Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Seite 1 von 2 1, 2  Weiter

Nach unten

Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am So Dez 04, 2016 7:19 am

Aus irgendeinem Grund zickt der Editor derart rum, dass ich das hier schon zum dritten Mal schreibe. Also seht es mir nach, wenn die Einleitung zu diesem Thema nicht ganz so elaboriert ausfällt Wink

Da ich nicht die Einzige bin, die derzeit an ihren Protagonisten herumfeilt (@Kelpie, @ThetaHelion ...), habe ich mal diesen Artikel zusammengefasst und übersetzt, der sich Gedanken darüber macht, wie man den Entwicklungsbogen eines Charakters schreibt. Wenn ihr mir noch ein paar Leerpostings für die folgenden Kapitel gönnt, können wir im Anschluss gerne über diese Methode diskutieren. Wer nach diesem System seinen Charakter-Arc bauen/überprüfen/anpassen will, kopiert sich die Fragen am besten in sein Projektforum für jeden einzelnen Charakter, den er danach ausrichten will.


Der Handlungsbogen eines Charakters (Charakter-Arc) lässt sich auf drei Schritte herunterbrechen:
Der Protagonist beginnt auf eine Weise
Der Protagonist lernt im Laufe der Geschichte eine Lektion
Der Protagonist endet auf eine andere Weise
 
Die Struktur der Haupthandlung sowie das Thema sind üblicherweise direkt mit dem Charakter-Arc verbunden.
 
Es gibt 3 Arten von Chrarakter-Arc. Die (positive) Veränderung, der neutrale oder flache Arc, und die negative Veränderung
 
Hier geht es zunächst um den positiven Arc

I Die Lüge, die dein Charakter glaubt
Damit der Charakter sich in eine positive Weise verändern kann, muss er an einem Punkt beginnen, wo etwas in seinem Leben fehlt. Er ist in seinem Innersten unvollständig. Er trägt in sich einen Irrtum, der ihn davon abhält, vollständig zu werden und sein Plotziel zu erreichen. Diese „Lüge“ ist ihm oft nicht bewusst, aber er spürt die negativen Auswirkungen davon, dass er an dieser Lüge festhält. Oft versucht er zunächst, diese Symptome zu bekämpfen, ohne die Lüge selbst infrage zu stellen.
 
1. Welchen Irrtum hegt dein Charakter über sich oder die Welt?
2. Was vermisst er dadurch mental, emotional oder spirituell?
3. Wie wird die innere Lüge in der äußeren Welt des Charakters gespiegelt?
4. Macht ihm die Lüge das Leben schwer wenn die Geschichte beginnt? Wenn ja, wie?
5. Wenn nicht, wird ein auslösendes Ereignis und/oder der 1. Plot Punkt anfangen, sein Leben schwer zu machen aufgrund der Lüge?
6. Braucht die Lüge deines Charakters irgendwelche nähere Bestimmungen, um ihren Fokus einzugrenzen?
7. Was sind die Symptome der Lüge deines Charakters?
 
II Was dein Charakter will vs. Was dein Charakter braucht
Jeder (dynamische) Charakter sollte ein Ziel im Leben haben, nach dem er strebt. Dieses oberflächliche Ziel ist, was der Charakter will. Aber um es mit dem Charakter-Arc zu verbinden, braucht der Charakter einen tieferen Grund, warum er danach strebt. Und an der Wurzel dieses tieferen Grundes liegt die Lüge.
Auf unterbewusste Weise weiß der Charakter, dass er ein Problem hat. Was er nicht realisiert ist, ist was ihm wirklich dabei helfen wird: Was der Charakter braucht. Er denkt, wenn er bekommt was er will, wird er glücklich sein. Dabei ist „was er will“ nur ein Pflaster, das allenfalls die echte Wunde verdeckt, während „was er braucht“ die Wunde heilen kann.
 
Manchmal kann der Charakter im Laufe der Geschichte beides in Harmonie erreichen. Manchmal muss er aber am Ende auch das, was er will opfern für das, was er in Wahrheit braucht.
 
Was er will ist meist etwas Materielles.
Was er braucht ist oftmals lediglich eine Erkenntnis.
 
1. Auf welche Weise halt die Lüge deinen Charakter zurück?
2. Wie macht die Lüge deinen Charakter unglücklich oder unausgefüllt?
3. Welche Wahrheit braucht dein Charakter, um die Lüge zu widerlegen?
4. Wie wird er diese Wahrheit finden?
5. Was will dein Charakter mehr als alles andere?
6. Ist das, was er will, sein Plotziel?
7. Glaubt er, dass das, was er will, alle seine Probleme lösen wird?
8. Hält ihn das, was er will zurück von dem, was er braucht?
9. Erreicht er das, was er will bevor er das erreicht, was er braucht – oder wird er erst bekommen, was er will, nachdem er das gefunden hat, was er braucht?
10. Wie wird sich sein Leben verändern, sobald er bekommen hat, was er braucht?
 
III Die Wunde deines Charakters
Die Wunde (oder der Ghost) ist der Grund, warum dein Charakter die Lüge glaubt. Es ist ein Ereignis in seinem Leben, das ihn dazu gebracht hat, die Lüge zu glauben. Oft war die Lüge ein Versuch, mit der Wunde fertigzuwerden, sie zu überleben oder sich emotional davor zu schützen.
Die Wunde liegt meist in der Vergangenheit. Sie kann, muss aber nicht im Laufe der Geschichte enthüllt werden.
 
1. Warum glaubt dein Charakter an die Lüge?
2. Gibt es ein erwähnenswertes Ereignis in seiner Vergangenheit, das ihn traumatisiert hat?
3. Falls nicht, wird es ein Erlebnis im ersten Akt geben, das ihn traumatisiert?
4. Warum hegt der Charakter seine Lüge?
5. Wie wird er von der Wahrheit profitieren?
6. Wie “groß” ist die Wunde des Charakters? Wenn du sie größer machst, wird der Arc deines Charakters dadurch stärker?
7. Wo wirst du die Wunde deines Charakters enthüllen? Alles auf einmal am Anfang? Oder nach und nach im Laufe der Geschichte?
8. Muss die Wunde in deiner Geschichte überhaupt enthüllt werden? Würde sie besser funktionieren, wenn sie nie enthüllt wird?
  
Um die Lüge zu finden, die deinen Charakter in seiner Entwicklung zurückhält ist es also wichtig, sich über seine Vorgeschichte Gedanken zu machen. Einige Ereignisse, die einen Charakter traumatisieren, zusammen mit Beispielen, welche Charaktereigenschaften und Lügen daraus entstehen können, finden sich hier:
http://writershelpingwriters.net/emotional-wounds-thesaurus/
 
IV Der charakteristische Moment
Der erste Eindruck, den der Leser von deinem Charakter bekommt, ist sehr wichtig. Hier geht es also um das allererste Auftreten des Charakters. Diese Szene muss
 
Deinen Protagonisten vorstellen
Den Namen des Protagonisten enthüllen
Geschlecht, Alter, Nationalität und ggf seine Profession zeigen
Wichtige physische Merkmale zeigen
Auf seine Rolle in der Geschichte hinweisen (= dass er die Hauptfigur ist)
Den hervorstechendsten Aspekt seiner Persönlichkeit demonstrieren
Die Sympathie oder das Interesse der Leser wecken
Das Szenenziel des Protagonisten zeigen
Das Plotziel des Protagonisten andeuten
Die Lüge des Protagonisten demonstrieren oder wenigstens andeuten
Den Plot beeinflussen, möglichst direkt, aber wenigstens auf eine Weise, die spätere Ereignisse andeutet
 
Diese erste Szene muss zusammengefasst
Den Protagonisten für die Leser ansprechend machen
Sowohl seine Stärken als auch seine Schwächen vorstellen
Den Plot aufbauen
 
In Bezug auf die Schwächen des Protagonisten sollte man darauf achten, dass sich der Leser bereits mit dem Protagonisten identifizieren können muss, bevor allzu negative Seiten von ihm enthüllt werden, die die Sympathie schmälern könnten.
Auf der anderen Seite dürfen die Probleme des Charakters nicht verschwiegen werden, damit am Ende der Geschichte eine positive Entwicklung erkennbar ist.
Wichtig ist es also, sich zuerst zu überlegen, was man an seinem Charakter mag, und diese Eigenschaft dann in eine Szene zu gießen, die diese Eigenschaft schön demonstriert. Er muss dabei nicht unbedingt nett rüberkommen, aber auf jeden Fall interessant.
 
1. Welche wichtige Charaktereigenschaft, Tugend oder Fähigkeit fast deinen Charakter am besten zusammen?
2. Wie kannst du diese Eigenschaft am besten dramatisch in Szene setzen?
3. Wie kannst du diese Eigenschaft auf eine Weise in Szene setzen, die gleichzeitig den Hauptplot vorstellt?
4. Wie kannst du den Glauben des Charakters an die Lüge demonstrieren?
5. Kannst du seine Wunde enthüllen oder darauf hindeuten?
6. Wie kannst du die Szene benutzen, das übergeordnete Ziel des Protagonisten zu enthüllen - Das, was er will?
7. Gibt es ein offensichtliches Hindernis (einen Konflikt), das die Aktionen des Protagonisten, das Szenenziel und das Plotziel zu erreichen blockiert?
8. Wie kannst du wichtige Informationen über den Protagonisten (Name, Alter, Erscheinungsbild …) schnell und unauffällig einflechten?


V Die normale Welt

Die normale Welt ist der Kontext, in dem die erste Begegnung mit dem Charakter stattfindet. Sie ist das Umfeld, das den Charakter bisher geprägt hat und in dem er sich (zusammen mit seiner Lüge) mehr oder weniger bequem eingerichtet hat. Sie kann eine perfekte Fassade sein, die später Risse bekommt, oder sicher aber langweilig, sie kann toll sein, ohne dass der Protagonist es zu schätzen weiß, oder sie ist ziemlich lausig, aber der Prota hängt dort aus irgendeinem Grund fest … wie auch immer, der Protagonist will oder kann sie zunächst nicht verlassen. Sie ist eine symbolische Repräsentation seiner inneren Welt, und muss deshalb auch die Lüge darstellen, die er in sich nährt, sodass er keinen Grund hat, darüber hinaus zu blicken. Erst, wenn er die normale Welt am ersten Plot Punkt hinter sich lässt, wird auch der Glaube in die Lüge erschüttert.

Um die Normale Welt für den Protagonisten zu konstruieren musst du dich zunächst fragen, welche Umgebung es für den Prota einfach macht, mit seiner Lüge zu leben.

Als zweites soll sie nach Möglichkeit einen Kontrast bilden zur „Abenteuerwelt“, in die dein Protagonist demnächst eintritt.

1. Welches Setting wird deine Geschichte eröffnen?

2. Wie wird sich dieses Setting am ersten Plot Punkt verändern?

3. Wie kannst du einen Kontrast herstellen zwischen der normalen Welt und der Abenteuerwelt?

4. Wie dramatisiert oder symbolisiert die normale Welt das Gefangensein des Protas in seiner Lüge?

5. Wie verursacht oder unterstützt die normale Welt die Lüge?

6. Warum ist der Charakter in der normalen Welt?

7. Wenn dein Charakter die normale Welt nicht verlassen will, was hilft ihm die unangenehmen Seiten seiner Lüge zu überdecken?

8. Wenn dein Charakter dort weg will, was halt ihn auf?

9. Wird dein Charakter am Ende der Geschichte in die normale Welt zurückkehren?

10. Wenn die normale Welt ein positive Ort ist, wie muss sich der Protagonist verändern, um sie schätzen zu lernen?


Zuletzt von Ankh am So Dez 04, 2016 8:03 am bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am So Dez 04, 2016 7:19 am

VI Der erste Akt
Der erste Akt umfasst etwas das erste Viertel der Geschichte
Er stellt wichtige Figuren und Settings vor sowie was auf dem Spiel steht
Er führt den Konflikt ein, aber der Protagonist wird sich erst am 1. Plot Punkt am Anfang des zweiten Aktes ernsthaft damit zu beschäftigen beginnen.
 
Die drei Akte einer Geschichte kann man betrachten als
I Die Entscheidung des Protagonisten zu handeln
II Die Handlung selbst
III Die Konsequenzen der Handlung
 
Der Erste Akt enthält folgende 6 Teile der Charakterentwicklung:
 
Die Verstärkung der Lüge
Durch die Darstellung der Dinge, die der Charakter will und braucht, seinen Charakteristischen Moment und seiner normalen Welt wird die Lüge bereits im ersten Kapitel dargestellt. Der Leser muss sehen, wie die inneren Probleme des Protagonisten seine äußeren Probleme verursachen.
In den weiteren Kapiteln des ersten Aktes können weitere Facetten der Lüge nacheinander beleuchtet und erkundet werden.
 
Deute das Potential des Charakters an, die Lüge überwinden zu können
Der Charakter muss glaubhaft die Möglichkeit zeigen, seine Lüge zu überwinden. Welche Eigenschaft wird ihm später dabei helfen, sie zu bekämpfen? Selbst wenn er diese Eigenschaft noch nicht voll entwickelt hat, sollte sie ansatzweise zu sehen sein.
 
Zeige den ersten Schritt, wie der Charakter entdeckt, wie er wachsen und sich ändern kann
Er muss diesen Schritt noch nicht gehen, er gibt vielleicht noch nicht einmal zu, überhaupt ein Problem zu haben. Aber er kann bereits Hinweise über die Natur seiner Lüge finden aund Andeutungen, wie sie zu überwinden ist, sowie die Wahrheit, die ihm am Ende dabei hilft, sie zu überwinden.
 
Gib dem Charakter ein anstoßendes Ereignis, das er ablehnen kann
Eine Chance für den Charakter, sein Leben zu ändern. Dieses Ereignis kann zunächst wie eine Schererei aussehen, aber es ist wie gemacht für den Charakter. Das Wichtige dabei: Er mag es nicht, er ist nicht daran interessiert.  Er will sein Leben nicht ändern, auch wenn es unbequem ist, es ist wenigstens vertraut. Aber allein dadurch, dass dieses Ereignis seinen Weg gekreuzt hat, hat sich der Prota minimal so verändert, dass er nicht zurückkann. Er ist sich (halb) eines Problems bewusst geworden, das er nicht länger ignorieren kann.
Mehr zum anstoßenden Ereignis: http://www.helpingwritersbecomeauthors.com/secrets-of-story-structure-pt-5/
 
Erweitere den Glauben des Protagonisten an die Lüge
Gegen Ende des ersten Aktes ist der Charakter immer noch in die Lüge verwickelt, aber er beginnt unbewusst, gegen ihr Fundament zu kämpfen. Er ändert die Art und Weise, wie er der Lüge dient. Er glaubt vielleicht immer noch, das Geld Macht bedeutet, aber er glaubt nun, dass er es ehrlich erwerben kann statt als Betrüger.
 
Lass den Charakter entscheiden
Der erste Akt endet wenn der Protagonist eine Entscheidung trifft. Er will etwas gegen dieses Ereignis tun, in das er in der Mitte des 1. Aktes gestoßen ist. Er beschließt, durch eine Tür zu gehen, die aus seiner normalen Welt in die Abenteuerwelt führt (wenn auch nur metaphorisch), wo er Herausforderungen meistern muss und sich verändern wird. Diese „Tür“ ist der 1. Plot Punkt.
 
1. Wie stellst du die Lüge deines Charakters im ersten Akt vor und verstärkst sie?
2. wie nutzt du den Raum im Ersten Akt, um die verschiedenen Schichten der Lüge, der Ziele und der Persönlichkeit deines Charakters zu verteilen?
3. Wie deutest du das latente Potential deines Charakters an, die Lüge zu überwinden?
4. Welchen Aspekt der Wahrheit kannst du deinem Charakter im ersten Akt anbieten? Wie bietest du ihn ihm an (durch einen Mentor beispielsweise)?
5. Was ist dein anstoßendes Ereignis?
6. Warum wird dein Charakter es zuerst ablehnen?
7. Wie schnell überwindet er seine anfängliche Ablehnung gegenüber dem auslösenden Ereignis und folgt seinem Ruf ins Abenteuer?
8. Wie beginnt sich der Glaube an seine Lüge zu verändern gegen Ende des ersten Aktes?
9. Welche Entscheidung wird der Charakter treffen, das ihn in das auslösende Ereignis verwickelt?
 
 
VII Der erste Plot Punkt
Dieser Punkt ist der Moment, wo der Charakter nicht mehr zurückkann. Das Setup ist komplett, die „richtige“ Geschichte beginnt. Der Protagonist steckt seinen Schlüssel in die Tür zwischen dem Ersten und dem zweiten Akt und öffnet dadurch Pandoras Box. Er dient somit u.a. als Klimax für den ersten Akt.
 
Findet etwa bei 20-25% der Geschichte statt.
Beendet das Setup des ersten Aktes
Der Charakter verlässt die normale Welt
Beinhaltet entweder oder ist eine direkte Folge der Entscheidung des Charakters, auf starke und unwiderrufliche Weise zu reagieren.
 
Üblicherweise ist der 1. Plot Punkt eine starke Szene. In einer Actiongeschichte wird etwas explodieren. In einer Romanze treffen sich die Liebenden entweder zum ersten Mal  oder beschließen sich zum ersten Mal sich zu hassen. Es sollte also auf jeden Fall ein aufregender Moment sein, der im Gedächtnis bleibt.
 
Die Entscheidung, die der Charakter vorher trifft, führt ihn zu diesem Punkt, aber der 1. Plot Punkt kommt dennoch unerwartet und oft ungewollt.
 
Das Wichtigste am 1. Plot Punkt ist, wie der Charakter darauf reagiert. Er stößt eine Reihe von Reaktionen an, die den Charakter bis zum Mittelpunkt beschäftigen.
 
Entweder stürmt der Charakter durch die Tür, ohne genau zu wissen, was ihn erwartet, oder er wird schreiend hineingezogen.  Auf jeden Fall wird er auf der anderen Seite erst einmal klare Ziele entwickeln, basierend auf dem, was er will (s.o.).  Das wird ihn weiter vorantreiben, bis er es entweder erreicht oder feststellt, dass es das falsche Ziel war. Im Unterschied zu seiner normalen Welt unterstützt diese aber nicht mehr seine Lüge in bequemer Weise, und er wird negative Konsequenzen spüren, wann immer er sich in seine Ängste zurückzieht.
 
1. Welches Ereignis bricht über die normale Welt des Charakters herein und zwingt ihn, seine Pläne zu ändern?
2. Welche Entscheidung führt den Protagonisten zum 1. Plot Punkt?
3. Wird der 1. Plot Punkt vorteilhaft erscheinen? Wenn ja, wie wird sich herausstellen, dass die Komplikationen schlimmer sind als es der Protagonist erwartet?
4. Oder wird das Ereignis offensichtlich katastrophal sein?
5. Wird der Prota den 1.Plot Punkt willkommen heißen und aus eigener Kraft in den zweiten Akt gehen?
6. Oder muss er schreiend und um sich tretend durch die Tür gezerrt werden?
7. Wird der 1. Plot Punkt die normale Welt zerstören? Oder wird er den Charakter physisch aus ihr entfernen? Oder wird er die normale Welt um den Charakter herum verändern?
8. Wie wird der Prota auf den 1.Plot Punkt reagieren?
9. Welches neue Plotziel wird der Charakter als Antwort auf den 1. Plot Punkt entwickeln?
10. Wie setzt der 1. Plot Punkt die Füße des Charakters auf den Weg zu seiner neuen Wahrheit (die am Ende die Lüge ersetzt)?
11. Wie wird der 1. Plot Punkt eine neue Welt erschaffen, in der der Charakter dafür bestraft wird, wenn er nach seiner Lüge handelt?
 
 
VIII Die erste Hälfte des 2. Aktes
Der 2. Akt besteht aus ca. 50% der Geschichte. Er lässt sich noch einmal teilen in 25% vor dem Mittelpunkt und 25% nach dem Mittelpunkt.
Bei 3/8 gibt es einen Pinch Punkt, an welchem der Antagonist in Erscheinung tritt und dem Leser daran erinnert, gegen was der Protagonist ankämpfen muss.
 
Hier verläuft sich der Protagonist erst einmal in unbekanntem Gebiet. Er sieht noch nicht den Weg, aber er beginnt zu entdecken, dass die alten Regeln (die Lüge, die er glaubt) nicht länger gelten.
Er versucht mit den neuen Umständen klarzukommen und strebt nach dem, was er will, entschlossener als je zuvor. Er ist reaktiv, unter dem Einfluss der antagonistischen Kräfte, er hat keine Kontrolle über den Konflikt. Er ist nicht passiv, er stellt nur fest, dass seine Aktionen nicht effektiv sind. Das legt ihm aber die Basis zu erkennen, wie die Lüge ihn behindert.
Die gesamte 1. Hälfte des Buches besteht also aus Reaktion, ab dem Mittelpunkt geht der Protagonist dann zur Aktion über.
 
Der Charakter-Arc besteht in diesem Abschnitt aus 4 Teilen:
 
Gib dem Charakter die Werkzeuge, seine Lüge zu überwinden
Oder zumindest schon mal einen Nagel … Oft kommt dieses erste Werkzeug in der Form von einem Rat von einer Mentorfigur. Der Protagonist nutzt die 1. Hälfte des 2. Aktes auch, um die Fähigkeiten zu lernen oder zu trainieren, die er braucht, um den Antagonisten später in der Klimax zu überwinden. Während er diese physischen Fähigkeiten erwirbt, sollte er auch Wahrheiten lernen, um seine Lüge zu bekämpfen. Er sollte nicht nur mit der Theorie konfrontiert werden, sondern diese Wahrheiten auch anschaulich in Aktion erfahren (show, don’t tell) J
 
Zeige den Protagonisten dabei, wie er Schwierigkeiten hat, seiner Lüge zu folgen
Der Prota hat vielleicht noch nicht einmal erkannt, dass es überhaupt eine Lüge gibt, die er überwinden muss. Er reagiert wie gewohnt auf neue Ereignisse – und es funktioniert nicht. Er wird dafür bestraft, dass er nach seiner Lüge handelt. Wo sie ihm vorher Kraft gegeben hat und ihm geholfen hat zu bekommen, was er wollte, ist sie ihm nun zunehmend im Weg auf seinem Pfad zu den Dingen, die er braucht und denen die er will (seinem Plotziel). Er versteht allerdings noch nicht, warum, weil er immer noch nicht wahrhaben kann, dass das Problem überhaupt existiert. Er wird allerdings merken, dass er versagt, und er wird versuchen, Lösungen zu suchen, wie er sein Verhalten anpassen kann – was er dann am Mittelpunkt tun wird.
 
Bewege den Charakter näher an das, was er will, und weiter weg von dem, was er braucht
Der Prota ist immer noch versessen darauf, das zu bekommen, was er will, weil er glaubt, dass es alle seine Probleme löst. Er macht auch (scheinbar) Fortschritte in diese Richtung, die ihn allerdings blind machen für die wahre Natur seines inneren Konflikts. Während er die Schlachten des äußeren Konflikts gewinnt, verliert er immer mehr den Krieg des inneren.
 
Gib dem Charakter einen Einblick in das Leben ohne Lüge
Dieser Einblick kommt vielleicht dadurch, dass er die Einstellungen und Handlungen anderer Charaktere beobachten kann, oder vielleicht legt er für einen kurzen Moment einmal die Lüge ab und bekommt einen Eindruck von der Belohnung, die die Wahrheit mit sich bringt. Er sollte nicht mehr als einen kleinen Schimmer sehen an diesem Punkt, durch die ersten Risse in seiner Lüge, auch wenn er noch gar nicht überzeugt ist, dass sie problematisch ist.
 
1. Wie reagiert dein Charakter auf den 1. Plot Punkt?
2. Welche “Werkzeuge” gibst du ihm, um die erste Sprosse der Leiter zu bauen die seine Lüge überwindet?
3. Welcher Nebencharakter kann Ratschläge oder beispielhaftes Verhalten geben, um deinen Protagonisten zu leiten?
4. Wie kannst du dem Charakter den ersten Schritt zur Überwindung der Lüge zeigen, anstatt ihm nur davon zu erzählen?
5. Wie wird der Charakter versuchen, seine Lüge dazu zu benutzen, seine Plotprobleme zu bezwingen?
6. Wie wird er dafür bestraft?
7. Wie werden diese Misserfolge die Anschauung und Taktiken des Charakters verändern?
8. Wie wird die engstirnige Verfolgung seines Plotziels den Charakter näher an das, was er will, bringen?
9. Wie wird ihm das Streben nach dem, was er will dazu führen, dass er riskiert, weiter von dem, was er braucht, wegzudriften?
10. Wie wird die neue Welt nach dem 1. Plot Punkt dem Charakter einen Einblick geben, wie das Leben ohne die Lüge sein könnte?
 
 
IX Der Mittelpunkt
In der Plotstruktur ist der Mittelpunkt der  Punkt, an dem die Protagonisten aufhören zu reagieren (hat keine Kontrolle über den Konflikt) und anfangen zu agieren (Kontrolle über den Konflikt übernehmen). Er findet in der Mitte der Geschichte statt (duh).
Wenn der 1. Plot Punkt ein negativer Wendepunkt für den Charakter war, dann sollte der Mittelpunkt eine positive Wendung beinhalten, und umgekehrt. Er ist eine gute gelegenheit für eine große, beeindruckende Szene.
 
Woher kommt diese Wendung von reaktiv zu aktiv? Sie kommt aus dem Charakter selbst. Der Mittelpunkt ist der Moment, wo der Charakter ein besseres Verständnis entwickelt nicht nur bezüglich des äußeren Konflikts, sondern auch seines inneren Selbst in Bezug auf den Konflikt. Er erkennt endlich die Wahrheit (über sich selbst), und auch wenn er sie schon in der ersten Hälfte des 2. Aktes erahnen konnte, hier akzeptiert er sie endlich und erkennt, dass sie der Schlüssel zu seinem Ziel ist.
 
Das bedeutet nicht, dass der Charakter die Lüge bereits ablegen kann. Aber er erhält diesen neuen Blickwinkel, und er ist für die nächste Zeit gefangen zwischen der Lüge und der Wahrheit. Er beginnt langsam, die Wahrheit in sein Denken und Handeln zu integrieren, sie vielleicht mit der Lüge zu verbinden oder parallel zu behalten. Auch wenn er nach außen hin weiter nach der Lüge lebt, versucht er doch, die Wahrheit in sein Handeln einzubeziehen.
 
Dieser Wechsel ist kein dramatischer Moment, wie er im äußeren Konflikt vielleicht am Mittelpunkt stattfindet. Es ist ein subtiler Prozess, der schon die ganze Zeit stattfindet, und hier nur seinen letzten Schubs erhält.
 
1. Welche persönliche Erkenntnis trifft deinen Protagonisten am Mittelpunkt?
2. Auf welche Art ist er anders am Mittelpunkt, als er es am 1. Plot Punkt war?
3. Wie motiviert die Enthüllung am Mittelpunkt den Charakter, von Reaktion zu Aktion überzugehen, indem sie ihm das nötige Wissen gibt, die Kontrolle über den Konflikt zu übernehmen?
4. Welche definitive Aktion unternimmt der Charakter gegen die antagonistische Kraft?
5. Welches neue Verständnis erhält der Charakter über den Konflikt?
6. Welches neue Verständnis erhält der Charakter über sich selbst?
7. Welche Wahrheit erkennt und akzeptiert er? Warum akzeptiert er sie?
8. Auf welche Weise halt sich der Charakter noch bewusst an der Lüge fest?
9. Welche Aktionen unternimmt er aufgrund der Wahrheit?
10. Wie entwickelt der Kontrast zwischen dem gleichzeitigen Festhalten an Lüge und Wahrheit seinen inneren Konflikt weiter?
 
 
X Die 2. Hälfte des 2. Aktes
Hier beginnt der Charakter nun zu handeln und prescht voran. Dummerweise glaubt er, nun alles zu wissen, was er braucht, ist aber immer noch halb geblendet von seiner Lüge. Er beginnt, wenn auch unterbewusst, die Wahrheit mehr zu schätzen als das, was er will.
 
In diesem Teil finden 6 Teile der Charakterentwicklung statt:
 
Erlaube, dem Charakter auf erleuchtete Weise zu handeln
Der Charakter hat nun das nötige Wissen und die Werkzeuge, sein Ziel zu erreichen. Er macht nun größere Fortschritte als zuvor, was aber nicht bedeutet, dass er keine Hindernisse mehr vor sich hat – er ist lediglich auf dem richtigen Weg und effizienter als zuvor.
 
Setze den Charakter zwischen der alten Lüge und der neuen Wahrheit gefangen
Auch wenn der Charakter von nun an nach seiner neuen Wahrheit handelt, sitzt die Lüge immer noch in seinem Unterbewusstsein. Sie hält ihn davon zurück, sich 100%ig der Wahrheit zu verpflichten und verursacht einen schweren inneren Konflikt. Er hat plötzlich zwei Sonnen in seinem Kosmos und ist nicht mehr sicher, welche Bahn er einschlagen soll.
 
Initiiere Versuche des Charakters, den Auswirkungen der Lüge zu entkommen
Der Charakter wird von der Wahrheit angezogen und schlägt die Lüge immer wieder zurück, die ebenfalls an ihm zieht. Er bewegt sich vielleicht sogar fort von dem, was er will, auch wenn er es immer noch will und behauptet, auch noch an die Lüge zu glauben; seine Handlungen zeigen aber zunehmend das Gegenteil, weil er von der Wahrheit schon zu sehr eingenommen ist.
 
Kontrastiere die „Vorher“ und „Nachher“ Einstellung des Charakters
Betrachte die beiden Hälften der Geschichte wie ein Spiegelbild voneinander. Der Charakter erlebt ähnliche Situationen wie am Anfang der Geschichte, nur sind sie nun seitenverkehrt und zeigen dadurch seinen Fortschritt in seiner Entwicklung.  Zeige und beweise, dass der Charakter sich verändert hat!
Gib dem Charakter einen falschen Sieg
Am Ende des zweiten Aktes ist das, was der Charakter will zum Greifen nahe, und er will es immer noch so sehr wie zuvor. Aber irgendwie fühlt es sich nicht richtig an. Um es zu erlangen müsste er sich wieder der Lüge unterwerfen und das, was er braucht, dafür aufgeben,  den Weg der Wahrheit verlassen.
Und was tut er? Er nimmt es. Vielleicht handelt er rein aus Gewohnheit aus der Lüge heraus. Er ist überzeugt, dass er beides haben kann, das was er will und das, was er braucht. Er kann sowohl die Wahrheit als auch die Lüge harmonisch vereinen, und die eine Seite liegt nun direkt vor ihm. Aber er opfert damit sein inneres Streben dem Äußeren, und er wird dafür am 2. Plot Punkt bezahlen.
 
Demonstriere offensichtlich die Krux des Charakter-Arcs
Hier ist kein Platz für Subtilität. Mach absolut deutlich, was der Charakter braucht, und wenn es ihm jemand ins Gesicht sagt. Das ist das letzte Werkzeug, das er in die Hand bekommt und das, was ihn am Ende seine letzte Verteidigung gegen die Lüge sein wird.
 
1. Wie übernimmt der Charakter die Kontrolle über den Konflikt nach dem Mittelpunkt?
2. Wie hilft die Erkenntnis am Mittelpunkt dem Charakter, den Konflikt in einem neuen Licht zu sehen?
3. Welche Werkzeuge hat diese Erkenntnis dem Charakter in die Hand gegeben, die es ihm ermöglichen, effektiver gegen die antagonistischen Kräfte zu kämpfen?
4. Wie halt sich der Charakter noch immer an der Lüge fest?
5. Wie erzeugt die Wahrheit Spannungen mit der Lüge?
6. Auf welche Weise ist der Charakter noch nicht im Einklang mit der Wahrheit?
7. Wie unterstützt die Einstellung des Charakters noch immer die Lüge?
8. Wie demonstrieren seine Handlungen seinen wachsenden Glauben an die Wahrheit?
9. Wie kannst du eine Vorher-Nachher Szene benutzen, um zu beweisen, auf welche Weise sich der Charakter seit der ersten Hälfte der Geschichte verändert hat?
10. Welcher falsche Sieg beendet den 2. Akt? Wie hat der Charakter die Wahrheit gefährdet, um (scheinbar) das zu erlangen, was er will?
11. Wie zeigst du ganz offensichtlich, was der Charakter braucht?
 
XI Der 2 Plot Punkt
Der 2. Plot Punkt ist der Tiefpunkt der Geschichte. Eben noch schien der Charakter zu gewinnen, alles schien zu klappen. Er hatte die Wahrheit herausgefunden und die Lüge zurückgedrängt. Aber zurückdrängen allein reicht nicht. Sie kommt zurück und steht nun unverhüllt direkt vor ihm, und er muss sie ein für alle Mal konfrontieren, sie entweder zerstören oder selbst dabei zerstört werden.
 
Der Antagonist hat noch eine Karte im Ärmel und wendet das Blatt. Dieser Wendepunkt kommt oft zusammen mit einer Enthüllung, vielleicht ein Plottwist, vielleicht auch einfach nur das Vollständige Verständnis, wie schwach der Charakter durch die Lüge war und ist. Der Charakter ist davon so überwältigt, dass er sich nicht wehren kann.
 
An diesem Punkt muss der Charakter eine innere Entscheidung treffen. Er erkennt nun, dass er unmöglich beides haben kann: Das was er will, und das, was er braucht. An diesem Punkt ist diese Entscheidung schwer: Egal was er wählt, er muss etwas Lebensnotwendiges aufgeben, und das ist ihm schmerzhaft bewusst. Er kann die Wahrheit wählen und muss seinen lebenslangen Traum aufgeben. Oder er wählt seinen Herzenswunsch und muss den Rest seines Lebens in seiner Lüge leben. Je schwerer ihm diese Wahl fällt, je mehr er beides gleichzeitig begehrt, umso stärker ist diese Szene.
 
Natürlich wählt er die Wahrheit, sonst hätten wir keine Charakterentwicklung. Er geht bewusst den Schritt in diese Richtungen, reißt die Brücken hinter sich nieder. Vielleicht erhält er später auf anderen Wegen tatsächlich noch das, was er will, aber das ist an diesem Punkt irrelevant und nicht abzusehen. Er muss ein echtes Opfer bringen und kann seine Entscheidung nicht rückgängig machen.
 
Der alte Charakter, der er war, stirbt. Oft wird das durch einen tatsächlichen Tod symbolisiert, dem eines Mentors oder Wegbegleiters, vielleicht auch durch ein apokalyptisches Szenario oder dem Ende seiner Karriere.
 
Der erste Plot Punkt reißt den Charakter aus seiner normalen Welt.
Der Mittelpunkt weckt ihn aus seiner Reaktion und leitet ihn zur Aktion.
Der zweite Plot Punkt bringt die Erkenntnis, dass er keine andere Option hat als den richtigen Weg zu gehen und sein Selbst und seine Situation mit brutaler Ehrlichkeit zu betrachten.
 
1. Welches niederschmetternde Ereignis oder Enthüllung verwandelt den scheinbaren Erfolg des Charakters in seine schlimmste Niederlage?
2. Wie wird diese Niederlage ermöglicht durch die Ablehnung des Charakters, bis dahin seine Lüge abzulegen?
3. Wie zwingt diese Niederlage ihn, den wahren Auswirkungen seiner Lüge ins Auge zu sehen?
4. Wie gibt diese Niederlage dem Charakter einen direkten Weg zu dem, was er will?
5. Wenn er diesen Weg wählt, wie zwingt ihn das, das aufzugeben, was er braucht?
6. Wie kannst du eine klare Entscheidungssituation konstruieren zwischen dem, was er will und dem, was er braucht?
7. Was wird er wählen?
8. Wie kannst du buchstäblich oder symbolisch den Tod in dieser Szene repräsentieren um zu zeigen, dass das von der Lüge getriebene Selbst des Charakters tot ist?


XII Der dritte Akt
Der Charakter hat am Ende des 2. Aktes das Richtige getan, er hat nach seiner neuen Wahrheit gehandelt. Und sie hat erstmal sein Leben gründlich ruiniert. Der dritte Akt handelt nun davon, wie er sich von diesem Schlag wieder aufrappelt und sich darauf vorbereitet, im Höhepunkt dem Antagonisten wieder entgegenzutreten. Im Inneren des Charakters geht es in diesem Akt jedoch vor allem darum, dass er herausfindet, ob er wirklich dieser Wahrheit weiter folgen will. Ist sie den Preis wert, den er zahlen musste? Hier werden nun alle Fäden zusammengeführt, die du bisher zurechtgelegt hast.
 
In diesem Teil finden 4 Teile der Charakterentwicklung statt:
 
Direkt nach den Ereignissen des 2. Plot Punktes muss der Charakter erst einmal mit den Folgen für sich und sein Leben klarkommen. Er hat gerade alles seine bisherigen Ziele hingeschmissen und ist von all dem mitgenommen. Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, das Messer, das bereits in ihm steckt noch ein bisschen umzudrehen! Mach es ihm nicht leicht zu glauben, dass nach der Wahrheit zu handeln das Beste war, was er tun konnte. Gib ihm Gegenwind, gib ihm nach all den psychischen Qualen noch physische Gefahren zu überwinden. Aber lass ihn trotz allem aufstehen und weiterlaufen (oder humpeln) und zeig, dass er ein neuer Mensch ist.
 
Der Charakter sollte noch etwas aus dem Gleichgewicht sein. Die Wahrheit hat über die Lüge triumphiert, aber die Lüge hängt immer noch an ihm. Er hat noch immer Zweifel und ist daher noch nicht völlig ausgefüllt und effektiv, er ist unglücklich und schwankend. Er hat die Tür zum Glück geöffnet, aber er ist noch nicht hindurchgetreten.
 
Trotz aller Zweifel hat der Charakter starke Fortschritte gemacht. Zeig sie!  Lass ihn, fast nebenbei, die Lüge ein weiteres Mal zurückweisen, so, als wäre es inzwischen ganz normal für ihn.
 
Etwa in der Hälfte des 3. Aktes, kurz vor dem Beginn des Höhepunktes, kommt ein weiterer Angriff auf die neue Weltanschauung des Charakters. Sie geht normalerweise nicht vom Antagonisten aus (das sparen wir uns für den Höhepunkt auf!), sondern von einem seiner Untergebenen, oder einem Verbündeten des Charakters, oder sogar von den Zweifeln des Charakters selbst. Die Lüge präsentiert sich noch einmal in ihren verlockendsten Farben. Wenn er ihr folgt, hat er die Aussicht, einen weiteren Kampf zu vermeiden oder erhöht seine Chancen auf einen Sieg. Je überzeugender die Versuchung, desto höher ist die Spannung!
Diese letzte Versuchung kann direkt in den Höhepunkt überleiten.  Auf jeden Fall sollte sie diesem aber nicht die Show stehlen. Wenn es das Pacing der Geschichte nicht anders zulässt, genügt an dieser Stelle auch ein letztes Zögern und ein Kopfschütteln des Protagonisten, bevor der durch die letzte Tür tritt, um dem Antagonisten die Stirn zu bieten.
 
1. Wie reagiert der Charakter auf den 2. Plot Punkt?
2. Wie hat sein Festhalten an der Wahrheit sein Leben durcheinandergewirbelt und vor allem sein Streben nach dem Plotziel?
3. Wie kannst du den Einsatz erhöhen, indem du ihn in die physische und emotionale Enge treibst?
4. Wie zwingt diese Enge den Charakter zu überlegen, ob die Wahrheit die richtige Wahl für ihn war?
5. Wie legt er diese Zweifel ab, entschlossen, an der Wahrheit festzuhalten?
6. Welche Zweifel hegt der noch über die Wahrheit?
7. Wie hält ihn die Unfähigkeit, die Lüge völlig loszulassen, von seinem totalem Glück und Stärkung ab?
8. Wie unterscheiden sich die Einstellung und Handlungen des Charakters im 3. Akt von denen im 1. Akt? Wie kannst du diesen Unterschied subtil vor dem Höhepunkt untermauern?
9. Wie wird die Hingabe des Charakters zur Wahrheit geprüft? Welchen Charakter oder welche Situation benutzt du für den Versuch,  den Charakter in Versuchung zu führen oder zu nötigen, wieder der Lüge zu verfallen?
 
 
XIV Der Höhepunkt
Der Höhepunkt ist der Grund für die ganze Geschichte, und warum die Reise des Charakters durch die Ereignisse all die Strapazen wert war. Nachdem die Leser die Entwicklung des Charakters verfolgt haben, bekommen sie hier den beweis, dass er sich wirklich geändert hat.
Etwa in der Mitte des 3. Aktes trifft der Protagonist nun auf den Antagonisten zur finalen Auseinandersetzung, und er wird alles brauchen, was er im Laufe der Geschichte gelernt hat, um zu bestehen.
 
Wie schon oben beschrieben kann die Lüge kurz vor dem Höhepunkt den Charakter ein letztes Mal in Versuchung führen. Alle negativen Charakterzüge, Angewohnheiten, Sehnsüchte kommen noch einmal zum Vorschein, bevor sie endgültig ausgelöscht werden. Je nachdem, wie eng der äußere Konflikt der Geschichte mit dem inneren Konflikt des Charakters verbunden ist, kann es sein, dass dies erst genau im Höhepunkt geschieht. Der Antagonist kennt den Schwachpunkt des Charakters, und er bohrt sein Schwert genau in die Wunde, die gerade erst angefangen hat zu heilen. Wenn der Charakter seinen Arc nicht in genau diesen Moment abschließt, dann wird er alles verlieren. Den Charakter-Arc mit den Plot-Arc zu synchronisieren erhöht auf diese Weise stark das Spannungspotential der Geschichte.
 
Auf der anderen Seite ist der Höhepunkt ein sehr dichtes Geschehen, und inmitten einer Actionszene mag kein Platz sein, dem inneren Konflikt des Protagonisten genügend Raum zu geben. In diesem Fall sollte der Charakter seinen inneren Konflikt vor dem dramatischen Höhepunkt überwinden. Durch diesen Schritt wird er endlich seine Balance finden und  die Kraft, dem Antagonisten entgegenzutreten.  Der Abstand zwischen „Charakter lernt seine Lektion“ und „Charakter ist erfolgreich“ sollte jedoch so klein wie möglich sein, um die Verbindung zwischen diesen beiden Ereignissen nicht zu schwächen.
 
Wie auch immer, alle Zweifel in Bezug auf die Wahrheit sollten an dieser Stelle überwunden sein – wobei natürlich offen bleiben kann, ob sie genügt, den Sieg zu bringen. Aber die Entscheidung zu ihren Gunsten ist gefallen.
 
Innerhalb des Höhepunktes gibt es noch einmal den klimatischen Moment. Es ist der Moment, auf den die Leser die ganze Zeit gewartet haben. Der Konflikt endet, weil die antagonistische Kraft endgültig vernichtet ist. Die Hindernisse zwischen dem Protagonisten und seinem Plotziel verschwinden. Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass der Protagonist das bekommt, was er will; es geht hauptsächlich darum, dass er das bekommt, was er braucht. Das bedeutet, dass sich sein Ziel an diesem Punkt im Vergleich zum Anfang der Geschichte komplett verändert haben kann. Vielleicht lehnt er sein ursprüngliches Ziel, das, was er will (wollte), nun komplett ab, weil er etwas Besseres gefunden hat. Vielleicht haben sich auch nur seine Gründe, es anzustreben, verändert. Oder es bekommt das, was er wollte, als Preis obendrauf, aber nur, weil er sich auf die Dinge konzentriert, die er braucht.
 
1. Wie beweist der Charakter im Höhepunkt, dass er eine andere Person geworden ist?
2. Geschieht der letzte Angriff auf seine neue Wahrheit vor oder während dem Höhepunkt? Was sind die Pacing-Herausforderungen für die jeweilige Wahl?
3. Wie ermöglicht die ultimative Annahme der Wahrheit den Sieg des Charakters im äußeren Konflikt?
4. Nimmt der das, was er braucht, im Höhepunkt komplett an?
5. Wie nutzt er das, was er braucht, um den Antagonisten zu besiegen?
6. Bekommt er das, was er will/ wollte?
7. Wie hat sich seine Sicht auf das, was er will verändert? Will er es immer noch?
 
Der Anfang der Geschichte stellt die Frage, ob der Charakter seine Lüge überwinden kann, um das zu bekommen, was er braucht. In einem positiven Charakter Arc beantwortet der Höhepunkt diese Frage mit einem deutlichen JA. Er zeigt auch den Beweis, wie der Charakter durch die Wahrheit verändert wurde. Gratulation. Der Charakter hat nun seinen Arc abgeschlossen!
 
XV Die Auflösung
Moment, warum geht es trotzdem weiter, wenn doch alles erreicht ist? Ist alles Weitere nicht überflüssig?
Nein. Die Auflösung zeigt, wie der Charakter in seine normale Welt zurückkehrt. Somit ist diese letzte Szene die Belohnung für all das, was der Charakter durchgemacht hat, und das wollen wir dem Leser nicht vorenthalten.
 
Die Auflösung hat zwei Aufgaben: Sie gibt einen Ausblick, wie das Leben des Charakters mit seiner neu errungenen Wahrheit weitergehen wird und zeigt, wie sich die normale Welt durch den Sieg des Charakters selbst verändert hat. Zum anderen beantwortet sie die Fragen, die die Geschichte am Anfang aufgeworfen hat. Das kann gezeigt werden oder in einem kurzen Dialog thematisiert werden, und sollte durchaus klar herausgestellt werden, nur vermeide, den Leser die Moral der Geschichte allzu heftig um die Ohren zu hauen.
 
Das der Charakter sich verändert hat weiß der Leser bereits. Nun ist der Zeitpunkt zu zeigen, welche Auswirkungen das hat. Nachdem der Charakter den Konflikt gelöst hat – was wird er jetzt tun? Wie wird er sich verhalten als veränderte Person?
 
Diese Veränderung lässt sich am besten visualisieren, indem man einen Kontrast herstellt zwischen der normalen Welt am Anfang der Geschichte und der neuen Normalität nach dem Konflikt. Dies klappt besonders gut, indem man den Charakter an das physische Setting des Anfangs zurückschickt.
 
Natürlich ist das nicht immer möglich, vielleicht ist die Welt vom Anfang sogar zerstört. In diesem Fall musst du den Unterschied durch die Handlungen des Charakters in der Auflösung darstellen. Du kannst seine neuen Emotionen ruhig sehr deutlich zeigen und ein bisschen Aufdrehen, der Charakter hat es sich verdient. In einem positiven Arc sollte die letzte Szene Spaß machen, glücklich sein und die Hoffnung für die Zukunft des Charakters zeigen.
 
1. Wie kontrastiert die Auflösung den Anfang der Geschichte?
2. Wie spiegelt die Auflösung den Anfang der Geschichte?
3. Wie unterscheidet sich die neue normale Welt von der alten?
4. Kehrt der Charakter in seine alte Welt zurück?
5. Wie beantwortet die Auflösung die thematische Frage der Geschichte?
6. Wie kannst du diese Antwort in einem Dialog unterbringen, ohne es wie eine Moralkeule rüberzubringen?
7. Inwiefern verhält sich der Charakter in der Auflösung anders als er es am Anfang der Geschichte getan hat?


Zuletzt von Ankh am So Dez 18, 2016 1:18 am bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am So Dez 04, 2016 7:19 am

Das Kapitel wird etwas kürzer, da die Begriffe wie Lüge, Wahrheit, Wunde etc. ja schon beim positiven Arc genauer erklärt sind. Wenn etwas unklar ist, lest einfach dort nach oder fragt unten.
Den Originaltext und noch einige konkrete Beispiele aus Film und Literatur findet ihr unter http://www.helpingwritersbecomeauthors.com/write-character-arcs/
 
Der flache Charakter-Arc
 
Im Gegensatz zum positiven Arc geht es im flachen Arc um einen Charakter, der sich nicht ändert. Er hat seine Wahrheit schon herausgefunden und angenommen und nutzt sie, um seine Herausforderungen zu meistern.
Aber ist das nicht langweilig? Ist es nicht. Es ist eine der populärsten Storylines überhaupt. Es ist der übliche Handlungsbogen vieler Sequels, nachdem die Origins-Story des ersten Teils einer Reihe abgehandelt ist, in der der Charakter seine Wahrheit findet und eine bessere Person wird. Im flachen Arc ist nun endlich Gelegenheit, diese bessere Person in all ihrem Glanz in Action zu sehen!  Der Protagonist wird mit großen Herausforderungen konfrontiert und seine Hingabe zur Wahrheit wird auf die härteste Probe gestellt – aber er weicht nie davon ab. Er erfährt wenig inneren Konflikt und wird sich als Person kaum ändern; wenn überhaupt, ändert er sich äußerlich, erlangt neue Fähigkeiten oder übernimmt eine neue Rolle, was ihn aber nicht besser macht, sondern lediglich eine neue Position gibt.
Wenn sich der Charakter nicht ändert, worin besteht dann der Arc? Darin, dass der Charakter nicht sich, sondern mithilfe seiner Wahrheit die Welt um sich herum ändert und die Herausforderungen des Plots meistert.
 
Der Charakter kann eine Wunde haben (was ihm Tiefe und eine interessante Vorgeschichte verleiht), aber er hat bereits seinen Frieden damit gemacht.
 
Die normale Welt kann sich auf zwei Arten präsentieren. Entweder sie repräsentiert die Wahrheit des Charakters. In dem Falle wird sie im 1. Plot Punkt zerstört oder der Charakter ist gezwungen sie zu verlassen, um sie zu beschützen. Oder die normale Welt ist ein eher unzufriedenstellender Ort, der von einer großen Lüge verseucht ist, gegen die die Wahrheit des Protagonisten im direkten Gegensatz steht. Der Protagonist wird seine Wahrheit dazu benutzen, diese böse Welt zu zerstören und eine bessere an ihrer Stelle zu errichten.
 
Wie in einem positiven Arc ist die normale Welt, in der die Geschichte beginnt, ein Symbol, entweder dafür, für dessen Schutz der Charakter kämpft oder wogegen er kämpfen wird, um es zu überwinden.
Der charakteristische Moment  funktioniert praktisch in allen drei Arcs identisch. Der einzige Unterschied im flachen Arc ist, dass hier die Wahrheit des Charakters vorgestellt wird anstatt seiner Lüge. Frage dich, welche Fähigkeiten und Überzeugungen der Charakter besitzt, die ihn dazu befähigen, die Lüge, die durch die antagonistische Kraft repräsentiert werden, zu bekämpfen. Denke dir eine Eröffnungsszene aus, die diese Qualitäten auf faszinierende und sympathische Weise illustriert.
 
Den 1. Akt, also das erste Viertel der Geschichte mit einem flachen Arc solltest du dazu nutzen, den kommenden Konflikt einzuführen. Du musst die wichtigen Figuren vorstellen und ihr jeweiliges Verhältnis zu der Wahrheit und der Lüge. Wie im positiven Arc kannst du dir Zeit nehmen, die Lüge aus allen Richtungen zu beleuchten, denn in der Lüge liegt immer das, was für den Protagonisten auf dem Spiel steht. Was wird schreckliches mit ihm und seiner Welt geschehen, wenn die Lüge nicht überwunden wird?
Der Protagonist beginnt nicht unbedingt mit viel Wissen über die Lüge. Er kennt seine Wahrheit, aber er wurde vielleicht noch nicht damit konfrontiert, dass die Lüge sich in der Welt um ihn eingenistet hat.  Der Großteil des ersten Aktes wird dazu dienen, dass er realisiert, was da faul ist.
Er mag von Anfang an gegen die Lüge sein, aber er wird sie im ersten Akt noch nicht aktiv konfrontieren. Vielleicht versucht er sogar aktive, die Konfrontation zu vermeiden. Er ist glücklich damit, seine Wahrheit in sich zu tragen, aber er sieht vielleicht gar keinen Grund, mit dieser Wahrheit die Welt um sich herum zu schützen und zu heilen. Er stürzt sich nicht in den Kampf gegen die Lüge der antagonistischen Kraft bis nach dem ersten Plot Punkt am Ende des ersten Aktes.
 
1. An welche Wahrheit glaubt der Charakter bereits am Anfang der Geschichte?
2. Hat er eine Wunde in seiner Vorgeschichte, die diesen Glauben verursacht hat?
3. Welche Lüge, die von der antagonistischen Kraft repräsentiert wird, wird er bekämpfen müssen?
4. Repräsentiert die normale Welt die Wahrheit, die er beschützen muss, oder die Lüge, die er beseitigen muss um die Wahrheit zu etablieren?
5. Wenn das erste, wie kannst du die schleichende Bedrohung zeigen, die die Lüge in dieser Welt verursacht?
6. Wann wird sich der Protagonist dieser Bedrohung zum ersten Mal bewusst?
7. Zögert der Protagonist zunächst, sich mit der Lüge anzulegen?
8. Falls er bereits beschlossen hat, die Lüge zu bekämpfen, welche Hindernisse halten ihn im ersten Akt von einer direkten Konfrontation mit der Lüge ab?
9. Welchen charakteristischen Moment kannst du nutzen, um die Hingabe des Charakters an die Wahrheit zu zeigen, und das wissen und die Fähigkeiten, die ihm daraus zur Verfügung stehen?
10. Wie kann dein Anfang die Lüge zeigen, die deinem Charakter entgegensteht?
11. Wie kannst du durch den 1. Akt hindurch zeigen, was durch die Lüge für den Charakter auf dem Spiel steht?
 
Im Vergleich zu einem positiven Charakter-Arc geht es im 2. Akt nicht darum, dass der Charakter seine inneren Irrtümer bemerkt und konfrontiert. Stattdessen entdeckt er, dass die Lüge in die Welt um ihn herum eingenistet ist. Er muss herausfinden, erstens ob er sie bekämpfen will, und zweitens, wie er am besten seine Wahrheit dafür einsetzen kann, um dieses Ziel zu erreichen, über die antagonistische Kraft zu triumphieren und die Lüge aus dem Leben seiner Mitmenschen zu jäten.
 
Wie in den anderen Arc-Formen ist der 1. Plot Punkt die Tür, durch die der Protagonist aus seiner normalen Welt in die seines Abenteuers tritt. Es ist ein größeres, möglicherweise katastrophales Ereignis, das seine Welt über den Haufen rennt und ihn zur Reaktion zwingt. Bis zu diesem Moment wird er versucht haben, einer Konfrontation zu entgehen. Vielleicht hat er einfach nicht eingesehen, warum dies ausgerechnet sein Kampf sein soll. Oder er hat gehofft, dass er die Lüge diplomatisch und friedlich beseitigen kann, ohne direkte Konfrontation. Der 1. Plot Punkt macht die externen Probleme auf einen schockierenden Schlag sehr persönlich für ihn, und zieht ihn so durch die Tür.
 
Die erste Hälfte des 2. Aktes wird der Protagonist im Reaktions-Modus sein. Das heißt nicht, dass er passiv ist, aber er hat keine Kontrolle über den Konflikt. Üblicherweise liegt das daran, dass ihm die nötigen Informationen fehlen. Er weiß normalerweise an diesem Punkt, dass es ein größeres Problem gibt, aber er kennt weder die Einzelheiten noch den genauen Umfang des Problems. Mit seiner Wahrheit hat er das passende Handwerkszeug, um dagegen anzugehen. Sein Plotziel mag nicht direkt die Vernichtung der Lüge sein, aber die Lüge steht seinem persönlichen Plotziel so im Wege, dass er sie beseitigen muss.
Im Gegensatz zum positiven Arc wird der Charakter in der 1. Hälfte dieses Aktes dafür bestraft, dass er der Lüge folgt. Jeder versucht ihm zu überzeugen, dass er ein Idiot ist, sich gegen die Lüge zu stellen. Sein Glaube an die Wahrheit wird auf die Probe gestellt, und damit diese Proben ein Gewicht haben, MUSS der Charakter ernsthaft in seinem Glauben wanken. Er muss darüber nachdenken, ob er der Wahrheit weiter folgen will, ob sie wirklich die Wahrheit ist und nicht eine Lüge, ob nicht alle anderen Recht haben und er falsch liegt. Einige Momente bis Szenen lang muss er zweifeln, was er glauben soll.
 
Der Mittelpunkt ist der Moment, wo sich durch eine Enthüllung alles in der Geschichte umkehrt. Auf einmal gibt es Antworten auf all die Fragen aus der ersten Hälfte. Der Protagonist erfährt das Ausmaß der Lüge und die Ziele der antagonistischen Kraft. Auch wenn seine Wahrheit dem gegenüber klein und unbedeutend erscheint, ist der Charakter erst recht motiviert, einzuschreiten. Seine Zweifel, ob er auf der richtigen Seite steht, verschwinden, und er ist entschlossen zu tun, was er tun muss, um die Lüge zu besiegen, und wenn er dabei draufgeht.
Wie im Positiven Arc gibt es auch hier einen Moment der Einsicht, allerdings wird dieser nicht dem Protagonisten geboten, sondern er bietet ihn der Welt um sich herum. Verbündete, die der Wahrheit widerstanden hatten, beginnen, sie zu sehen (und folgen damit ihrem eigenen positiven Arc). Feinde werden dem Protagonisten die Wahrheit ins Gesicht zurückschleudern.
 
In der zweiten Hälfte des 2. Aktes geht der Charakter von Reaktion zur Aktion über. Indem der Charakter die wahre macht der Lüge gesehen hat, hat er auch ihren Schwachpunkt gefunden, und wenn er noch so winzig ist, und ist entschlossen, diesen auszunutzen. Seine Aktionen beginnen, die Welt um ihn herum zu verändern, die langsam erkennt, welches Monster in ihrer Mitte haust. Die Welt schließt sich dem Protagonisten an, und die antagonistische Kraft gerät ins Schwitzen. Der 2. Akt endet so mit einem scheinbaren Sieg, nur um sich als Ausgangspunkt einer schlimmen Niederlage im 2. Plot Punkt zu entpuppen …
 
1. Wie zwingt der 1. Plot Punkt den Charakter in eine direkte Konfrontation mit der Lüge?
2. Konfrontiert er die Lüge freiwillig, oder nur, weil er keine andere Wahl hat?
3. Wie wird der Charakter in Versuchung geführt, von seiner Wahrheit abzurücken?
4. Wie nahe wird er zu dem Punkt kommen, die Wahrheit fallenzulassen und die Lüge anzunehmen?
5. Welche Verbündeten werden seiner Hingabe zur Wahrheit widerstehen?
6. Wie werden diese Verbündeten schließlich durch die Wahrheit verändert?
7. Wie werden seine Feinde der Wahrheit widerstehen?
8. Wie verwickeln sich diese Feinde dadurch erst recht in der Lüge?
9. Ist das Plotziel des Charakters direkt verbunden mit der Vernichtung der Lüge in seiner Welt?
10. Falls nicht, warum muss er die Lüge überwinden, um sein Hauptziel zu erreichen?
11. Was bezüglich der Lüge versteht der Charakter in der ersten Hälfte der Geschichte nicht?
12. Welche wichtige Information über die Lüge und die antagonistische Kraft wird er im Mittelpunkt herausfinden?
13. Wie kann er durch seine Wahrheit einen Moment der Erkenntnis geben, entweder generell an die Welt oder speziell an seine Verbündeten und/ oder den Antagonisten?
14. Welche Schwäche in der Lüge entdeckt der Charakter im Mittelpunkt, den er in der zweiten Hälfte ausnutzen kann?
 
Im 3. Akt ähnelt der flache Arc stark dem positiven Arc, da zu diesem Zeitpunkt der Protagonist in beiden Arten von Geschichte vollen Zugriff auf die Wahrheit hat. Natürlich hat er den im flachen Arc schon die ganze Zeit. Was sich verändert hat ist, dass ausgewählte Verbündete, die die Welt um den Protagonisten herum repräsentieren, eine positive Wendung gemacht haben. Obwohl der Protagonist noch immer gegen eine Übermacht steht, steht er da nun nicht mehr alleine. Selbst wenn er stirbt, wird seine Wahrheit weiterleben durch die Menschen, die er überzeugt hat. (das muss im Übrigen keine tiefe Moral sein, viele Geschichten vor allem im Actiongenre haben einen sehr oberflächlichen Konflikt, und das ist okay). 
 
Nach einem scheinbar großen Sieg am Ende des 2. Aktes wendet sich das Blatt komplett gegen den Protagonisten, und er wird sich im 2. Plot Punkt plötzlich in seiner größten Niederlage wiederfinden. Egal in welcher Art von Arc, dies ist immer der Tiefpunkt. Er sieht dem Tod ins Gesicht, und er tritt seinen Ängsten gegenüber, zieht sich an der Wahrheit hoch und erhebt sich mit neuer Kraft und Entschlossenheit.
In einem flachen Arc zweifelt der Charakter an diesem Punkt nicht an seiner Wahrheit, aber er zweifelt daran, ob er mit ihrer Hilfe die Lüge besiegen kann. Er fühlt sich machtlos und fragt sich, was all seine Anstrengung wert ist, wenn sie den Antagonisten kaum angekratzt hat.
Mach den 2. Plot Punkt zu einem sehr persönlichen Moment für den Charakter.  Der Antagonist trifft ihn an einer Stelle, an der es besonders schmerzt. Dies ist nicht nur eine verlorene Schlacht, es ist eine Schlacht, in der er jemanden verliert, den er liebt, die viele andere bedroht, und die ihn selbst vielleicht verwundet oder gefangen zurücklässt. Alles scheint verloren.
 
Die erste Hälfte des 3. Aktes wird bestimmt durch die Reaktion des Charakters auf den 2. Plot Punkt. Oft bauen ihn seine verbündeten an dieser Stelle auf und erinnern ihn, dass er es bereits geschafft hat, sie zur Wahrheit zu führen. Oder er sieht, wie seine verbündeten nach der Niederlage in ihrem Glauben an die Wahrheit wanken und reißt sich selbst zusammen, um sie einmal mehr zu stärken. Er Sammelt seine Ressourcen und Anhänger und findet heraus, was als nächstes zu tun ist. Auch wenn er die passende Waffe hat, ist er im Nachteil. Womöglich hat er nur noch eine einzige Chance, die Lüge zu besiegen, und es ist ein gewagtes Unterfangen.
Der Protagonist wird nun alles tun, was er kann um sein Ziel zu erreichen, und sei es, sein eigenes Leben zu opfern. Da dieser Abschnitt nach dem 2. Plot Punkt ein eher ruhiger Teil der Handlung ist, ist hier auch eine gute Gelegenheit, die Überzeugungen des Charakters noch einmal zu thematisieren, und die Gründe, warum er die Lüge ablehnt und seine Wahrheit gewählt und nach seinen Zweifeln erneut angenommen hat.
 
Der Höhepunkt beginnt wie immer etwa ab der Hälfte des 3. Aktes. Wie auch im positiven Arc wird darin die Wahrheit des Protagonisten direkt gegen die Lüge des Antagonisten antreten.  Der Unterschied hier ist, dass der Protagonist nichtmal blinzeln wird, wenn der Antagonist versucht, seine Überzeugung zu erschüttern. Selbst wenn dieser physisch die Oberhand gewinnt, wird er seine Machtlosigkeit gegenüber der Entschlossenheit des Protagonisten feststellen. Nebencharaktere, die einen positiven Arc verfolgen könnten noch einmal ins Wanken geraten, aber wie viel Raum du ihnen an dieser Stelle einräumen willst, hängt von ihrer Wichtigkeit und der Geschichte ab. Der Protagonist sollte auf jeden Fall derjenige sein, der den Sieg vorantreibt. Falls diese Rolle einem anderen Charakter zufällt, ist dieser eigentlich der Hauptprotagonist der Geschichte – was nicht schlimm ist, so lange du dir darüber im Klaren bist, wessen Geschichte du hauptsächlich erzählen willst.
 
Einmal mehr dient die Auflösung dazu, zu beweisen, auf welche Weise der Konflikt die Welt oder die Charaktere verändert hat. In einem flachen Arc lassen sich die stärksten Veränderungen in der Welt und den Nebencharakteren finden, die den Protagonisten umgeben. Die Wahrheit triumphiert nun über die Lüge. Gib den Nebencharakteren, die sich der Wahrheit zugewendet haben, einen abschließenden charakteristischen Moment um zu zeigen, welche Richtung ihr Leben von nun an einschlagen wird. Falls die normale Welt am Anfang von der Lüge durchzogen war, wird sie nun zerstört sein und der Protagonist und seine Unterstützer können eine bessere Welt auf ihren Trümmern errichten. Wenn die Normale Welt schon am Anfang ein Ort der Wahrheit war, kann der Protagonist nun dorthin zurückkehren.
Der Protagonist selbst wird sich nicht drastisch verändert haben. Das heißt aber nicht, dass es gar keine Veränderung geben darf. Vielleicht hängt er nun sein Schwert endgültig über den Kamin, nachdem die Lüge vertrieben ist.  Oder er hat unterwegs neue Fähigkeiten erlernt, die es ihm ermöglichen, ein anderes Leben zu beginnen. Oder er zieht weiter, um die Lüge auch an anderen Orten zu bekämpfen. Eigentlich kann sich alles an deinem Charakter geändert haben; das Einzige, was auf jeden Fall gleich bleibt, ist seine Hingabe an die Wahrheit.
 
1. Auf welche Weise ist die Wahrheit nun erkennbar im Leben der vorher von der Lüge getriebenen Nebencharaktere?
2. Welche Niederlage wird den Protagonisten im 2. Plot Punkt fast brechen – physisch, emotional oder beides?
3. Wie kann er im 2. Plot Punkt dem Tod ins Auge blicken – buchstäblich oder symbolisch?
4. Wie kannst du diese Niederlage so persönlich für ihn machen wie möglich?
5. Wie kann der Charakter daran zweifeln, dass er die Lüge besiegen kann, ohne an der Wahrheit selbst zu zweifeln?
6. Wie wird er diese Zweifel überwinden? Wird er Verbündete ermutigen oder sie ihn?
7. Wie zeigst du die erneute Entschlossenheit des Charakters, die Wahrheit zu vertreten nach der Niederlage im 2. Plot Punkt?
8. Kannst du eine Aussage über die Prämisse des Lüge vs. Wahrheit-Konflikts unterbringen?
9. Warum ist die Wahrheit wesentlich dafür, dass der Protagonist den Antagonisten physisch besiegt?
10. Wie kann das Annehmen der Wahrheit der Nebencharaktere den Protagonisten bei seinem finalen Angriff auf die Lüge unterstützen, ohne ihm die Show zu stehlen?
11. Wie beweist die Auflösung die Veränderungen, die der Protagonist durch seine Wahrheit bewirkt hat?
12. Wird sich die Welt im Gegensatz zum Anfang verändert haben, oder wird der Protagonist in dieselbe Welt zurückkehren, die er verlassen musste?
13. Welcher Nebencharakter manifestiert die Wahrheit in der Auflösung?
14. Zeigt der Protagonist irgendwelche äußeren oder persönlichen Veränderungen zu dem, wer er am Anfang der Geschichte war?
15. Wie kannst du verdeutlichen, dass sich der Kern seiner Wahrheit nicht verändert hat?


Zuletzt von Ankh am Di Dez 20, 2016 8:45 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am So Dez 04, 2016 7:19 am

placeholder
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am So Dez 04, 2016 7:20 am

placeholder
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am So Dez 04, 2016 7:20 am

placeholder
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Kelpie am Mi Dez 07, 2016 5:14 am

Wow, Ankh, ich bin hin und weg  affraid

Zuerst einmal danke für die Riesenmühe der Übersetzung. Das ist Wahnsinn.
Zweitens ist der Artikel genial. Da steht in jedem Absatz zu viel drin, dass das alleinige Lesen gar nicht ausreicht. Da muss man sich richtig reinknien in seinen Roman und Punkt für Punkt anpassen und für seinen Charakter aufschreiben. Das wird ne Riesenarbeit, aber ich denke, am Ende wird sich das lohnen ...


Eine Frage habe ich: Was macht man, wenn man seinen Protagonist auf zwei Zeitebenen hat; in meinem Fall Kindheit und Erwachsen-äh-"heit". Brauche ich dann zwei Lügen? Zwei Wunden? Immer dieselbe Wunde, die in der Kindheit schlicht nicht überwunden wird -> z.B. durch einen negativen Arc?
avatar
Kelpie
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 3825
Anmeldedatum : 05.03.14
Alter : 22
Ort : Italien

http://eichenkrone.jimdo.com/

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am Mi Dez 07, 2016 8:04 am

Ich bin ja noch gar nicht fertig, da fehlt noch der dritte Akt, ich hab nur die letzten zwei Tage so Hammerkopfschmerzen, dass ich mich keine fünf Minuten konzentrieren kann ...

Was deine zwei Zeitebenen angeht, das kommt wohl darauf an, ob du auf beiden eine Charakterentwicklung haben willst, also in der Form, dass Saloga tatsächlich in der vergangenheit eine Lüge überwindet und gestärkter herauskommt, dann aber (in der Zwischenzeit?) nochmal eine Lüge verinnerlicht und die dann in der Gegenwart überwindet. Ansonsten könntest du die Vergangenheit auch gut dafür verwenden, dass er die Lüge erst richtig entwickelt.

Es gibt außerdem ja noch den flachen Charakter Arc, der ist dafür, wenn der Prota seine Wahrheit schon gefunden hat und daraufhin versucht, die (schlechte) Welt um sich danach zu ändern. Wenn die Überwindung seiner Lüge also schon in der Vergangenheit abgeschlossen ist und er seine Wahrheit gefunden hat, dann könnte deine Gegenwart davon handeln, dass er diese Wahrheit eben leben und verbreiten will. Wobei ich nicht weiß, wie das passt, wenn seine "Wahrheit" auch nicht so das ultimative Gute ist. Du brauchst ja irgendeinen befriedigenden Abschluss, und ich glaube, es kommt nicht gut, wenn das Böse gewinnt Wink

Zum Dritten gibt es noch den negativen Arc, damit hab ich mich aber noch nicht wirklich beschäftigt. Aber für einen Charakter, der eher immer mehr abdriftet als seine Schattenseiten überwindet könnte das auch interessant sein. Insgesamt kommt es wohl drauf an, wohin seine Entwicklung am Ende hinausläuft.
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Samira-Jessica am Do Dez 08, 2016 2:30 am

Ich finde das recht interessant und gut, nochmal genauer zu beschreiben, was in welchem Charakterplotpunkt vorkommen sollte.
Nur eines hab ich nicht 100% verstanden: Gilt das nur für die Hauptcharaktere oder für alle?

_________________
federschwingende Grüße!
Samira Jessica



Like a Star @ heaven [size=18]Projekt 2017/2018: Die Magie der Serenissima
[/size]
avatar
Samira-Jessica
Schreibfeder
Schreibfeder

Anzahl der Beiträge : 204
Anmeldedatum : 02.11.15
Alter : 24
Ort : Rosenheim

https://diemagiederserenissima.wordpress.com/

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am Do Dez 08, 2016 5:14 am

Es gilt für Charaktere, die eine Entwicklung durchmachen sollen. Der Hauptprotagonist sollte normalerweise eine haben, bei (wichtigen) Nebenfiguren kannst du es machen, bei Statisten kannst du es lassen. Es ist ja auch offensichtlich viel Handlung, die dafür "draufgeht", das kann man nicht mal eben für alle und jeden einbauen. Zumal sich dieser Charakter-Arc ja auch an die Haupthandlung anlehnen sollte, und eine Haupthandlung zu kontruieren, in deren Verlauf noch 10 Charaktere ein persönliches Aha-Erlebnis haben, dürfte schwer sein.
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Samira-Jessica am Do Dez 08, 2016 7:44 am

Ah ok, danke!
Ich finde das echt gut, muss ich einfach nochmal sagen.

Edit 09.12.16: Muss eigentlich jeder Charakter, der eine Entwicklung durchmachen soll auch eine Lüge des Lebens haben?
Bzw. kann es auch zwei geben?


Zuletzt von Samira-Jessica am Fr Dez 09, 2016 8:50 am bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet (Grund : Vermeidung von Doppelposts)

_________________
federschwingende Grüße!
Samira Jessica



Like a Star @ heaven [size=18]Projekt 2017/2018: Die Magie der Serenissima
[/size]
avatar
Samira-Jessica
Schreibfeder
Schreibfeder

Anzahl der Beiträge : 204
Anmeldedatum : 02.11.15
Alter : 24
Ort : Rosenheim

https://diemagiederserenissima.wordpress.com/

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am So Dez 11, 2016 10:40 pm

@Samira-Jessica schrieb:
Edit 09.12.16: Muss eigentlich jeder Charakter, der eine Entwicklung durchmachen soll auch eine Lüge des Lebens haben?
Müssen muss gar nichts. Aber im Grunde ist die "Lüge" nur ein Begriff dafür, was in der Einstellung des Charakters bisher falsch läuft. Wenn er sich (positiv) ändern soll, dann braucht er ja etwas, wo er am Anfang falsch liegt, und dieses Etwas kannst du als seine Lüge bezeichnen. Mit fällt es auch nicht immer leicht, das Problem des Charakters auf einen Satz runterzubrechen, aber es hilft, weil es so auch leichter ist, das gegenteil (das Ergebnis seiner Entwicklung) zu bestimmen und genauer zu definieren, woran er arbeiten muss. Wenn man sich dessen nur so schwammig bewusst ist, dann wird auch die Entwicklung schnell schwammig und nicht so mitreißend.


Bzw. kann es auch zwei geben?
Er kann auch fünf haben, nur ist die Frage ob du es schaffst, dass er die alle innerhalb einer Geschichte überwindet. Normalerweise hat ein Charakter schon mit einer genug zu tun.
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Samira-Jessica am Mo Dez 12, 2016 3:24 am

Also kann das auch ein Konflikt, eine Angst ect. sein?

_________________
federschwingende Grüße!
Samira Jessica



Like a Star @ heaven [size=18]Projekt 2017/2018: Die Magie der Serenissima
[/size]
avatar
Samira-Jessica
Schreibfeder
Schreibfeder

Anzahl der Beiträge : 204
Anmeldedatum : 02.11.15
Alter : 24
Ort : Rosenheim

https://diemagiederserenissima.wordpress.com/

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am Mo Dez 12, 2016 4:32 am

Ängste und Konflikte entstehen normalerweise aus der Lüge heraus, bzw aus der Wunde, die die Lüge verursacht hat. Die Lüge selbst ist eher eine grundsätzliche Einstellung, die der Charakter aufgebaut hat um sich vor seiner Angst zu schützen bzw emotional damit klarzukommen.

Vielleicht wäre es hilfreich, das an einem konkreten Beispiel zu erklären. Was für eine Angst hat denn dein Charakter?
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Samira-Jessica am Mo Dez 12, 2016 8:56 am

Hm, stimmt.
Also kann man die Lüge auch als Wunde bezeichnen? Aber diese kommt weiten unten nochmal extra vor ...
Jetzt verstehe ich was du meinst, mit der Einstellung.

_________________
federschwingende Grüße!
Samira Jessica



Like a Star @ heaven [size=18]Projekt 2017/2018: Die Magie der Serenissima
[/size]
avatar
Samira-Jessica
Schreibfeder
Schreibfeder

Anzahl der Beiträge : 204
Anmeldedatum : 02.11.15
Alter : 24
Ort : Rosenheim

https://diemagiederserenissima.wordpress.com/

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am So Dez 18, 2016 1:19 am

So, der positive Arc ist endlich fertig eingestellt. Als nächstes kommt dann der neutrale Arc Sleep
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Kelpie am So Dez 18, 2016 4:59 am

Du bist ein Schatz  love
avatar
Kelpie
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 3825
Anmeldedatum : 05.03.14
Alter : 22
Ort : Italien

http://eichenkrone.jimdo.com/

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am Di Dez 20, 2016 8:47 am

Soo, und da ist nun der flache Arc cheers

Wenn ich nioch einmal "Wahrheit" tippen muss krieg ich einen Krampf ...

Als letztes (sobald ich dazu komme) ist dann noch der negative Arc dran, der den Charakter in eine Tragödie stürzt.
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Kelpie am Di Dez 20, 2016 9:35 pm

Danke auch dafür  thumbsup
avatar
Kelpie
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 3825
Anmeldedatum : 05.03.14
Alter : 22
Ort : Italien

http://eichenkrone.jimdo.com/

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Samira-Jessica am Di Dez 27, 2016 7:53 am

Wo gehört das dazu? Also zu welchem Akt?

*Ankh auf die Schulter klopf*

_________________
federschwingende Grüße!
Samira Jessica



Like a Star @ heaven [size=18]Projekt 2017/2018: Die Magie der Serenissima
[/size]
avatar
Samira-Jessica
Schreibfeder
Schreibfeder

Anzahl der Beiträge : 204
Anmeldedatum : 02.11.15
Alter : 24
Ort : Rosenheim

https://diemagiederserenissima.wordpress.com/

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am Di Dez 27, 2016 9:41 am

Meinst du den flachen Arc? Der zieht sich gebauso über drei Akte, ich habe das nur nicht extra abgesetzt weil jeder Punkt kaum mehr als ein Absatz ist. Die einzelnen Akte habe ich aber fett markiert.

Oder den negativen Arc? Der geht auch über alle drei Akte.
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Samira-Jessica am Mo Jan 02, 2017 1:05 am

Oh, ach ja, ich sollte ein bisschen mehr lesen bevor ich schreibe! xD
Und das bezieht sich jetzt auf die Charaktere, die quasi keine Entwicklung - oder keine solchhe wie die HC - durchmachen, hab ich das richtig verstanden?

_________________
federschwingende Grüße!
Samira Jessica



Like a Star @ heaven [size=18]Projekt 2017/2018: Die Magie der Serenissima
[/size]
avatar
Samira-Jessica
Schreibfeder
Schreibfeder

Anzahl der Beiträge : 204
Anmeldedatum : 02.11.15
Alter : 24
Ort : Rosenheim

https://diemagiederserenissima.wordpress.com/

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am Mo Jan 02, 2017 1:27 am

Alle drei Arcs (positiver, flacher und negativer) sind zunächst mal konzipiert, um sie für einen Hauptcharakter zu verwenden. Das ergibt eben jeweils eine andere Art von Geschichte; ein Protagonist, der einem negativen Arc folgt, ist der Protagonist einer Tragödie. Ein Protagonist, der einem flachen Arc folgt, ist ein Held, der nicht von seiner Linie wankt und die Welt rettet. Ein Protagonist, der einem positiven Arc folgt, mag auch die Welt retten, aber er steckt dabei noch eine Menge Energie in seine eigene persönliche Entwicklung, die ihm das Weltretten erst ermöglicht.

Nebencharaktere kannst du genauso mit jeder Form von Arc ausstatten, wobei sich bestimmte Arcs für bestimmte Archetypen anbieten. Der Antagonist kann einen negativen Arc haben (wenn er erst im Laufe der Geschichte auf die böse Seite fällt) oder einen flachen, der am Ende scheitert. Ein Mentor wird bereits im Besitz seiner Wahrheit sein und damit einem flachen Arc folgen. Wichtig ist allerdings, dass Nebencharaktere dem Hautcharakter nicht die Show stehlen sollten. Der Kampf und Sieg im Höhepunkt sollte dem Hautcharakter vorbehalten sein, und entsprechend musst du die Arcs der Bebencharaktere, wenn du ihnen welche gibst, an der Stelle ein bisschen zügeln.
Du musst den Nebencharakteren aber keine Arcs geben. Es wird ihnen mehr Tiefe verleihen, wenn sie auch eine Entwicklung durchmachen, aber ich würde mir gut überlegen, wem ich eine Entwicklung gebe, denn wenn es zu viele Figuren sind, dann brauchen die auch jeweils entsprechend viele Szenen, um diese Entwicklung darzustellen, und wenns blöd läuft lenkst du damit nur von deinem eigentlichen Plot ab.
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Samira-Jessica am Do März 09, 2017 10:30 am

Weil ich ja auch nachts (na gut, ist erst kurz vor halb elf) nichts besseres zutun habe, als an meinen Projekten zu arbeiten (außer heute, heute hab ich bis jetzt noch gar nichts dran gearbeitet...), wollte ich jetzt mal an die Charakterplots meiner Hauptcharaktere setzen.
Die habe ich mittlerweile mit deinen ... Beschreibungen von hier ausgestattet, ebenso die Nebencharaktere.

Aber schon beim ersten Abschnitt, der Lebenslüge, musste ich leider abbrechen, weil ich es nicht kapier.


"Diese „Lüge“ ist ihm oft nicht bewusst, aber er spürt die negativen Auswirkungen davon, dass er an dieser Lüge festhält. Oft versucht er zunächst, diese Symptome zu bekämpfen, ohne die Lüge selbst infrage zu stellen." 


  1. Wie kann jemand negative Auswirkungen von etwas spüren, das ihm nicht bewusst ist?
  2. Was ist mit Symptomen gemeint?
  3. Was ist damit gemeint, dass dem Charakter die innere Lüge in der äußeren Welt gespiegelt wird?




Man kann auch ohne dem Ganzen auskommen, nicht?
Ich glaube wenn ich den ersten Abschnitt schon nicht kapier, brauch ich mit den anderen gar nicht weitermachen, dann kann ich auch gleich ganz ohne dem Ganzen plotten...

_________________
federschwingende Grüße!
Samira Jessica



Like a Star @ heaven [size=18]Projekt 2017/2018: Die Magie der Serenissima
[/size]
avatar
Samira-Jessica
Schreibfeder
Schreibfeder

Anzahl der Beiträge : 204
Anmeldedatum : 02.11.15
Alter : 24
Ort : Rosenheim

https://diemagiederserenissima.wordpress.com/

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Ankh am Do März 09, 2017 12:06 pm

1. Es ist eine Lebenseinstellung, aber sie muss ja nicht unbedingt reflektiert sein, sodass der Charakter sie sich gerahmt übers Bett hängt. Stell dir vor, die Lüge des Charakters ist "auf der Welt herrscht das Recht des Stärkeren". Das muss er sich nicht unbedingt gerahmt übers Bett hängen, aber er glaubt unterbewusst daran. Deswegen versucht er erst gar nicht, seine große Liebe anzusprechen, weil er befürchtet, dass er dann von seinem Rivalen verdroschen wird.

2. Die Symptome zu bekämpfen könnte bedeuten, dass er versucht, stärker zu werden, um eine Chance bei seinem Mädchen zu bekommen. Er stellt das System "der Stärkere kriegt die Braut" selbst nicht infrage, aber er versucht, damit zurechtzukommen.

3. Hier kannst du symbolisch werden, oder einfach die Symptome direkt zeigen. Also einerseits kann ich meinen Protagonisten in einem Umfeld zeigen, in dem sich Typen um Mädchen (und alles mögliche sonst) prügeln, oder du zeigst einfach die Anstrengungen und die Denkweise des Protagonisten, wie er sichin dieser Welt zurechtfindet.




Wie immer gilt: Es ist eine Anregung, kein Bauplan, den man verwenden muss. Ich persönlich finde es leichter, wenn ich schon eine recht genaue Vorstellung des Protagonisten, der Geschichte, seiner Probleme und seiner Entwicklung habe, und mir dann erst diese Fragen vornehme, um noch ein paar Lücken zu füllen, als das ganze hier gleich bei der Charakterentwicklung durchzuziehen.

Wichtig finde ich für eine emotionale Entwicklung eigentlich vor allem folgende Punkte:

Die Lüge: was ist der Ausgangspunkt, von dem sich der Charakter wegbewegen soll? Welche Einstellung muss er überwinden, um den Plot zu lösen?
Die Wahrheit: was ist die Erkenntnis, zu der sich der Charakter am Ende hinetwickelt haben wird? Welche innere Belohnung erwartet ihn dort?
Die Wunde: Welches Ereignis hat den Charakter in der Vergangenheit geprägt, dass er sich die Lüge überhaupt angeeignet hat?
Fehler und Schwächen: Wie wirkt sich die Lüge auf den Charakter so aus, dass sie ihm bei seinen Aufgaben im Weg steht?

Um Lüge, Wahrheit und Schwächen kommst du nicht drumrum, sonst hast du keine Enswicklung. Das sind einfach nur andere Worte für Ausgangspunkt, Endpunkt und dem Hindernis dazwischen. Die Wunde ist ein interessanter Aspekt, der deinem Charakter Tiefe gibt, indem du dir gedanken machst, woher die Lüge eigentlich kommt. Oft bietet das auch schon einen Hinweis, wie er sie überwinden kann, indem er nämlich im Verlauf der Geschichte eine gegenteilige Erfahrung macht.
avatar
Ankh
Tintenklecksmagier
Tintenklecksmagier

Anzahl der Beiträge : 2274
Anmeldedatum : 19.10.15
Alter : 39

Nach oben Nach unten

Re: Charakterentwicklung und Charakter-Arc

Beitrag  Gesponserte Inhalte


Gesponserte Inhalte


Nach oben Nach unten

Seite 1 von 2 1, 2  Weiter

Nach oben


 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten