Krimi vs. Thriller

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Krimi vs. Thriller

Beitrag  Herzeloyde am Sa Aug 29, 2015 10:14 pm

Liebe Klecksler

In Quixo's Projektforum haben wir die Frage gestreift, was denn nun der Unterschied zwischen Krimi und Thriller sei. Ich versuch mal, meine brandneuen Erkenntnisse zu dieser Frage zusammenzufassen.

Krimi ist als Terminus ein sehr weites Feld. Ich unterscheide deshalb mal zwischen Detektivroman (Rätselkrimi) und Thriller (Actionkrimi). Damit stehen eigentlich auch schon die Hauptunterschiede fest.

Im Bezug auf die Handlung:
Detektivroman (Rätselkrimi)Thriller (Actionkrimi)
Hier steht ein Rätsel und seine Lösung im Vordergrund.

Der Aufbau ist analytisch, d.h. es wird rückwärts gerichtet erzählt.
Zuerst geschieht der Mord und dann wird rekonstruiert, was geschehen ist.

Es ist ein Frage-Antwort-Spiel, auf das auch der Mörder selbst eingeht. Er ergreift in der Regel nicht die Flucht, sondern stellt sich
den Fragen des Detektivs.

Es überwiegen die Analysis-Elemente.
Hier steht die Gefährdung der Gesellschaft durch die Verbrecher im Vordergrund. Es handelt sich nicht um einen Einzelfall, sondern um "globale" Themen.

Es wird vorwärts drängend (chronologisch) erzählt.

Das Handeln (nicht die Analyse) des Helden steht im Vordergrund.

Es überwiegen die Action-Elemente.
Entsprechend sind die Schauplätze anders gestaltet. Im Detektivroman handelt es sich um überblickbare, meist sogar geschlossene Räume (locked room mystery). Der Thriller spielt dagegen typischerweise in der Grossstadt.

Die Figuren teilen sich im Detektivroman in Ermittelnde (z.B. Amateur mit Watson-Figur, Detektiv, Komissar) und Nicht Ermittelnde (Opfer und Täter). Die Figuren sind eher typisiert. Im Thriller stehen die Ermittler in der Regel nicht einem Täter, sondern einer kriminellen Organisation gegenüber. Die Figuren sind stärker psychologisiert.

Im Detektivroman ist das Opfer nicht emotional aufgeladen. Falls es Symphatien trägt, ist es schon tot, wenn wir es kennenlernen. Die Emotionen sollen dem Rätsel nicht im Weg stehen. Ganz anderst im Thriller: Da ist das Opfer ein Emphatieautomat (ein Kind, eine schöne Frau etc.), die Emotionen und die Action stehen im Vordergrund.

Soweit meine Notizen dazu. Ich hoffe, es sind alle Klarheiten beseitigt Wink

Lg
Noemi


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#Genre


Zuletzt von Herzeloyde am Di Apr 26, 2016 6:59 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Krimi vs. Thriller

Beitrag  Quixotiz am So Aug 30, 2015 1:28 am

Ah, da ist ja dein brandneues Wissen Idea ! Danke für den Beitrag Noemi Smile

Deine Einteilung stimmt mit meiner Einteilung, die ich so aus dem Bauch heraus getroffen hätte, fast überein. Nur das mit den globalen Themen hätte ich nicht erwartet und das mit der kriminellen Organisation.
So grundsätzlich hätte ich einen Thriller wohl in erster Linie über den psychologischen Aspekt definiert. Das die Action auch eine Rolle spielen könnte, darüber habe ich noch nie nachgedacht (ich finde allerdings auch, das Action grundsätzlich verboten gehört Laughing)

Wie hat dir dein Workshop denn gefallen? Hat er dir persönlich etwas gebracht oder nur dein Wissen vermehrt?
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Re: Krimi vs. Thriller

Beitrag  Herzeloyde am So Aug 30, 2015 2:23 am

Wie hat dir dein Workshop denn gefallen? Hat er dir persönlich etwas gebracht oder nur dein Wissen vermehrt?

Der war ein absoluter Volltreffer *begeistertbin*. Vor allem im Bezug auf Spannungsaufbau hat mir der Workshop sehr viel gebracht. Und ich bin auch total überrascht, wie viel man da schon in der Konzeptphase schrauben kann.
Ich würd liebend gern die Spannungsthemen auch mit euch diskutieren - das ist weit spannender ( drunken ), als diese Genreabgrenzungen. Aber leider lässt sich da die dreitägige Diskussion nicht so knackig zusammenfassen silent
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Re: Krimi vs. Thriller

Beitrag  Quixotiz am So Aug 30, 2015 2:33 am

Hm, gab es da keine Quintessenz oder so Angaben, wie: 1 halbes Pfund Pflaumen + 2 rohe Eier + 3 Löffel Leinöl = Spannung pur (zumindest am nächsten Tag auf der Toilette Laughing  ... sorry, schlechter Witz! Embarassed ) Mit der Spannung hatte ich es noch nie so, deshalb würde mich das Thema auch Interessieren Smile
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Re: Krimi vs. Thriller

Beitrag  Evra am So Aug 30, 2015 4:41 am

Nur ganz schnell (weil Kind-Baden ansteht):
Die (sehr grobe) Unterscheidung, die ich kenne, ist folgende:

Im Krimi ist das Verbrechen geschehen und es geht um die Aufklärung / das Finden des Täters.

Im Thriller geht es um das Verhindern des Verbrechens.

Meine 2cent
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Re: Krimi vs. Thriller

Beitrag  Wordhunter am So Aug 30, 2015 8:05 pm

Huhu ihr Lieben.

Sehr schöne Aufstellung, liebe Noemi. thumbsup

An einen Krimi würde ich mich wahrscheinlich niemals rantrauen, keine Ahnung.
Ich finde, ein Thriller geht mehr auf die psychische Ebene. Es muss keine Organisation dahinterstecken, es könnte auch genauso gut der böse Nachbar, die Postfrau oder der Metzger Twisted Evil  sein, der Schrecken verbreitet.
Bei einem Thriller spielt man mit den Urängsten der Leser und Action ist nicht zwingend notwenig. Smile
Klar, gibt es mal actiongeladene Szenen, aber wichtiger sind Spannung, Ungereimtheiten ... eben Thrill.  Laughing

Meine glaskugel  für heute.

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Re: Krimi vs. Thriller

Beitrag  magico am So Aug 30, 2015 9:47 pm

Danke für diese Ausführungen. Ist ganz interessant, auch wenn eine klare Trennung wohl nicht möglich ist, da die Grenzen immer wieder verschwimmen.

@Herzeloyde schrieb:
Detektivroman (Rätselkrimi)Thriller (Actionkrimi)


Der Aufbau ist analytisch, d.h. es wird rückwärts gerichtet erzählt.
Zuerst geschieht der Mord und dann wird rekonstruiert, was geschehen ist.

Hier steht die Gefährdung der Gesellschaft durch die Verbrecher im Vordergrund. Es handelt sich nicht um einen Einzelfall, sondern um "globale" Themen.



Wie verhält es sich denn, wenn beides (wie in meinem Hauptprojekt) zutrifft?
Zunächst geschieht ein Mord, dann weitere, es wird nach einem Täter gesucht, was sich am Ende als völlig falsch herausstellt, da alles viel größere Ausmaße hat, als zunächst angenommen.

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Re: Krimi vs. Thriller

Beitrag  Herzeloyde am So Aug 30, 2015 10:29 pm

Hallo Magico


Wie verhält es sich denn, wenn beides (wie in meinem Hauptprojekt) zutrifft? 
Solche Genreabgrenzungen sind generell eine fliessende Angelegenheit. D.h. wenn du Genreliteratur produzierst, wirst du den Leser zwangsläufig langweilen, wenn du nichts weiter tust, als die Genreerwartungen zu erfüllen. Irgendwo wird jeder Autor versuchen, die genretypischen Attribute zu durchbrechen und zu varieren. Deswegen sind Genreeigenschaften auch etwas, das nie definitv festzumachen ist, weil jeder Autor sie auf seine eigene Weise ausweitet und diese Ausweitung dann in den Köpfen der Leser zu einem möglichen Attribut des Genres wird.

Beispiel: Vor "Mord im Orientexpress" war es eine Regel des Genres, dass ein Protagonist der Mörder ist. Nach diesem Buch waren die Möglichkeiten plötzlich viel flexibler: Alle Verdächtigen waren der Mörder und damit hat Agatha Christie die Genreregeln massiv ausgeweitet und die Leser mussten plötzlich mit neuen Auflösungen rechnen. Dieser Prozess ist irreversibel - man kann nach Agatha Christie nicht so tun, als wäre diese Möglichkeit innerhalb dieses Genres noch nie gedacht oder geschrieben worden.


Generell ist es nützlich, wenn du dich in einem Genre verorten kannst (weil du damit schon einen Haufen potenzieller Leser ansprichst, wenn sie nur auf den Buchdeckel schauen), aber es schadet nicht, sich zu überlegen, wo du das Schema varieren kannst.

Quixo z.B. variert, indem er Jonas zum Täter macht. Die Schwierigkeit bei der Variation ist allerdings, wie man dann die Stammleser des Genres dennoch bei der Stange hält. In seinem Fall könnten das dann z.B. die eher typisierten Figuren sein, in denen der Stammleser eine Ahnung von Holmes und Watson zu erkennen meint.

Summa summarum: Es ist deine Entscheidung, in welchem Genre du dich mehr zu Hause fühlst und auch ein Genremix ist eine gute Sache, weil mehr Variation auch mehr Spannung bringt. Du musst dir einfach überlegen, wo du die Leitplanken für den Leser legen willst, damit er sich in deinem Buch orientieren kann.
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Re: Krimi vs. Thriller

Beitrag  Anjana am So Aug 30, 2015 10:34 pm

Erstmal vielen Dank für die Gegenüberstellung liebe Noemi! strauß

Ich kenne aber auch eher eine allgemeinere Unterscheidung:

Krimi = Aufklärung eines Verbrechens mit der Frage "Wer wars?"
Thriller = Erforschung des Warum hinter der Tat und ggf. der Versuch, weitere Verbrechen oder Konsequenzen zu verhindern. Der Täter ist häufig bekannt.

Vermutlich ist es wie so oft, dass scharfe Ab- und Eingrenzungen nicht möglich sind.
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Re: Krimi vs. Thriller

Beitrag  magico am So Aug 30, 2015 10:39 pm

@Herzeloyde schrieb:Generell ist es nützlich, wenn du dich in einem Genre verorten kannst (weil du damit schon einen Haufen potenzieller Leser ansprichst, wenn sie nur auf den Buchdeckel schauen), aber es schadet nicht, sich zu überlegen, wo du das Schema varieren kannst.

Das ist klar. Die Buchhandlungen wollen wissen, in welches Regal sie das Buch stellen können. Wissen sie das nicht, stellen sie es gar nicht hin.

Für mich benenne ich es als "historischen Kriminalroman". (im Prinzip ja noch eine Genre-Überschneidung affraid )

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Re: Krimi vs. Thriller

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