Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

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Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

Beitrag  Alys am Mo Jan 25, 2016 7:54 am

Ich bin in letzter Zeit immer mal wieder über die Frage gestolpert, warum es manchmal ein schlechtes Image hat, wenn jemand offen zugibt, "fürs Geld" zu schreiben, und deshalb würden mich Eure Meinungen dazu interessieren.

Denn, mal ehrlich: es hätte doch keiner von uns was dagegen, im nächsten Weihnachtsgeschäft unter den Top 3 in der Spiegel Liste zu stehen, oder? Einige von uns haben ganz konkrete Pläne und Vorstellungen, wie das klappen soll mit der Schriftsteller-Karriere. Die anderen sind nicht so arg auf's Veröffentlichen fixiert, würden aber sicher dennoch nicht NEIN schreien, wenn plötzlich ein Verlag freundlich lächelnd um das vollständige Manuskript bittet. Letztlich sehen wir alle eine Veröffentlichung als etwas ganz Tolles an, und würden uns riesig freuen, wenn damit auch noch ein paar Euro zur Türe reinflattern würden.

Speziell in dem 12-in-12-Thread (aber nicht nur dort, auch im RL), ist mir in letzter Zeit aber aufgefallen, dass der Satz "Ich will mit Schreiben Geld verdienen" gerne mal eine Welle der Empörung auslöst. Und wer nicht empört ist, der äußert Unverständnis.
Ich gebe zu, Jacky ist jetzt ein serh schlecht gewähltes Beispiel, weil sie es geschafft hat, ihren Wunsch nach monetärem Gewinn durch Schriftstellerei auf die unmöglichste Art zu kommunizieren - mißbilligende Reaktionen waren damit vorprogrammiert.

Es gibt das Phänomen ja auch in anderen künstlerischen Bereichen. Der "künstlerische" Maler blickt mißgünstig auf seinen Nachbarn, der "ja nur am Fließband Schund für die Touristen kritzelt" (aber viel mehr verdient). Der "künstlerische" Steinmetz und Bildhauer verachtet seinen Neffen, der auch Steinmetz ist, aber "nur Grabsteine macht" (und ein festes Einkommen hat).

Warum ist das so? Bzw. - warum wird so oft mit zweierlei Maß gemessen? Denn bisher hat z.B. noch niemand (hier) Sabrina schräg angeschaut, weil sie von ihrer Schreiberei leben kann. Und wenn ein anderes Forumsmitglied eine Veröffentlichung schafft, dann freuen wir alle uns ehrlich. Aber wenn jemand sagt "Ich schreibe das, was mir am meisten Geld bringt", dann hat das einen negativen Touch. Warum? Eure Meinungen würden mich sehr interessieren.

(Ich will übrigens mit dem Schreiben langfristig Geld verdienen. Sage ich als ganz ehrlicher Bewunderer von Iny Lorenz - die Bücher sind zwar schrecklich, aber vom erfolgreichen Schreiben versteht das Duo was!)

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Re: Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

Beitrag  Ankh am Mo Jan 25, 2016 8:39 am

Ich hab absolut nichts dagegen, wenn jemand mit dem Schreiben Geld verdient, und wenn er davon leben kann, umso besser. Was mir nur gegen den Strich geht, ist, wenn jemand dem "Geld verdienen" alle anderen Ziele unterordnet. Klar würde ich gerne auf den Bestsellerlisten sein, aber würde ich das auch noch, wenn ich mich über das Buch in Grund und Boden schämen müsste, weil ich persönlich es einfach schlecht geschrieben finde? Oder noch schlimmer, weil der Inhalt gegen meine persönliche Überzeugung geht, z.B. rassistische, homophobe oder sektenhafte Ideen glorifiziert? Sicher gibt es Leute, denen das egal ist, hauptsache die Kohle stimmt, aber eine gewisse Integrität besitzen doch die meisten von uns. Und wenn von anderen Autoren eine Grenze übertreten wird, die wir selbst eben nicht übertreten würden, Geld hin oder her, dann reagiert man schon gerne mal bissig.

Denn, und hier sind wir bei deinen Künstlervergleichen, Kunst hat auch immer eine tiefere Aussage. Sie ist vielleicht ein Kommentar über die Gesellschaft oder drückt die Philosophie des Künstlers aus. Wer sich selbst als Künstler versteht, dem ist diese Aussage immer wichtiger als das Geld, das er eventuell auch noch dafür bekommt. Das bedeutet nicht, dass er das Geld verachten muss, er muss aber vor sich verantworten können, dass sein Werk mit seinem Namen darunter in der Öffentlichkeit steht, ganz egal, wieviel Geld er dafür bekommen hat. Wenn er das Werk nicht auch für umsonst stolz und ohne schlechtes Gewissen präsentieren könnte, einfach weil er dazu steht, es aber für einen gewissen Preis trotz irgendwelcher Bedenken tut, dann "verkauft" er seine Integrität, und das finde ich kritikwürdig.


Nachtrag: Bei Jacky speziell ist es weniger das Inhaltliche ihrer Bücher (die hab ich ja noch gar nicht gelesen), sondern wie sie explizit für Geld andere Prinzipien über Bord wirft.

Da ist einmal die extrem lange Dauer diese zeitintensiven Projekts. Ich bin selbst grade in der Situation, dass ich aus Karrieregründen meine Zeit für meine Familie radikal kürzen musste. Aber ich habe das zunächst auf drei Monate angelegt, nicht für ein Jahr, und trotz der Tatsache, dass ich versuchte habe, die besten Alternativen an Betreuung für meine Kinder zu organisieren (die ich nie für ein Jahr so hätte einspannen können), merke ich, dass mein Familienleben schon darunter leidet.

Zum anderen brichts sie ihre eigenen Vorsätze. Zunächst will sie jeden an ihren Erfahrungen teilhaben lassen, dann jeden, der ihren Newsletter abonniert, dann nur noch jeden, der auch mindestens ihr nächstes Buch kauft ... Ich verlange von niemandem, dass er kostenlose Ratgeber schreibt und unters Volk verteilt. Aber wenn ich beobachte, dass sich die Ziele von jemanden so verschieben, wie sie das gerade bei Jacky tun, dann finde ich das bedenklich, denn wir können gerade dabei zugucken, wie sie ihre eigenen Ideale verrät und begräbt.

Zum Dritten bin ich eben nicht überzeugt, dass sie vorbehaltslos zu diesem Werk steht. Dass sie nicht lieber noch einen Monat dran gefeilt hätte, wenn es um nichts anderes ginge als es unter ihrem Namen in die Öffentlichkeit zu stellen. Ihr geht es mehr um das Projekt, den Werbeeffekt und das Geld, als um das Werk an sich.
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Re: Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

Beitrag  magico am Mo Jan 25, 2016 9:34 am

Irgendwie ist es wohl an mir vorbei gegangen, dass so etwas ein schlechtes Image hat. Suspect
Ich kann nichts Verwerfliches dabei finden, wenn man legal für seine Schreiberei bezahlt wird.

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Re: Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

Beitrag  Wolfgang Meilenstein am Mo Jan 25, 2016 10:56 am

@Alys schrieb: "fürs Geld" zu schreiben
und
@Alys schrieb: "Ich will mit Schreiben Geld verdienen"
sind für mich zwei ganz verschiedene Dinge. Letzteres ist völlig in Ordnung, und ich glaube auch nicht, dass das ein schlechtes Image hat.

Aber bei erstgenannten schwingt für mich ein Desinteresse an der Schreiberei an sich mit, nach dem Motto "Ich schreibe zwar, aber es macht mir keinen Spaß, trotzdem tue ich es, weil es Geld gibt."
Das ist eine Einstellung, gegen die man eigentlich auch wenig sagen kann - wie viele Leute erledigen einen Job, den sie nicht mögen, weil sie das Geld brauchen?
Trotzdem tritt das die kreativen, künstlerischen, begeisterten Schriftsteller irgendwie mit Füßen. Wenn einem die Schreiberei und das Geschriebene an sich so viel bedeutet, wirkt jemand, dessen einziges Interesse daran der Erlös ist, verletzend.
Das ist so eine ähnliche Nische wie "Tischtennis ist doch nur ein Brettspiel. Warum spielst du nicht richtiges Tennis?" oder "Frauenfußball ist doch kein richtiger Fußball." Wenn man das den Leuten sagt, deren größtes Hobby Tischtennis/Fußball (als Frau) ist, ist das ignorant und beleidigend.
Außerdem schwingt bei der Schreiberei noch der Sinn für Gerechtigkeit mit. Die Autoren mit Herzblut finden es ungerecht, dass jemand, der so lieblos arbeitet, das Geld erntet, das eigentlich ihnen zusteht - oder das sie, aufgrund ihres größeren Engagements, eigentlich verdient hätten.

Eigentlich ist fürs Geld schreiben nichts verkehrtes, und noch nichtmal besonders unethisch. Es geht schließlich nicht darum, wer wie viel Spaß am Schreiben hat, sondern um die Qualität des Endprodukts. Und wenn ein Berufsschreiber bessere Bücher produziert als der begeistertste Autor der Welt, hat der eben Pech gehabt - zumindest finanziell.
Ich finde es (aus den beschriebenen Gründen) trotzdem doof. Und das sind vermutlich auch die Gründe, warum Jacky so schlecht mit ihrem komischen Projekt ankommt. Da ist das Geldverdienen eben das Primärziel, und nicht das Schreiben an sich.

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Re: Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

Beitrag  ESchen am Mo Jan 25, 2016 11:03 am

Ich sehe es wie magico. Ich kann daran nichts Verwerfliches finden. Ich gebe ja selbst zu, dass ich gerne als Schriftstellerin arbeiten würde. Nur bin ich noch zu wenig gut dafür.

Die Sache ist eben die, dass sich Amateure von Profis unterscheiden. Das gibt es auch in anderen beruflichen Feldern, z.Bsp. in der Fotographie noch ausgeprägter als beim Schreiben. Jeder kann ein Foto machen und im Internet "veröffentlichen", aber versteht er sein Handwerk so gut, dass er das Foto verkaufen kann? Die Hobbyfotographen werden immer besser und beginnen, den beruflich arbeitenden Fotographen zu konkurrenzieren. Sie stellen die Fotos gratis zur Verfügung (unter dem Decknamen Kunst), oder zu einem geringen Preis, was 1. das generelle Preisniveau kaputt macht und 2. die Arbeit des "richtigen" Fotographen als weniger hochwertig darstellt. Der Kunde wird dadurch aktiv auf die Geiz ist geil-Schiene gelenkt.
Das ist genau so beim Schreiben. Durch die grosse Masse an günstigem "Schund" müssen sich die "richtigen" Autoren, die ihre Familien mit dem Job ernähren, abheben. Das ist manchmal jedoch schwierig, gerade für Jungautoren. Man erkennt kaum noch, wer wirklich Potenzial hat und wer nicht. 
Bei vielen entsteht dadurch vielleicht Frust, wenn sie sehen, dass jemand ein Buch veröffentlicht, das es in ihren Augen nicht verdient hat. Hinzu kommt Neid, der sich in falscher Bescheidenheit äussert, eben, "mir ist das Geld verdienen nicht wichtig, ich bin Kulturschaffender..." Blödsinn, meiner Ansicht nach, denn Künstler nagen bekanntlich oft am Hungertuch. Wie soll man mit so einer Einstellung eine Familie ernähren?
Geht ihr Morgens zur Arbeit und freut euch auf jede einzelne Tätigkeit, die ihr ausführt? Auch über die Ablage und Archivierung von Papieren? Über das Putzen von Werkzeugen, über das Abtöckeln von Zahlen, über das Ablecken von Briefmarken? Ne, das muss mir keiner erzählen. Und trotzdem arbeiten wir in unserem Beruf und zwar auf Profiniveau.
Genau so ist es auch beim Schreiben. Wer Geld verdienen will, muss fähig sein, das Handwerk derart zu beherrschen (Profi), dass er einen glaubwürdigen Text "produzieren" kann, ohne dass er sich emotional damit verknüpft. Das heisst, er kann auch ein ihm genrefremdes Buch schreiben.
Vielleicht empfinden das einige Amateure beinahe als prostitutionsähnlichen Zustand, als würde man sich für dieses Geld verkaufen. Schliesslich ist man der Überzeugung, nur das zu schreiben, was einem Spass bereitet (eben hobbymässig). Dabei ist es für den Profi nichts anderes als der Job, der auch mal unangenehme Seiten hat. Aber sobald dieser Profi etwas veröffentlicht, der ultimative Wunschtraum des Amateurs in diese Liga aufzusteigen, kommt der Neid ins Spiel. Wenn der Amateur merkt, dass er da nicht mitspielen kann, beginnt er sich sein Plätzchen gut zu reden (die liebe Kunst) und das des Profis schlecht zu denken. Und dieses Schlechtdenken wird zu einem Schlechtreden, das in den Amateurkreisen zirkuliert und eine entsprechende Atmosphäre aufbauscht. Eben diejenige, des schlechten Images, für Geld zu schreiben. 

Das ist mal meine wild zusammengereimte Mutmassung wie dieses sogenannte Image zu Stande kam. Aber ich stehe mit meinen Ansichten ja oftmals alleine, (äussere sie aber trotzdem tongue ).  drunken Laughing

Edit:


@Wolfgang Meilenstein schrieb:Aber bei erstgenannten schwingt für mich ein Desinteresse an der Schreiberei an sich mit, nach dem Motto "Ich schreibe zwar, aber es macht mir keinen Spaß, trotzdem tue ich es, weil es Geld gibt."
Das ist eine Einstellung, gegen die man eigentlich auch wenig sagen kann - wie viele Leute erledigen einen Job, den sie nicht mögen, weil sie das Geld brauchen?
Trotzdem tritt das die kreativen, künstlerischen, begeisterten Schriftsteller irgendwie mit Füßen. Wenn einem die Schreiberei und das Geschriebene an sich so viel bedeutet, wirkt jemand, dessen einziges Interesse daran der Erlös ist, verletzend.
Das ist so eine ähnliche Nische wie "Tischtennis ist doch nur ein Brettspiel. Warum spielst du nicht richtiges Tennis?" oder "Frauenfußball ist doch kein richtiger Fußball." Wenn man das den Leuten sagt, deren größtes Hobby Tischtennis/Fußball (als Frau) ist, ist das ignorant und beleidigend. 
Außerdem schwingt bei der Schreiberei noch der Sinn für Gerechtigkeit mit. Die Autoren mit Herzblut finden es ungerecht, dass jemand, der so lieblos arbeitet, das Geld erntet, das eigentlich ihnen zusteht - oder das sie, aufgrund ihres größeren Engagements, eigentlich verdient hätten. 

Wolfi, du hast dich hier jetzt einfach besser ausgedrückt, als ich oben, aber sowas in der Art wollte ich sagen  Laughing

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Re: Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

Beitrag  unkompliziert am Mo Jan 25, 2016 3:31 pm

Ich denke viele Hauptpunkte wurden dafür genannt:
zB Dass man das Gefühl hat, ein Autor, der seinen Text nicht mit Herzblut geschrieben hat, habe das Geld nicht verdient.

Allerdings ist das doch in allen Bereichen so: Welcher Sänger oder Schauspieler dürfte sich folgendermaßen äußern: "Der Song/Film ist oberflächicher Käse, aber schön dass ihn so viele gut finden!"
Es gehört zur Vermarktung zu behaupten, dass in jedem einzelnen Teil Herzblut steckt.

AUch den Gedanken mit der "Prostitution" finde ich sehr treffend. Die eigenen Gedanken -- aber *vor allem* die eigenen Fantasien und Emotionen dabei sind etwas sehr persönliches und wie kann man da für Geld und nicht für die Liebe zum Werk sein Innenleben manipulieren?

Vielleicht verletzt es auch die Leser, die sich ja einem Buch "Hingeben" und auch outen, wenn sie sagen: "Das fand ich wunderbar."
Und sie kommen sich vielleicht herabgewürdigt vor, wenn ein Autor sagt: "Ihr seid so einfach zu durchschauen: Ein bisschen hier von, ein bisschen davon und schon seid ihr in mein Buch verliebt."

Ein letzter Punkt von mir: Könnte sein, dass manche finden, dass man auch mit Büchern andere Menschen formt und beeinflusst. "Lebenswerfahrung durch lesen." - Dass Menschen manche Dinge anders sehen und verstehen können, wenn sie eine Geschichte gelesen haben.
Manche ärgert es vielleicht, dass ein Autor die Chance verschenkt einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, die Welt ein bisschen besser zu machen, in dem er die Menschen, die sich für ihn öffnen mit einem Massenprodukt abspeist.

Nicht zuletzt ist es auch ein wenig der "Deutschland sucht den Super Star" Effekt:
Großes Talent ist rar gesähnt. Wenn jemand sagt: "Ich werde der nächste Steven King." wird man genauso skeptisch lächeln, wie wenn jemand ein Hollywook Star Olympionike oder Sänger werden will.
Was ich persönlich cool finde: Wenn es um die Schriftstellerei geht, kostet es noch nicht so viel, zumindest ein Buch zu schreiben und es an einen Agenten zu schicken. Bestenfalls hat man seinen Freizeit zumindest auf angenehme Art und Weise verbracht.

Ich persönlich...
Wenn ich davon ausgehe, jemand verdient mit wenig (aber ehrlicher) Arbeit viel Geld, dann macht mich das sehnsuchtsvoll - denn klar: das ist prima!

Allerdings habe ich auch bei den Massenprodukten den Verdacht, dass das ähnlich viele "versteckte" Arbeitsstunden drinstecken, wie zB beim freiberuflichen Übersetzen. Ein Haufen Arbeit für geringe Bezahlung -- und dann ist es eventuell nichts das man besonders liebt?
Das verachte ich nicht, aber darum beneide ich auch niemanden.

Total verdutzt und ein bisschen neidisch bin ich, wenn ich sehe, mit welche Schrottprodukte man den Leuten anbieten kann und sie geben ihr Geld dafür her. Aber das denke ich mir nicht nur bei manchen Büchern, sondern auch  bei Musik, Essen, Fernsehen etc

Was Jacky gerade möchte: "Mit Fast-Food-Writing Geld verdienen" ist emotional schwer von dem zu trennen, was sie gemacht hat: "Die SWS auf Eis legen"
Ich finds amüsant und interessant was sie versucht. Aber ich bin zuwenig von ihrem Talent und der Ausgereiftheit ihres Plans überzeugt, als das ich da nur einen Cent reinstecken würde, um mehr zu erfahren. - Entweder sie schafft es, dass verkauft sie sicher auch irgendwann ihre Biographie, oder sie schafft es nicht, dann bin ich mir nicht sicher, ob daran irgendetwas - abgesehen von der Idee - interessant war.

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Re: Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

Beitrag  KleineLady am Mo Jan 25, 2016 6:34 pm

Ich finde es auch nicht unbedingt verwerflich, wenn jemand sagt, er schreibt, weil er damit Geld verdienen will. Das muss ja schon jeder noch für sich selbst wissen, warum er schreibt (und nein, ich schreibe nicht, weil ich damit Geld verdienen will, und auch nicht, um Kunst oder Kultur zu schaffen, sondern weil ich etwas zu sagen habe Wink  ).

Brandon Sanderson z. B., eines der Mitglieder von Writing Excuses, hat immer gesagt, er will nichts "Ordentliches" lernen, er will nur schreiben. Also hat er einen Nachtwächterjob angenommen für den Lebensunterhalt und geschrieben und geschrieben, bis er davon leben konnte. Und seine Bücher sind gut. Und ich freu mich für ihn, dass er das geschafft hat, und unterstütze seinen Lebensunterhalt auch gerne, indem ich seine Bücher kaufe oder leihe.

Was mir persönlich eher etwas säuerlich aufstößt, ist wenn jemand sagt, dass er mit dem Schreiben (oder was auch immer) reich werden will, aber nicht bereit ist, die nötige Arbeit reinzustecken. Wenn er mein Geld haben will, aber mir nicht den Respekt entgegen bringt, mir einen ordentlichen Gegenwert zu liefern.

Das gilt sowohl fürs Schreiben, als auch für Film und Fernsehen, für Musik, whatever. Bei sowas werd ich dann schon mal ein wenig biestig.  In der Regel unterstütze ich solche Menschen dann auch schon von Anfang an nicht. Es sei denn, ich hab wirklich das starke Gefühl, eben einen guten Gegenwert zu bekommen.

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Re: Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

Beitrag  summergirl am Mo Jan 25, 2016 7:07 pm

Ich würde gern mit dem Schreiben Geld verdienen.
Aber wie kleine Lady schon gesagt hat, kommt es mir ebenfalls sehr auf den Respekt an, den ich dem Leser gegenüber an den Tag legen möchte.
Es ist mir nicht egal, welche Qualität mein Werk hat, hauptsache, es wird gekauft.
Darin, denke ich, liegt der eigentliche Konflikt, der sich durch Jackys Projekt ergeben hat.
Wenn ich etwas aus der Hand gebe, will ich das Gefühl haben, ich hätte mein Bestes gegeben. Keine Husch-Pfusch-Aktion, um ans große Geld zu kommen.
Wertschätzung für mein Werk steht für mich im Vordergrund. Wenn sich dadurch der Lebensstandard verbessern lässt, warum nicht?
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Re: Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

Beitrag  Tachadenn am Mo Jan 25, 2016 8:04 pm

Ich finde kein Problem dabei, wenn man die Scheiberei zum Brotjob macht, ich gehe für meinen Job (ungleich Romanschreiberei) auch jeden Tag acht Stunden aus dem Haus. Man sollte dafür aber nicht über Leichen (SWS) gehen und dies noch groß herausposaunen  Cool  Das ist eine Einladung mit einem goßen bunt leuchtenden Briefkasten, auf dem in blinkenden Lettern steht: Bitte hier alle erdenkliche Kritik an meiner Person einwerfen Twisted Evil

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ps: *träum* wenn ich über meine Schreiberei genug verdienen würde, könnte ich in die Welt meiner Protagonistin ziehen.

pss: Wenn ich aber anschaue, was Andreas Eschbach macht, der dort hingezogen ist und jetzt einsam am Ende der Welt hockt (mit seiner Fau) und für jeden persönlichen Leserkontakt vier Tage reisen muss ... vieleicht doch kein Traum.
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Re: Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

Beitrag  Quixotiz am Mi Jan 27, 2016 4:45 am

Geld hat genrell einen schlechten Ruf Wink 

Und es geht ja nicht nur um das Geld. Ich glaube, sehr viel wichtiger ist die damit einhergehende Anerkennung.

Echte Kunst ist nicht käuflich. Wenn ich mir ein Buch kaufe, das mir wirklich gefällt, dann habe ich nicht das Gefühl, für den Inhalt der Buchstaben und Sätze bezahlt zu haben, sondern eher für das Papier und ein bisschen für das Brot des Autoren und für das der Verlagsleute und vielleicht für die Werbung und die dauerhafte Verfügbarkeit des Textes. Aber das, worum es eigentlich geht, kann man nicht mit Geld aufwiegen. Ideen und Gedanken unterliegen anderen Gesetzen. Vielleicht sogar gar keinen.

Und deshalb wirkt es falsch, wenn Menschen nur für den Ruhm und die Anerkennung schreiben, weil der Vorsatz impliziert, dass sie das Wesen der Sache gar nicht verstanden haben.
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Re: Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

Beitrag  Evra am Mo Feb 01, 2016 4:31 am

Ich unterschreibe Wolfgang Meilensteins Aussage total! thumbsup

Ich sehe nichts Verwerfliches daran, mit Schreiben Geld verdienen zu wollen, so wie man mit jedem anderen Job Geld verdient, um eben seinen Lebensunterhalt zu bestreiten oder die Kasse für andere Dinge mit aufzustocken.

Persönlich hätte ich nichts dagegen mit dem Schreiben Geld zu verdienen und hätte da keineswegs das Gefühl meine Seele zu verkaufen. Die letzten Jahre haben mich nur eins gelehrt: „Richtig Schreiben“ zu lernen (also das Gesamte – Plot, Rohfassung, Überarbeitung …) ist schwieriger, und zwar um einiges, als die Ausbildung zu meinem Brotberuf (was keine allgemeingültige Aussage sein soll, sondern sich nur auf mich bezieht! – Naja, mit einer Einschränkung, was womöglich einen großen Unterschied macht: Die Ausbildung habe ich in Vollzeit und ohne Kind und Haushalt ... gemacht, naja, und jünger war ich auch drunken Wink ). Und noch um eine Ecke schwieriger (nach heutigem Stand für mich sowieso unmöglich) wäre es für mich, etwas zu schreiben, um einen Markt zu bedienen, sprich aus wirtschaftlichen Gründen.

Als Konsument habe ich im Normalfall keinen Einblick, ob der Schriftsteller / Künstler nun mit Herzblut nur ausgewählte Produkte „liefert“ oder nicht. Im Grunde zählt da nur mein Gefühl. Bestes Beispiel der letzten Vergangenheit ist das Spiel „the last of us.“, in dem für mich eine toll erzählte Geschichte steckt. Ich habe keinerlei Ahnung, ob die Hersteller (seien es Programmierer, Story-Schreiber, Organisatoren, …) mit Herzblut bei der Sache waren oder das Geldverdienen nun wirklich Prio Eins hatte. Sie haben mir das „Gefühl“ gegeben, weil alles bis ins kleinste Detail für mich stimmig war. Das hat mich begeistert! Und dafür habe ich gerne gezahlt!

Hmmm ... wenn sich jemand outet wirklich nur des Geldes wegen zu Schreiben ... ja, kann sein: Er raubt mir damit die Illusion und das könnte mich derart "erden", dass dann auch sein "Produkt" einen fahlen Nachgeschmack erhält
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Re: Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

Beitrag  Kelpie am Mo Feb 01, 2016 6:19 am

Wie Wolfgang sagt, es sind zwei völlig unterschiedliche Dinge, ob man mit dem Schreiben Geld verdienen möchte oder für das Geld schreibt.
Und wie die anderen schon gesagt haben, kommt bei letzterem rüber, dass es ohne die Liebe zur Geschichte passiert.

Ich habe zwar das Gefühl, schon tausendmal diesen Philosophen angesprochen zu haben, aber weil er so gut passt, mache ich es nochmal:

Johann Gottlieb Fichte unterschied zwischen Kunstobjekt und Kunstprodukt. In einem Kunstobjekt liegt der Sinn in sich selbst. Eine Geschichte wurde also um der Geschichte willen oder wegen eines bestimmten inhaltlichen Themas geschrieben.
Beim Kunstprodukt liegt der Sinn außerhalb, es ist nur Mittel zum Zweck. In dem Fall wäre das das Geld. Man schreibt, um Geld zu verdienen. 

Das ist zwar irgendwie abstrakt und auch sehr vereinfachend, aber ich finde in den Grundzügen trifft es den Kern des Problems. Klar, nach der Definition wäre auch ein Roman verwerflich, den man schreibt, mit dem Ziel ihn zu verschenken. Oder ein Bild, das man malt, um es einer Krebsstiftung zu schenken. Aber solange es nur um Geld und das Geldverdienen geht, stimmte ich mit Fichte überein.
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Re: Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

Beitrag  Alex_B am Mo Feb 01, 2016 7:09 am

@Kelpie schrieb:Wie Wolfgang sagt, es sind zwei völlig unterschiedliche Dinge, ob man mit dem Schreiben Geld verdienen möchte oder für das Geld schreibt.
Und wie die anderen schon gesagt haben, kommt bei letzterem rüber, dass es ohne die Liebe zur Geschichte passiert.

Ich habe zwar das Gefühl, schon tausendmal diesen Philosophen angesprochen zu haben, aber weil er so gut passt, mache ich es nochmal:

Johann Gottlieb Fichte unterschied zwischen Kunstobjekt und Kunstprodukt. In einem Kunstobjekt liegt der Sinn in sich selbst. Eine Geschichte wurde also um der Geschichte willen oder wegen eines bestimmten inhaltlichen Themas geschrieben.
Beim Kunstprodukt liegt der Sinn außerhalb, es ist nur Mittel zum Zweck. In dem Fall wäre das das Geld. Man schreibt, um Geld zu verdienen. 

Das ist zwar irgendwie abstrakt und auch sehr vereinfachend, aber ich finde in den Grundzügen trifft es den Kern des Problems. Klar, nach der Definition wäre auch ein Roman verwerflich, den man schreibt, mit dem Ziel ihn zu verschenken. Oder ein Bild, das man malt, um es einer Krebsstiftung zu schenken. Aber solange es nur um Geld und das Geldverdienen geht, stimmte ich mit Fichte überein.

Um die allererste Antwort nochmal aufzugreifen: "wenn jemand dem "Geld verdienen" alle anderen Ziele unterordnet"
Das ist das einzige, was ich nicht mag.

Aber ob jemand mit dem Schreiben Geld verdient, oder wie du sagst für das Geld schreibt, ist beides legitim, wenn auch das Produkt etwas gänzlich anderes ist.

Ob ich jetzt im Auftrag Blogartikel schreibe, oder für ein Genre, wo das ankommt, 08/15-Roman-Massenware verfasse und erfolgreich verkaufe – was soll's, warum nicht? Literarische wertvoll würde ich das dann nicht nennen. Aber es ist eine Art, sein Geld zu verdienen. 

Ich würde sogar einen Schritt weiter gehen. In der Geschichte der Malerei, der Musik, der Literatur und auch der Fotografie ist viel Kunst nur deshalb möglich gewesen, weil die jeweiligen Kunstschaffenden neben ihrer Selbstverwirklichung für Brot und Butter eben auch verkäufliche Massenprodukte geliefert haben. Manch einer hat sich dafür vielleicht geschämt, aber die meisten werden erkannt haben, dass sie nur so die Möglichkeit hatten, großes zu schaffen, ohne zu verhungern.

Der Konditormeister wird ja auch nicht ausgebuht, nur weil er neben den fein nuancierten Geschmacksrichtungen in seinen künstlerischen Meistertorten, von denen er drei im Monat verkauft, auch die täglichen 100 Schulkinder mit überzuckertem Puddingteilchen bedient. Er lebt vermutlich von letzterem. Das macht ihm das andere erst möglich.

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Re: Warum hat "Für Geld schreiben" so ein schlechtes Image?

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