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Beitrag  ESchen am Mi 10 Feb 2016 - 20:30

Hallo zusammen

Ich möchte gerne dieses Thema mal ein wenig näher beleuchten, um verschiedene Varianten und Vorgehensweisen herauszufinden.
Evt. hilft mir das, eine Lösung fürs Kürzen zu finden, mit dem ich mich gerade an die Wand gefahren habe.


Überleitungen

Welche Möglichkeiten gibt es?

- Um einen Szenenwechsel zu erzwingen, gibt es mal als erstes die Leerzeile. Die empfinde ich aber meistens als einen kalten Schnitt und etwas plump. 

Als Beispiel nehme ich einen Prota, der mit dem falschen Bein aufsteht und anschliessend zur Arbeit muss. Blablabla... Mürrisch warf er die Tür ins Schloss und rannte zur Bushaltestelle, um an diesem Morgen zumindest etwas rechtzeitig auf die Reihe zu kriegen.
Leerzeile
Als er die Tür zu seinem Büro aufstiess, erwartete ihn bereits sein Chef.

- Die Leerzeile kann ich durch einen Überleitungssatz ersetzen. Bsp.

Ich bin wieder bei meinem Prota, aber den Weg zur Arbeit zeige ich nicht, sondern leite von der Aufstehszene gleich über zur Arbeit: Blablabla... Mürrisch warf er die Tür ins Schloss und rannte zur Bushaltestelle, um an diesem Morgen zumindest etwas rechtzeitig auf die Reihe zu kriegen. Als er endlich im Büro eintraf, erwartete ihn bereits sein Chef.


- Dann gibt es noch die Möglichkeit eines Kapitelwechsels. Je nach dem kann es grad passen.

Kennt ihr noch weitere Varianten für Überleitungen und Übergänge von Szene zu Szene? Wie formuliert ihr eure Überleitungssätze?



Ich bin gespannt auf eure Antworten. bounce

Liebe Grüsse 
ESchen

_____________________________________________________
#Szene #Struktur


Zuletzt von Herzeloyde am Mi 27 Apr 2016 - 14:06 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet (Grund : Thema geteilt)

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Re: Überleitungen

Beitrag  Herzeloyde am Do 11 Feb 2016 - 10:04

Hallo ESchen

Da bin ich selbst gespannt, was da an Antworten kommen wird. Ich bediene mich überwiegend der schönen Leerzeile. Obwohl @Tachadenn es ein-, zwei Mal zu abrupt fand, funktioniert es in den meisten Fällen ganz reibungslos. Mich selbst stört das auch nicht beim Lesen.
Heikel ist es scheinbar dann, wenn das Setting wechselt. Also beispielsweise von drinnen nach draussen, oder wie in deinem Beispiel von zu Hause zum Büro. Das muss man im ersten Satz deutlich markieren.

Ähm ... ein Beispiel ... Moment ... *stöber* ...

Also ich sehe grad, ich mach das doch nicht immer gleich.

Zum Beispiel hier muss ich zwei Tage überbrücken, die hab ich in die Reflexion des Prota eingebaut.

Zwei Tage waren vergangen, seit P. die Botschaft hatte fallen lassen. Und R. hatte noch immer nicht reagiert. Selbst während er mit dem Wassereimer durch die gefährlichen Höhlen flog, war P. in Gedanken bei dem Moment, in dem R. ihn ansprechen würde.


Hier musste ich ein Stück Weg überbrücken, da hab ich das Ziel vorher eingeführt.


“Wohl kaum”, sagte sie und R. atmete auf. “Geht zum größten Haus und fragt nach dem Orakel.”
Dann kommt noch ein Abschnitt, dann eine Leerzeile. Der neue Abschnitt beginnt mit.

Das “größte Haus” entpuppte sich als eine marmorne Plattform.

Hier ist so ein Settingwechsel, den ich eher grenzwertig finde, weil das neue Setting erst im zweiten Satz kommt. Das war auch, um mir den Weg von A nach B zu sparen.

"Na, das war jetzt mehr Glück als Verstand”, sagte S. eisig.

"Er hat vergessen, mir den Schlüssel zu geben!” N. griff sich an die Stirn. Sie waren heil im Schuppen angekommen, alles war so gut gelaufen und jetzt das.

Hier auch: Einfach das neue Setting im Satz mit drin.

"Übernehmt ab morgen und in fünf Tagen werdet ihr sehen, dass L. seine Versprechen hält."

"Was sollte das?", zischte K. später, als er auf seiner Matratze lag, in ihrer winzigen Zelle, wo der eisige Wind durch die Bretter pfiff.

Interessant. Da hab ich mich echt noch nie damit befasst, aber es scheint, dass ich meist einfach das neue Setting in den ersten Satz packe und gut ist. Bin gespannt, wie ihr anderen das macht.


Zuletzt von Herzeloyde am Do 11 Feb 2016 - 11:40 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Re: Überleitungen

Beitrag  Julestrel am Do 11 Feb 2016 - 10:50

Ich finde, eine Leerzeile inkl. Szenenwechsel ersetzt nicht einfach einen Überleitungssatz. Dadurch, dass ich mit der Leerzeile zwei verschiedene Szenen erzeuge, ist der Aufbau ein ganz anderes als eine lange Szene mit einer knappen Überleitung. Vor allem das Ende einer Szene ist ja meist prägnant und gezielt gesetzt, so dass die Ankündigung eines Ortswechsels hier meit zu langweilig ist (klar, es gibt immer Gegenbeispiele).

Meiner Erfahrung nach ist es übrigens so, dass wenn ich aus einer Szene zwei Szenen mache, weil z.B. ein Ortwechsel stattfindet, diese beiden Szenen zusammengezählt meist kürzer sind als die eine Szene vorher, da man meist das Ende der ersten und den Anfang der zweiten zusammenstreichen kann.
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Re: Überleitungen

Beitrag  Bautsen am Do 11 Feb 2016 - 11:33

Zu den Überleitungen:

Also ich bin absolut kein Freund der Leerzeile. Mag ich absolut nicht und ich finde irgendwie, dass es immer von mangelnder Kreativität des Autors zeugt.

Wenn bei mir so etwas vorkommt, mache ich das nach der zweiten Variante, aber ein wenig anders. Ich finde, das sind die Stellen, bei denen man durch 3-4 Sätze mehr etwas mehr Atmosphäre reinbringen kann.

Ein Beispiel, wie ich das bei Septem gelöst habe: 

(Ich würde die Stelle ja posten, aber wie ich gestern bemerkt habe, ist der Werkzeugkasten auch für Gäste einsehbar)

Mitten in der Szene findet ein kleiner Wechsel statt. Mein Prota muss einen Wohnwagen verlassen, damit es weitergehen kann. Und daher habe ich die Überleitung dazu genutzt, das Grundstück, auf dem sich der Wohnwagen befindet, zu beschreiben. Zudem habe ich noch ein paar persönliche Gefühle meines Protas mit reingebracht.

Jetzt, wo ich darüber nachdenke, gibt es doch ständig, wo man als Autor überleiten muss. Vielleicht macht gerade das einen guten Autor aus?

Wenn es sich allerdings um eine Überleitung handelte, wo einiges an Zeit vergeht, habe ich das bisher immer so gelöst, dass ich die Szene bzw. das Kapitel beendet habe. Da ich die Kapitel vorher meist grob plane, bevor ich schreibe, hat sich da noch nie ein Problem ergeben.
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Re: Überleitungen

Beitrag  Herzeloyde am Do 11 Feb 2016 - 13:18

@Julestrel schrieb:Ich finde, eine Leerzeile inkl. Szenenwechsel ersetzt nicht einfach einen Überleitungssatz.
@Bautsen schrieb:
Also ich bin absolut kein Freund der Leerzeile. Mag ich absolut nicht und ich finde irgendwie, dass es immer von mangelnder Kreativität des Autors zeugt.

Ich hab mir das wirklich noch nie bewusst überlegt. Als ich meine Beispiele durchgesehen habe, habe ich festgestellt, dass ich durchaus eine minimale Überleitung mache. So bewusst war mir das aber nicht.
Ich mache grundsätzlich bei einem Ortswechsel und/oder wenn Zeit vergangen ist eine Leerzeile, weil für mich dann eine neue Szene anfängt. Das heisst, die Leerzeile markiert die neue Szene die Überleitung stellt die Verbindung her - es hat also nicht beides die gleiche Funktion.

Schreibt ihr auch Überleitungen (über Zeit und Ort) ohne eine neue Szene zu beginnen?
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Re: Überleitungen

Beitrag  Julestrel am Do 11 Feb 2016 - 13:46

@Herzeloyde Ja, ich mache auch Überleitungen, wenn z.B. jemand warten muss (zeitlich) oder auch, wenn jemand von A nach B muss (Ortswechsel). Allerdings hat das Szenenstück vor und nach der Überleitung das gleiche ... hmm ... Grundthema, d.h. sie können irgendwie zusammen.

Und die Leerzeile kommt eben vor allem dann bei mir, wenn sich das Motiv der Szene ändert. Wenn beispielsweise der Anfang sich um die Probleme zuhause dreht und im zweiten Teil es um den neuen Mitarbeiter auf der Arbeit geht (der nichts mit den Problemen zuhause zu tun).


edit:
@Bautsen Ich finde es lustig, dass du mangelnde Kreativität siehst, denn Leerzeilen für einen Szenenwechsel sind durchaus ein Stilmittel, dass richtig eingesetzt werden will. Wie ich oben schon schrieb: Nur eine Leerzeile, weil man sich einen Satz sparen will, reicht da nicht. Beide Szenen müssen eigenständig sein.
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Re: Überleitungen

Beitrag  Bautsen am Do 11 Feb 2016 - 15:34

Schreibt ihr auch Überleitungen (über Zeit und Ort) ohne eine neue Szene zu beginnen?

Wenn es sich vermeiden lässt, beginne ich bei so etwas immer ein neues Kapitel. Wenn nicht, schreibe ich eine Überleitung.

@Bautsen Ich finde es lustig, dass du mangelnde Kreativität siehst, denn Leerzeilen für einen Szenenwechsel sind durchaus ein Stilmittel, dass richtig eingesetzt werden will. Wie ich oben schon schrieb: Nur eine Leerzeile, weil man sich einen Satz sparen will, reicht da nicht. Beide Szenen müssen eigenständig sein.

Vll. war ich mit meiner Formulierung ein wenig hart. Aber ich bin absolut kein Freund der Leerzeile.

Wenn es zu so einem "Problem" bei mir kommt, will ich das auf jeden Fall eleganter lösen, manchmal hat das sogar zur Folge, dass ich das Kapitel von Grund auf ändern muss, damit alle Überleitungen miteinander verknüpft sind.
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Re: Überleitungen

Beitrag  Wolfgang Meilenstein am Do 11 Feb 2016 - 15:35

Ich bin großer Fan von Leerzeilen und Szenenwechseln.
Warum soll ich den Leser mit Auto- und Busfahrten, Fußmärschen und Wartezeiten quälen? Ich mach einfach einen Schnitt, und es geht da weiter, wo es interessant ist.

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Beitrag  Minka am Do 11 Feb 2016 - 16:15

Ich finde, dass in einem Kapitel idealerweise keine Szenen- oder Zeitwechsel stattfinden sollen. Jedes Kapitel soll rund und in sich abgeschlossen sein (Einleitung, Höhepunkt, Schluss). Ein Zeitwechsel oder ein neuer Ort erfordert also ein neues Kapitel. Das finde ich auch aus dem Grund notwendig, weil ein neuer Ort in der Regel eine aufwendige Beschreibung erfordert, meist auch noch eine Darstellung der eventuell durch den Ortswechsel veranlassten veränderten Gemütslage des Prota. Das würde ich nicht gern in einem Nebensatz abhaken.

Allerdings habe ich es in meiner Geschichte nicht geschafft, mich immer an diese Prinzipien zu halten. Manchmal ist das Thema auch bei einem Ortswechsel noch nicht abgeschlossen, so dass man rein technisch das Kapitel nicht einfach beenden kann, ohne dass es unrund wird. In dem Fall muss man Hilfskonstruktionen benutzen. Ich versuche die aber tatsächlich zu umschiffen und lieber ein neues Kapitel anzufangen.

Das neue Kapitel wirft bei mir in der Regel auch ein neues Thema auf (d.h. neues Hindernis, neuer Wegabschnitt oder so).

LG
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Re: Überleitungen

Beitrag  Julestrel am Do 11 Feb 2016 - 16:20

Was mich da interessieren würdet? Schreibt ihr aus einem POV oder aus mehreren? Denn das dürfte ja auch noch einen Unterschied für die Herangehensweise machen.
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Re: Überleitungen

Beitrag  ESchen am Fr 12 Feb 2016 - 13:22

@Herzeloyde Danke für die Beispiele. Ich mache es eben auch oft unbewusst, genau so wie du. Eine Reflexion, Gedanken oder einen Bezug zum vorherigen Ort/Gespräch/etc. Dann folgt ein Kamerazoom etwas weiter weg, wo ich dann, bei einem allfälligen Ortswechsel, die neue Beschreibung einfliessen lasse wie es auch @Bautsen macht. Und dann geht es anschliessend wieder tiefer in die neue Situation rein.

Leider habe ich aber auch Stellen mit diesen Leerzeilen, die ich aber ganz und gar nicht mag. @Julestrel hat geschrieben, dass sie es mit den Leerzeilen eher so hält, dass in den verschiedenen Szenen andere Sinnschritte oder Probleme drin sind. Genau so ist das bei den Fällen auch, aber irgendwie finde ich es dann doch immer noch platt. Ich versuche nun, gänzlich ohne diese Leerzeilen auszukommen.

Cliffhanger mache ich auch, aber nur bei einem Kapitel- oder Perspektivwechsel.


@Julestrel schrieb:Meiner Erfahrung nach ist es übrigens so, dass wenn ich aus einer Szene zwei Szenen mache, weil z.B. ein Ortwechsel stattfindet, diese beiden Szenen zusammengezählt meist kürzer sind als die eine Szene vorher, da man meist das Ende der ersten und den Anfang der zweiten zusammenstreichen kann.

Wie meinst du das?
Meinst du, dass dieses Eintauchen in die Szene, die durch die Zeile ausgelöst wird, bei einem Übergang entfallen kann und man daher Sätze sparen kann?
Ohnehin ist es ja oft so, dass wir so genannte "Krückensätze" benutzen, um etwas einzuleiten oder auszuleiten. Die sind für den Autor wichtig (Gedankenstützen? gefühlsmässige Überleitung?), um in die Szene zu kommen, aber am Ende kann man die oft streichen. (Muss mal in meinen Unterlagen kramen, und ein Beispiel suchen)




@Wolfgang Meilenstein schrieb:Ich bin großer Fan von Leerzeilen und Szenenwechseln.
Warum soll ich den Leser mit Auto- und Busfahrten, Fußmärschen und Wartezeiten quälen? Ich mach einfach einen Schnitt, und es geht da weiter, wo es interessant ist.
Genau, und deswegen mache ich an den Stellen Raffungen und Überleitungen, um an der interessanten Stelle weiter zu fahren. Aber solche langweiligen Tätigkeiten gibt es oft während einer Handlung. Da kann ich nicht jedes Mal eine neue Zeile machen, sondern muss eben sanft überleiten.


@Minka schrieb:Ich finde, dass in einem Kapitel idealerweise keine Szenen- oder Zeitwechsel stattfinden sollen. Jedes Kapitel soll rund und in sich abgeschlossen sein (Einleitung, Höhepunkt, Schluss). Ein Zeitwechsel oder ein neuer Ort erfordert also ein neues Kapitel. Das finde ich auch aus dem Grund notwendig, weil ein neuer Ort in der Regel eine aufwendige Beschreibung erfordert, meist auch noch eine Darstellung der eventuell durch den Ortswechsel veranlassten veränderten Gemütslage des Prota. Das würde ich nicht gern in einem Nebensatz abhaken.

Allerdings habe ich es in meiner Geschichte nicht geschafft, mich immer an diese Prinzipien zu halten. Manchmal ist das Thema auch bei einem Ortswechsel noch nicht abgeschlossen, so dass man rein technisch das Kapitel nicht einfach beenden kann, ohne dass es unrund wird. In dem Fall muss man Hilfskonstruktionen benutzen. Ich versuche die aber tatsächlich zu umschiffen und lieber ein neues Kapitel anzufangen.

Das neue Kapitel wirft bei mir in der Regel auch ein neues Thema auf (d.h. neues Hindernis, neuer Wegabschnitt oder so).

Es kommt bei den Kapiteln ohnehin immer darauf an, wie man es individuell handhabt. Besteht die Geschichte aus langen wenigen Kapiteln, oder erzählt man in kurzen Kapiteln. Ich denke, wie du auch gesagt hast, das neue Hindernis, Wegabschnitt, bzw. Sinnschritte sind entscheidend für einen Kapitelwechsel. Aber wenn es gerade passt, stellt auch dies einen Übergang dar, den ich dann gern für die Dramatik nutze (Bsp. Cliffhanger, geschlossener Kreis, etc.).


@Julestrel schrieb:Was mich da interessieren würdet? Schreibt ihr aus einem POV oder aus mehreren? Denn das dürfte ja auch noch einen Unterschied für die Herangehensweise machen.

Ja, bei einem Perspektivwechsel setze ich auch immer Leerzeilen, sofern diese im gleichen Kapitel stattfinden. Da kann man gar keine Überleitung machen, oder? scratch


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Re: Überleitungen

Beitrag  Julestrel am Fr 12 Feb 2016 - 14:29

@ESchen schrieb:
@Julestrel schrieb:Meiner Erfahrung nach ist es übrigens so, dass wenn ich aus einer Szene zwei Szenen mache, weil z.B. ein Ortwechsel stattfindet, diese beiden Szenen zusammengezählt meist kürzer sind als die eine Szene vorher, da man meist das Ende der ersten und den Anfang der zweiten zusammenstreichen kann.

Wie meinst du das?
Meinst du, dass dieses Eintauchen in die Szene, die durch die Zeile ausgelöst wird, bei einem Übergang entfallen kann und man daher Sätze sparen kann?
Ohnehin ist es ja oft so, dass wir so genannte "Krückensätze" benutzen, um etwas einzuleiten oder auszuleiten. Die sind für den Autor wichtig (Gedankenstützen? gefühlsmässige Überleitung?), um in die Szene zu kommen, aber am Ende kann man die oft streichen. (Muss mal in meinen Unterlagen kramen, und ein Beispiel suchen)

Wenn man aus einer Szene zwei Szenen macht, d.h. die Überleitung inkl. allem drumherum wegfällt, kann man meist früher aus der ersten Szene aussteigen und später in die nächste einsteigen. Dadurch erreicht man eine Straffung des Tempos, da ein bisschen "Blabla" wegfällt.

Ich hoffe, nun ist es verständlicher erklärt Embarassed
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Re: Überleitungen

Beitrag  KleineLady am Sa 13 Feb 2016 - 7:33

Ich find eure Herangehensweisen schon ziemlich interessant.

Mir als Leser würde es persönlich ziemlich auf den Zeiger gehen, wenn der Autor am Ende einer Szene noch herumschwafelt, anstatt einfach den Szenenwechsel klar zu signalisieren, eben durch eine Leerzeile. Da kann ich als Leser mich viel besser orientieren, wenn der optische Schnitt da ist.
Zumal so eine Leerzeile auch eine gewisse Pause darstellt.

Habt ihr mal geschaut, wie das in den anderen Büchern gehandhabt wurde, die in dem von euch gewählten Genre geschrieben sind?

Die Leerzeile am Ende einer Szene gibt dem Leser die Gelegenheit, kurz innezuhalten und das eben gelesene nachklingen zu lassen.

Ich sage nicht, dass man gar keine Überleitungen benutzen soll.
Wenn ich in einer Perspektive bin und einen gravierenden Ortswechsel (also nicht vom Wohnzimmer in die Küche sondern von der Wohnung zum Bahnhof oder so) habe, dann mach ich auch eine Überleitung. Solange das Thema, um das es geht, in beiden Szenen gleich ist.

Aktuell schreibe ich in drei Perspektiven. Jeder Perspektivwechsel wird mit einer Leerzeile signalisiert. Wenn Figur A jetzt aber von einer Situation am Bahnhof in eine Situation Zuhause wechseln soll, dann schieb ich eine andere Perspektive dazwischen. Das gibt auch dem Leser das Gefühl, dass Zeit verstrichen ist, was den Ortswechsel selbst schon viel geschmeidiger macht. Kleinere Ortswechsel gibt es auch, aber da bleibt das Thema gleich, sodass da gar nicht groß mit einer Überleitung gearbeitet werden muss. Die kurze Strecke, die zurückgelegt werden muss, ist der Moment, in dem meine jeweilige Figur plant, Gedankengänge hat, oder reflektiert (Ich denke, hier ist aber auch das Genre ein Knackpunkt).

Beschreibungen versuche ich in die Handlung zu integrieren, ich richte nur sehr selten den Fokus darauf und nur dann, wenn das Beschriebene wichtig für die Handlung ist. Ansonsten halte ich den Fokus immer auf der Figur.
Was meine Szenengestaltung angeht, arbeite ich nach dem Grundsatz

In late, out early.

Ich kann nicht verstehen, wenn man sagt, ich will keine Szenenwechsel mit Leerzeile setzen. Damit vergebt ihr euch ein großes Stilmittel. Der letzte Satz jeder Szene soll den Leser einmal mehr dazu bringen, weiterzulesen. Es ist immer (!) ein kleiner Cliffhanger. Würde ich all meine Leerzeilen durch Überleitungen ersetzen, dann würde der Spannungsbogen ganz schön darunter leiden.

@Minka schrieb:Ich finde, dass in einem Kapitel idealerweise keine Szenen- oder Zeitwechsel stattfinden sollen. Jedes Kapitel soll rund und in sich abgeschlossen sein (Einleitung, Höhepunkt, Schluss). Ein Zeitwechsel oder ein neuer Ort erfordert also ein neues Kapitel. Das finde ich auch aus dem Grund notwendig, weil ein neuer Ort in der Regel eine aufwendige Beschreibung erfordert, meist auch noch eine Darstellung der eventuell durch den Ortswechsel veranlassten veränderten Gemütslage des Prota. Das würde ich nicht gern in einem Nebensatz abhaken.

Das wäre mir als Leser zu anstrengend, wenn jede neue Szene in einem eigenen Kapitel steht. Es also keinen direkten Szenenwechsel gibt.

Einen Kapitelwechsel empfinde ich immer als größere Zeitspanne, die verstrichen ist, was den gefühlten Ablauf einer Geschichte reichlich lang werden lässt.
Wie lässt sich da das Tempo noch steuern?
Das ist mit kleinen kurzen Szenen kurz aufeinander oder gemischt mit langen Szenen nichts anderes, als wenn man auf die Satzlängen achtet.
Kurze Sätze, rasch aufeinanderfolgend erhöhen das Tempo, während längere Sätze es drosseln.
Genauso kann man auch mit Szenen arbeiten.

Ein Kapitelwechsel macht aber einen viel rigoroseren Schnitt als eine Leerzeile. Der Leser legt ein Buch am Ende des Kapitels eher mal zur Seite (weil er zur Arbeit muss, oder ins Bett, whatever), als wenn er quasi schon den Anfang der nächsten Szene sieht (Kapitel beginnen ja meist auf einer neuen Seite).

Deshalb würde ich bei Szenen- und Kapitelwechseln nie schauen, was gefällt mir besser, sondern immer, was will ich damit bezwecken.

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Re: Überleitungen

Beitrag  ESchen am Sa 13 Feb 2016 - 11:35

@Julestrel schrieb:Wenn man aus einer Szene zwei Szenen macht, d.h. die Überleitung inkl. allem drumherum wegfällt, kann man meist früher aus der ersten Szene aussteigen und später in die nächste einsteigen. Dadurch erreicht man eine Straffung des Tempos, da ein bisschen "Blabla" wegfällt.

Findest du, dass da was wegfällt? hm, ich muss mal darauf achten, ob das wirklich so ist. Ich habe eher den Eindruck, dass ich dadurch mehr Text brauche, weil ich wieder von neuem eintauchen muss. Quasi, wo sind wir, wer sind wir (POV). Mit der Überleitung machst du ein Satz und es geht direkt weiter, ohne dass man sich fragt, wo man ist und wer man ist. Natürlich jetzt darauf bezogen, wenn man in mehreren Perspektiven schreibt aber in dem Kapitel die Perspektive nicht wechselt. Das kann dann zu Verwirrungen führen.

Bezüglich dem Tempo bin ich mit dir einer Meinung. Das erhöht sich, sowie auch die Spannung. Manchmal muss man aber auch aufpassen, dass sich der Leser über dieses "Hinauszögern" der Spannung nicht ärgert. Gerade ich bin jeweils sehr ungeduldig und will wissen wie es endlich weiter geht und wenn ich da ständig vor Cliffhangern stehen gelassen werde, nervt mich das.


Die Leerzeile am Ende einer Szene gibt dem Leser die Gelegenheit, kurz innezuhalten und das eben gelesene nachklingen zu lassen.

Ja genau.


@KleineLady schrieb:Ich kann nicht verstehen, wenn man sagt, ich will keine Szenenwechsel mit Leerzeile setzen. Damit vergebt ihr euch ein großes Stilmittel. Der letzte Satz jeder Szene soll den Leser einmal mehr dazu bringen, weiterzulesen. Es ist immer (!) ein kleiner Cliffhanger. Würde ich all meine Leerzeilen durch Überleitungen ersetzen, dann würde der Spannungsbogen ganz schön darunter leiden.


Vielleicht nicht keine, aber zumindest da vermeiden, wo es nicht angebracht ist. Für einen blossen Ortswechsel oder uninteressante Handlung, finde ich es nicht angebracht. Das kann man mit einem eleganten Satz überleiten. Wie oben gesagt, würde ich aufpassen, ständig an der Spannung zu drehen und mit Cliffhangern zu arbeiten. Es kann auch ganz gut das Schliessen eines Handlungsbogens oder das Erlangen einer Erkenntnis sein, das den Leser mit einem Aha-Effekt aus der Szene entlässt. Da kann ich mir auch eine Leerzeile vorstellen. Der Leser denkt dann über das Geschehene nach und reflektiert. Hingegen bei einem Cliffhanger ist es doch oftmals der Versuch, den Leser zum Weiterlesen zu animieren (ganz böse gesagt, Effektheischerei, wenn man es zu oft anwendet). Doch nicht nur ein Cliffhanger tut dies.


Habt ihr mal geschaut, wie das in den anderen Büchern gehandhabt wurde, die in dem von euch gewählten Genre geschrieben sind?

Ich hab jetzt mal was rausgesucht (alle Leerzeilen stellen keine Perspektivwechsel dar):

Mit Leerzeile:


Robert Jordan - Das Rad der Zeit1 (High Fanty) schrieb:Schläfrig fragte er sich, ob Lan den falschen Drachen wirklich kannte. Von unten hörte er einen gedämpften Aufschrei. Der Schankraum begrüsste Thomas Ankunft, doch Rand war beretis eingeschlafen.

Der Flur zwischen den Steinwänden war düster und von Schatten erfüllt.

Ohne Leerzeile:

Robert Jordan - Das Rad der Zeit1 schrieb:Daheim in Emondsfelde betrachtete ihn niemand als besonders guten Tänzer, aber diese Lieder liessen seine Füsse zucken, und er glaubte, noch nie in seinem Leben so lang, so Kraftvoll uns so gut getanzt zu haben. Er war wie in Trance; sein Herz schlug im Rhythmus der Trommeln.
Es war am zweiten Abend, als Perrin erstmals auch Frauen zu einigen der langen Weisen tanzen sah. Die Feuer waren fast niedergebrannt, ....

Jordan macht generell sehr wenig Leerzeilen.

mit Leerzeile:

Markus Heitz - Das Schicksal der Zwerge schrieb:"Wenn das kein Ansporn ist, die Schwarzaugen lebend zu packen!", rief Rodario aus und schob sich das restliche Stück Gebäck ganz in den Mund. Für eine Entschuldigung bei Mallenia war es ohnehin zu spät.

Der volle Mond stand hoch über dem Geborgenen Land und damit auch über Seenstolz.

ohne Leerzeile:

Markus Heitz - Das Schicksal der Zwerge schrieb:
Ingrimmmsch lachte. "Du hast recht: Verspotte mich nur wegen meiner kindischen Gedanken." Er machte sein Gefährt ebenfalls bereit.
Gleich darauf wurden sie von den Ponys in schneller fahrt über den Schnee gezogen.

Heitz nutzt ab und zu Leerzeilen. 

mit Leerzeile:

Marion Zimmer Brandley - Glenraven - Fanty schrieb:Yemus wünschte sich, man hätte ihn auf der Stelle umgebracht; aber er sah die Gerechtigkeit ihrer Entscheidung. Er hatte sie alle - ihre Familien und ihre Freunde - zu einem baldigen und fürchterlichen Tod verdammt. Sie hatten das Recht zu entscheiden, auf welche Art und Weise er sterben sollte.

Während Yemus in seinem kleinen Zimmer auf der Spitze der Aptogurria sass und dem sanften Klick-Klack der Maurer zuhörte, dachte er immer wieder über die letzten Worte seines Bruders nach.

ohne Leerzeile:

Marion Zimmer Bradley - Glenraven schrieb:Sophie schwieg. Matthiall hatte ihnen noch nicht die Erlaubnis gegeben zu sprechen.
Hinter einer weiteren Biegung betraten sie eine gigantische Kuppel. Tausende kleiner Lichter schwebten unter....

mit Leerzeile:

Noah Gordon - Medicus schrieb:Ghiz war war entzückt, und so verbrachten sie einen Teil des Tages mit Magie und Jonglieren, und bevor Rob fertig war, hätte er Ghiz alles verkaufen können, was er wollte.

Zum Abendessen wurde eine Flasche eines starken, braunen Getränks aufgetragen, das sehr dick war und widerlich schmeckte.

ohne Leerzeile:

Noah Gordon - Medicus schrieb:
"Manchmal befindet sich darunter Lake oder Treibsand, und es ist viel zu gefährlich, bei acht zu reisen."
Weitere Fragen über dieses Erlebnis in der Dasht-i-Lut wollte Lonzano nicht beantworten, und Rob drängte ihn nicht, da er spürte, dass man das Thema lieber nicht vertiefen sollte.
Bei Einbruch der Dunkelheit sassen oder lagen sie auf dem salzigen Sand. Die Wüste, in der sie....

Mir scheint, dass Gordon im Verhältnis zu den obigen Werken eher viel Leerzeilen benutzt.

Stephen King - Mädchen schrieb:Und er (Anmerkung: der Bach) wurde breiter. 
"Wenn er wieder in einem Sumpf endet, bringe ich mich um, Tom."
Eine Stunde später bahnte Trisha sich müde ihren Weg durch ein Dickicht aus verkrüppelten Pappeln und Birken, hob ihre Hand, um mit dem Handballen eine besonders lästige Mücke zu zerquetschen, und liess sie dann einfach an der Stirn liegen: die Geste jedes Menschen in der Geschichte der Menschheit, der erschöpft ist und nicht weiss, was er tun und wohin er sich wenden soll.
Irgendwann war der Bach über seine niedrigen Ufer getreten und hatte eine weite freie Fläche überflutet, ....

Stephen King - Mädchen schrieb:Das Radio war ihre Rettungsleine, die Spiele waren ihr Rettungsring. Hätte sie sich nicht auf sie freuen können, hätte sie längst einfach aufgegeben, vermutete sie.
Das Mädchen, das in die Wälder gegengen war (fast zehn und gross für sein Alter) hatte vierundvierzig Kilo gewogen.

in diesem Buch gibt es keine Leerzeilen (ich habe zumindest keine finden können). Die Kapitel sind verhältnismässig kurz.

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Re: Überleitungen

Beitrag  Kelpie am Sa 13 Feb 2016 - 19:04

Wow, worüber ihr euch so Gedanken macht  Shocked Aber es ist ne tolle Diskussion und irgendwie stimme ich beiden Seiten zu (Leerzeile toll - Leerzeile doof). Ich denke, wie immer gilt das Maß oder die Absicht dahinter.

Wenn man Leerzeilen zu häufig und eben nicht als Cliffhänger (@Evra) oder als Stilmittel (@Julestrel) verwendet, dann werden sie schnell nervig. Wenn sie aber entweder Spannung erzeugen oder der Geschichte einen gewissen Pfiff geben, dann sind sie herrlich. In einigen Romanen wird gerade in spannenden und hochdramatischen Szenen darauf zurückgegriffen - einzelne Sätze und wörtliche Reden folgen aufeinander, Leerzeile, Beschreibung, Leerzeile usw.

Dann gibt es aber wieder Bücher, in denen für mich der Eindruck entsteht, dass die Leerzeile tatsächlich nur ein Mittel ist, um Mühen zu scheuen. Wie so häufig muss ich Trudi Canavan als Negativbeispiel anführen (witzig, dabei mag ich ihre Bücher eigentlich  Laughing ). Sie hat mehrere POVs innerhalb eines Kapitels (meist zwischen 2-3) und trennt deren Sichtweise durch eine Leerzeile ab. Da hat es zwar einen guten Grund, aber mir geht die Geschichte so viel zu schnell. Eine Szene reiht sich an die andere, eingeleitet durch ein paar Gedanken des jeweiligen POV, Höhepunkt ist ein Gespräch mit neuer Erkenntnis, dann ein paar abschließende Gedanken. Neuer POV.
Ich mag sowas gar nicht. Und bin da vollkommen auf Bautsens Seite, Leerzeilen zu vermeiden. Wenn man dann nicht einmal das Problem des wechselnden POVs hat, finde ich es nur gut, wenn es wirklich um große Zeitsprünge geht. Ansonsten ist mir lieber, der Text bleibt im Fluss, der Übergang zwischen zwei Szenen ausgebaut. Vielleicht bin ich da extrem, aber ich baue da ganz gerne eine Zwischenszene ein. Ein Gespräch auf dem Weg zum nächsten Ziel, ein paar Gedanken ...
Allerdings braucht es halt wieder ein bisschen Feingefühl, wann eine Leerzeile dann doch angebracht ist, um dem Ende der Szene eine gewisse Kante oder einen Tusch zu geben ...  scratch Also wie immer kein Schwarz oder Weiß.
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Re: Überleitungen

Beitrag  Evra am Sa 13 Feb 2016 - 19:13

@Kelpie
Nun hast du mich aber überrascht, lese ich zwar die Diskussion, habe mich aber noch gar nicht zu Wort gemeldet Shocked Laughing

Bisher sind meine Erfahrungen (also, beim selbst schreiben) noch etwas zu mau, um richtig einordnen zu können, wann Leerzeile für Szenenwechsel bzw. ob positiv oder negativ. Aber spontan würde ich schon sagen: Ein Cliffhanger am Ende der Szene (und Markierung durch Leerzeile - Verschnaufpause für den Leser) und wenn es nur ein kleiner ist, sollte sein - vor allem dann, wenn man mit verschiedenen Perspektivträgern arbeitet. Denn man will ja, dass Spannung aufkommt, dass der Leser weiterlesen will, weil sich Fragen aufgeworfen haben, die er beantwortet haben will.
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Re: Überleitungen

Beitrag  KleineLady am So 14 Feb 2016 - 7:09

@ESchen

@ESchen schrieb:Bezüglich dem Tempo bin ich mit dir einer Meinung. Das erhöht sich, sowie auch die Spannung. Manchmal muss man aber auch aufpassen, dass sich der Leser über dieses "Hinauszögern" der Spannung nicht ärgert. Gerade ich bin jeweils sehr ungeduldig und will wissen wie es endlich weiter geht und wenn ich da ständig vor Cliffhangern stehen gelassen werde, nervt mich das.

Es geht ja nicht darum an jedem Szenenende einen Cliffhanger zu setzen, der den Leser zwingt, weiterzulesen. Er soll einfach nur ein wenig die Spannung halten und sie nicht verpuffen lassen. Ganz egal, ob es das Ende einer Situation ist oder das Ende eines Gedankengangs. Der letzte Satz jeder Szene ist genauso wichtig, wie der letzte Satz des ganzen Buchs. Erst wenn es einen Nachhall gibt, hat man den Leser wirklich erreicht.

Wie gesagt, das heißt nicht, das Übergänge ganz gestrichen werden sollen, man sollte nur schauen, was gerade notwendig ist.
In meiner aktuellen Szene wechselt mein Prota dreimal die Örtlichkeit: Vom Messeraum der Kirche in die Sakristei, von dort aus zum Schlüsseldienst in der Innenstadt (was nicht weit ist) und wieder zurück zur Sakristei. Er ist alleine, also gibt es auch keinen Dialog, den ich einfügen kann. Die Ortswechsel mache ich hier mit Übergängen, weil die Szene sich nicht um die Örtlichkeiten dreht, sondern um den Schlüssel. Deshalb kann ich auch die Szene nicht jedes Mal unterbrechen, wenn er das Gebäude wechselt. Wenn die Sache mit dem Schlüssel erledigt ist, wird die Szene beendet mit dem Hinweis, wo Prota als nächstes hingeht. Und weil der Weg dann was länger ist und die Szene an dessen Ziel ein neues Thema hat, gibt es einen Szenenwechsel mit Leerzeile. Und weil der Leser das Gefühl der Strecke, der Zeit, die vergeht, haben soll, schiebe ich eine kurze Szene des Antagonisten dazwischen.

Das nur mal als Beispiel, wie ich es mache.
Bei den von dir zitierten, ESchen, hab ich ein wenig Probleme damit, zu beurteilen, inwiefern die Leerzeilen, bzw. die fehlenden Leerzeilen angebracht waren, weil ich die ganze Szene nicht kenne und somit auch nicht das jeweilige Thema. Bei deinem zweiten Beispiel würde ich spontan sagen, dass es da keinen Szenenwechsel gibt, sondern eine Rückblende. Die muss nicht mit Leerzeile abgetrennt werden, im Gegenteil, ich denke, es würde zu Verwirrung führen, in dem Kontext, wie du ihn zitiert hast.

@ESchen schrieb:Vielleicht nicht keine, aber zumindest da vermeiden, wo es nicht angebracht ist. Für einen blossen Ortswechsel oder uninteressante Handlung, finde ich es nicht angebracht. Das kann man mit einem eleganten Satz überleiten.

Eine uninteressante Handlung? Das mag überheblich klingen, aber in meinem Werk gibt es keine uninteressanten Handlungen. Sie tragen alle zum Plot bei oder um eine Figur zu zeigen. Die Frage ist immer, was ist der Kern der Handlung, was will ich damit zeigen? Was soll der Leser aus diesen Sätzen ziehen?

@ESchen schrieb:Wie oben gesagt, würde ich aufpassen, ständig an der Spannung zu drehen und mit Cliffhangern zu arbeiten. Es kann auch ganz gut das Schliessen eines Handlungsbogens oder das Erlangen einer Erkenntnis sein, das den Leser mit einem Aha-Effekt aus der Szene entlässt. Da kann ich mir auch eine Leerzeile vorstellen. Der Leser denkt dann über das Geschehene nach und reflektiert. Hingegen bei einem Cliffhanger ist es doch oftmals der Versuch, den Leser zum Weiterlesen zu animieren (ganz böse gesagt, Effektheischerei, wenn man es zu oft anwendet). Doch nicht nur ein Cliffhanger tut dies.

Mit deinem zweiten Satz stimme ich absolut überein. Aber beides sollte auch optisch deutlich gemacht werden, sowohl das Schließen des Handlungsbogens als auch das Erlangen der Erkenntnis. Beides sollte im Leser nachhallen und dafür ist eine Leerzeile unabdingbar. Ansonsten versumpft es nur im Gesamttext.
Und beides ist auch - sofern nicht sämtliche Fragen aufgeklärt wurden - ein kleiner (!) Cliffhanger. Der Leser fragt sich doch, was der Prota jetzt mit der Erkenntnis anfängt. Sollte er jedenfalls.

Deshalb kann von "ständig an der Spannung zu drehen und mit Cliffhangern zu arbeiten" keine Rede sein. Es geht ja nicht darum, den Leser wirklich am Rand der Klippe stehen zu lassen und zu sagen: Da hast du. Ich spreche von kleinen Cliffhangern. Es gibt da ja nicht nur Friss oder Stirb, man kann sie auch sanfter setzen. Dafür brauchts nur einen offenen Blick und ein wenig Fingerspitzengefühl.

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Re: Überleitungen

Beitrag  Kelpie am So 14 Feb 2016 - 14:11

Ääääh ... ups. Tschuldige, Evra, da habe ich dich mit irgendjemandem verwechselt, aber ich komm gerade nicht drauf, mit wem ^^'  Embarassed Aber natürlich wollte ich auch deine Meinung zu dem Thema hören und hab dich deswegen angesprochen  tongue Laughing
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Re: Überleitungen

Beitrag  Evra am So 14 Feb 2016 - 14:42

@Kelpie schrieb:Aber natürlich wollte ich auch deine Meinung zu dem Thema hören und hab dich deswegen angesprochen 


:lol:Woher du nur wusstest, dass man mich so aus der Reserve locken kannst? Wink Laughing

Kleine Lady schrieb:Mit deinem zweiten Satz stimme ich absolut überein. Aber beides sollte auch optisch deutlich gemacht werden, sowohl das Schließen des Handlungsbogens als auch das Erlangen der Erkenntnis. Beides sollte im Leser nachhallen und dafür ist eine Leerzeile unabdingbar. Ansonsten versumpft es nur im Gesamttext.
Und beides ist auch - sofern nicht sämtliche Fragen aufgeklärt wurden - ein kleiner (!) Cliffhanger.


Ja genau @KleineLady. Genau so hab ich das auch gemeint: Cliffhanger muss nicht unbedingt gleich heißen, dass das Leben des Protas auf der Kippe steht. Aber irgendwelche Erkenntnisse, die das Vorhergeschehene vielleicht in Zweifel zieht oder im Prota eine Erkenntnis wachsen lässt, das aber nicht gleich offen gelegt wird usw.

Und im Grunde ist es doch so, dass das Gesamtwerk darauf abzielt, den Leser "bei der Stange zu halten".
"Effekthascherei", um dein Wort aufzugreifen @ESchen, ist es mMn dann, wenn man es "übertreibt" (z.b. ständig steht das Leben des Protas auf dem Spiel, mit Steigerungen, die ins Unglaubwürdige gehen) - was aber im Umkehrschluss, sprich die Untertreibung nicht dazu führt, dass das das Werk besser macht. Denn Fragen müssen ja jederzeit im Leser etwas auslösen und ihn dazu animieren, weiterzulesen, um die Lösung zu erfahren. Vielleicht ist da "Cliffhanger" ein zu polarisierendes Wort , weil es eben dieses Bild "an der Klippe stehen" entstehen lässt.
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Re: Überleitungen

Beitrag  Kelpie am So 14 Feb 2016 - 15:11

Bei Effektheischerei denke ich eher an einen Cliffhanger, der sich als fades Gelaber herausstellt. Solche, wie sie gerne in Comicheften verwendet werden, bei denen es immer eine Fortsetzung gibt. Wenn z.B. das Klopfen an der Tür überdramatisiert wird und dann ist es nur der Nachbar.

Marc-Uwe Kling hat das mal ganz nett auf die Schippe genommen, indem er hochdramatisch beschrieben hat, wie der Ausgang in einem unterirdischen Einkaufszentrum verschwand und die Protas wohl eingeschlossen wurden. Im nächsten Kapitel beginnt er mit dem Satz: Wir haben dann doch noch einen Ausgang gefunden.
Sowas - wenn nicht aus Komikgründen - würde ich auf jeden Fall tunlichst vermeiden Wink
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