Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

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Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

Beitrag  Earu am Fr Aug 26, 2016 12:10 am

Auch wenn ich nicht ausgewählt habe, etwas in der Handwerkskiste zu schreiben, kam mir diese Frage. Da hier noch nicht so viel los ist, überfordere ich nicht mit dem Starten dieser Diskussion, und es interessiert mich, wie ihr dieses "Problem" angeht.

Ich habe jetzt schon drei Geschichten geschrieben, die allesamt irgendwo bei 50.000 Worten liegen müssten. Bei zweien habe ich nicht nur aus der Sicht des Protagonisten, sonder auch aus der anderer Leute geschrieben. Es gab dort also zwei bis vier Perspektivträger. Diese waren allerdings bis auf je Geschichte einen so nah bei meiner Protagonistin, dass es eigentlich mehr ein Stimmwechsel ist. Meine Protagonistin wird ohnmächtig, also erzählt jemand anderes weiter. Oder die innere Sicht des anderen Charakters ist gerade interessanter, also erzählt er. Die beiden Charaktere, die nicht direkt bei meinen Protagonisten sind, führen ihren eigenen Handlungsstrang. Dieser kommt aber nur selten vor, weil es mehr um Hintergrundwissen geht, das die Leser brauchen. Ich will damit auch die Neugier schüren, was meine Hauptfigur jetzt macht, aber ich habe das Gefühl, dass das ziemlich gezwungen ist. Ich gebe dem Umstand, dass ich zu wenige bzw. zu kleine (Neben-)Handlungsstränge habe, die "Schuld", dass meine Romane einfach nicht über die rund 50.000 Worte hinauskommen. Dadurch verlaufen meine Geschichten zu linear von A, dem Problem, zu B, der Lösung.

Wie baut ihr eure Geschichten auf? Habt ihr Geschichten geschrieben, die nur einen Handlungsstrang benötigen und trotzdem als gebundenes Buch rund 300 Seiten umfassen würden? Wie verdröselt ihr die Handlungsstränge, damit sie auch eine Daseinsberechtigung haben? Letztlich müssen sie ja zusammenkommen, um die Geschichte aufzulösen.


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Zuletzt von Herzeloyde am Mo Aug 29, 2016 12:53 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet (Grund : Hashtag)

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Re: Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

Beitrag  Kelpie am Fr Aug 26, 2016 12:51 am

Ich finde das Thema toll, Earu, dieses Thema beschäftigt mich auch viel. Auch wenn ich ja nicht plotte und daher nicht sagen kann, wie ich die Geschichten plane, sodass sie mehr als 300 Seiten ergeben. Aber mal von vorne, ich beginne mit deinen Fragen, vielleicht fällt mir dann noch zusätzlich was ein.

Wie baut ihr eure Geschichten auf? 
Naja, wie gesagt, ich plane ja nicht. Sprich, die Geschichten entwickeln sich während des Schreibprozesses. Dadurch, dass ich den Hauptkonflikt eventuell gar nicht kenne, schreibe ich in den ersten Szenen also wild drauflos und beobachte, welche Gedankengänge beim Prota immer wieder auftauchen. So entwickeln sich Interessen und Probleme von ganz alleine, Nebenfiguren treten auf und sorgen zusätzlich für Bewegung. Auf diese Weise habe ich dann meist eine ganze Fülle an Problemen, wovon die einen zusammengehören und ineinander münden, die anderen extern sind und Nebenkonflikte bilden. Der größte Konflikt wird zum Hauptkonflikt und schaukelt sich hoch. Die Nebenkonflikte spielen nebenbei immer rein und sind wohl dieses "Füllwerk", was dir fehlt. Versuch mal in deinem Plot oder deinen Szenen Ausschau nach kleinen Sätzen zu halten, die irgendwie so klingen, als könne da noch viel mehr dahinterstehen.


Habt ihr Geschichten geschrieben, die nur einen Handlungsstrang benötigen und trotzdem als gebundenes Buch rund 300 Seiten umfassen würden? 
Hm. Ich habe bisher 4 Romane geschrieben und bei zwei davon habe ich irgendwie den Eindruck, sie hätten einen ganz klaren Haupthandlungsstrang; die Nebenhandlungen gehen unter bzw. sind kaum vorhanden. Andererseits schreibe ich auch nicht so ganz linear ...
Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob man die Gleichung so aufstellen sollte, dass wenige Nebenhandlungen bedeutet, ein dünnes Buch zu haben. Ich glaube, man kann auch sehr direkt auf der inhaltlichen Linie bleiben und dennoch einen langen Text haben.
Ich überlege gerade, ob ein Roman mit einem Handlungsstrang dazu führen kann, dass der Leser schneller gelangweilt ist. Aber die letzten beiden Bücher, die ich nach der Hälfte weggelegt habe, also nicht nach den ersten paar langweiligen Kapiteln, sondern nachdem sie mich bereits für gute 500-600 Seiten gefesselt haben, waren 1000-Seiten-Wälzer wie "Die Tore der Welt" und so ein Roman, bei dem ein Gerfalke gejagt wurde. Mir fällt der Titel gerade nicht ein. Und was mich von diesen beiden Romanen abstieß, war, dass der rote Faden dermaßen verloren ging und die Nebenhandlungen so umfassend wurden, dass ich das Gefühl hatte, hingehalten zu werden. Und das hat genervt. Ich wollte wissen, wie die Geschichte ausgeht. Gerade diese künstlich herbeigeführten Konflikte bei den Toren der Welt waren irgendwann richtig nervig.


Wie verdröselt ihr die Handlungsstränge, damit sie auch eine Daseinsberechtigung haben? Letztlich müssen sie ja zusammenkommen, um die Geschichte aufzulösen.
Okay, sprichst du von Handlungssträngen oder von unterschiedlichen Perspektiven?
Handlungsstränge müssen auf jeden Fall in irgendeiner Weise mit der Haupthandlung zu tun haben. Nehmen wir zum Beispiel Herr der Ringe. Die Haupthandlung ist die Geschichte von Frodo und Sam, die den Ring in den Schicksalsberg werfen sollen. Die ganze Geschichte um Aragorn, Legolas und Gimli sowie um Pippin und Merry sind Nebenstränge. Sie haben aber einen klaren Bezug, denn sie zeigen, wie gegen den Hauptfeind an anderer Stelle gekämpft wird, was die Auswirkungen von Saurons Herrschaft sind usw. Eine Nebenhandlung braucht irgendeine Daseinsberechtigung, eine neue Tiefe, die sie dem Roman verleiht, eine wichtige Sicht von außen. Insofern ist die Frage m.E. weniger, wie man die Stränge miteinander verdröseln kann. Vielmehr sollten sie einen ganz klaren Bezug zur Haupthandlung a) von Anfang an haben oder b) im Laufe der Zeit entwickeln.
Bei Herr der Ringe entwickeln sich die Nebenhandlungen direkt aus der Haupthandlung - nämlich an der Schlüsselstelle, wo die Uruk-Hai kommen und sich die neun Gefährten trennen.
Bei Game of Thrones als Gegenbeispiel laufen die meisten Stränge parallel und verknoten sich später miteinander.


Gut, du hast gefragt, WIE wir das machen - dazu fällt mir ehrlich gesagt keine rechte Antwort ein. Meistens weiß ich einfach schon, wie ich die Stränge zueinander bringe.
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Re: Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

Beitrag  Earu am Fr Aug 26, 2016 2:01 am

@Kelpie schrieb:...Auf diese Weise habe ich dann meist eine ganze Fülle an Problemen, wovon die einen zusammengehören und ineinander münden, die anderen extern sind und Nebenkonflikte bilden. Der größte Konflikt wird zum Hauptkonflikt und schaukelt sich hoch. Die Nebenkonflikte spielen nebenbei immer rein und sind wohl dieses "Füllwerk", was dir fehlt. Versuch mal in deinem Plot oder deinen Szenen Ausschau nach kleinen Sätzen zu halten, die irgendwie so klingen, als könne da noch viel mehr dahinterstehen.
Ich versuche das gerade bei meinem aktuellen Projekt. Zusammengefasst geht es um eine Frau, die sich in den falschen Mann verliebt, weil der sie eigentlich nur ausnutzen, von ihren sozialen Kontakten abnabeln und anschließend in sein Bordell einsperren will. Ihre Kontakte kappt er durch Misstrauen, das er in ihr sät, und indem er sie dazu überredet, ihren verhassten Job zu kündigen. Er nutzt sie sexuell aus, indem er immer perversere Spiele mit ihr treibt. Sie ist aber zu verliebt, um rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Das sind alles Probleme, die die Geschichte zu dem Punkt führen, wo es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis er ihrer überdrüssig wird und sie zur Hure machen will. Konflikte, die sich gegenseitig in die Hände spielen, gibt es wohl genug. Das ist jetzt auch keine Geschichte, um weitere Handlungsstränge einflechten zu können, einfach weil die gesamte Geschichte durch die Abnabelung zur Außenwelt mit recht wenigen Charakteren klarkommen muss. Aber diese Konfliktvielfalt, die ich mir hier erdacht habe, finde ich in meinen anderen Geschichten nicht. Da gibt es einen Kernkonflikt und ein paar kleinere, die auftreten und ziemlich schnell gelöst werden.

@Kelpie schrieb:Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob man die Gleichung so aufstellen sollte, dass wenige Nebenhandlungen bedeutet, ein dünnes Buch zu haben. Ich glaube, man kann auch sehr direkt auf der inhaltlichen Linie bleiben und dennoch einen langen Text haben.
Harry Potter hat nur einen Handlungsstrang. Nur ab und zu kommt eine Szene, die woanders spielt und meistens aus der auktorialen Sicht geschrieben ist, damit der Leser ahnt, dass etwas parallel zur Handlung mit Harry passiert, das Auswirkungen auf sein Leben haben wird. Von daher bin ich mir sicher, dass das geht. Aber mir fällt nichts ein, wie das klappen soll. Ich habe viele Ideen, setze sie um, und stelle letztlich fest, dass es wieder nur für eine Novelle vom Umfang her reicht. Mein oben genannter Roman ist jetzt nichts, von dem ich glaube, dass er mehr werden könnte. Irgendwann hat auch der letzte Leser kapiert, dass die Protagonistin einfach eine viel zu dicke rosa Brille trägt. Das sollte man nicht zu weit ausdehnen. Aber es gibt Geschichten, die das Potential dafür haben, und die in meinen Händen doch wieder zu kurz geraten. So fühlt es sich jedenfalls für mich an. Das ist natürlich rein subjektiv. Aber darum geht es mir. Wie könnte man das ändern, wenn die Geschichte es zumindest gefühlt hergeben sollte?

@Kelpie schrieb:Ich überlege gerade, ob ein Roman mit einem Handlungsstrang dazu führen kann, dass der Leser schneller gelangweilt ist. Aber die letzten beiden Bücher, die ich nach der Hälfte weggelegt habe, also nicht nach den ersten paar langweiligen Kapiteln, sondern nachdem sie mich bereits für gute 500-600 Seiten gefesselt haben, waren 1000-Seiten-Wälzer wie "Die Tore der Welt" und so ein Roman, bei dem ein Gerfalke gejagt wurde. Mir fällt der Titel gerade nicht ein. Und was mich von diesen beiden Romanen abstieß, war, dass der rote Faden dermaßen verloren ging und die Nebenhandlungen so umfassend wurden, dass ich das Gefühl hatte, hingehalten zu werden. Und das hat genervt. Ich wollte wissen, wie die Geschichte ausgeht. Gerade diese künstlich herbeigeführten Konflikte bei den Toren der Welt waren irgendwann richtig nervig.
Die Tore der Welt habe ich auch gelesen. Auch Die Säulen der Erde, was dazu gehört. Ich fand die Romane von der Idee her toll, auch noch halbwegs gut umgesetzt, aber letztlich viel zu langatmig, was sehr schade ist. Die beiden Romane hätten vermutlich gewonnen, wenn sie 200 Seiten abgenommen hätten. Ich schätze, dass es nichts mit der Zahl der Handlungsstränge zu tun hat, ob eine Geschichte spannend ist oder nicht. Das hängt mit der Umsetzung zusammen. Wenn du das Gefühl hast, dass die Handlungsstränge sich wie bei einem alten Webteppich aufribbeln und eigentlich gar nichts mehr miteinander zu tun haben, weil sie sich zu sehr von dem Hauptstrang entfernen, dann hat der Autor versagt. Du führst an anderer Stelle den Herr der Ringe auf. Genau das zeigt die Verbundenheit der Stränge. Es geht immer noch um das Kernthema, den Ring in den Schicksalsberg zu werfen und Sauron und Saruman von ihren dunklen Plänen abzuhalten bzw. sie von Frodo abzulenken. Die Charaktere handeln zwar teilweise in ihren Strängen schon sehr eigenständig, sodass daraus eine eigene Geschichte entstehen könnte, doch bekommen sie immer wieder den Dreh zurück zum Kernthema. Trotzdem fand ich den Herr der Ringe auch ziemlich langatmig. Vielleicht hatte er doch ein paar zu viele Handlungsstränge für mich. Aber es müssen ja auch nicht gleich so viele sein. Zwei oder drei sind ja auch schon viel, wenn du das planen oder als Wild-drauf-los-Schreiber unter einen Hut bringen willst.

@Kelpie schrieb:Okay, sprichst du von Handlungssträngen oder von unterschiedlichen Perspektiven?
Mir geht es um die Handlungsstränge. Die sind meistens aber auch oft durch unterschiedliche Perspektiven gekennzeichnet. Im Herr der Ringe hätte Frodo nicht erzählen können, was Pippin und Merry bei den Bäumen erleben, weil er nicht dabei war.

@Kelpie schrieb:Eine Nebenhandlung braucht irgendeine Daseinsberechtigung, eine neue Tiefe, die sie dem Roman verleiht, eine wichtige Sicht von außen. Insofern ist die Frage m.E. weniger, wie man die Stränge miteinander verdröseln kann. Vielmehr sollten sie einen ganz klaren Bezug zur Haupthandlung a) von Anfang an haben oder b) im Laufe der Zeit entwickeln.
Das sehe ich auch so. Aber wie entwickelt man sowas? Ok, das kannst du jetzt schwer beantworten, weil du dich von deiner Geschichte tragen lässt. Da kommt sowas "einfach", wobei das noch schwieriger in Verbindung zu bringen ist, als wenn ich von vornherein weiß, wohin die Reise gehen soll und mit welchem Transportmittel der jeweilie Charakter reist. So stelle ich es mir jedenfalls vor. Aber darum geht es mir. Smile

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Re: Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

Beitrag  Kelpie am Fr Aug 26, 2016 2:44 am

Ehrlich gesagt finde ich, dass deine Geschichte quantitativ sehr viel Potential bietet. Da hängt es dann in meinen Augen vor allem davon ab, wie intensiv du auf die einzelnen Szenen eingehst und wie viel Zeitsprünge du verwendest.
Du könntest zum Beispiel bereits den Anfang hinauszögern, indem sie mit dem Typen nicht sofort zusammenkommt. Stattdessen lässt du dem Leser Zeit, sich in ihr Leben, ihren Job, ihren Freundeskreis einzuleben. Du lässt den Typen vielleicht aufkreuzen, vielleicht flirten sie und der Leser gewinnt Sympathien für ihn und hofft, dass es zu mehr kommt. Du hältst die Spannung, indem erst einmal andere Dinge geschehen (natürlich ziehst du das nicht zu sehr in die Länge). Gerade die Kennenlernphase ist etwas wahnsinnig Spannendes in Beziehungen - auch hier kann man quantitativ viel rausholen.
Der Übergang vom netten Freund zum Kontrollfreak geht sicherlich auch schleichend, oder? Es gibt viele Möglichkeiten, wie sich so etwas bemerkbar macht und vielleicht schaffst du ja auch, es so perfide in den Roman einzubringen, dass der Leser wie die Prota das eigentlich ganz okay findet und irgendwann feststellt: Nee, Moment. Das ist jetzt zu viel. Aber wann wurde es bereits zu viel? Wann hat denn der eigentlich damit angefangen!?
Auch den Bruch mit den Freunden kann man eigentlich sehr gut auffangen. Wie sie sich melden und anfangs hat die Prota vielleicht einfach nur was anderes vor. Irgendwann geht sie nicht mehr ans Telefon, sondern schreibt später eine SMS. Und am Ende ignoriert sie sie ganz.

Also was ich mit dem langen Absatz sagen will: Ich denke, ganz viel der Länge eines Romans macht es aus, wie sehr man ins Detail geht. Wenn man mit Zeitsprüngen á la "zwei Wochen später" oder meinetwegen auch "am nächsten Tag" arbeitet, wird automatisch viel potentieller Text verschluckt. Natürlich macht es keinen Sinn, Banales zu schreiben. Aber vielleicht passiert ja auch etwas Interessantes, was man vorher bloß nicht in Erwägung gezogen hat, weil man so auf den Hauptkonflikt fixiert war?

Irgendwann hat auch der letzte Leser kapiert, dass die Protagonistin einfach eine viel zu dicke rosa Brille trägt. Das sollte man nicht zu weit ausdehnen. Aber es gibt Geschichten, die das Potential dafür haben, und die in meinen Händen doch wieder zu kurz geraten. So fühlt es sich jedenfalls für mich an. Das ist natürlich rein subjektiv. Aber darum geht es mir. Wie könnte man das ändern, wenn die Geschichte es zumindest gefühlt hergeben sollte?

Das klingt für mich eben, als ob du dich v.a. auf den Hauptkonflikt konzentriert hast. Ich weiß nicht, mit welcher Plotting-Methode du gearbeitet hast, aber vielleicht würde dich ja die Schneeflockenmethode weiterbringen? Du schaust dir die einzelnen Plotpunkte sowie das Leben deiner Prota an und gehst immer mehr ins Detail. Erschaffst ihre Welt. Und auf einmal werden sich ganz viele Informationen und Situationen ergeben, die du im Roman unbedingt erwähnen willst. Automatisch schwillt seine Größe.

Trotzdem fand ich den Herr der Ringe auch ziemlich langatmig. Vielleicht hatte er doch ein paar zu viele Handlungsstränge für mich. Aber es müssen ja auch nicht gleich so viele sein. Zwei oder drei sind ja auch schon viel, wenn du das planen oder als Wild-drauf-los-Schreiber unter einen Hut bringen willst.

Ich fand ihn auch langatmig, aber zumindest bei mir lag es weniger an den Handlungssträngen als an dem auktorialen Erzählstil und den ausschweifenden Beschreibungen. Es hat sich für mich mehr wie ein Märchen gelesen - eben ein typischer Roman aus dem letzten Jahrhundert.
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Re: Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

Beitrag  Traummuschel am Fr Aug 26, 2016 2:52 am

Ich mach es mal wie Kelpie und beantworte deine Fragen Smile


Wie baut ihr eure Geschichten auf?
Meine Geschichten drehen sich hauptsächlich um die Liebe und um die Charaktere. Ich überlege mir also erstmal den Haupthandlungstrang, dann charakterisiere ih die Hauptfiguren und überlege mir Nebenfiguren. Diese bekommen dann eigene Handlungsstränge.

Habt ihr Geschichten geschrieben, die nur einen Handlungsstrang benötigen und trotzdem als gebundenes Buch rund 300 Seiten umfassen würden?
Nicht direkt. Mein letztes beendetes Projekt hat 556 Buchseiten und 2 Handlungsstränge, sowie 3 angedeutete Handlungsstränge, die erst in der Fortsetzung nennenswert Raum einnehmen, aber wenn ich es auf die Hauptfiguren kürzen würde wären es auch knapp 350-400 Seiten. Meine Dystopie hat nur einen Handlungsstrang und ist jetzt bei knapp 100 Seiten und etwa einem Viertel.

Wie verdröselt ihr die Handlungsstränge, damit sie auch eine Daseinsberechtigung haben? Letztlich müssen sie ja zusammenkommen, um die Geschichte aufzulösen.
Nun, auf welche Art müssen sie denn deiner Meinung nach zusammen kommen? In dem 556 Seiten-Projekt gibt es bei mir einen Haupthandlungsstrang mit Antagonisten und einen, der die Liebesgeschichte der Protagonistin ist. Die Nebenstränge sind die Liebesgeschichten ihrer Freunde. Eine davon hängt mit ihrer zusammen, eine mit dem Antagonisten, die anderen "nur" mit dem Freundeskreis. Würdest du das jetzt als zusammenkommen sehen oder eher nicht? *grübel*

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Re: Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

Beitrag  Earu am Fr Aug 26, 2016 11:15 pm

@Kelpie schrieb:Ehrlich gesagt finde ich, dass deine Geschichte quantitativ sehr viel Potential bietet. Da hängt es dann in meinen Augen vor allem davon ab, wie intensiv du auf die einzelnen Szenen eingehst und wie viel Zeitsprünge du verwendest.
...
Also was ich mit dem langen Absatz sagen will: Ich denke, ganz viel der Länge eines Romans macht es aus, wie sehr man ins Detail geht. Wenn man mit Zeitsprüngen á la "zwei Wochen später" oder meinetwegen auch "am nächsten Tag" arbeitet, wird automatisch viel potentieller Text verschluckt. Natürlich macht es keinen Sinn, Banales zu schreiben. Aber vielleicht passiert ja auch etwas Interessantes, was man vorher bloß nicht in Erwägung gezogen hat, weil man so auf den Hauptkonflikt fixiert war?
Du hast da unheimlich viele Punkte angesprochen, die ich total toll finde. Die werde ich mir in meinen Plot schreiben, um das besser überdenken und nicht vergessen zu können. Vielen Dank für diese vielen Denkanstöße!!! Ich hatte Angst, dass ich die Geschichte zu sehr hinauszögern könnte. Wobei das wohl mit dem ursprünglichen Gedanken zu tun hatte, einen Erotikroman zu schreiben. Dabei handelt es sich jetzt eher um ein erotisch angehauchtes Drama. Sowas wird in der Regel langsamer aufgebaut. Da hast du mir gerade die Augen geöffnet.
@Kelpie schrieb:Das klingt für mich eben, als ob du dich v.a. auf den Hauptkonflikt konzentriert hast. Ich weiß nicht, mit welcher Plotting-Methode du gearbeitet hast, aber vielleicht würde dich ja die Schneeflockenmethode weiterbringen? Du schaust dir die einzelnen Plotpunkte sowie das Leben deiner Prota an und gehst immer mehr ins Detail. Erschaffst ihre Welt. Und auf einmal werden sich ganz viele Informationen und Situationen ergeben, die du im Roman unbedingt erwähnen willst. Automatisch schwillt seine Größe.
Die Schneeflockenmethode habe ich einmal versucht. Den Roman habe ich abgebrochen. Es war mein Erotikroman. Ich habe mich so sehr mit dem Aufbau des Romans und seinen Charakteren beschäftigt, dass ich letztlich keinen Atem für die Geschichte mehr hatte. Ich bin eben auch kein kompletter Planschreiber. Ein wenig Überraschung muss schon noch sein. Deshalb baue ich mir ein Konstrukt aus Wegmarken, auf die ich hinschreibe. Dazwischen haben meine Charaktere Zeit, sich auszutoben und zu entfalten. Ich bin ein Zwischending aus Plotter und Intuitivautor. Wobei die Zeit, die ich mir wegen meiner Sehnenscheidenentzündung lassen musste, mir noch einmal ein paar Aspekte klar gemacht haben, auf die ich vorher nicht gekommen bin. Das war schön.
@Kelpie schrieb:Ich fand ihn auch langatmig, aber zumindest bei mir lag es weniger an den Handlungssträngen als an dem auktorialen Erzählstil und den ausschweifenden Beschreibungen. Es hat sich für mich mehr wie ein Märchen gelesen - eben ein typischer Roman aus dem letzten Jahrhundert.
Der Stil ist auf jeden Fall so, wie du ihn beschrieben hast. Daran hatte ich auch zu knabbern. Laughing
@Traummuschel schrieb:Nun, auf welche Art müssen sie denn deiner Meinung nach zusammen kommen? In dem 556 Seiten-Projekt gibt es bei mir einen Haupthandlungsstrang mit Antagonisten und einen, der die Liebesgeschichte der Protagonistin ist. Die Nebenstränge sind die Liebesgeschichten ihrer Freunde. Eine davon hängt mit ihrer zusammen, eine mit dem Antagonisten, die anderen "nur" mit dem Freundeskreis. Würdest du das jetzt als zusammenkommen sehen oder eher nicht? *grübel*
Ich denke schon. Sie gehören zusammen und ergänzen sich gegenseitig. Sie bauen teilweise aufeinander sogar auf, weil der Leser durch das Verhalten oder Erleben des einen Charakters Rückschlüsse auf spätere Erlebnisse ziehen kann.

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Re: Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

Beitrag  Samira-Jessica am Sa Aug 27, 2016 3:07 am

Hi Earu,

ich hatte lange dasselbe Problem. Hatte lange drei, eigentlich unabhängige Stories im Kopf, liebe sie aber so sehr, dass ich gern alle verweben möchte, in eine fantasievolle Geschichte.

Irgendwann hab ich mal gelesen, dass es zwischen Handlungsstränge eine Verbindung geben muss und diese zum Schluss zusammenlaufen müssen. Mittlerweile sind es vier Handlungsstränge und es ist mir ganz gut gelungen diese Verbindung zwischen Strang II und IV sowie I und II, wobei es sich hierbei bis jetzt nur um die Personen geht, die beide verbinden. Leider konnte ich noch immer mit Strang III noch keine Verbindung zu den anderen dreien herstellen, auch weil ich mir nicht sicher bin, ob das dann nicht zu viel wird.
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Re: Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

Beitrag  KleineLady am So Aug 28, 2016 8:47 pm

Hallo Earu,

ich will mal versuche, zu beschreiben, wie ich es gemacht habe. Vielleicht hilft es ja. Mein Projekt umfasst etwas über 100 000 Wörter und ist im Genre Gay Romance angesiedelt.

Ich habe drei Perspektiven, Protagonist, eine Hauptfigur und Antagonist. Die Perspektivwechsel habe ich so angesetzt, dass sie nicht nur dazu dienen, die Spannung zu schüren, wenn der Protagonist gerade erdrosselt wird und die Hauptfigur zu seiner Rettung eilt und aufgehalten wird. Sondern auch, um bestimmte Ereignisse, die von mehr als einer der Perspektiven erlebt werden, eben unterschiedlich darzustellen. Sie dienen also nicht nur zur Vermittlung von Hintergrundinformationen oder für Cliffhanger.

Was die Handlungsstränge angeht, die sind bei mir dicht mit den Perspektiven verknüpft. Ich arbeite mit der 7-Punkte-Struktur nach Dan Wells. Da ich aber Probleme damit habe, eine ganze Geschichte nur auf einen solchen Plan zu sortieren, musste ich mir was überlegen.

Dan Wells splittet den Plot von Matrix in seinen Videos am Ende auf in Action, Liebe, und noch zwei, die mir natürlich gerade nicht einfallen. Ich mache es ähnlich, allerdings sortiere ich es auf die Figuren. So hat mein Protagonist in seinem Plotplan die Flucht drin. Alles bei ihm ist darauf ausgelegt, seinem Peiniger (dem Antagonisten) zu entkommen. Bei der Hauptfigur orientiert sich all sein Handeln daran, mit dem Protagonisten zusammen zu kommen. Beim Antagonisten geht es darum, den Protagonisten gehorsam und wehrlos zu halten. Dass diese drei Stränge sich heftig gegenseitig beeinflussen ist offensichtlich.

Dann gab es da aber in den Plots noch Punkte, die von außen beeinflusst werden. Z. B. der Moment, in dem der Antagonist einen Hinweis erhält, dass zwischen Prota und Hauptfigur etwas läuft. Es sollte ein Foto sein, das ihm zugespielt wird. Daraus hat sich ein Nebenplot entwickelt. Diese Entwicklung der Handlungsstränge läuft bei mir immer sehr eng zusammen mit der Figurentwicklung. Ist ja klar, die Figur hat ein Ziel, eine Motivation, ganz gleich, ob Protagonist, Haupt- oder Nebenfigur. Und das hängt ja auch wieder dicht mit dem zusammen, was die Figur in der Geschichte überhaupt machen soll.

Weil es blöd wäre, wenn einfach irgendwie oder irgendjemand ihm das Bild gibt. Die Figur, die das macht, hat deshalb auch eine eigene 7-P-S-Planung bekommen. Denn ihr Ziel war nicht, das Foto zu überbringen, sondern die Hauptfigur für sich zu gewinnen. Der Nebenplot berührt immer wieder den Hauptplot und sorgt gleichzeitig für Konflikt.

Gerade den letzten Punkt finde ich sehr wichtig. Gestern habe ich ein Buch aus dem Genre zu Ende gelesen, bei dem es einen Nebenplot gab, der zwar interessant war, aber im Grunde genommen den Hauptplot nicht tangiert hat. Man hätte ihn streichen können, ohne dass sich etwas Grundlegendes geändert hätte. Solche Nebenplots erhöhen lediglich die Seitenzahl, sind sonst aber nutzlos.

Deshalb würde ich mir schon jeden Handlungsstrang in meiner Story genau anschauen und überlegen, inwieweit er den Hauptstrang beeinflusst und was passieren würde, wenn ich ihn wegließe (wobei meiner Meinung nach die Frage der Vermittlung von Hintergrundinformationen keine Rolle spielen darf).

Um beim Beispiel HdR zu bleiben. Hätte sich Frodos Reise zum Schicksalsberg und der letzte Kampf dort wesentlich verändert, wenn die Stränge von Merry und Pippin bzw. Gandalf, Legolas und Co gestrichen worden wären? Wenn sie sich halt einfach irgendwo getrennt hätten und fertig? Oder ihn gar nicht erst begleitet hätten? Meiner Meinung nach nicht. Nicht wirklich. Frodo wäre trotzdem mit Sam (dessen Handlungsstrang definitiv auf Frodos auswirkt) den beschwerlichen Weg gegangen, hätte mit Gollum gezankt und am Ende versagt.

Die anderen Stränge waren aber deshalb unverzichtbar, weil es eine große Sache ist, um die es geht. Es ist ein Kampf um Mittelerde, nicht nur ein Garagenhofstreit. Es geht um Krieg und Macht und so weiter. Da nur den Hauptstrang zu berichten, wäre hier krasse Unterversorgung gewesen. Also, obwohl die Nebenstränge den Hauptstrang nicht wirklich maßgeblich beeinflussen, haben sie dennoch eine deutliche Daseinsberechtigung. Weil es um etwas wirklich Großes geht.

In meinem Werk, um das mal dagegen zu stellen, wäre jeder Nebenstrang, der den Hauptstrang nicht beeinflusst überflüssiges Zierwerk gewesen. Weil die Sache einfach nicht groß genug ist. Weil es nur um das Schicksal einer einzelnen Figur geht und nicht um das Wohl der ganzen Welt.

So fühlt es sich jedenfalls für mich an Wink
Federgruß
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Re: Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

Beitrag  Earu am Mo Aug 29, 2016 12:44 am

@KleineLady schrieb:Die Perspektivwechsel habe ich so angesetzt, dass sie nicht nur dazu dienen, die Spannung zu schüren, wenn der Protagonist gerade erdrosselt wird und die Hauptfigur zu seiner Rettung eilt und aufgehalten wird. Sondern auch, um bestimmte Ereignisse, die von mehr als einer der Perspektiven erlebt werden, eben unterschiedlich darzustellen. Sie dienen also nicht nur zur Vermittlung von Hintergrundinformationen oder für Cliffhanger.
Das finde ich wichtig. Cliffhanger sind toll. Sie verleihen einer Geschichte zusätzliche Würze. Aber man sollte sie nie zu sehr ausreizen. So sehe ich es zumindest. Auch, dass du deine Perspektiven nicht nur zur Vermittlung von Hintergrundinformationen nutzt, sondern eben auch, um damit Konflikte zu schüren, ist ein wichtiger Punkt. Sowas muss ich mir immer wieder vor Augen führen. Schon allein wegen dieser beiden Aspekte gewinnt dieser kleine Absatz. Smile
@KleineLady schrieb:Ich arbeite mit der 7-Punkte-Struktur nach Dan Wells.
Ich bin gerade unsicher, ob ich von dieser 7-Punkte-Struktur bereits gehört habe. Ich werde danach googeln. Nur, weil ich die Schneeflockenmethode zu umfassend, erschlagend und letztlich für mich auch wenig hilfreich abtun musste, muss es nicht bedeuten, dass keine der Methoden hilfreich sein könnte.
@KleineLady schrieb:Der Nebenplot berührt immer wieder den Hauptplot und sorgt gleichzeitig für Konflikt.
So stelle ich es mir auch vor. Wenn es schon Nebenplot(s) gibt, dann sollten die für den Hauptplot ein Gewinn sein. Also Konflikt aufbauen, Tempo reinbringen oder rausnehmen, Spannung aufbauen durch einen Cliffhanger und Informationen sinnvoll an den Leser bringen. Ich denke, es sollte nicht nur wegen einem dieser Punkte ein Nebenplot in die Geschichte gewoben werden. Es sollten mindestens zwei oder drei dieser Punkte im Nebenplot enthalten sein. Das sagt mir jedenfalls gerade mein Gefühl.
@KleineLady schrieb:Um beim Beispiel HdR zu bleiben. Hätte sich Frodos Reise zum Schicksalsberg und der letzte Kampf dort wesentlich verändert, wenn die Stränge von Merry und Pippin bzw. Gandalf, Legolas und Co gestrichen worden wären? Wenn sie sich halt einfach irgendwo getrennt hätten und fertig? Oder ihn gar nicht erst begleitet hätten? Meiner Meinung nach nicht. Nicht wirklich. Frodo wäre trotzdem mit Sam (dessen Handlungsstrang definitiv auf Frodos auswirkt) den beschwerlichen Weg gegangen, hätte mit Gollum gezankt und am Ende versagt.

Die anderen Stränge waren aber deshalb unverzichtbar, weil es eine große Sache ist, um die es geht. Es ist ein Kampf um Mittelerde, nicht nur ein Garagenhofstreit. Es geht um Krieg und Macht und so weiter. Da nur den Hauptstrang zu berichten, wäre hier krasse Unterversorgung gewesen. Also, obwohl die Nebenstränge den Hauptstrang nicht wirklich maßgeblich beeinflussen, haben sie dennoch eine deutliche Daseinsberechtigung. Weil es um etwas wirklich Großes geht.
Nachdem ich den ersten Absatz gelesen habe, dachte ich auch, dass die Nebenstränge schon wichtig sind. Ohne sie würde die Geschichte verlieren. Immerhin geht es um etwas Großes, das absolut Böse in Form von Sauron zu vernichten. Wenn eine Gruppe aus 10 Mann sich nach und nach aufsplittet, weil sie zurückbleiben, dann würde das den Anschein erwecken, dass die Männer doch nicht so tapfer sind, wie sie am Anfang gewirkt haben (= Leserverarsche), oder dass das große Ziel doch nicht so wichtig für sie ist (= eigentlich auch Leserverarsche). Erst durch die Nebenstränge, in denen man sieht, dass die anderen, auch wenn sie sich von der Gruppe getrennt haben, immer noch für das gleiche Ziel kämpfen, behält dieses Ziel seine Wichtigkeit bei. Umso mehr freue ich mich, dass du in deinem zweiten Absatz genau diese Gedanken bestätigst. Ich war kurz erschrocken. Auch wenn HdR langatmig ist, die Geschichte ist klasse und braucht diese Nebenstränge durchaus. Smile

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Re: Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

Beitrag  KleineLady am Mo Aug 29, 2016 4:53 am

Hey

@Earu schrieb:Ich bin gerade unsicher, ob ich von dieser 7-Punkte-Struktur bereits gehört habe. Ich werde danach googeln. Nur, weil ich die Schneeflockenmethode zu umfassend, erschlagend und letztlich für mich auch wenig hilfreich abtun musste, muss es nicht bedeuten, dass keine der Methoden hilfreich sein könnte.

Wenn du ein bisschen Englisch kannst (Schulenglisch reicht völlig), schau auf Youtube nach Dan Wells und 7 Point Structure. Seine Folien kann man sich auch als Präsentation im Netz runterladen, ich hab die glaub ich auch noch irgendwo hier rumfliegen, weil ich mir die Reihenfolge nie merken kann. Gerade auch mit dem Aufsplitten am Ende mit dem Matrix-Beispiel, das hat mir persönlich sehr geholfen.
Selbst, wenn du dieses vorgehen nicht so umsetzen kannst oder willst, wie er es vormacht, findest du ja vielleicht trotzdem etwas, was dich auf den richtigen Trichter bringt, auf den, der für dich funktioniert. Ich habs gern aufsortiert, dann weiß ich, dass mir keine Plot- und Logikfehler unterlaufen und das alles seine Daseinsberechtigung hat. Überraschen tun mich die Figuren übrigens trotzdem immer wieder Wink 


@Earu schrieb:So stelle ich es mir auch vor. Wenn es schon Nebenplot(s) gibt, dann sollten die für den Hauptplot ein Gewinn sein. Also Konflikt aufbauen, Tempo reinbringen oder rausnehmen, Spannung aufbauen durch einen Cliffhanger und Informationen sinnvoll an den Leser bringen. Ich denke, es sollte nicht nur wegen einem dieser Punkte ein Nebenplot in die Geschichte gewoben werden. Es sollten mindestens zwei oder drei dieser Punkte im Nebenplot enthalten sein. Das sagt mir jedenfalls gerade mein Gefühl.

Ich denke auch, mindestens zwei Punkte sollten davon erfüllt sein. Aber am wichtigsten finde ich den Punkt Konflikt. Antagonist und Protagonist können sich nicht permanent die Köpfe einschlagen, ohne dass es zu anstrengend oder irgendwann zu unglaubwürdig wird. Ich denke, dass zwischen beiden auch mal eine Pause existieren muss und damit meine ich jetzt nicht die Scene-Sequel Sache. Diese Mischung sollte es ja ohnehin geben, damit die Handlung reflektiert werden kann. Aber viele Explosionen nehmen zu schnell den Zündstoff. Deshalb einfach mal im Hauptplot die Lunte löschen, sprich eine Pause machen, und sie durch einen Nebenplot wieder zünden. Hmm ...  meine Analogien waren auch schon mal besser *seufz*
Ich würde dir auch gerne versuchen, das an deinem Beispiel zu verdeutlichen, aber dafür fehlt mir zuviel Information.

@Earu schrieb:Immerhin geht es um etwas Großes, das absolut Böse in Form von Sauron zu vernichten. Wenn eine Gruppe aus 10 Mann sich nach und nach aufsplittet, weil sie zurückbleiben, dann würde das den Anschein erwecken, dass die Männer doch nicht so tapfer sind, wie sie am Anfang gewirkt haben (= Leserverarsche), oder dass das große Ziel doch nicht so wichtig für sie ist (= eigentlich auch Leserverarsche). Erst durch die Nebenstränge, in denen man sieht, dass die anderen, auch wenn sie sich von der Gruppe getrennt haben, immer noch für das gleiche Ziel kämpfen, behält dieses Ziel seine Wichtigkeit bei.

(Bei den Büchern bin ich im zweiten Teil verreckt, deshalb kann ich mich nur am Film orientieren)
Die Gruppe existiert ja nicht von Anfang an. Ich denke, am Anfang ist z. B. Gandalf ein Nebenstrang. Er wird vorgestellt, eingeführt. Auch als Bilbo mit dem Ring auftaucht ist Gandalf irgendwie immer präsent. Sein Strang zieht sich bis zu dem Zeitpunkt, da er Frodo den Ring aufzwingt, und ihm sagt, wo er damit hinkommen soll. Auch wenn es ein Nebenstrang ist, ist es nichtsdestotrotz wichtig, weil es den Hauptplot, nämlich das Vernichten des Rings maßgeblich beeinflusst. Man kann ihn nicht weglassen, weil Frodo sonst nicht wissen würde, was es mit dem Ring auf sich hat und was er damit machen soll.

Dass Merry und Pippin sich aufdrängen ließe sich streichen, ohne, dass es wirklich den Hauptplot berührt. Klar, wenn man einen Handlungsstrang streicht, muss das Übrige schon ein wenig angeglichen werden. Einfach rausreißen und offene Nähte zurücklassen geht nicht.
Auch, dass die übrigen Gefährten auftauchen, müsste theoretisch (!) nicht sein. Die Elfen könnten sagen: Pff, was geht's uns an? Wir verziehen uns auf die Superduperglücksinsel in Sicherheit. Die Zwerge könnten sich in ihre Stollen zurückziehen und Sauron Sauron sein lassen. Sie könnten sich soweit vergraben, dass er nie an sie herankäme und wenn Sauron niemanden zum Angreifen hat, kann er auch keinen Krieg führen. Die Menschen ... tja, einer muss halt in den Arsch gebissen werden.

Man könnte also den gemeinsamen Aufbruch und auch später die Schlachten etc. theoretisch streichen. Denn der Hauptplot ist ja, dass ein Halbling, der als Einziger in der Lage zu sein scheint, der Macht des Ringes zu widerstehen, eben jenen Ring am Schicksalsberg vernichten soll, um Mittelerde vor der bösen Herrschaft Saurons zu retten. Man könnte bei der Zusammenkunft in dem Elfenkaff einfach andeuten, was die verschiedenen Völker zu tun gedenken, während Frodo zum Berg stiefelt. Man müsste es theoretisch nicht zeigen. Es sind alles Nebenhandlungen, die den Hauptplot nicht berühren.

Aber, bevor jetzt irgendwem hier das Blut aus den Ohren schießt ^^, wie ich schon sagte. Hier haben die Nebenplots allesamt (nagut, nicht alle, da war eine Story, die völlig überflüssig war, aber sowas von) notwendig sind, OBWOHL sie den Hauptplot nicht berühren oder beeinflussen. Weil die Rettung von Mittelerde, von dem Heil sovieler verschiedener Völker eben keine Kleinigkeit ist, die in einem einzelnen Handlungsstrang abgefertig werden könnte. So wäre die Story ein nackter dünner Ast gewesen. Aber weil es um etwas wirklich Großes und Wichtiges geht, ist es mit den Nebenplots ein ganzer Baum geworden. Der Ast hätte ohne den Rest des Baumes nicht überleben können. ... Oh mann, schon wieder so eine Analogie ...

Ich will nur sagen, dass man eben das Gesamtbild im Auge behalten sollte. Je größer die Sache ist, desto mehr Nebenplots, die vielleicht nicht direkt den Hauptplot beeinflussen, sind entschuldbar. Dass es natürlich entsprechend subtil und stimmig umgesetzt werden muss, ist ja klar. Aber bei einer großen Sache, bei der auch die Nebenplots auf irgendeine Weise auf das Ziel hinarbeiten (hier die Rettung von Mittelerde, allerdings nicht durch die Vernichtung des Rings, sondern durch Niedermetzeln der gegnerischen Heerscharen) fällt das nicht so schnell auf, wie wenn es nur um die Rettung eines einzelnen Menschen geht. Je kleiner die Sache ist, desto deutlicher sieht man einen eigentlich "überflüssigen" Nebenplot, bei dem man sich fragt: Und was sollte das jetzt?

Federgruß
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Re: Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

Beitrag  Earu am Mo Aug 29, 2016 6:43 am

Ich hatte leider nur einen Anfängerkurs auf der Abendschule für ein Semester belegt. Ich verstehe zwar viel, aber es ist anstrengend. Aber es sollte auch auf Deutsch im Internet zu finden sein. Vielleicht ist es dann nicht so gut erklärt, aber vielleicht reicht es ja für mich.

@KleineLady schrieb:Ich würde dir auch gerne versuchen, das an deinem Beispiel zu verdeutlichen, aber dafür fehlt mir zuviel Information.
Keine Sorge, ich verstehe, was du meinst. Smile

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Einführung zweier Personen mit zwei versch. Anfängen?

Beitrag  Samira-Jessica am So Nov 20, 2016 9:23 am

Hallo Schreiberlinge,

kennt ihr das, wenn ihr nicht mal die Hälfte eurer Charaktere geschweigendenn irgendwelche Schauplätze oder dergleichen erstellt habt aber im Kopf schon gefühlt 10 Schritte weiter seit (wie auch sooft in der Liebe xD) und schon den Anfang eures Projektes beginnt zu plant?
Wie geht ihr damit um, wenn ihr diesen Punkt erreicht?

An genau diesem Punkt bin ich jetzt angelangt und habe eine eigentlich gute Idee, wie ich finde, bei der ich aber trotzdem gern nach eurer Meinung fragen möchte.

Letzte Woche habe ich mich intensiver mit den Themen Anfang und Ende auseinandergesetzt.
Ich finde es interssant, dass es auch hier mehrere Möglichkeiten gibt.
Jedenfalls möchte ich gerne mein Projekt damit beginnen, meine beiden Hauptcharaktere einzuführen.
Das Ding ist, dass sich dazu super zwei verschiedenen Anfangsarten bzw. -Unterarten anbieten würden.
Also dass ich die zwei auf verschiedene Art einführe.

Abgewandelt von Fritz Gesing schrieb:Möglichkeit i. - Samira: Eine »heile« Alltagswelt, der entweder eine Gefahr droht oder in die eine unerwartete Störung dringt, die die Charaktere zum Handeln zwingt und die eigentliche Geschichte erzählt.
Möglichkeit ii. - Néla: Die Alltagswelt des Hauptcharakters ist nur »scheinbar heil« oder sogar alles andere als »heil«. D.h. der Hauptcharakter lebt nicht in Frieden und Harmonie, sondern befindet sich in einer Situation, aus der er früher oder später ausbrechen muss / in der er früher oder später kämpfen muss.
   
In beiden Möglichkeiten werden der Hintergrund der Geschichte, das Milieu, aus dem die Hauptcharaktere stammen sowie ihre jeweilige Vergangenheit angedeutet, aus denen sich dann die drohende Gefahr, der ausbrechende Konflikt oder die unhaltbare Situation  (Mögl. ii) ergibt.

Wie gesagt, ich finde es ansich passend, frage mich jedoch natürlich schon, ob ich damit nicht ein absolutes No-Go begehen würde.
Was meint ihr dazu?

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Re: Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

Beitrag  KleineLady am So Nov 20, 2016 7:21 pm

Guten Morgen.


Ich muss gestehen, ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich deine Frage verstehe.

Das, was du da geschrieben hast, ist für mich beides das gleiche. Du zeigst bei beiden Figuren den "Ist-Zustand", die Alltagswelt also. Bei beiden verändert sich irgendwann etwas, was sie jeweils zum Handeln zwingt.

Ob diese Alltagswelt jetzt nett und shiny ist, oder sich in der Kanalisation im Kriegsgebiet zwischen Ratten und Zwergalligatoren befindet, ist meines Erachtens irrelevant. Bei beiden genannten Punkten zeigst du dem Leser erst mal: So ist es. Das ist die jetzige Situation. Das ist die Figur, und so lebt sie.

Ich mache es auch nicht anders. Ich habe zwei Figuren, eine führt ein tolles Leben in einem großen Haus mit einem sehr wohlhabenden Vater. Ich zeige seinen Alltag, und versuche, herauszustreichen, was sein seine tägliche Motivation zum Aufstehen ist. Die andere Figur ist obdachlos und muss jeden Tag für sich und seinen kleinen Bruder ums Überleben kämpfen. Beides sehr gegensätzliche "Welten", für beide jeweils Alltag, bis sich was in ihren Leben verändert (in dem Falle, wenn sie aufeinander treffen).

Insofern kann ich kein No-Go entdecken. Für mich ist das ein ganz normaler Einstieg.

Federgruß
Nina

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Re: Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

Beitrag  Samira-Jessica am Mo Nov 21, 2016 4:50 am

Hm, stimmt. So gesehen verwendest du auch beide Möglichkeiten.

Danke  @KleineLady!

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Re: Geschichte mit mehreren Handlungssträngen aufbauen

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