Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

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Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

Beitrag  DrJones am Fr 8 Jan 2016 - 16:41

Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

heißt das Thema. 

Was baut Spannung auf? Was tötet Spannung?

Bitte lasst Eure Gedanken hierzu frei fließen und bringt evtl. auch ein Text-Beispiel, wo Spannung aufgebaut wurde ODER ABER wo Spannung gekillt wurde.



Vielen Dank und Viel Spaß! bounce



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#Spannung
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Re: Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

Beitrag  Julestrel am Fr 8 Jan 2016 - 18:35

Der ultimative und allseits beliebte Spannungskiller Nr. 1 ist meiner Meinung nach der seitenlange Rückblick an einer spannenden Stelle: Prota hängt an einer Klippe, ist kurz vor dem Absturz und kapituliert sein Leben ausführlich Evil or Very Mad
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Re: Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

Beitrag  ESchen am Fr 8 Jan 2016 - 19:37

So ein richtiger Spannungstrigger ist für mich beispielsweise, wenn sich ein Konflikt anbahnt, sich verschärft und kurz vor dem eskalieren ist. Ich will dann unbedingt erfahren, wie es weiter geht und verfalle dann in Schnelllesemodus. Dann ist die Figur in einer ausweglosen Situation und ich will sehen, wie sie sich darin verhält. Ihre Gedanken und Gefühle. Oft kommt da noch was Verborgenes raus.

Spannend finde ich es aber auch, wenn es der Autor schafft, mich auf die Gefühlsebene der Figur zu ziehen. D.h. wenn ich mit der Figur mitfühle, als würde ich selbst verletzt, hintergangen, geliebt, beeindruckt, bespasst, etc. Wenn ich auf der Ebene bin, stecke ich in der Figur drin, und empfinde sogar Geplänkel als hochspannend. Das wäre dann dasjenige Geplänkel, das sich schon wieder auf Gefühlsebene befindet. Äusserliche Anfeindung, innerlich es aber besser wissend, sogar Zuneigung fühlend, was verdrängend oder versteckend, flirtend, zurechtweisend, Macht ausspielend. Sowas. Ich vermute, das sind Dinge, die einen psychologischen Effekt haben oder eine gewisse charakterisierende Eigenschaft. (Als Beispiel könnte ich hierzu @Ankhs Werk nehmen Wink tongue )
Ach ja und ich liebe Mystifizierungen (nicht aber unbedingt permanente Verschleierungen...)

---

Was ich als Killer empfinde, ist alles, was das obige endlos hinauszögert. Ich bin sehr ungeduldig und mag es nicht leiden, wenn dann der spannende Teil durch seitenweise Rückblicke, umschwenken auf eine andere uninteressante Perspektive, nicht mehr eingehen auf die Gefühlsebene, oder sogar das Verlieren des Handlungsfadens, unterbrochen wird. Auch endlose Beschreibungen, philosophisches Gesülze, das ich mir lieber bei einem Glas Wein mit Freunden antue als in einem Buch, empfinde ich als Ablöscher.
Wenn es keine wirkliche Handlung gibt, d.h. ich nicht erkennen kann, worum es eigentlich geht, wird mir schnell mal langweilig. Auch wenn ich die Figuren als nichtssagende Pappaufsteller (danke Floskel) empfinde, verliere ich schnell mal das Interesse. Ich muss mitfiebern können, ich will die Dinge auf die Spitze getrieben sehen.
Ich mag auch Wiederholungen nicht. Gerade bei mehrbändigen Büchern, wenn dann die ersten 100 Seiten nochmal das letzte Buch rekapituliert wird, empfinde ich das als nervig. Oder endlose Beschreibungen, die geradezu an Ausschlachtungen grenzen. Seien das Landschaften, Räume, Dinge, die Beschrieben werden, etc.

Ausserdem nerve ich mich auch über extrem dumme Figuren. d.h. beispielsweise über Frauen, die immer wieder auf dasselbe reinfallen und die gleichen klassischen Fehler machen, wie alle. d.h. sie findet den Typen, verliebt sich, es gibt Streit, sie verlässt ihn, sie gerät in Schwierigkeiten, er rettet sie, alles ist in Butter. Boah, das ist sowas von abgenutzt.


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Re: Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

Beitrag  Ankh am Fr 8 Jan 2016 - 21:36

@ESchen schrieb: Eigenschaft. (Als Beispiel könnte ich hierzu @Ankhs Werk nehmen Wink tongue )

Ja, mach mal. Ich finde es spannend, welche Stelle du da auswählen würdest. Wink

Was ich als Killer empfinde, ist alles, was das obige endlos hinauszögert.

Und hierfür auch, wobei das wahrscheinlich auf 5 Kapitel ohne Bezug zum Hauptplot hinausläuft (die ich kürzen werde, versprochen! Embarassed ). Aber falls du eine kürzere Stelle findest, die erst Spannung aufbaut und aus irgendeinem Grund wieder verpuffen lässt, darfst du sie gerne posten, dass sie hier diskutiert werden kann.


Ansonsten stimme ich dir zu. Allerdings denke ich, dass bei Pappfiguren o.ä. erst gar keine richtige Spannung aufkommt, die man dann wieder killen kann.
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Re: Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

Beitrag  Kelpie am Mi 13 Jan 2016 - 17:51

Der ultimative und allseits beliebte Spannungskiller Nr. 1 ist meiner Meinung nach der seitenlange Rückblick an einer spannenden Stelle: Prota hängt an einer Klippe, ist kurz vor dem Absturz und kapituliert sein Leben ausführlich 

@JulestrelLaughing Das kann ich unterschreiben. Wobei mir das früher so gar nicht so häufig aufgefallen ist. Aber seit ich gelesen und gehört habe, dass man das nicht tun soll, finde ich es immer wieder in Büchern und frage mich, was die zur Hölle für einen Lektor hatten.

@ESchen schrieb: Ich bin sehr ungeduldig und mag es nicht leiden, wenn dann der spannende Teil durch seitenweise Rückblicke, umschwenken auf eine andere uninteressantePerspektive,

Ui, ESchen, das stimmt. Ich kann es generell nicht leiden, wenn mitten in einer spannenden Szene Perspektive gewechselt wird. Manchmal wird das scheinbar verwendet, um die Spannung zu erhöhen, aber für mich ist das schlimmer als eine Rückblende. Das Tolle bei der Spannung ist ja eigentlich, dass man mit allen Nerven beim Prota hängt, mit ihm leidet, sich Fragen stellt, die Perspektive eingeschränkt ist. Durch einen Perspektivwechsel wird alles zunichte gemacht: Man muss sich erst wieder auf den neuen Prota einstimmen, die Fragen, die der sich stellt, sind ganz andere, man bekommt einen zweiten (eigentlich immer klärenden) Blick auf das Problem. Damit sind einfach unwillkürlich viel zu viele neue Informationen (also Verstandebene) verbunden, während Spannung in meinen Augen v.a. durch die Gefühlsebene geweckt wird.
Und apropos Rückblende oben: Häufig ist ein Perspektivwechsel ja auch mit einer - kleinen - Rückblende verbunden. Weil man oft erklären muss, wie B überhaupt da angekommen ist, wo A nun gerade im Sterben liegt usw.




Generell besteht halt ein Unterschied zwischen einer spannenden Szene und der Spannung in einem Roman allgemein. Ersteres kann ja durch Vieles erzeugt werden. Typisch sind z.B. die Anzeichen von Gefahr, die aber nicht gesehen wird. Nervöse Tiere, verdächtige Geräusche, das klassische eben.
Die Spannung in einem Roman wird in meinen Augen vor allem durch zwischenmenschliche Spannung (im wahrsten Sinne des Wortes) erzeugt. Personen, die miteinander in Konflikt stehen oder zwischen denen es funkt. Ich bevorzuge personenbezogene Streits, nicht Parteien.

Was ein richtiger Spannungskiller ist, sind massenweise Informationen. Die müssen nicht unbedingt in der betroffenen Szene stehen, es reicht schon, wenn sie vorher so geballt vorkommen, dass man als Leser keine Ahnung hat, wo man steht. Wenn man als Leser nämlich erst darüber nachdenken muss, wer XY nochmal war und warum er Z nun mit einem Messer bedroht, dann kommt vermutlich keine Spannung mehr auf ...


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Re: Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

Beitrag  Ankh am Mi 13 Jan 2016 - 18:36

@Kelpie schrieb:Ich kann es generell nicht leiden, wenn mitten in einer spannenden Szene Perspektive gewechselt wird. Manchmal wird das scheinbar verwendet, um die Spannung zu erhöhen, aber für mich ist das schlimmer als eine Rückblende. Das Tolle bei der Spannung ist ja eigentlich, dass man mit allen Nerven beim Prota hängt, mit ihm leidet, sich Fragen stellt, die Perspektive eingeschränkt ist. Durch einen Perspektivwechsel wird alles zunichte gemacht: Man muss sich erst wieder auf den neuen Prota einstimmen, die Fragen, die der sich stellt, sind ganz andere, man bekommt einen zweiten (eigentlich immer klärenden) Blick auf das Problem. Damit sind einfach unwillkürlich viel zu viele neue Informationen (also Verstandebene) verbunden, während Spannung in meinen Augen v.a. durch die Gefühlsebene geweckt wird.

Interessant. Eigentlich ist das ja eines der Dinge, die man immer eingebläut bekommt: Produziere Cliffhanger, damit der Leser weiterliest.

Viuelleicht kommt es in Wirklichkeit darauf an, wie man nach dem Cliffhanger weitermacht. Wenn da dann nur seitenlang uninteressantes Blahblah kommt, dann verliert man den Fisch wieder von der Angel. Ich denke, die andere Perspektive sollte schon etwas mit dem Strang des Cliffhangers zu tun haben, wie ein Freund, der zur Hilfe eilt, damit die Spannung erhalten bleibt.
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Re: Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

Beitrag  Kelpie am Mi 13 Jan 2016 - 19:34

Ich denke, die andere Perspektive sollte schon etwas mit dem Strang des Cliffhangers zu tun haben, wie ein Freund, der zur Hilfe eilt, damit die Spannung erhalten bleibt.

Ich persönlich finde sowas immer sehr spannungsmindernd. Eben weil dann erst erklärt werden muss (oder wird), woher dieser Freund kam. Ich finde es viel spannender, wenn man in der Perspektive des Bedrohten bleibt - immerhin ist er derjenige, der in akuter Gefahr schwebt.
Ausnahmen sind natürlich Fälle, in denen der Bedrohte ohnmächtig wird (oder stirbt  Laughing).
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Re: Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

Beitrag  ESchen am Sa 16 Jan 2016 - 10:54

@Kelpie schrieb:Das Tolle bei der Spannung ist ja eigentlich, dass man mit allen Nerven beim Prota hängt, mit ihm leidet, sich Fragen stellt, die Perspektive eingeschränkt ist. Durch einen Perspektivwechsel wird alles zunichte gemacht: Man muss sich erst wieder auf den neuen Prota einstimmen, die Fragen, die der sich stellt, sind ganz andere, man bekommt einen zweiten (eigentlich immer klärenden) Blick auf das Problem. Damit sind einfach unwillkürlich viel zu viele neue Informationen (also Verstandebene) verbunden, während Spannung in meinen Augen v.a. durch die Gefühlsebene geweckt wird.

Das was du da ansprichst, quasi, das erleben der Szene aus der Sicht einer weiteren Figur, finde ich je nach dem aber sehr spannend. Gerade wenn die Figur ganz anders denkt, als ich es anhand Prota A's Gedanken aufgenommen habe. Evt. bahnt sich ein Konflikt an, weil sie beide unterschiedlich reagieren. Oder sie fühlen sich zu einander hingezogen, sind aber zu blöde es gegenseitig zu merken und machen es sich kaputt. Das steigert, meiner Ansicht nach, die Spannung, weil ich als Leser sehe, dass hier weitere Stolpersteine im Weg stehen und die sich nicht so einfach kriegen oder dass sich ein weiteres Problem anbahnt, weil die Figuren die Situation unterschiedlich einschätzen. Oder sie hegen sogar Misstrauen gegeneinander, aber in der direkten Rede setzen sie ein falsches Gesicht auf. Dann hätte man einen Wolf im Schafspelz und der Leser fiebert mit Prota A mit, dass er sich von B ja nicht reinlegen lässt, weil er ja weiss, dass B Böses im Schilde führt. Das kann ich nicht aufzeigen aus A's Sicht, wenn die Figur es noch nicht merkt, bzw. nicht dämlich rüber kommen soll.
Und das Einstimmen ist, meiner Ansicht nach, schon eher am Anfang des Romans der Fall, aber wenn ich später die Figur etabliert habe, dann sollte es doch kein Problem mehr darstellen, finde ich. 
Wichtig bei solchen Perspektivwechseln ist halt, dass sie im richtigen Moment geschehen und somit die Spannung erhöhen, als sie zu zerstören. Ein wenig Cliffhanger ist schon gut, aber wenn man es übertreibt, ist ein ungeduldiger Leser vielleicht verärgert. Ich mag es manchmal ganz gern, in dieser Hinsicht "geärgert" zu werden, wobei ich es nicht mag, wenn es ewig in die Länge getrieben wird. Einmal und dann ist gut.


Generell besteht halt ein Unterschied zwischen einer spannenden Szene und der Spannung in einem Roman allgemein. Ersteres kann ja durch Vieles erzeugt werden. Typisch sind z.B. die Anzeichen von Gefahr, die aber nicht gesehen wird. Nervöse Tiere, verdächtige Geräusche, das klassische eben.
Die Spannung in einem Roman wird in meinen Augen vor allem durch zwischenmenschliche Spannung (im wahrsten Sinne des Wortes) erzeugt. Personen, die miteinander in Konflikt stehen oder zwischen denen es funkt. Ich bevorzuge personenbezogene Streits, nicht Parteien.

Yepp, gut differenziert erklärt. Finde ich auch. Wobei ich nicht nur personenbezogene Konflikte gerne habe, sondern schon auch mal politische oder weltumspannende  Wink Aber das ist dann wohl der Endzeitler in mir, der immer ein böses Demoklesschwert über dem Ganzen braucht, damit die Welt untergehen kann Laughing


@Ankh schrieb:
Eigenschaft. (Als Beispiel könnte ich hierzu @Ankhs Werk nehmen   )


Ja, mach mal. Ich finde es spannend, welche Stelle du da auswählen würdest.  

@Ankh Da dieser Bereich auch öffentlich einsehbar ist und es mir ohnehin nicht zusteht, bzw. ich mich aus Respekt nicht getraue aus jemandes Werk zu zitieren, beschränke ich mich auf die Erklärung der Szene, wenn es dir recht ist  Wink

Ankhs Prota A ist ein total cooler Typ, ein wenig heruntergekommen, rüpelhaft, jagt ständig irgendwelchen Rock- und Hosenzipfeln hinterher, gutaussehend und gegen aussen mit viel Selbstvertrauen gesegnet. Seine Passion ist das Riggen (das wäre ein Shadowrun Begriff, was auch schon hier ein Thema war/ist), d.h. das Führen/Lenken von Fahrzeugen jeglicher Art, indem er sich mit seiner Cyberware im Kopf in das Fahrzeug einloggt. Selbstverständlich hat der Prota sehr gute Cyberware und es eigentlich nicht mehr nötig, was zu lernen, denkt er. Bis er Fahrzeuge sieht, die er noch nie gelenkt hat. Riesige Brummerteile quasi, und da beginnt es ihn in den Fingern zu jucken und ich merke, es ist wirklich seine Passion, sowas zu fahren.

Jedenfalls kommt der erste Tag der Ausbildung und die Ausbilderin, recht hübsch aber herrisch, teilt die anderen Teilnehmer auf die Fahrzeuge ein. Nicht so Prota A. Sie nimmt ihn zu sich und die beiden verbringen ein Schäfterstündchen. Prota A ist begeistert, was will er mehr! Bis ihm die Ausbilderin eröffnet, bzw. recht klar droht, dass er ihr zu jeglicher Zeit zur Verfügung zu stehen hat, ansonsten lässt sie ihn nicht an die Fahrzeuge ran. Bumm, Kapitel fertig.

Die Spannung hier ist für mich extrem hoch. Ich frage mich, was geht im Kopf des Protas vor. Was empfindet er? Wie will er diese Situation lösen? Das Riggen ist doch sein ein und alles! Es muss eine sehr schlimme Situation für ihn sein, gerade weil er auch, wegen seines Egos, mit den anderen Riggern im Konkurrenzkampf steht. Da ich ihn ja schon ein wenig kenne, weiss ich, dass er nur gegen aussen den starken Kerl gibt, weil er sich auf diese Art schützen will. In Wahrheit ist er eigentlich sensibel.

Das Buch ist so aufgebaut, dass mit jedem Kapitel ein anderer Prota zum Zuge kommt. Ich lese gierig weiter und hoffe, dass Prota A was von dem Vorfall an Prota B weitergibt, da sie ja Freunde sind und in dessen Perspektive dieses nächste Kapitel geschrieben ist. Aber es kommt rein gar nichts zur Sprache. auch nicht in den weiteren Kapiteln und nicht einmal im nächsten Kapitel aus Prota A's Sicht. Eigentlich hätte ich als Leser ein Hinweis erwartet, dass der Konflikt Prota A noch immer beschäftigt, aber da war kein Hinweis.

Die Spannung sackt ab und ich fühle mich als Leser ein wenig veräppelt. Ich nehme der Figur nicht ab, dass sie einen solchen Konflikt einfach abtut, zumal der Prota in seiner Vorgeschichte schon einmal zur Prostitution gezwungen wurde und da doch sicher ein unterschwelliges Trauma vorhanden sein muss. Ich bin enttäuscht, dass dieser Konflikt nicht sofort weitergezogen wird. 

Erst viele Kapitel später, vermutlich um die 10, wird mal noch auf den Konflikt eingegangen, wo eine Schulungsstunde ausfällt und sich Prota A denkt, dass er ohnehin nicht hingegangen wäre, weil ihn die Ausbilderin nicht riggen lässt. Damit war das Thema gegessen. Keine weitere Gefühlsregung, kein Hinweis, wie er das Problem bewältigt hat, oder ob es ihn noch weiter beschäftigt. So wirkt es, dass es ihn nicht allzu sehr stört, sondern eher lästig ist. Aber was macht man mit Lästigkeiten, man nimmt sie nicht ernst. Jedenfalls war ich als Leser sehr enttäuscht über den Ausgang dieses Konflikts. 
Ich muss jetzt aber sagen, ich bin ja noch nicht fertig mit dem Buch und weiss nicht, ob diesbezüglich noch was kommt. Aber egal ob da noch was kommt, ich bin bereits jetzt enttäuscht über diesen Konflikt und kann mich nur noch schlecht wieder auf diese Spannungsebene versetzen, auf der ich am Anfang war.

Ankh, ich hoffe, es ist für dich noch immer OK, wenn wir das Thema als Beispiel nehmen. Ich möchte dich damit ja nicht schneiden oder negativ werten. Nochmal zur Betonung, ich bin ein Fan von Ankhs Werk und dies sogar ohne Shadowrun Vorkenntnisse.  Wink

Nun, wie könnte man hier die Spannung hoch halten?
Indem der Konflikt weiter gezogen wird. Auch wenn Prota A's Perspektive nicht dran ist, so kann trotzdem in anderen Perspektiven ein indirekter Bezug genommen werden, indem die anderen Figuren anmerken, sei es in Gedanken oder in direkter Rede, dass mit Prota A wohl was nicht stimmen mag. Oder anders, dass diejenigen Figuren, die mit ihm auf Kriegsfuss stehen, ihn sogar verhöhnen, weil er im Moment nicht auf der Höhe ist, um ihren Sprüchen etwas entgegen zu setzen. Einfach ein kleines Anzeichen, dass Prota A über die Sache grübelt. Das muss auch nicht Absatzweise das Thema Nr. 1 sein. Sondern nur hier ein Halbsätzchen, da ein Halbsätzchen und gut ist. Somit wird der Konflikt am laufen gehalten und somit auch die Spannung für mich als Leser, bis ich wieder zur Perspektive von Prota A komme.
Vermutlich gibt es für dieses Vorgehen auch eine Technik, oder eine Bezeichnung, aber ich weiss nicht, wie man dem sagt. Jedenfalls habe ich das schon oft in Büchern gesehen, dass solche Konflikte unterschwellig auf diese Art weiter getragen und am Leben erhalten werden, bis zu dem Zeitpunkt, der für die Explosion geeignet ist.
Hier müsste man natürlich aufpassen, damit man es nicht endlos in die Länge treibt, weil das kann dann auch auf die andere Seite kippen.  Wink Man muss genau das richtige Mass finden. und wenn ein Autor dieses Mass findet, boah, dann liege ich dem Buch zu Füssen und fresse es auf. Laughing

Was sagt ihr dazu?

Liebe Grüsse
ESchen

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Re: Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

Beitrag  Ankh am Sa 16 Jan 2016 - 13:29

@ESchen: Also erstmal bin ich eigentlich überrascht, dass du diesen Konflikt als derart spannend empfindest, denn das war so gar nicht geplant. Embarassed Es ist für den Prota eigentlich nur ein leider bestens bekannter "sexuelle Gefallen für irgendeine Gegenleistung"-Deal, die er einfach satt hat, und dem er sich einfach zu entziehen versucht. Er käme allerdings nie auf die Idee, irgendwem davon zu erzählen. Es ist schon nicht sein Ding, Gefühle zu zeigen, aber auch noch zuzugeben, dass er Probleme hat, damit würde er nur Schwäche zeigen, das kommt überhaupt nicht in die Tüte. Dementsprechend ist er in den folgenden Szenen grummelig, aber der Konflikt taucht nicht im Bewusstsein der anderen auf.

Bei seiner nächsten Szene werde ich allerdings nochmal stärker drauf eingehen, da hast du recht flower Zumindest ein paar Gedanken, wie er Schadensbegrenzung betreiben kann und seinen Ruf bei den anderen Riggern retten kommen da definitiv noch rein.

Bei den folgenden Szenen - sagen wir mal, der Prota hat ein Talent, Scheiße anzuziehen. Das Problem bleibt nicht sein einziges, sondern wird Teil eines ganzen Haufens, der irgendwann über ihm zusammenbricht - gerade weil er es nicht fertigbringt, die anderen ins Vertrauen zu ziehen und um Hilfe zu bitten. Dass ihm tatsächlich jemand helfen will und seine Schwächen nicht auch noch ausnutzt, das ist ein langwieriger Erkenntnisprozess und Teil seiner Charakterentwicklung.


Ich bin dir aber dankbar, dass du diesen Konflikt mit anderen Augen liest. Ich denke, dass ich da durchaus noch mehr rausholen kann, seit ich weiß, dass dieses Problem jemandem so nahegeht.  An die Arbeit
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Re: Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

Beitrag  Kelpie am Sa 16 Jan 2016 - 14:00

Wobei ich nicht nur personenbezogene Konflikte gerne habe, sondern schon auch mal politische oder weltumspannende   Aber das ist dann wohl der Endzeitler in mir, der immer ein böses Demoklesschwert über dem Ganzen braucht, damit die Welt untergehen kann 

Na klar braucht es auch Probleme des jüngsten Gerichts und der Apokalypse  Laughing Aber hm ... wie soll ich sagen? Ich glaube, ein Konflikt, der von einer bestimmten Person ausgeht, ist spannender, als ein Konflikt als eine Art überstehende Instanz. Schaut man sich allein den Konflikt an, finde ich z.B. den von Herr der Ringe entsetzlich schnöde. Ein ultimativer Bösewicht will die Weltherrschaft (Sauron als Person zu behandeln finde ich ziemlich schwierig, da er eigentlich all die Zeit mehr wie ein Gott fungiert). Bei Game of Thrones ist das Potential irgendwie größer, weil all diese Individuen mit den unterschiedlichen Zielen, mit denen sie sich früher oder später gegenseitig im Weg stehen werden, viel mehr Reibung versprechen ... ^^
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Re: Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

Beitrag  ESchen am Sa 16 Jan 2016 - 14:16

sondern wird Teil eines ganzen Haufens, der irgendwann über ihm zusammenbricht - gerade weil er es nicht fertigbringt, die anderen ins Vertrauen zu ziehen und um Hilfe zu bitten. Dass ihm tatsächlich jemand helfen will und seine Schwächen nicht auch noch ausnutzt, das ist ein langwieriger Erkenntnisprozess und Teil seiner Charakterentwicklung.

Genau, und das wäre dann die Explosion, von der ich oben gesprochen habe. Zeig mir, dass all diese Pannen, die der Prota anzieht, nicht spurlos an ihm vorbei gehen. (Er wiegelt die anderen Figuren ab, wenn sie nachfragen (und lass sie nachfragen, das zeigt ja, dass sie helfen wollen, er es aber nicht zulässt). Zeig anhand entsprechender Formulierungen, dass er seinen Schalk teilweise nur aufsetzt, obwohl es ihm mies geht, etc.) 
Ergo -> Konflikt weiterziehen, bzw am Leben erhalten, damit ich als Leser weiss, du hast den Faden nicht verloren. Dann kannst du es irgendwann eskalieren lassen. Und das wäre dann ein durchgehender Spannungsverlauf, der kontinuierlich gesteigert wird, bis er auf dem höchsten Punkt eskaliert.

Natürlich muss man auch hier schauen, dass man es nicht ins Lächerliche übertreibt (Konfliktüberladung), oder ins Melodramatische rutscht  Wink

Ich habe aber noch ein weiteres Beispiel für Spannung. Ich habe ja erst grad Oscar Wildes - Dorian Gray zum ersten mal gelesen. ACHTUNG, NACHFOLGEND EVT. SPOILER:
(@Quixotiz @magico, vielleicht interessiert euch das, da ihr das Werk gelesen habt)
Sehr spannend fand ich die Szenen, in denen Dorian in den Gossen den Bruder seiner ehemals Geliebten entdeckt, der sich geschworen hat, ihn eines Tages zu töten, weil Dorian am "Selbstmord" seiner Schwester schuld wäre. Doch Dorian windet sich da ganz geschickt heraus und ich bin gespannt wie ein Geigenbogen.
in einem späteren Kapitel, verfällt Wilde dann aber in einen Beschreibungsrausch. Er beschreibt Stoffe, Kleidung, Steine und deren Schliffe, etc. bis ins äusserste überspitzte Detail, so sehr, dass ich teilweise versucht war, die Seiten zu überspringen. Das hat mich dann, von der vorangehend aufgebauten Spannung herunter geholt und ich bin sogar in die Langeweile eingetaucht. Obwohl bei ihm alles immer mit wunderbar formulierter Sprache geschrieben ist, mag ich dann solche Passagen irgendwann nicht mehr lesen. Es wird zu einem Kampf. Ich weiss nicht, ob dieser Kampf sein muss, ja, dass der Leser und seine Geduld geradezu herausgefordert werden, damit man sagen kann, jawohl, das habe ich gelesen.  Laughing

Ausserdem fand ich auch sehr spannend, als Basil Dorian anscheinend seine Liebe gestehen will und Dorian ihn dann niedersticht, ohne dass Basil überhaupt richtig beenden konnte, was er sagen wollte. Die Spannung ist auf dem Höhepunkt. Dann kommt das beseitigen der Leiche, das auch sehr spannend war. Aber dann, verläuft es sich irgendwie im gesellschaftlichen Tamtam. Was die Spannung ein wenig absacken lässt (obwohl Henry ein paar Bemerkungen fallen lässt, die wie die Faust aufs Auge passen). Und der Schluss, der kommt irgendwie total überraschend. Zack bumm fertig und ich habe gedacht, waahaaaas? Fertig? Einfach so? *grummel*

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Re: Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

Beitrag  ESchen am Sa 16 Jan 2016 - 14:26

Na klar braucht es auch Probleme des jüngsten Gerichts und der Apokalypse   Aber hm ... wie soll ich sagen? Ich glaube, ein Konflikt, der von einer bestimmten Person ausgeht, ist spannender, als ein Konflikt als eine Art überstehende Instanz. Schaut man sich allein den Konflikt an, finde ich z.B. den von Herr der Ringe entsetzlich schnöde. Ein ultimativer Bösewicht will die Weltherrschaft (Sauron als Person zu behandeln finde ich ziemlich schwierig, da er eigentlich all die Zeit mehr wie ein Gott fungiert). Bei Game of Thrones ist das Potential irgendwie größer, weil all diese Individuen mit den unterschiedlichen Zielen, mit denen sie sich früher oder später gegenseitig im Weg stehen werden, viel mehr Reibung versprechen ... ^^


Kelpie, aber der Sauron ist doch auch ein Personenkonflikt und kein übergeordneter.  tongue

Das mit der überstehenden Instanz meine ich evt. etwas anders, als ich es ausgedrückt habe. Bei HDR ist Sauron ein Gegner, den man anfassen und benennen kann. Bei einer übergeordneten Instanz ist es zumeist ein Gegner, den man gar nicht fassen kann. Sagen wir mal einen gesellschaftlichen Rassenkonflikt. Der Konflikt ist da, aber du kannst niemanden besiegen oder ins Gefängnis stecken und dann ist der Konflikt weg. Wie werden solche Konflikte gelöst und wie mit der Ohnmacht umgegangen, die solche Konflikte auslösen, die man gar nicht lösen kann, sondern nur umgehen. Das ist das was mich an diesen Konflikten dann jeweils interessiert. Die eigentliche Perspektivlosigkeit.

Ich denke, dass diese beiden Arten von Konflikten sehr unterschiedlich sind und evt. auch etwas Geschmackabhängig, oder Lust und Laune, was ich gerade lesen möchte?
Aber schlussendlich und zusammenbringend geht es dann auch wieder um das Emotionale. Wie geht die Figur mit diesen Konflikten um, was das Ganze spannend macht.

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Re: Aufbau von Spannung: Spannungstrigger und Spannungskiller

Beitrag  Ankh am Sa 16 Jan 2016 - 14:38

@Kelpie schrieb:Na klar braucht es auch Probleme des jüngsten Gerichts und der Apokalypse   Aber hm ... wie soll ich sagen? Ich glaube, ein Konflikt, der von einer bestimmten Person ausgeht, ist spannender, als ein Konflikt als eine Art überstehende Instanz. Schaut man sich allein den Konflikt an, finde ich z.B. den von Herr der Ringe entsetzlich schnöde. Ein ultimativer Bösewicht will die Weltherrschaft (Sauron als Person zu behandeln finde ich ziemlich schwierig, da er eigentlich all die Zeit mehr wie ein Gott fungiert). Bei Game of Thrones ist das Potential irgendwie größer, weil all diese Individuen mit den unterschiedlichen Zielen, mit denen sie sich früher oder später gegenseitig im Weg stehen werden, viel mehr Reibung versprechen ... ^^

Da kann ich zustimmen. Ich finde solche "die Welt steht vor der Vernichtung" irgendwie zu groß, als dass ich da noch mitfiebern kann. Da denk ich immer "jaja, wird schon gutgehen", was anderes bleibt dem Autor ja auch nicht übrig (wobei, eine Welt von Moorcocks's "Ewigem Helden" ist glaub ich am Ende zerbrochen).

Jedenfalls mag ich es nicht, wenn eine Geschichte gleich so hoch greift. Das Problem haben auch viele Serien, wo dann bei jeder Staffel der Gegner noch mächtiger ist. Irgendwann interessiert es mich dann einfach nicht mehr, weil die ganz persönlichen Krisen dabei völlig in den Hintergrund treten.

@ESchen schrieb:Das mit der überstehenden Instanz meine ich evt. etwas anders, als ich es ausgedrückt habe. Bei HDR ist Sauron ein Gegner, den man anfassen und benennen kann. Bei einer übergeordneten Instanz ist es zumeist ein Gegner, den man gar nicht fassen kann. Sagen wir mal einen gesellschaftlichen Rassenkonflikt. Der Konflikt ist da, aber du kannst niemanden besiegen oder ins Gefängnis stecken und dann ist der Konflikt weg. Wie werden solche Konflikte gelöst und wie mit der Ohnmacht umgegangen, die solche Konflikte auslösen, die man gar nicht lösen kann, sondern nur umgehen. Das ist das was mich an diesen Konflikten dann jeweils interessiert. Die eigentliche Perspektivlosigkeit.

Das ist dann wieder eine andere Dimension: Probleme, die nicht schwarzweiß gestrickt sind, und für die es keine einfache, endgültige Lösung gibt. Ich denke aber, das wird einem nicht erst am Ende des Buches klar. Man liest so ein Buch nicht in der Erwartung, dass es ein für alle befriedigendes Happy End mit Regenbogen gibt. So ein Problem muss aber auch nicht groß und weltumspannend sein, es kann genauso ein einfacher Interessenskonflikt sein, der jedem Menschen jeden Tag begegnen könnte.
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