Tücken der Ich-Perspektive

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Tücken der Ich-Perspektive

Beitrag  Bautsen am So Dez 13, 2015 12:36 am

1. Das Wort ich kommt sehr oft vor. Es kann dadurch sehr einheitlich geschrieben werden, sodass es langweilig wird.

Das halte ich für ein Gerücht. Das kann bei der Personalen Perspektive genauso mit "er" oder "sie" passieren.




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Re: Tücken der Ich-Perspektive

Beitrag  Earu am So Dez 13, 2015 12:39 am

In der personalen Perspektive kannst du aber er und sie auch gegen den Namen der Figur austauschen. Das würde in der Ich-Perspektive seltsam aussehen. Wink

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Re: Tücken der Ich-Perspektive

Beitrag  Bautsen am So Dez 13, 2015 12:43 am

In der personalen Perspektive kannst du aber er und sie auch gegen den Namen der Figur austauschen. Das würde in der Ich-Perspektive seltsam aussehen.

Dadurch wird es aber nicht weniger langweilig. Ob ich nun 2x hintereinander "Ich" habe oder 1x "er" und den "Namen".
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Re: Tücken der Ich-Perspektive

Beitrag  KleineLady am So Dez 13, 2015 1:39 am

Ich kann Bautsen da nur zustimmen. In meinem aktuellen Projekt sind beide Perspektiven vertreten. Von der Wiederholung her nimmt es sich nichts.

Der wichtigste Punkt wurde schon genannt: Dass man darauf achtet, nur das zu schreiben, was die Ich-Figur wissen kann. Sie kann mutmaßen, aber nicht wissen, was im Kopf gegenüber vorgeht.

Ein weiterer Punkt wäre wohl die Gefahr des Autors, zu ich zu sein. Dass er sich selbst in der Ich-Perspektive, bzw. den Bezug zu seiner Figur verliert und schließlich schreibt, wie er reagiert hätte anstatt zu schreiben, wie der Charakter-Ich reagiert hätte.

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Re: Tücken der Ich-Perspektive

Beitrag  Minka am So Dez 13, 2015 6:08 am

Man kann nicht jede beliebige Geschichte in der Ich-Perspektive schreiben. Die Perspektive engt einen auf eine Person ein und wird dadurch eindimensional. In dieser Erzählperspektive ein großes, weltumfassendes Epos zu schreiben, kann ich mir nur schwer vorstellen. Der Erzähler kann unmöglich all die vielen Hintergründe und Ereignisse selbst miterlebt haben, die es dafür braucht. Ich habe schon selbst eine Geschichte in der Ich-Form geschrieben und mußte mir immer wieder Tricks einfallen lassen, wie meine Prota diese oder jene wichtige Episode erfahren soll, die sie nicht selbst erlebt hat. Dauernd Dinge erzählt bekommen kann auch langweilig werden. Man ist immer näher dran, wenn man es selbst erlebt.

Man kann sich natürlich behelfen, indem man trotzdem verschiedene Erzähler hat, die man dann eben alle in der Ich-Form erzählen läßt. Man schreibt über die Kapitel einfach "Maria" oder Thomas" und dann geht´s los in der Ich-Form, und als Leser begreift man dann schon, daß der Erzähler gewechselt hat. Stephenie Meyer hat das zum Beispiel so gemacht und ich fand das sehr gelungen (sie war jedoch sparsam mit dem Wechsel der Person). Zu häufige Wechsel von Ich-Erzählern nerven mich sehr, ich finde das irritierend. Man sollte diese Form nur wählen, wenn man vorhat, wirklich lange Zeit bei demselben Prota zu bleiben. Wenn man eine Prota hat, die tolle Monologe halten kann oder interessant erzählt oder so etwas, ist diese Form bestimmt gut geeignet.

Vorteile der Ich-Form: Man bleibt garantiert nah am Charakter dran! In der personalen Form passiert mir das immer wieder, daß ich ganze Absätze auktorial deklamiere und es gar nicht merke. Da driftet man plötzlich von der Figur weg. Das passiert dem Ich-Erzähler einfach nicht.

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Probleme der Ich-Perspektive

Beitrag  DrJones am So Dez 13, 2015 8:16 am

Zwei grundsätzliche Probleme sehe ich bei der Ich-Perspektive:

1. Es wird der Eindruck von Wehleidigkeit erzeugt
2. Es wird der Eindruck von Selbstbeweihräucherung erzeugt


Zu 1.: Schreibt der Ich-Erzähler über eigene Gefühle, vor allem, über die negativen, dann besteht die Tendenz, dass es wehleidig wirkt. Einen wehleidigen Protagonisten zu haben, ist ziemlich riskant, da hier schnell Sympathie verspielt wird.

Zu 2.: Auch die Beschreibung von eigenen Fähigkeiten oder Erfolgen kann beim Leser schnell als Selbstbeweihräucherung rüberkommen. Jemand, der sich selbst lobt, ist selten beliebt. Das sollte man beachten, denn der Protagonist sollte schon Sympathie beim Leser erzeugen.

Mein persönliches Problem mit der Ich-Perspektive:

Ich-Perspektive in der Zeitform Präsens! Das geht für mich in den seltensten Fällen gut, da hier oft auf unnatürliche Weise Geschehnisse reflektiert werden. Bsp: "Ich kratze mich am Kopf. Ich bekomme Angst. Ich schreie." usw. usf.
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Re: Tücken der Ich-Perspektive

Beitrag  magico am So Dez 13, 2015 10:59 am

Ehrlich gesagt, finde ich die (hier so oft aufgeführte) eingeschränkte Sichtweise eines Ich-Erzählers, als den herausragenden Vorteil dieser Perspektive. Natürlich nur bei der passenden Geschichte bzw. dem passenden Genre (bspw. Krimi).

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Re: Tücken der Ich-Perspektive

Beitrag  summergirl am So Dez 13, 2015 7:00 pm

Ich denke, dass es durchaus Geschichten gibt, die man in der Ich-Perspektive schreiben kann.
Für mich ist es einfach nur eine persönliche Abneigung, dass ich solche Bücher nicht lese.
Überraschungen darzustellen in der Ich-Perspektive finde ich entweder langweilig, weil der Erzähler ja zum Zeitpunkt des Erzählens schon weiß, was passiert, oder es kommt unglaubwürdig rüber.

Ich hab aber auch schon welche Beta-gelesen, weil ich es gut finde, dass anderen anderes gefällt. Daher: Macht ruhig weiter damit ... drunken
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Re: Tücken der Ich-Perspektive

Beitrag  Bautsen am Di Dez 15, 2015 12:40 am

Man kann nicht jede beliebige Geschichte in der Ich-Perspektive schreiben. Die Perspektive engt einen auf eine Person ein und wird dadurch eindimensional. In dieser Erzählperspektive ein großes, weltumfassendes Epos zu schreiben, kann ich mir nur schwer vorstellen. Der Erzähler kann unmöglich all die vielen Hintergründe und Ereignisse selbst miterlebt haben, die es dafür braucht. Ich habe schon selbst eine Geschichte in der Ich-Form geschrieben und mußte mir immer wieder Tricks einfallen lassen, wie meine Prota diese oder jene wichtige Episode erfahren soll, die sie nicht selbst erlebt hat. Dauernd Dinge erzählt bekommen kann auch langweilig werden. Man ist immer näher dran, wenn man es selbst erlebt.

Gerade in letzter Zeit habe ich einige Romane gelesen, die das Gegenteil beweisen. 

Z.B. Endymion von Dan Simmons, wo die Perspektive dauern gewechselt wird, obwohl Raul Endymion die Hauptperson ist und es in der Ich-Perspektive geschrieben ist. Ohne diese Wechsel von Ich zu Personal würde dem Leser zu viel Hintergrundwissen fehlen.

Da fragt man sich natürlich, warum er nicht gleich alles aus personaler Perspektive erzählt und gerade dass er es nicht macht, finde ich Klasse. Dadurch kommt beim Protagonisten ein ganz eigenes Lesegefühl auf. Ohne hätte es nicht die Wirkung.

Ein anderer Roman ist "Apokalypse Z". Dort gibt es auch Wechsel zwischen der Ich-Perspektive und der Personalen, weil es sich dabei um Ereignisse handelt, die in der Abwesenheit des Protagonisten passieren. Also, warum nicht?

Und ich mache das bei meinem zweiten Roman auch so, um dem Leser zu zeigen, was im Hintergrund vor sich geht, warum manche Dinge passieren, für die der Ich-Prota sonst keine Erklärung hat.


Überraschungen darzustellen in der Ich-Perspektive finde ich entweder langweilig, weil der Erzähler ja zum Zeitpunkt des Erzählens schon weiß, was passiert, oder es kommt unglaubwürdig rüber.

Ein Grund, weshalb ich die Perspektive früher auch immer abgelehnt habe. Aber ich als Schreibe "interpretiere" sie einfach anders, sonst hätte ich nie angefangen aus dieser Perspektive zu schreiben.

1. Es wird der Eindruck von Wehleidigkeit erzeugt
2. Es wird der Eindruck von Selbstbeweihräucherung erzeugt


Zu 1.: Schreibt der Ich-Erzähler über eigene Gefühle, vor allem, über die negativen, dann besteht die Tendenz, dass es wehleidig wirkt. Einen wehleidigen Protagonisten zu haben, ist ziemlich riskant, da hier schnell Sympathie verspielt wird.

Zu 2.: Auch die Beschreibung von eigenen Fähigkeiten oder Erfolgen kann beim Leser schnell als Selbstbeweihräucherung rüberkommen. Jemand, der sich selbst lobt, ist selten beliebt. Das sollte man beachten, denn der Protagonist sollte schon Sympathie beim Leser erzeugen.

Diese Probleme sehe ich in der Personalen Erzählperspektive ebenfalls ...
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Re: Tücken der Ich-Perspektive

Beitrag  Julestrel am Di Dez 15, 2015 6:22 am

Ich denke, die Ich-Perspektive ist vor allem für Schreibanfänger gefährlich, da man sich manche beim Schreiben zu stark in den Prota reinversetzen und ihnen die nötige Distanz fehlt, wodurch das ganze schlecht, nervtötend, langweilig oder überladen wird.

Das kann aber genauso in der personellen Perspektive passieren, da muss man sich nur im Romantasy-Genre umschauen, wo sehr viele junge Autorinnen drunter sind. Denn wenn ich sehr, sehr nahe an die personelle Perspektive gehe, ist es nicht mehr so viel anders zur Ich-Perspektive.

Es ist halt wie bei allem immer eine Frage, wie gut man sein Handwerk beherrscht. Dazu gehört eben auch, dass man die richtige Perspektive für die Geschichte auswählt.

Ich hab übrigens neulich einen Low Fantasy-Roman in der Ich-Perspektive gelesen. Hat wunderbar funktioniert, auch wenn es in dem Genre für mich neu war.
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Re: Tücken der Ich-Perspektive

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