Ehrenkodex und Negativrezensionen

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Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  KleineLady am Di Sep 06, 2016 8:35 pm

Ahoihoi.

Ich scharwenzel schon eine kleine Weile um das Thema herum, aber da es mich immer wieder beschäftigt, wollte ich einfach mal hören, wie ihr darüber denkt.

Wie der Titel schon sagt, geht es mir um Ehrenkodex und Negativrezensionen.

Dass Leser sie abgeben, ist unvermeidbar.
Aber wie steht ihr dazu in eurer Eigenschaft als Autor?
Gibt es einen Ehrenkodex unter Schriftstellern (wie der, dass man anderer Schreiber Texte nicht klaut), welcher es uns mehr oder weniger verbietet, das Werk eines anderen öffentlich zu zerreißen, ganz gleich wie begründet, konstruktiv und objektiv? Frei nach dem Motto: Eine Krähe hackt der andere kein Auge aus?
Ich weiß, dass z. B. Brandon Sanderson aus einem ähnlichen Grund keine Negativrezensionen verfasst. Er äußert sich nur, wenn er etwas gut findet und es empfehlen möchte.

Denkt ihr, es macht einen Unterschied, in welchem Genre man selber schreibt und rezensiert? Stichwort: Retourkutsche.
Fürchtet ihr Retourkutschen, wenn ihr eine Negativrezension schreibt (unabhängig davon, ob ihr schon veröffentlicht habt, oder nicht)?

Glaubt ihr überhaupt, dass es einen Ehrenkodex gibt? Unausgesprochene Regeln, die jeder kennt oder kennen sollte, der sich im Bereich der Schriftstellerei aufhält?

Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Gedanken dazu mit mir teilt.

Federgruß
Nina

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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  Ankh am Di Sep 06, 2016 8:51 pm

Schwierig. Ich würde eher dazu tendieren, keine zu schreiben. Konstruktive Kritik ist für den Autor vor allem vor der Veröffentlichung hilfreich,und will auch erstmal angenommen sein. Also entweder hat man Kontakt mit dem Autor, dann kann man ja auf nicht-öffentlichem Wege seine Kritik loswerden, oder man hat keinen Kontakt, dann bezweifle ich, dass eine Amazon-Rezension viel Wirkung auf zukünftige Werke haben wird.

Andererseits, wenn ich mich über ein Buch so richtig ärgere, dann will ich es mir auch nicht verkneifen müssen, meine Meinung dazu zu sagen. Im Zweifelsfalle hat man dann eben eher eine Konkurrenten als einen Kollegen, aber wenn mich ein Buch so ärgert, dass ich das öffentlich verreißen muss, dann wäre das wohl eh nie ein gutes Verhältnis zwischen uns geworden. Wobei die Wirkung eines solchen Verisses wohl auch davon abhängt, wie bekannt der rezensierende Autor ist. Je prominenter jemand ist, desto mehr Wucht hat seine Meinung. Wenn JKRowling ein Buch öffentlich Scheiße findet, dann hat das für den Autor andere Konsequenzen als wenn ich das tue. Diesen eigenen Bekanntheitsfaktor sollte man auf jeden Fall auf die Härte der gewählten Worte mit draufrechnen, und sich fragen, ob das dann noch gerechtfertigt ist.
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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  Julestrel am Di Sep 06, 2016 9:15 pm

Was ich in der Phantastik-Szene mitbekommen habe, wird bei den Kollegen meist nicht öffentlich schlech rezensiert. Nicht unbedingt wegen der Angst einer Retourkutsche, sondern eher weil man Kollegen öffentlich nicht bloß stellt. Man ist in der Öffentlichkeit einfach Autor XY und nicht der Leser XY.

Es ist natürlich etwas anderes, wenn man z.B. auf Treffen oder Messen untereinander kritisch über Werke diskutiert. Da kann man schon mal sagen, dass man Werk X nicht so toll fand, weil keine Katzen vorkamen, oder Werk Y einem einfach nicht gelegen hat, weil die Sprache zu blumig war.

Es gibt übrigens durchaus Autoren, die auch negative Kritik verfassen, wenn der Autor aus einem anderen Genre ist oder auch, wenn der Autor aus einem anderen Land kommt, da hier nicht so das "Kollegengefühl" da ist.

Aber wie gesagt, das ist die relativ kleine und eher familiäre Phantastikszene, wo man halt auch jeden - wenigstens um eine Ecke - kennt.
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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  Earu am Di Sep 06, 2016 10:14 pm

Das ist wirklich ein schwieriges Thema. Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Das liegt wohl auch daran, dass ich mich noch nicht als ernst zu nehmende Autorin sehe. Wer kennt mich denn schon? Ich habe ja erst eine KG veröffentlicht und das sogar noch unter meinem Mädchennamen.
Deshalb hätte ich munter weiter Rezensionen geschrieben wie sonst auch. Aber jetzt bin ich mir unsicher. Wie würde ich mich verhalten, wenn ich mir als Autorin mit einem veröffentlichten Buch, zweien oder dreien mir schon einen Namen gemacht habe? Ich glaube, ich würde mich jetzt sehr vorsichtig verhalten. Wäre es nicht sogar besser, gar keine Rezensionen zu schreiben, egal ob gut oder schlecht? Ich will nicht, dass man mir Bevorzugung vorwirft. Wir wissen ja alle, dass bekannten Menschen oft das Wort im Mund herumgedreht wird. Vielleicht würde ich versuchen, den Autor direkt zu erreichen, wenn sein Buch so grausam ist, dass sich mir die Zehennägel aufrollen. Aber selbst da bin ich mir nicht sicher. Ich verfolge oft die Taktik, nichts zu sagen, um nicht in unangenehme Diskussionen verwickelt zu werden.

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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  Julestrel am Di Sep 06, 2016 10:39 pm

Ich denke, einen Autoren direkt anzuschreiben oder anzusprechen und ihm das (negative) Feedback zu geben, ist nochmal etwas anderes, da es eben nicht öffentlich ist. Und ein guter Autor sollte damit auch umgehen können Cool
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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  Earu am Di Sep 06, 2016 10:53 pm

Normal schon, aber wenn das Buch von einem Verlag so akzeptiert wurde, dann ist es ja nicht mehr änderbar. Außerdem hat man als Autor dann doch erst recht das Gefühl, alles gut gemacht zu haben. Dann ist es schwerer, solche Kritik aufzunehmen. Das heißt natürlich nicht, dass jeder Autor dann unerträglich ist, aber das hemmt mich schon.

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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  Julestrel am Di Sep 06, 2016 11:06 pm

Das aktuelle Buch man unveränderbar sein, ja, aber nicht das nächste Smile Deswegen denke ich, das Feedback immer nützlich ist. Aber wie gesagt, als Autor würde ich mich bei Kollegen in der Öffentlichkeit zurückhalten, privat via Mail oder Gespräch ist etwas anderes.
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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  Traummuschel am Di Sep 06, 2016 11:11 pm

Ich schreibe ja auf meinem Blog Rezensionen auch gerade in meinem Genre und ich sehe da überhaupt kein Problem, solange man nicht persönlich wird. Klar lese ich etwas anders als normale Leser, aber trotzdem ist es mein Leseerlebnis und meine Meinung, die niemandem etwas tut.
Ich hab mal ein Buch rezensiert, das empfand ich als recht farblos und die Idee als zu kurz ausgearbeitet. Andere fanden gerade, dass alles so knapp und locker war, ganz toll. Mit solchen Meinungen muss man als Autor leben. Die Aussage (dass es kurz geschrieben ist) ist ja nunmal wahr, wie man sie empfindet und bewertet ist Ansichtssache.
Wenn später jemand meine Geschichten zu kitschig findet, lebe ich da ja auch mit.
Wer rezensiert, sollte das meiner Meinung nach auch ehrlich tun. Und wer ehrlich ist, muss sich deswegen noch lange nicht im Ton vergreifen oder beleidigend werden. Ehrlichkeit selbst sollte völlig in Ordnung sein.

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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  Kelpie am Mi Sep 07, 2016 12:20 am

Ich habe mir darüber noch nie Gedanken gemacht ...  scratch


Ich glaube, ich würde da unterscheiden, ob ich als Autorin kritisiere oder als Leserin. Ich schreibe ja nicht viele Rezensionen, aber die auf Amazon z.B. erscheinen nicht unter meinem Namen. Insofern finde ich da Kritik nicht schlimm - und das nicht, weil ich mich unerkannt fühle, sondern, wäre ich berühmte Autorin, ich meiner Rezension so dasselbe Gewicht gebe wie jeder anderen Rezension und nicht als Autor mit Name auftrete.
Das aber wie gesagt nur, wenn ich berühmt wäre. In meiner aktuellen Situation sehe ich das eher wie @Earu - mich kennt eh niemand Wink 

Prinzipiell halte ich mich mit negativen Rezensionen in der Belletristik eh zurück, wenn mich das Buch nicht gerade maßlos ärgert. Es gab da ein paar Fälle, wo die Romane mit 5 Sternen angeboten werden und man bekommt nur Schund. Das regt mich dann auf, da verreiße ich auch einen Text. Ebenso bei Büchern, die generell inhaltlich unter aller Würde sind.
Sachbücher rezensiere ich häufiger, da aber deswegen, weil es um Fakten geht und man da auch klar sagen kann, dass der Autor das z.B. schlecht recherchiert hat und daher nicht empfehlenswert ist. Man hängt sich ja meist nicht am Schreibstil des Autors auf.

Ansonsten versuche ich auf Rezensionen generell zu vermeiden. Auch auf positive Rezensionen von Autorenkollegen. Das fühlt sich für mich irgendwie so "gekauft" an, auch wenn mir das Buch gefallen hat.
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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  KleineLady am Fr Sep 09, 2016 3:16 am

Ich habe über die Sache auch nur deshalb nachgedacht, weil ich mich in letzter Zeit intensiv in das Gay-Romance-Genre eingelesen habe, in dem ich ja auch selber schreibe. Es ist ein verhältnismäßig kleines Genre (wobei sich mir immer noch die Frage stellt, was der Unterschied zur Homoerotik sein soll), dementsprechend gibt es wenige Rezensionen.
Ihr könnt euch denken, die meisten sind von Freunden und Verwandten. Jedenfalls, wenn man so die fünf Sterne schillern sieht und dann den Text in die Finger bekommt. Negativrezensionen fallen also sehr deutlich auf.

Und eben, weil das Genre eher klein ist, hatte ich bisher Hemmungen, weil ich keine Lust auf Schlammschlachten habe. Andererseits aber sind manche Werke, für die man ja nunmal Geld bezahlt hat, dermaßen grausam, dass es schon an Körperverletzung grenzt. Man bekommt das innere Bedürfnis, nein, fast schon den Zwang, anderere Leser davor zu warnen.

Aber ihr wisst, wieviel Arbeit so eine Rezension sein kann. Und da in der GayRomance viele, viele Selfpublisher unterwegs sind, kann man hier keine Sicherheit durch einen Verlag vorschieben (wobei ich auch Verlags-Werke in den Fingern hatte, wo ich nur den Kopf schütteln konnte). Die wenigsten dieser Autoren sind bereit, Kritik anzunehmen. Das sieht man, wenn doch mal jemand eine Negativrezension geschrieben hat, und der Autor anfängt sich zu rechtfertigen *seufz* Da scheidet für mich dann auch die Überlegung aus, den Autor anzuschreiben.

Gleichzeitig habe ich aber auch das Bedürfnis, in meinem eigenen Blog darüber zu schreiben, was an besagten Büchern ich ge- und misslungen finde. Weniger für andere Leser des Genres, als vielmehr für andere angehende Autoren. Ein ähnliches Thema hatten wir in dem Thread von DrJones hinsichtlich der Schreibratgeber. Stichwort: Learning by Reading.

Und bei all diesen Überlegungen, vor allem der mit dem Blog, hab ich mich gefragt, ob und was das für Folgen für mich als Schriftstellerin haben könnte. Noch habe ich zwar nicht veröffentlicht (die Agentur will ich jetzt in meinem Urlaub anschreiben), aber es ist mein definitiver Wunsch, zu Veröffentlichen. Und da ich kein Pseudonym anstrebe, ließe sich früher oder später der Zusammenhang feststellen zwischen meinem Buch und den Negativbeurteilungen auf meinem Blog (Amazon kommt da für mich weniger in Frage, nachdem was ich bei Jackys erstem Werk miterlebt habe).

Und da wir ja alle wissen, wie sensibel Autoren sein können, vor allem, wenn sie als schlechtes Beispiel dienen sollen, habe ich auch die Sorge, dass, wenn es bei mir zur Veröffentlichung gekommen ist, es Retourkutschen geben kann.

Klar, negative Rezensionen kommen vor, da kann ich auch differenzieren. Aber der Leser kann vielleicht nicht sehen, dass die schlechte Kritik nur ein "Du hast mir ins Förmchen gepinkelt, das zahl ich dir zurück" ist.

Ist das irgendwie nachvollziehbar?

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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  magico am Fr Sep 09, 2016 3:30 am

Tja ... es ist etwas anderes, ob ich als Autor ein Buch rezensiere, welches außerhalb meines (Schreib-)Genres, außerhalb meines Landes und vielleicht sogar außerhalb meiner Zeit liegt oder ob ich in einem kleinen Genrerahmen Bücher kritisiere, die in etwa zeitgleich mit dem eigenen herauskommen.

Wahrscheinlich würde ich es sein lassen, denn was (außer Ärger) soll es bringen? Wenn ein Leser ein schlechtes Buch liest, steht es ihm frei, eine negative Rezension darüber zu veröffentlichen. Jeder hat die Möglichkeit. Weshalb solltest ausgerechnet du, die dabei etwas zu verlieren hat, für sie in die Presche springen?

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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  Ankh am Fr Sep 09, 2016 3:35 am

Ich versteh das total, @KleineLady aber gerade wenn du irgendwann in diesen kleinen Kreis vordringen willst, wäre ich vorsichtig, dann nicht gleich als schwarzes Schaf reinzuplatzen, und sei die Kritik an sich noch so gerechtfertigt.

In manchen Genres gibt es sehr bedingungslose Fans, und die sind dann extrem nachtragend, wenn du ein Werk verreißt, das sie perfekt finden (ich würd jetzt sagen guck mal in die Fanfictionszene, aber tu's besser nicht). Gerade wenn viel Schrott am Markt ist, sind die Ansprüche bei den Lesern meist nicht sonderlich hoch, und wenn du da sozusagen reinkommst und alles für Mist erklärst - selbst wenn deine Geschichte tatsächlich zehnmal besser ist, die Hälfte wird dich aus Protest nicht lesen und die andere wird dir ewig nachtragen, dass du ihr bisheriges Lieblingsbuch schlechtgemacht hast.

Bei einem Blog könntest du vorsichtig auf die Probleme im Genre eingehen ohne Namen zu nennen, und selbst Negativbeispiele schreiben (kann man ja von bestehendem abwandeln/ überspitzen). Ich fände das durchaus interessant, und vielleicht überzeugst du so tatsächlich den ein oder anderen Leser, mehr auf Qualität zu achten, ohne jemanden dabei direkt an den Karren zu pinkeln.


Übrigens, der Unterschied zwischen GayRomance und Homoerotik ist wohl derselbe wie Romance und Erotik, nämlich wie viele wie explizite Szenen drin vorkommen. Wobei ich wenige explizite Sexszenen in einer Geschichte, die sich ansonsten um die Liebesbeziehung dreht, als Romance einordnen würde.
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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  KleineLady am Do Sep 15, 2016 1:29 am

Ahoihoi.

Zuerst:

@Ankh schrieb:Übrigens, der Unterschied zwischen GayRomance und Homoerotik ist wohl derselbe wie Romance und Erotik, nämlich wie viele wie explizite Szenen drin vorkommen. Wobei ich wenige explizite Sexszenen in einer Geschichte, die sich ansonsten um die Liebesbeziehung dreht, als Romance einordnen würde.

Danke für die Aufklärung. Aber ich muss mich da tatsächlich fragen, wo da die Grenze ist. In manchen Werken ist der Plot im vierten Kapitel aufgelöst und anschließend wird nur noch gerammelt. Was mir allerdings auch unter Erotik einzuordnen schwer fiele *seufz*

Jetzt zum Wesentlichen. Ich hab mir in den letzten Tagen eure Worte mal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen.

@Ankh schrieb:aber gerade wenn du irgendwann in diesen kleinen Kreis vordringen willst, wäre ich vorsichtig, dann nicht gleich als schwarzes Schaf reinzuplatzen, und sei die Kritik an sich noch so gerechtfertigt.

Das ist genau der Gedanke, der mich bisher davon abgehalten hat, überhaupt eine Rezension zu schreiben. Zumal ich da wirklich mehr auf die handwerklichen Tricks und Kniffe schauen würde, was dem Leser da draußen vermutlich nicht viel bringt und der auch nicht derjenige wäre, an den sich meine Rezension richten würde.
Und unter einem Pseudonym auf Amazon zu richten ... ne, das würde sich für mich auch falsch anfühlen. Wenn, dann stehe ich schon hinter meinem Urteil.

@Ankh schrieb:Bei einem Blog könntest du vorsichtig auf die Probleme im Genre eingehen ohne Namen zu nennen, und selbst Negativbeispiele schreiben (kann man ja von bestehendem abwandeln/ überspitzen). Ich fände das durchaus interessant, und vielleicht überzeugst du so tatsächlich den ein oder anderen Leser, mehr auf Qualität zu achten, ohne jemanden dabei direkt an den Karren zu pinkeln.

Ich schätze, darauf werde ich es hinauslaufen lassen. Vielleicht nehme ich dann die gelungeneren Bücher und schreib über die, und mische dann mit Negativbeiträgen, die sich auf kein konkretes Werk beziehen. Ja, da denk ich nochmal drauf rum.

@Magico schrieb:Weshalb solltest ausgerechnet du, die dabei etwas zu verlieren hat, für sie in die Presche springen?

Das ist eine berechtigte Frage. Und hat mich dazu veranlasst, nochmal darüber nachzudenken, warum ich mich überhaupt mit dem Thema herumschlage. Und da wirds verquer. Mich ärgert das nämlich maßlos, was mir da manchmal unterkommt. Bei manchen hat man echt das Gefühl, die haben die Leseprobe für ein Probelektorat genommen, die dann entsprechend der Vorschläge abgeändert und den Rest so gelassen wie er ist. Perspektivwechsel, die ohne Sinn und Verstand von einem Satz zum nächsten geschmiert werden, ohne dass es sich wie ein auktorialer Erzähler anfühlen würde. Von inkonsequenten und flachen Figuren fange ich gar nicht erst an.
Das ärgert mich ungemein und dieser Ärger will raus. Nur würde es mir nicht reichen, das Werk auf Amazon zu zerreißen, da hat niemand was von. Deshalb kam mir der Gedanke, dem jeweiligen Werk in einem Blogbeitrag auf den Zahn zu fühlen und die Fehler und Schwachstellen herauszustreichen, damit andere dabei was lernen können. Nämlich, wie man es nicht macht.

Ich finde, als Autor hat man nicht nur eine gewisse Verantwortung (hier übrigens auch nochmal Dankeschön an Ankh für den Testleserhinweis bezüglich des Jugendamtsmitarbeiters Wink ) dem Leser gegenüber. Man sollte ihm auch Respekt entgegen bringen, ebenso wie man es umgekehrt ja auch erwartet. Nur, der Leser hat Geld dafür bezahlt, das Werk zu lesen. Das ist, als würde ich ein Fahrrad mit Sekundenkleber zusammenkleben und es verkaufen. Auf den ersten Blick sieht es gut aus. Die erste kurze Probefahrt übersteht es auch. Aber dann, sobald das Geld den Besitzer gewechselt hat, bricht es zusammen. Ich finde das respektlos. Vom Betrug einmal abgesehen. Deshalb hatte ich mich auch gefragt, ob es bei Autoren überhaupt einen Ehrenkodex gibt, untereinander und nach außen hin.

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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  magico am Do Sep 15, 2016 1:42 am

Ich kann das alles sehr gut nachvollziehen, Kady. Aber wenn dir die schlechten Bücher tatsächlich so sehr auf die Nerven gehen, musst du dich entscheiden. Entweder du warnst andere Leser vor diesen zusammengespransten Papierbündeln und riskierst deinen Autorennamen innerhalb der Szene oder du lässt die Leser selbst entscheiden und versuchst ihnen mit deinen Werken zu zeigen, was Qualität ist.


EDIT:

@KleineLady schrieb:Deshalb hatte ich mich auch gefragt, ob es bei Autoren überhaupt einen Ehrenkodex gibt, untereinander und nach außen hin.

Davon habe ich nie gehört und ich denke auch nicht, dass es das gibt. Ist wohl eher Höflichkeit einzelner Autoren.

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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  Anjana am Mo Okt 03, 2016 2:59 am

Also ich weiß nicht, ob es einen Ehrenkodex gibt, aber ich habe schon den Eindruck, dass es viele kollegiale Rezensionen gibt und eher keine neutral-negativen. Damit meine ich, dass es durchaus Verisse geben kann, die sind dann aber nicht fachlich motiviert.
Unter den Kleinstverlagautoren scheint es mir schon eine Art Vernetzung zu geben, die genutzt wird, bei der ich mir nicht immer sicher bin, ob die entstehenden Rezensionen tatsächlich ehrlich sind.
Aus Autorensicht würde ich auch wohl auf die Rezension verzichten, aber ich schreibe auch als Leserin kaum welche. Von daher stellt sich mir die Frage nicht so wirklich.

Aus Lesersicht denke ich persönlich, dass ein bekannter Autorenname schon einen Unterschied machen kann. Insbesondere im selben Genre. Das betrifft dann aber vor alle die Leser, die sich auch für die Autoren interessieren. Im SP-Bereich und bei Kleinverlagen kann ich schwer einschätzen, ob die Leser vorrangig aus genau der Zielgruppe stammen und es von daher einen großen Einfluss haben kann oder ob die Autorennamen da so unbekannt sind, dass es für die Leser einfach eine normale Rezension ist.

Was allerdings bei Amazon wohl inzwischen üblich ist, ist die Rezensionen zu löschen, falls Autor und Rezensent irgendwie miteinander in Verbindung gebracht werden können. Und sei es auch nur, weil nachverfolgt wird, über welchen Link der Rezensent ursprünglich kam. Und es scheint auch, als ob Facebookverbindungen verfolgt werden. Dabei gehts wohl vorrangig um gute Rezensionen und dagegen scheinen auch beide Parteien machtlos zu sein.
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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  Julestrel am Mo Okt 03, 2016 7:23 pm

@Anjana schrieb:Was allerdings bei Amazon wohl inzwischen üblich ist, ist die Rezensionen zu löschen, falls Autor und Rezensent irgendwie miteinander in Verbindung gebracht werden können. Und sei es auch nur, weil nachverfolgt wird, über welchen Link der Rezensent ursprünglich kam. Und es scheint auch, als ob Facebookverbindungen verfolgt werden. Dabei gehts wohl vorrangig um gute Rezensionen und dagegen scheinen auch beide Parteien machtlos zu sein.
Ja, das gibt es. Und zwar kopiert man - wenn man nicht aufpasst - die Session-ID mit und verteilt die dadurch an seine Fans, weil die dem vom Autor gegebenen Link folgen. Dadurch haben diese Leute die gleiche Session-ID und das System geht davon aus, dass es der gleiche User ist, der halt mehr als eine Rezension schreibt bzw. bei Selfpublishern denkt das System, dass der Autor sich selbst Rezensionen schreibt. Als Verlagsautor ist glaube die Autoren-Seite eher seltener mit dem Amazon-Konto verknüpft.
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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  Earu am Di Okt 04, 2016 12:04 am

@Julestrel schrieb:Und zwar kopiert man - wenn man nicht aufpasst - die Session-ID mit und verteilt die dadurch an seine Fans, weil die dem vom Autor gegebenen Link folgen.
@Julestrel
Weißt du, wie man stattdessen den Link kopieren soll? Ich kopiere einfach immer die Adresszeile im Browser, möchte aber ungern irgendwann wegen so einer Kleinigkeit eine gute Rezension verlieren. Denke, das dürfte jedem hier so gehen.

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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  Julestrel am Di Okt 04, 2016 6:22 am

So sieht z.B. ein Link direkt aus der Browser-Zeile aus:
https://www.amazon.de/Harry-Potter-verwunschene-Special-Rehearsal/dp/3551559007/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1475601568&sr=8-1&keywords=harry+potter

Das "Wichtige" an diesem Link ist der erste Teil, alles ab "ref" kann man löschen, das sind zusätzliche Infos. Ohne das sähe der Link dann so aus:
https://www.amazon.de/Harry-Potter-verwunschene-Special-Rehearsal/dp/3551559007/

Ich hoffe, das hilft Smile
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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

Beitrag  Earu am Di Okt 04, 2016 6:33 am

Mir auf jeden Fall. Danke! Jetzt weiß ich, worauf es ankommt, und kann darauf achten.

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Re: Ehrenkodex und Negativrezensionen

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