim Schreiben bewusst mache, in welchem Erzähltempo ich mich gerade befinde.
 
Dass Adjektive das sprachliche Tempo, Rhythmus und Fluss des Textes beim Lesen, verlangsamen, wurde ja schon gesagt. Aber das Erzähltempo sagt dir viel zuverlässiger, welche Dichte in einer bestimmten Textstelle angebracht ist.
 
Am untersten Ende des Spektrums zum Beispiel steht die Szene. Das Erzähltempo hat fast den Stillstand erreicht, denn der Leser brauchen Zeit, einen Ort oder eine Gegebenheit in all der nötigen Tiefe und Sinnlichkeit zu erfassen. Das Augenmerk liegt wohl bei den Sinnen, denn bei der Exposition geht es um Stimmung, nicht um einen Lagebericht, der mit militärischer Präzision alle Details zu erfassen trachtet.
 
Wenn wir also einen kurzen Blick auf die Szene geworfen haben, setzt sich das Werk in Bewegung. Die Handlung spielt sich in „Echtzeit“ vor den Augen des Lesers ab, wobei das Tun der Charaktere erzählt, einzelne Handgriffe aber nicht geschildert werden.
 
Phillip schlug das alte Buch auf und begann zu lesen. – Echtzeit
Phillip klappte den Buchdeckel auf und einzelne Seiten rutschten raschelnd über seinen Daumen. Als ihn der Duft alten Papiers süßlich umschmeichelte, begann er mit großer Erwartung zu lesen. – Zeitlupe, denn der Leser erfährt Details, die er in dieser Dichte in einem normalen Tempo nicht hätte wahrnehmen können. Dieses Tempo ist das Reich der Gedanken und Gefühle, die zwischen den Taktschlägen der Handlung sich entfalten können, wenn das unbedingt nötig ist.
 
Dennoch werden wir versuchen, die meiste Zeit in der Echtzeit zu verbringen, wo die Grenzen der Menschlichen Auffassungsgabe die Beschreibungsdichte natürlich eingrenzt. Stelle dir die Szene vor, als würdest du selbst dich in ihr befinden. Du kannst nur in eine Richtung sehen; du kannst nur eine begrenzte Anzahl an Details auf einmal erfassen. Welche Sinne haben den Vorrang und welches Detail sticht dir besonders ins Auge?
 
Oder geht gar alles so schnell, dass du nur noch mitbekommst, was passiert? In solch einem Abschnitt wirst du kaum noch Adjektive oder Adverbien finden, denn wenn es um Leben und Tot geht, dann ist nicht mal mehr Zeit, dass Hans schnell nach seinem Schild greift, er schnappt sich ihn einfach. Smile
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Re: Wie viel "Adjektiv" verträgt ein Text?

Beitrag  Anjana am Fr Dez 01, 2017 9:41 pm

Ein guter Punkt, @Diemen, den ich bislang nie so bewusst alleinstehend betrachtet hab. (Als Bauchschreiberin läuft das in meinem Kopfkino automatisch unterschiedlich ab und so gelangt es dann auch aufs Papier) Aber als ich deinen Beitrag las, musste ich an das Buch einer SPlerin denken, das ich gerade lese und bei dem (neben anderen Dingen) vor allem hier die Variation fehlt. Alles passiert total monoton, es gibt nur entweder Zeitraffungen in einem Satz oder so ein leiern der Handlung in einer Geschwindigkeit, selbst wenn behauptet wird, dass etwas schnell passiert, spürt man das im Text nicht. Adjektive findet man zwar kaum in diesem Text, aber dadurch wird er auch nicht lesbarer^^

Stelle dir die Szene vor, als würdest du selbst dich in ihr befinden. Du kannst nur in eine Richtung sehen; du kannst nur eine begrenzte Anzahl an Details auf einmal erfassen. Welche Sinne haben den Vorrang und welches Detail sticht dir besonders ins Auge?
thumbsup Besonders am Anfang und in der personalen Perspektive ist das ein unheimlich gutes Hilfsmittel. Ich finde es auch immer hilfreich, wenn man sich klar macht, ob man die Szene wie in einem Film sieht oder wie bei einem Egoshooter. Das auf die Adjektive anzuwenden ist mir bisher auch noch nicht in den Sinn gekommen, finde ich aber auch total schlüssig.
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Re: Wie viel "Adjektiv" verträgt ein Text?

Beitrag  Alys am Sa Dez 02, 2017 11:19 pm

Das mit der Erzählzeit finde ich auch einen sehr guten Ansatz. So habe ich darüber noch nie nachgedacht.
Ich hab' das gerade mal auf eine Kurzgeschicht übertragen, mit der ich aktuell ringe und einfach nicht vorankomme - und es hilft tatsächlich enorm! Zeitlupe verträgt viel mehr Adjektive. Erst dachte ich, das liegt daran, dass die Sätze länger werden und damit auch das Lesetempo etwas heruntergeht - man fühlt sich also automatisch langsamer. Ich hab' dann damit etwas herumexperimentiert und, entgegen meiner Theorie mit dem Lesetempo festgestellt - auch ein Zeitraffer verträgt mehr Adjektive als die Echtzeit.

Bsp:
Strenggenommen konnte man gar nicht präzise festlegen, wann bei ihm die eindeutigen Symptome einer Midlife-Crisis aufgetreten waren. Seit Jahren wurden seine Autos stetig teurer und seine Freundinnen blonder und jünger. Aktuell fuhr er das Modell 458 Italia, natürlich im klassischen Rot der Scuderia Ferrari, und datete das Modell Nikolija, deren pfirsichzarte, strahlende Haut noch nicht nach überteuerten Botox-Behandlungen schrie.
Damit kann man auch mal 25 Jahre Manager-Leben zusammenfassen - mit mehr Adjektiven, als ich sonst gerne in so einem Text sehen würde.

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Re: Wie viel "Adjektiv" verträgt ein Text?

Beitrag  Diemen am Mo Dez 04, 2017 12:35 am

@Alys Freut mich, dass dir das helfen konnte.  Smile
 
Zu deinem Beispiel dachte ich mir, dass das für mich nach Exposition mit Rückblick klingt. Letztlich kann man sich dabei fragen, wie viel von dem, was gesagt wird wirklich relevant ist. Wie schon öfter erwähnt wurde, muss man schon selber wissen, wie ausufernd man den Text haben will. In deinem Textbeispiel
 

Strenggenommen konnte man gar nicht präzise festlegen, wann bei ihm die eindeutigen Symptome einer Midlife-Crisis aufgetreten waren. Seit Jahren wurden seine Autos stetig teurer und seine Freundinnen blonder und jünger. Aktuell fuhr er das Modell 458 Italia, natürlich im klassischen Rot der Scuderia Ferrari, und datete das Modell Nikolija, deren pfirsichzarte, strahlende Haut noch nicht nach überteuerten Botox-Behandlungen schrie.

 
werden zwar viele Details genannt, die Frage ist aber jetzt, kommt das Modell 458 Italia in Ferrarirot und das Modell (lustige Wiederholung des Wortes Modell, hat mir gefallen) Nikolija mit der Wunderhaut im folgenden Text noch vor oder sind das Details, die lediglich den jungenhaften Charakter des Mittelalterlichen unterstreichen sollen?
 
Im zweiten Fall kannst du getrost auf die vielen Adjektive verzichten, denn der Leser wird dadurch über die Bedeutsamkeit von Nikolijas Pfirsichhaut getäuscht, wenn sie gar nicht mehr vorkommt. Der Absatz hat genau dieselbe Aussagekraft, wenn du den dritten Satz einfach streichst:
 

Strenggenommen konnte man gar nicht festlegen, wann bei ihm die Symptome einer Midlife-Crisis aufgetreten waren. Seit Jahren wurden seine Autos stetig teurer und seine Freundinnen blonder und jünger. Doch nun …

 
Voila: Schon hast du ganz viele Adjektive gespart und gleichzeitig für eine dichtere Prosa gesorgt, die den Leser nicht überfordert. Wink
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