Übungsaufgabe

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Übungsaufgabe

Beitrag  H.Polta am Sa Nov 14, 2015 12:16 am

Hier also eine Aufgabe aus dem Übungsplatz: Menschen beobachten.

Heute: Beim Autohändler neben der Spielhalle in der Vorstadt.

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Der Kerl lümmelt buckelig auf der Motorhaube eines alten, billig aufgemotzten Dreier BMW; ein Bein hat er lässig auf die Stoßstange gestellt und das andere, welches auf dem Boden steht, zappelt ständig.
Er raucht.
Die Zigarette hält er nicht etwa im Victory-Zeichen, sondern in seiner linken Faust zwischen Daumen und Mittelfinger fest.
 
Er ascht unentwegt ab, während er einhändig mit dem Smartphone hantiert; und diese dauernde Abascherei, dieses permanente Getippe und Geschnipse an der Zigarette, das ewige Geziehe und Gesauge an ihr, und dazu das Rauchausblasen und Qualmgepuste, das ständige Gewische und Geschiebe im Handy, lassen den Mann extrem nervös erscheinen.
 
Auf seinem Kopf gibt es keine Frisur, nur kurzgeschorene, dunkle Stoppeln. Seine Ohren sind groß und stehen ab; der Hinterkopf ist abgeflacht und der Schädel eiförmig. Um das spitze Kinn und den schmalen Mund herum gibt es einen Bartschatten.
Seine Nase ist breit und kurz und die Augen hält er, wahrscheinlich wegen des Rauchs, zugekniffen; darüber befinden sich buschige Brauen, die über der Nasenwurzel zusammenwachsen.
Die Haut im Gesicht ist gräulich und ungepflegt und an den rötlichen Ohren und dem ebenso geröteten Hals sieht man, dass der Bursche trinkt. Er kaut scheinbar Nägel und seine Zigaretten-halte-Finger sind gelb.
 
Der Kerl ist stämmig und steckt in einem grauen, verwaschenen und zu engem T-Shirt. Er trägt eine schwarze Jogginghose mit weißen Flecken an den Oberschenkeln und drei weißen Streifen an den Seiten. Dazu braune, abgelatschte Halbschuhe.
 
Er wirft seine bis zum Filter heruntergebrannte Kippe weg, steht auf, rotzt einen Fladen Spucke auf den Boden, kratzt sich durch die Hose am Sack, hält einen Augenblick inne, tippt noch etwas in sein Telefon, steckt es dann in die Hosentasche und verschwindet in der Schwärze der Spielhalle.

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Re: Übungsaufgabe

Beitrag  ESchen am So Nov 22, 2015 5:15 am

Hallo H.Polta

Hast du den echt beobachtet? Wäre ja schon ein astreines Vorurteilsbeispiel Wink 

Anhand deiner Beschreibungen konnte ich mir den Kerl sehr gut vorstellen. Alles in Bild und Farbe, obwohl ich es vielleicht lieber nicht hätte sehen wollen.

Was mich ein wenig gestört hat, und ich weiss jetzt nicht, ob du das beabsichtigt hast, oder wie du an die Übung ran gegangen bist, aber mir war nicht klar, wer hier erzählt.

Ich hätte eine Einleitung gut gefunden. Quasi, ich sitze hier auf der Bank, verzehre genüsslich mein Mittagessen und als ich über die Strasse blicke, bleibt es mir im Halse stecken. Da steht ein Kerl, der....
Weisst du wie ich meine? So hättest du die Gelegenheit, einerseits wertende Kommentare durch den Beobachtenden einzuflechten und andererseits die Möglichkeit, vom berichtartigen Aufzählen wegzukommen und das Ganze in eine Handlung zu verpacken - in ein Show. Weil so wie es jetzt ist, ist es meiner Ansicht nach, eine Aufzählung der Fakten (tell).



Der Kerl lümmelt buckelig auf der Motorhaube eines alten, billig aufgemotzten Dreier BMW; ein Bein hat er lässig auf die Stoßstange gestellt und das andere, welches auf dem Boden steht, zappelt ständig.
Er raucht.
Die Zigarette hält er nicht etwa im Victory-Zeichen, sondern in seiner linken Faust zwischen Daumen und Mittelfinger fest

Was heisst bucklig lümmeln? ist das die gesamte folgende Beschreibung? Auch die Beschreibung der Beine kommt mir etwas kompliziert vor, sodass sich mir das Lümmeln dadurch nicht richtig erschliesst. Wenn ich ganz genau darüber nachdenke, dann verstehe ich es, aber eigentlich sollte es beim ersten Lesen bereits Klick machen und das Bild sollte erscheinen.
Das 'Er raucht' kommt mir etwas zu abrubt, mir fehlt ein Übergang von den vorangehenden Sätzen. Generell unter den einzelnen Absätzen, die du gemacht hast, fehlt ein wenig diese Übergangsverbindung.



Er ascht unentwegt ab, während er einhändig mit dem Smartphone hantiert;

Das liest sich für mich etwas holprig. Evt. liegt es am ersten Satzteil, der am Anfang steht. Vermutlich wäre es besser, wenn du den nach hinten schieben würdest.


und diese dauernde Abascherei, dieses permanente Getippe und Geschnipse an der Zigarette, das ewige Geziehe und Gesauge an ihr, und dazu das Rauchausblasen und Qualmgepuste, das ständige Gewische und Geschiebe im Handy, lassen den Mann extrem nervös erscheinen.

Sehr schön, wie du dich über dieses Rauchergehabe auslässt. Smile Am Schluss hast du jedoch eine Wertung. Wer wertet denn? Wink


Auf seinem Kopf gibt es keine Frisur, nur kurzgeschorene, dunkle Stoppeln. Seine Ohren sind groß und stehen ab; der Hinterkopf ist abgeflacht und der Schädel eiförmig. Um das spitze Kinn und den schmalen Mund herum gibt es einen Bartschatten.
Hier ein Hinweis zu den so genannten "einfachen" Verben. Sein und geben. Kommen, tun, gehen, sagen, usw, gehören beispielsweise auch in diese Kategorie.
ein schnelles Bsp.
Kurzgeschorene, dunkle Stoppeln bilden die Frisur. Die grossen Ohren stehen ungleich vom abgeflachten Hinterkopf mit dem eiförmigen Schädel ab. Um das spitze Kinn und den schmalen Mund verläuft ein Bartschatten.


Seine Nase ist breit und kurz und die Augen hält er, wahrscheinlich wegen des Rauchs, zugekniffen; darüber befinden sich buschige Brauen, die über der Nasenwurzel zusammenwachsen.
Die Haut im Gesicht ist gräulich und ungepflegt und an den rötlichen Ohren und dem ebenso geröteten Hals sieht man, dass der Bursche trinkt. Er kaut scheinbar Nägel und seine Zigaretten-halte-Finger sind gelb.
 
Der Kerl ist stämmig und steckt in einem grauen, verwaschenen und zu engem T-Shirt. Er trägt eine schwarze Jogginghose mit weißen Flecken an den Oberschenkeln und drei weißen Streifen an den Seiten.

Versuche auch, in der Satzstellung etwas zu variieren. Du fängst oft immer mit dem Subjekt an.


Er wirft seine bis zum Filter heruntergebrannte Kippe weg, steht auf, rotzt einen Fladen Spucke auf den Boden, kratzt sich durch die Hose am Sack, hält einen Augenblick inne, tippt noch etwas in sein Telefon, steckt es dann in die Hosentasche und verschwindet in der Schwärze der Spielhalle.

Deine Art, die Dinge aufzuzählen gefällt mir. Auch die Wortwahl, z.Bsp. Fladen finde ich "köstlich"

Ich wusste jetzt nicht, in wie fern du den Text bewertet haben wolltest, oder wie du die Übung für dich angedacht hattest. Daher habe ich mich jetzt einfach mal auf das gestürzt, was mir aufgefallen ist. Wink

Liebe Grüsse
ESchen

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Re: Übungsaufgabe

Beitrag  H.Polta am Mi Nov 25, 2015 10:26 pm

Hallo ESchen!


Hast du den echt beobachtet? Wäre ja schon ein astreines Vorurteilsbeispiel

Ja, wirklich. Ich war mit meinen Söhnen bei einem Autohändler, der auch mit Youngtimern handelt. Meine Kerlis stehen auf alte Autos. Und daneben gibt es diese Spielhalle und vor der Halle gab es diesen Typen.


Anhand deiner Beschreibungen konnte ich mir den Kerl sehr gut vorstellen. Alles in Bild und Farbe, obwohl ich es vielleicht lieber nicht hätte sehen wollen.

Was? Wars so schlimm? Soll das heißen, dass ich es richtig gemacht habe, oder dass das alles zu vorurteilsvoll war?


Was mich ein wenig gestört hat, und ich weiss jetzt nicht, ob du das beabsichtigt hast, oder wie du an die Übung ran gegangen bist, aber mir war nicht klar, wer hier erzählt.

Ich hätte eine Einleitung gut gefunden. Quasi, ich sitze hier auf der Bank, verzehre genüsslich mein Mittagessen und als ich über die Strasse blicke, bleibt es mir im Halse stecken. Da steht ein Kerl, der....
Weisst du wie ich meine? So hättest du die Gelegenheit, einerseits wertende Kommentare durch den Beobachtenden einzuflechten und andererseits die Möglichkeit, vom berichtartigen Aufzählen wegzukommen und das Ganze in eine Handlung zu verpacken - in ein Show. Weil so wie es jetzt ist, ist es meiner Ansicht nach, eine Aufzählung der Fakten (tell).

Ja, ich verstehe. Ich habe nur den Typen skizziert, ohne einen Rahmen drumherum zu basteln.


Was heisst bucklig lümmeln? ist das die gesamte folgende Beschreibung? Auch die Beschreibung der Beine kommt mir etwas kompliziert vor, sodass sich mir das Lümmeln dadurch nicht richtig erschliesst. Wenn ich ganz genau darüber nachdenke, dann verstehe ich es, aber eigentlich sollte es beim ersten Lesen bereits Klick machen und das Bild sollte erscheinen.
Das 'Er raucht' kommt mir etwas zu abrubt, mir fehlt ein Übergang von den vorangehenden Sätzen. Generell unter den einzelnen Absätzen, die du gemacht hast, fehlt ein wenig diese Übergangsverbindung.


Ja, das sollte heißen, dass der Mann wirklich eine schlechte Haltung hat und wie ein zusammengesunkener Sack auf der Haube sitzt.
Und recht hast du, der Text ist wirklich auch noch ohne Übergänge. Er ist tatsächlich furztrocken.


Sehr schön, wie du dich über dieses Rauchergehabe auslässt. Am Schluss hast du jedoch eine Wertung. Wer wertet denn?

Ach, das bin ich, während ich neben meinen Söhnen stehe und immer zu ihm rübersehe. Meine Kerle haben ihn nicht bemerkt. Die haben nur verchromte Stoßstangen und alte Armaturen bewundert. Mal sehen, wann sie anfangen, Leute zu beobachten. Also ich glaube, dass ich das in ihrem Alter schon längst getan habe.



Hier ein Hinweis zu den so genannten "einfachen" Verben. Sein und geben. Kommen, tun, gehen, sagen, usw, gehören beispielsweise auch in diese Kategorie.
ein schnelles Bsp.
Kurzgeschorene, dunkle Stoppeln bilden die Frisur. Die grossen Ohren stehen ungleich vom abgeflachten Hinterkopf mit dem eiförmigen Schädel ab. Um das spitze Kinn und den schmalen Mund verläuft ein Bartschatten.

Das hast du klasse in Worte gefasst. Ich glaube, wir wären ein gutes Gespann (ich hätte an der Stelle auch Team schreiben können). Mich hat das beim lesen meines Textes selbst gestört, aber ich war nicht in der Lage, es zu ändern.


Versuche auch, in der Satzstellung etwas zu variieren. Du fängst oft immer mit dem Subjekt an.

Hier hast du wieder recht. Er ließt sich daher auch grauenhaft. Nur so viel: ich habe die Erfahrung gemacht, dass man bei einer reinen Personenbeschreibung merkwürdig wenige Mittel hat. Man fühlt sich zwischen den einfachen Verben gefangen. Jedenfalls empfinde ich das so.


Deine Art, die Dinge aufzuzählen gefällt mir. Auch die Wortwahl, z.Bsp. Fladen finde ich "köstlich"

Pfui!


Ich wusste jetzt nicht, in wie fern du den Text bewertet haben wolltest, oder wie du die Übung für dich angedacht hattest. Daher habe ich mich jetzt einfach mal auf das gestürzt, was mir aufgefallen ist.

Und dafür danke ich dir sehr, ESchen!

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Re: Übungsaufgabe

Beitrag  ESchen am Mi Dez 02, 2015 9:26 am

Anhand deiner Beschreibungen konnte ich mir den Kerl sehr gut vorstellen. Alles in Bild und Farbe, obwohl ich es vielleicht lieber nicht hätte sehen wollen.

Was? Wars so schlimm? Soll das heißen, dass ich es richtig gemacht habe, oder dass das alles zu vorurteilsvoll war?

Nein, das habe ich nicht gemeint, sondern dass er so lebendig und in "echt" beschrieben war, dass ich den Kerl nicht hätte kennenlernen wollen. Nur schon wegen des Fladens Laughing d.h. du hast ihn vermutlich perfekt getroffen.


Ja, ich verstehe. Ich habe nur den Typen skizziert, ohne einen Rahmen drumherum zu basteln.

Gut zusammengefasst Wink


Ach, das bin ich, während ich neben meinen Söhnen stehe und immer zu ihm rübersehe.

Dann hättest du eben diese Rahmenhandlung aufstellen müssen, um zu werten Wink


Das hast du klasse in Worte gefasst. Ich glaube, wir wären ein gutes Gespann (ich hätte an der Stelle auch Team schreiben können). Mich hat das beim lesen meines Textes selbst gestört, aber ich war nicht in der Lage, es zu ändern.

sunny hihi

Meine Strategie, solche Verben zu vermeiden, ist jeweils, ganz bewusst direkt zu schreiben. D.h. auf Filterverben verzichten.
Bsp.

Er kam zu mir rüber gelaufen.

Er lief zu mir rüber


Das 'kam' ist eine typische Filterung, die du konjugierst, anstatt das richtige tun-Wort 'laufen' zu konjugieren. Je nach Situation kann eine Filterung passend sein, aber meistens bläht sie den Text und macht ihn unnötig holprig und kompliziert.

Ein weiteres Beispiel:

Er machte sich Ravioli.

Er kochte sich Ravioli.

 
'Machen' kann man vieles. Es ist schwammig und ungenau. Mit dem 'kochen' ist die Tätigkeit viel präziser definiert.

Wenn du dich dieser beiden Aspekte bewusst bist, fällt es dir evt. leichter, das Problem zu beheben. Zusammenfassend: direkt konjugieren, präzise Bezeichnung für die Tätigkeit finden Wink


Und dafür danke ich dir sehr, ESchen!

Bitte bitte. Kannst gern eine neue Version einstellen, wenn du magst. Wink

Liebe Grüsse
ESchen

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Re: Übungsaufgabe

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