Schreibprogramm: Bibisco

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Schreibprogramm: Bibisco

Beitrag  Kelpie am Di Dez 20, 2016 5:59 am

So, Leute, ich bin heute auf ein neues Schreibprogramm gestoßen. Und ich bin gelinde gesagt begeistert.

Es heißt Bibisco und wie in allen Schreibprogrammen kann man natürlich seine Texte damit verfassen. Die große Stärke von Bibisco: Die Strukturierung des Romans.

Zuerst einmal die Übersicht: Die ist hervorragend. In einer Kopfleiste, die mehr an einen Blog als an ein Programm erinnert, sind die verschiedenen Bereiche angegeben. Die da sind: Projekt, Aufbau, Charaktere, Schauplätze, Kapitel, Analyse, Exportieren, Einstellungen, Info und Lesenswertes.

Ich geh sie mal nacheinander durch.


  1. Projekt: Diese Seite braucht man, um geschlossene Projekte wieder zu öffnen.
  2. Aufbau: Hier gibt es drei Karteikarten, die man beschriften soll: Prämisse, Chronologe und Handlungsort. Man wird also dazu eingeladen, seinen Roman kurz schon mal zu sortieren. Darunter finden sich dann die Erzählstränge, die man anlegen kann. Also alle Stränge, die "durch einen bestimmten Konflikt mit der Gesamtentwicklung verbunden" sind. Diese Erzählstränge kann man später mit dem Kapitel verbinden.
  3. Charaktere: Hier kann man unter den Überschriften "Hauptcharaktere" und "Nebencharaktere" seine ganzen Charaktere anlegen. Alle sind anklickbar (wie übrigens alle Karteikärtchen), aber während es bei den NCs nur ein unbeschriftetes Blatt ist, ist es bei den HCs eine Reihe von weiteren Karteikärtchen, die man ausfüllen kann. Zur Unterstützung kann man es als Fragebogen ausfüllen, muss man aber nicht. Die Oberstichwörter sind z.B. Persönliche Daten, körperliche Merkmale, Verhaltensweisen, Einstellungen, Psyche, Leidenschaften, Beziehungswelt, Konflikt, Entwicklung, Bilder usw.
  4. Schauplätze: Hier kann man sämtliche Schauplätze als Kärtchen anordnen
  5. Kapitel: Hier legt man seine Kapitel an. Diese wiederum sind in Szenen anlegbar, darüber sind zwei Karteikärtchen namens "Zweck" und "Notizen". Bibisco hält also immer wieder dazu an, sich darüber Gedanken zu machen, warum diese Szene hier steht.
    Nun kommt der wahre Spaß. Öffnet man eine Szene, erscheint ein typisches Textfenster. Daneben kann man wenn man will ein zweites Fenster öffnen, um sich bspw. die Prämisse, die Charaktere und die Schauplätze immer wieder vor Augen halten kann. 
    Eine weitere Funktion ermöglicht hier endlich das Verbinden der vorher eingegebenen Informationen. Bibisco fragt nach der Erzählperspektive und gibt man den personalen Erzähler, 3. Person an, fragt das Programm, welcher der Charaktere, die man eingegeben hat, es ist. Im Abschnitt "Charaktere" kann man anklicken, welche der angegebenen Charaktere im Kapitel vorkommen. Selbiges mit dem Schauplatz und dem Erzählstrang. Außerdem könnte man bei der Zeit ein genaues Datum eingeben (für mich irrelevant, da ich ja nicht unseren Kalender verwende).
    So weit so gut. Jetzt gibt es unten allerdings noch eine "Revisions"-Liste. Am Anfang steht dort lediglich eine Revision, fertigt man aber eine zweite an, ist das eine Art Kopie, auf der man nach Belieben ausbessern kann. Die alte Fassung geht nicht verloren. Durch die Nummerierung ist aber offensichtlich, welche Revision jeweils die aktuelle ist (natürlich kann man Revisionen auch löschen).
  6. Analyse: Hier schaut sich das Programm genau die Informationen an. Zum Beispiel unter Länge der Kapitel wird ein Diagramm angefertigt, welches einen Überblick verschafft, wo man Lücken und Überlängen hat. Bei Verteilung der POVs, Liste der Auftritte der Charaktere, Verteilung der Schauplätze und Verteilung der Erzählstränge kann man sich jeweils einen Überblick darüber verschaffen, was wie oft wo auftaucht. Es gibt noch die Verwendung unterschiedlicher Erzählperspektiven, aber da ich immer nur in der 3. schreibe, erübrigt sich das für mich.
  7. Unter Exportieren kann man sein Dokument als PDF oder RTF veröffentlichen.
  8. Einstellungen beschreibt die klassischen Einstellungen
  9. Info und Lesenswertes sind eher so klassische Angaben und nichts fürs eigene Projekt




Contras:

  • Man kann nur zwischen 3 Schrifttypen variieren, was für Leute wie mich, die mit einem bestimmten Schriftypus deutlich bessere Ergebnisse liefern, etwas schade ist. Diese Typen sind genauso wie die Schriftgröße nur für das gesamte Projekt anwendbar und können nicht in einzelnen Szenen verändert werden
  • Das Editorfenster beschränkt sich auf das Notwendigste. Dazu gehören ausschließlich "Rückgängig" und "Wiederholen", Drucken, Kopieren, Ausschneiden, Einfügen, Fett, Kursiv, Unterstrichen, Durchgestrichen, Textmarker (nur gelb), französische Anfühungszeichen in beide Richtungen (allerdings nur doppelt, nicht die einfachen), der Geviertelstrich, Aufzählung in Zahlen und Punkten, Rechtsbündig, Zentral, Linksbündung und Block. Das heißt es fehlt sowohl die Textfarbe als auch verschiedene Farben beim Textmarker als auch Einstellungen zum Einzug usw. 
  • Die einfachen Absätze sind immer einen Tick größer als die gewöhnlichen Abstände zwischen den Zeilen. Mit Shift+Enter kann man das auch nicht umgehen, da in diesem Moment der Einzug wegfällt. Ärgerlich ist es insofern, da die Einzüge auch bei der ersten Zeilen ums Verrecken nicht weggehen.
  • All die Informationen, die man bei den Charakteren eingibt, sieht man nur im Fenster neben den Kapiteln in einer Übersicht. Geht man außerhalb der Kapitelanzeige auf die Charaktere muss man sich mühsam durch alle Seiten klicken. Dadurch wird es unübersichtlich und das Programm für einen Charakterbogen ungeeignet.



Mein Fazit ist bisher also, dass das Programm sehr geeignet ist zum:

  • ersten Planen des Romans
  • evtl. beim Planen des Charakters, Problem ist nur die Übersichtlichkeit
  • Schreiben der ersten Fassung
  • Analysieren und Ordnen des Romans und der Erzählstränge (in dem Bereich bisher absolut unerreicht)


Ungeeignet dagegen ist es beim:

  • Überarbeiten. Hier schneidet es für mich schlechter ab als Microsoft Word, denn wie soll man einen Roman überarbeiten, bei dem man nichts farblich markieren kann? Es gibt keine Kommentarfunktion, sprich alle Detailbemerkungen müssen in den Text geschrieben werden, werden dadurch aber mitgezählt und verfälschen die tolle Analysefunktion. Ich würde also immer nur außerhalb des Programms überarbeiten und diese Version dann als neue Revision in das Programm speichern. Also dazwischen einen Zwischenschritt einlegen.



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Re: Schreibprogramm: Bibisco

Beitrag  Earu am Mi Dez 21, 2016 8:57 am

Mensch, das klingt echt klasse! Ich bin in deine Beschreibungen verliebt. Das klingt, als könnte ich meine Geschichten direkt in Verbindung mit meinen Informationen planen, aufbauen und schreiben. Genau das, was man sich wünscht. Schade, dass es in deinen Augen nicht zum Überarbeiten geeignet ist. Aber vielleicht genügt es mir? Ich will das Programm auf jeden Fall testen. Es klingt zu verlockend. Danke für diese Vorstellung. Smile

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Re: Schreibprogramm: Bibisco

Beitrag  Kelpie am Mi Dez 21, 2016 10:01 am

Also ich werde es für die Überarbeitung meiner Raubritter und von Witnaigh definitiv verwenden. Gerade in letzterem Fall erhoffe ich mir da eine Klärung der Erzählfäden. Und bei den Raubrittern wird so hoffentlich endlich ein wenig Ordnung reinkommen.

Aber das funktioniert halt nur auf Plotebene. Bei mir ist Überarbeitung v.a. Stil oder auch sehr kleine Erzählstränge, die ich bei Bibisco nicht reinschreiben würde, weil es sonst zu viele würden (etwas á la "Beziehung zum Pferdeknecht ausbauen, damit sein Tod emotionaler wird". Nur als Beispiel.) Heißt, zum Überarbeiten werde ich mit weiterhin auf Scrivener fokussieren, da mir das Programm auch mit den Icons, Zusammenfassungen, Beschriftungen der Kärtchen und Editorfunktionen sehr viele Möglichkeiten bietet.

Aber ich hab eh kein Problem damit, mit vielen Programmen zu arbeiten.
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Re: Schreibprogramm: Bibisco

Beitrag  Earu am So Feb 05, 2017 6:13 am

Hey @Kelpie, ich bin bibisco gerade am testen für eine KG. Die Fragebögen zu den Charakteren sind ja echt umwerfend. Da kann man seine Figuren echt gut kennenlernen. Es dauert aber auch ziemlich lange, wobei ich manche Dinge, die für meine Geschichte nicht relevant sind, nicht ausgefüllt habe. Entsprechend bin ich jetzt erst bei den Schauplätzen angekommen.
Nun wollte ich dich fragen, in welchem Dateiformat bibisco die Projekte abspeichert. Hast du das gerade parat? Ich trau mich aktuell nämlich nicht, das Programm zu schließen, weil ich Angst habe, dass ich das Projekt dann nicht mehr finde. Ich habe zwar einen Ordner von bibisco bei meinen Dateien, wo ich meine Geschichten speichere und den ich auch zum Speichern in bibisco eingerichtet habe, aber das sind alles so kryptische Dinger. Keine davon heißt so wie mein Projekt und über das Datum komme ich auch nicht wirklich zurande. scratch

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Re: Schreibprogramm: Bibisco

Beitrag  Kelpie am So Feb 05, 2017 7:18 am

Meinst du wegen Sicherheitsspeicherung? Das weiß ich leider nicht, da ich mich mit Sicherheitsdateien in keinem Programm befasse *pfeif* Das wird noch mein Untergang 


Ansonsten - wenn du ein Blatt öffnest, dann musst du ja immer via dem blauen Haken speichern. Wenn du in der Ordneransicht bist, kannst du es einfach schließen, dann speichert es von alleine. Auch wenn keine Meldung kommt. Wenn du es das nächste Mal öffnest, dann musst du auf den Ordner "Projekte öffnen" gehen und findest dort deine Geschichte vorgeschlagen.



Kleine Anmerkung, das ist mir bisher nur einmal passiert, war aber in dem Moment nervig: Einmal habe ich meinen Text in Bibisco korrigiert, wollte abspeichern, aber es kam die Fehlermeldung, dass das gerade nicht ginge. Auch nach mehrmaligen Versuchen und etwas Warten hat das nicht geklappt - da musste ich den Text dann halt extern irgendwo abspeichern.
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Re: Schreibprogramm: Bibisco

Beitrag  Earu am So Feb 05, 2017 8:23 am

Ok, dann muss ich mal schauen, ob ich das noch irgendwo rausfinden kann. Ab und zu ist eine Sicherung ja doch ganz nett und wenn ich das Projekt irgendwann mal wieder in zwei Jahren oder so öffnen will, will ich es auch finden. Laughing

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