Wechsel der Perspektivträger

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Wechsel der Perspektivträger

Beitrag  Butterblume am Mi Mai 04, 2016 8:44 pm

Guten Morgen.

Ich habe beschlossen, eine zweite Perspektive einzubauen, denn einige Stellen funktionieren sonst nicht. Nun frage ich mich, wann der Perspektivenwechsel statt finden kann. Mitten im Kapitel? Oder ein Kapitel eine Perspektive? Was findet ihr besser?



#Perspektivträger


Zuletzt von Anjana am Do Mai 05, 2016 6:41 pm bearbeitet; insgesamt 4-mal bearbeitet (Grund : Titel angepasst / Hashtag)
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Re: Wechsel der Perspektivträger

Beitrag  ESchen am Mi Mai 04, 2016 10:58 pm

Hallo Butterblume

Leider gibt es auch hierzu kein Patentrezept  Laughing
Am wichtigsten finde ich jedoch, dass der Leser 1. den Perspektivwechsel klar als solchen erkennt und 2. dass er keine Verwirrung oder unnötige Unruhe in den Text rein bringt.

Zu 1.:
Es muss immer klar sein, aus welcher Perspektive du schreibst und in welchem Kopf du gerade drin bist (genau so übrigens, sollte jeweils klar sein, wer bei direkter Rede gerade spricht...), ausser du arbeitest mit Finten/Red Herings/Überraschungsmomenten, etc. aber das hat dann andere Gründe und ist ein anderes Thema.

Zu 2. 
Für mich gibt es nichts Nervtötenderes, wenn ich aus dem Lesefluss geworfen werde, weil ich im Hintergrund rumgrüble, wer spricht gerade?, Wessen Gedanken sind das?, Vorhin war es doch noch so, jetzt klingt es aber nach..., als ob.... etc.
Das verwirrt mich und lenkt mich vom Geschehen in der Geschichte ab, das ich eigentlich mitverfolgen müsste, anstatt nachzugrübeln.
Die Geister scheiden sich auch oftmals daran, ob häufige bzw. schnelle Perspektivwechsel positiv oder negativ empfunden werden. Ich finde, das ist oftmals Geschmacksache. Bei einem schnellen oder häufigen Perspektivwechsel ist es vll. ein Problem, weil ich mich jedes Mal wieder in eine neue Situation und in eine neue Figur reinversetzen muss, und ich vll. gar keine Zeit habe, mich emotional darauf einzulassen. Dementsprechend könnten Probleme entstehen, sich genügend mit der Figur zu identifizieren. 
Das Positive an schnellen bzw. häufigen Wechseln empfinde ich jedoch, dass ich das Tempo und die Spannung dadurch massiv erhöhen kann und Situationen aus verschiedenen Sichtweisen zeigen kann. Evt. kann ich dem Leser etwas zeigen, das die Figur noch nicht weiss, und so beginnt sich der Leser um die Figur zu sorgen und er hofft, dass die Figur die Gefahr übersteht, die sie nichtsahnend zu überrollen droht. 

Der Zeitpunkt eines Perspektivwechsels wird auch unterschiedlich gehandhabt. Mir persönlich gefällt es am besten, wenn ein Kapitelwechsel stattfindet. Du kannst aber auch mit Leerzeilen arbeiten. Hier müsste dann einfach wieder aufgepasst werden, dass die Übergänge passen  Wink

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Re: Wechsel der Perspektivträger

Beitrag  Butterblume am Mi Mai 04, 2016 11:25 pm

Hallo ESchen,

danke für deine Antwort. Es ist halt so, dass es bestimmte Szenen gibt, die die Prota nicht erzählen kann weil sie sie nicht mitbekommt. Aber die sind auch wichtig für die Geschichte. Ich habe jetzt beschlossen, dass der "Haupterzähler" (gibt es sowas?) meine Prota ist und dass es noch 1 bis 2 (beim 2. überlege ich aber noch, der würde erst später kommen) weitere Erzähler gibt, die nicht so oft vorkommen. In der Überschrift des jeweiligen Kapitels würde dann der Name der erzählenden Person stehen... das geht doch, oder?
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Re: Wechsel der Perspektivträger

Beitrag  Earu am Mi Mai 04, 2016 11:28 pm

Ich habe da gerade erst vor ein paar Tagen etwas zu den Perspektiven gelesen. Kannst es dir ja mal ansehen. Vielleicht hilft es dir weiter: Link

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Liebe Grüße

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Re: Wechsel der Perspektivträger

Beitrag  Butterblume am Mi Mai 04, 2016 11:34 pm

@Earu,
danke für den Link. Hab es mal grob überflogen und festgestellt, dass ich dies schon einmal gelesen habe. Sehr interessant und informativ.
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Re: Wechsel der Perspektivträger

Beitrag  Butterblume am Fr Mai 06, 2016 8:11 am

Noch eine Frage:
Ich hatte eine Perspektive eingeführt, damit ich auch Szenen zeigen kann, die die Prota nicht mitbekommt, weil bewusstlos etc. Ist es blöd, wenn diese 2. Perspektive nur drei oder vier Mal im ganzen Roman erscheint? Oder wie kann ich das besser lösen?
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Re: Wechsel der Perspektivträger

Beitrag  Ankh am Fr Mai 06, 2016 10:40 pm

Es kommt halt drauf an, wie nah du an deinem Hauptcharakter bleiben willst. Wenn du die Geschichte aus seiner Sicht erzählen willst, dan wacht er halt aus der Bewusstlosigkeit auf und muss erstmal zusammenpuzzlen, was in der Zwischenzeit passiert ist. Auch solche Ereignisse zu rekonstruieren kann ganz spannend sein, z.B. wenn er belogen wird oder nur Fragmente erfährt, die für ihn verstörend sind etc.

Wenn du der Meinung bist, deine Geschichte gewinnt dadurch, dass der Leser "live" bei den Ereignissen dabei ist, dann würde ich für diese Situationen einen interessanten Zweit-POV erschaffen, dessen Sichtweise und Meinung den Leser auch tatsächlich interessiert und mit dem man auch mitfiebern kann. Denn bei einer Szene, so spannend sie auch ist, die einem Charakter widerfährt, der nicht mehr ist als ein blasser Chronist, wird man kaum mitfiebern, weil im Grunde nichts bzw niemand auf dem Spiel steht, um den der Leser bangt. Wie oft diese Perspektive dann auftaucht finde ich eigentlich egal, so lange ich das Gefühl habe, sie gibt mir etwas. Wobei du vielleicht bei einem interessanten POV auch auf die Idee kommen könntest, ihm mehr SZenem zu geben.
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Re: Wechsel der Perspektivträger

Beitrag  Butterblume am Fr Mai 06, 2016 11:45 pm

Hm. Es ist so, dass es noch eine 2. Person gibt, die dabei ist. Diese Person hat mehr wissen. Ich denke, es ist in manchen Situationen besser, aus der Sicht der 2. Person zu erzählen, dass es nicht zu sehr verwirrt... muss ich mal sehen. Diese 2. Person ist die Wichtigste gleich nach der Prota...

Aber dein Beispiel @Ankh ist auch nicht schlecht. Muss mal sehen, wie ich das mache.
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Re: Wechsel der Perspektivträger

Beitrag  ESchen am Mo Mai 09, 2016 8:56 am

Denn bei einer Szene, so spannend sie auch ist, die einem Charakter widerfährt, der nicht mehr ist als ein blasser Chronist, wird man kaum mitfiebern, weil im Grunde nichts bzw niemand auf dem Spiel steht, um den der Leser bangt.

Ich finde das einen ganz wichtigen Punkt. Die Identifikation sollte bei Perspektivträgern immer gewährleistet sein, sonst ist einem egal, was passiert und was der Figur zustossen könnte. Man fiebert nicht mit.

Interessant wird es bei 2 Perspektiven für den Leser schon, wenn er durch Perspektivträger A eine Gefahr für Perspektiver B erfährt. Wenn du dann in der Perspektive B drin bist und die Gefahr vor der Tür steht, weiss das der Leser, er weiss aber auch, dass B keinen blassen Schimmer hat und in die Falle tappen wird. Somit sorgt sich der Leser automatisch um die Figur (sofern man sich denn identifizieren kann Wink) und die Spannung wird dadurch erhöht. Also mir persönlich gefallen mehr Perspektiven besser, als bloss eine.

Wenn du dir unsicher bist, kannst du die Kapitel auch aus der Sicht von A und dann aus der Sicht von B schreiben und nimm dann das, was dir besser und spannender erscheint, bzw. mehr Sinn ergibt.

Ob der Perspektivträger oft oder nicht oft vorkommt, bzw. das Verhältnis ausgeglichen ist, ist nicht so wichtig (bzw. Geschmacksache), Hauptsache ich kann mich als Leser mit der Figur identifizieren und merke nicht, dass die Figurenperspektive nur aus "taktischen" Gründen gewählt wurde, sondern der Figur Willen. Wink

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Re: Wechsel der Perspektivträger

Beitrag  Kelpie am So Mai 15, 2016 1:38 am

Die Identifikation sollte bei Perspektivträgern immer gewährleistet sein, sonst ist einem egal, was passiert und was der Figur zustossen könnte. Man fiebert nicht mit.

Das würde ich nicht unbedingt voraussetzen, da dann das Sympathisieren mit der Figur eine Voraussetzung sein muss. Am liebsten mag ich aber gerade die Charaktere, die irgendwie abscheulich oder verdorben sind. Bestes Beispiel dafür ist Glokta aus "Kriegsklingen" von Joe Abercrombie. Ein Mann, der zwar eigentlich in seinen besten Jahren wäre, wegen Folter aber dermaßen zermürbt wurde, dass er einem uralten Greis gleicht. Inzwischen selbst Folterknecht und denkbar abscheulich. Nicht nur körperlich total ekelhaft, sondern auch charakterlich das reinste Ekelpaket, das jeden anschnauzt und ankeift, seinem Leben einfach nichts abgewinnen kann und bewusst verletzend ist.

Ein anderer Charakter ist Jezal, ein arrogantes Adelsschwein, das viel zu viel Geld und Selbstbewusstsein hat, faul ist wie die Nacht finster und dermaßen jenseits jeder Realität, weil verwöhnt, dass man nur fassungslos sein kann.

Ich konnte mich mit beiden in keinster Weise identifizieren. Aber mit beiden habe ich mitgefiebert und ihre Kapitel verschlungen.

Das Wichtigste ist in meinen Augen daher eher, dass jeder Perspektivcharakter irgendetwas hat, das unglaublich fesselt und reizvoll ist. Und dafür sind meiner Erfahrung nach negative Seiten viel besser geeignet als positive.
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Re: Wechsel der Perspektivträger

Beitrag  ESchen am Mo Mai 16, 2016 12:28 am

Kelpie, genau das meinte ich mit Identifikation.  Wink Es muss nicht unbedingt positive Identifikation sein, sondern etwas, das man sich gut und bildlich vorstellen kann, das in einem etwas hervorruft und einem nicht kalt lässt. Das ist meiner Ansicht nach bei einem Helden-Prota genau so wie bei einem Bösewicht, der schillernd und vielschichtig dargestellt wird. Das sind dann diejenigen, die mich persönlich am meisten fesseln. Wenn bloss dahingestellt wird, der ist ein Bösewicht und dann tut er vielleicht Böses aber ich sehe dahinter nicht, warum er dies tut oder seine Motivation ist mir schleierhaft, dann wirkt die Figur nicht glaubwürdig/nicht echt/konstruiert und ich glaube ihr nicht. Ergo, es berührt mich nicht.  Wink 
Im Grunde versuchen wir ja nichts anderes, als unsere Figuren möglichst so darzustellen, als wären sie tatsächlich echt.

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Re: Wechsel der Perspektivträger

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